Murks mit Burks oder warum Journalisten die Finger von Bloggern und dem Bloggen lassen sollten

Eigentlich dachte ich ja, das Thema SPIEGEL-Rant und die traurige deutsche Blogosphäre wäre bis zum nächsten Sommerloch durch. Falsch gedacht. Heute hat der Journalist Burkhard Schröder auf der Telepolis nachgelegt. Anschwellender Blogsgesang nennt er sein Stück — was immer er auch damit sagen will (Nachtrag: Jetzt weiß ich es. National-konservativer Kram. Da tun sich Abgründe auf.). Er schreibt:

Über das SPIEGEL-Blog-Bashing wurde selbstredend fröhlich diskutiert — endlich wieder ein Thema, das alle angeht. Die Blogs Nerdcore (René) und F!XMBR (Chris) kommentierten die Thesen mit längeren Traktaten. Es erstaunt, dass der Streit eher um Nebensächliches geht: Sagt die Werbung etwas über die Inhalte aus und darüber, ob der Blogger unabhängig ist? Können Journalisten gute Blogger sein — oder gibt es gar zu viele davon?

Allein in diesem Absatz stecken sachliche und faktische Fehler. Zudem ist der zeitliche Zusammenhang völlig auf den Kopf gestellt worden. Da fasse ich mir echt an den Kopf. Ob die Hitze damit etwas zutun hat?

1. Mein Artikel bezog sich nicht auf den SPIEGEL-Rant. Nachdem ich diesen Artikel bei Don Dahlmann gelesen habe, hatte ich meine Zeilen verfasst. Nerdcore-Rene seinerseits verfasste dann seinen Text in Bezug auf meinen Artikel. Beide Artikel wurden vor dem SPIEGEL-Rant veröffentlicht. Die Diskussion lief bereits auf Hochtouren als der SPIEGEL Nr. 30 / 21.07.08 am Kiosk erschien — die Kontroverse war sogar wieder am abklingen. Diese beiden Artikel in bezug auf die Diskussionen nach dem SPIEGEL-Artikel als Beispiel zu nennen ist schlicht und ergreifend falsch. Die Diskussion lief bereits (2) Tage vorher — der SPIEGEL-Artikel war vielleicht das I-Tüpfelchen. mehr aber auch nicht. Purer Zufall. Meine Reaktion auf die Kollegen von der Brandstwiete war dieser Artikel. Wenn man sich ein wenig mit Blogs beschäftigt oder gar recherchiert hätte, hätte man das wissen müssen.

2. Ebenso geht der Vorwurf, es gehe in den Artikeln um sowas Nebensächliches wie die Werbung oder Journalisten-Blogger ins Leere. Wie bereits erwähnt, hatte ich meine Gedanken zum Artikel von Don Dahlmann verfasst. Dieser hatte mehrere Punkte angesprochen, die ich ebenso im Artikel aufgegriffen habe. Die Vermarktung von Blogs spielte in meinem Artikel eine untergeordnete Rolle. Zum letzen Punkt möchte ich dann noch wenig schreiben. Zur Vermarktung von Blogs, speziell durch adical Nads Adnation habe ich schon den einen oder anderen Artikel geschrieben. So meine Worte in dem von Burkhard Schröder verlinkten Artikel. Erst der Godfather der Blogwerbung, der Nerdcore-Rene, hat die Diskussion teilweise persönlich gemacht und auf die Werbung bezogen. Und mein Standpunkt zu der Tatsache Journalisten sind kein Blogger habe ich bereits mehrfach dargelegt — es wurde schon mehrfach darüber diskutiert. Es ist fein, dass dies nun auch Einzug in die etablierten Medien zu finden scheint. Doch diese beiden Punkte als Hauptdiskussionspunkt zu nennen, wenn man meine Antwort auf Don Dahlmann als Initalzündung der Diskussionen ansieht, ist nicht wirklich korrekt. Mein Artikel ist und war ein Gesamtwerk, nicht zwei einzelne Punkte.

Fazit: Es erschreckt mich immer wieder, wenn ich journalistische Artikel lese, in denen es um Dinge geht, an denen ich beteiligt war, oder von Themen bei denen ich fachliche Kompetenz besitze. Oberflächlichkeit ist da noch der geringste Vorwurf, den man manchen Journalisten machen kann. Burkhard Schröder stellt in seinem Artikel einen völlig falschen zeitlichen Zusammenhang her — zudem reduziert er meinen Artikel auf das Thema Journalisten und Blogwerbung. Beides ist falsch. Eine simple, bessere Recherche hätte dies widerlegt. Es scheint mir, als hätte der gute Herr Schröder Rivva gelesen, dort die vermeintlich wichtigsten Blogs besucht und dann ohne die einzelnen Artikel zu lesen, gar zu verstehen den Bezug zum SPIEGEL-Rant hergestellt. Dass der SPIEGEL-Artikel nicht der Auslöser der Kontroverse war, sondern es nur einen glücklichen Zufall darstellt, dass der Artikel an genau diesem Wochenende veröffentlicht wurde, scheint an Herrn Schröder völlig vorbeigegangen zu sein. Nun gut — er hat ja jetzt die Chance, sich zu korrigieren. Genauso wenig wie Google dafür geeignet ist, sich fachlich kompetent über ein Thema zu informieren, sich gar auf eine Prüfung vorzubereiten — genauso wenig ist Rivva geeignet über die Blogs zu recherchieren. Im Gegenteil — gerade hier zeigt Rivva neben den SEO– und Verlinkungshuren seine ganze Schwäche. Da werden Reaktionen auf meinen Artikel angezeigt, die beziehen sich gar nicht auf F!XMBR. Da wäre ich ja nächstes Jahr noch am Lesen. Herr Schröder: Lassen Sie es einfach sein. :-)

Via Lanu, die es diplomatischer ausdrückt: Heise notorisch ungenau.

Ausriss: heise.de

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6 Antworten zu “Murks mit Burks oder warum Journalisten die Finger von Bloggern und dem Bloggen lassen sollten”

  1. Oliver sagt:

    Ich lese dort gerne Florian Rötzer, den Rest kann man mehr oder weniger ohnehin vergessen, inkl. der seltsamen Neuankömmlinge in letzter Zeit. Zur Qualität des Journalismus hat sich vor kurzem ein zwar von mir nicht geschätzer Herr geäußert, aber immerhin ist er ebenso Journalist und nicht immer der Schlechteste.

    Telepolis ist doch im Prinzip auch eine Art Blog, dort kann man Dinge schreiben, insbesondere dem Stelldichein so mancher Autoren, die auf den «normalen» Publikationen eher nicht passen — da zu abwegig, zu wenig recherchiert.

  2. Chris sagt:

    Ein Kommentar gelöscht. Beleidigungen von unqualifizierten Journalisten haben hier keinen Platz.

  3. Oliver sagt:

    Ich habe den Text gelesen, welchem der Titel entliehen wurde. Da tun sich in der Tat gewaltige Abgründe auf. Mir deuchte den Text den las man nicht, wohl aber fand man Gefallen an dem Titel.

  4. […] es zu ignorieren. Aber es klappt nicht mehr, zumal sich F!XMBR jetzt auch die Zeit genommen hat, sich mal ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Dabei frage ich mich einfach, was in dieser Debatte das Problem ist? Wahrscheinlich hat dieses […]

  5. Der Wobbler sagt:

    Och, laßt doch die Journalistenbeleidigungen stehen…

    Aber Burks weiß ja noch nicht mal, von wem er zitiert. er sagt ja, das sei Don Alphonso. :-)))

  6. […] gibt ja dies und das zu korrigieren bei euch dieser Tage. Fast tut’s mir ein wenig leid, dass ich da nicht hintan stehen kann. Es […]

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