Mozillas Antwort auf Googles Vorstellung von Datenschutz

Nutzen wir doch einfach Bing. Bing ist Microsofts Antwort auf Googles Suchmaschine. Erfolgreich sicherlich, qualitativ vergleichbar bis dato kaum. Aber das tangiert auch recht wenig, Microsoft konzentrierte sich diesmal, ähnlich wie bei Windows 7, primär auf Oberflächlichkeiten und konnte ob dieser Augenwischerei einiges an Boden wett machen. Bei Bing beispielsweise ist die Marke Microsoft in den Hintergrund gerückt und die Rechnung scheint aufzugehen.

Aber dies nur nebenbei. Vielmehr interessiert die Empfehlung Asa Dotzlers1 Bing anstelle von Google zu nutzen, ob Eric Schmidts befremdlicher Aussage in puncto Datenschutz. Schmidts Vorstellung von Datenschutz ist recht simpel: lass einfach die Finger von Dingen, die eine Datenerhebung mit sich bringen.

If you have something that you don’t want anyone to know, maybe you shouldn’t be doing it in the first place.

Allgemein mag das eine gute Sache sein, besser Vorsicht als Nachsicht, im Netz jedoch ist eine solche Vorgehensweise mehr kontraproduktiv zu werten. Genügend Wettbewerb vorausgesetzt mag auch dies zwar noch bedingt gültig sein, in der Praxis hingegen schließt man sich damit recht schnell von der Nutzung per se aus. Bruce Schneier hingegen hat die passende Antwort auf Schmidts Vorschlag:

Wide­spread police sur­veil­lance is the very def­i­n­i­tion of a police state. And that’s why we should cham­pion pri­vacy even when we have noth­ing to hide.

Zuerst kommt der Datenschutz, die Privatsphäre und danach folgt alles weitere.

Die Empfehlung hin zu Bing mag ja nun für viele Zeitgenossen als eine Art Bärendienst an der Community erscheinen, ist doch Microsoft gemeinhin als jenes evil empire verschrien und somit per se außen vor. Das mag zwar auf dem Desktop stimmen, im Netz jedoch regiert Google und Google ist potentielle Vorratsdatenspeicherung in Reinkultur. Und wenn es um Zensur im Staatsauftrag geht ist Google ebenso mit von der Partie. Wer die Daten vieler verschiedener Angebote zentral zusammenführen kann, bietet letztendlich auch das Größte Potential zum Mißbrauch. Prinzipiell hat Mozilla also recht, so seltsam es klingen mag, die Nutzung von Microsofts Bing kann zur Dezentralisierung beitragen. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit, denn hier spricht ebenso die Konkurrenz in puncto Firefox Vs Google Chrome.

Einfacher wäre es für Mozilla in Zukunft derlei Empfehlungen/Bundles zu meiden, zwar geht damit auch eine massive monetäre Unterstützung verlustig, aber es wirkt letztendlich nicht so arg geheuchelt, wie in diesem Fall. Google mag zwar als Prügelknabe ob seiner Big Brother Qualitäten in nahezu jedem Bereich taugen, aber gerade Mozilla trat in der Vergangenheit auch nicht gerade mit Datenschutzqualitäten in Erscheinung. Die vorgegebene Unschuld haben letztendlich beide längst verloren.

Bild: Google

  1. director of community development bei Mozilla []

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13 Antworten zu “Mozillas Antwort auf Googles Vorstellung von Datenschutz”

  1. websearcher sagt:

    Ich nutze «scroogle».

  2. Sigh sagt:

    Die Zeiten sind wohl vorbei, als der Spruch noch gezogen hat «Der liebe Gott schaut immer zu» und man sich zumindest als Kind die ein oder andere Sache zweimal überlegt hat.

    Der Vorstellung, das mir Gott immer zuschaut, bin ich entwachsen.
    Der Google Paranoia kann man aber leider nicht entwachsen — sie ist real.

  3. kl4b sagt:

    Warum überrascht (erregt) Eric Schmidts Aussage nur jeden. Was er sagt, ist im Internetz allgemeingültig!

    Ansonsten, guter Artikel, abseits v. reisserischem Spiegel-Online-Geplapper auf Bild-Niveau.

  4. Oliver sagt:

    >Warum überrascht (erregt) Eric Schmidts Aussage nur jeden. Was er sagt, ist im Internetz allgemeingültig!

    Mich erregt das recht wenig, ich nutze beispielsweise u.a. Google, aber nicht ausschließlich. Kenne leider aber auch viele, u.a. im näheren Bekannten-/Freundeskreis die Google ausschließlich nutzen und sich über jedes neue Spielzeug freuen. Genauen gegen diese Art von Praxis schreibe ich an und letztendlich dient Google im Netz, wie auch Microsoft auf dem Desktop, als Paradebeispiel für bestimmte Vorgehensweisen.

  5. aloa5 sagt:

    Hihi. Wie kommt denn scroogles Ranking zustande?

  6. Chris sagt:

    Genau, es geht ja auch im das Ranking. *himmel*

  7. matty3d sagt:

    @aloa5 hier ein wenig info:

    Google Scroogle Information

    und hier:

    Klick

    und der ist auch sehr interessant und sollte deine frage schnell beantworten können 😉

    Google Blocks Scroogle

  8. kobalt sagt:

    Ich nutze vermehrt Wikipedia zur Suche, weil Googles Ergebnisse oftmals unbrauchbar sind.
    Für spezielle Suchanfragen nutze ich spezielle Suchmaschinen wie WolframAlpha.

    Auf der anderen Seite darf man aber nicht vergessen, daß Google seine umfangreichen Services nur deshalb anbieten kann, weil die Firma soviele Daten sammelt und anscheinend geht Google verantwortungsbewußt mit den Daten um, denn bislang wurde noch kein Google’scher Datenskandal bekannt.

  9. Oliver sagt:

    >denn bislang wurde noch kein Google’scher Datenskandal bekannt.

    Wenn man mal von Zensur etc. absieht. Nein dann findet man sicherlich nichts, was aber auch für eine effiziente Führung sprechen kann, denn nicht jeder Skandal muß ans Tageslicht kommen.

  10. aloa5 sagt:

    @Chris

    Das Ranking ist mir eigentlich egal. Das Resultat erschien mir jedoch etwas merkwürdig. Markus von Planetpeer ist sicher ein Fuchs was Rankings angeht aber auch ihm sollte es mit «normalen» Methoden nicht von sich aus Möglich sein bei einer Suche nach einem alten Bekannten die Piratenpartei und Seiten wie politik.de zu übertreffen.

    Danke noch für die Hinweise/Links auf die Methodik von Scroogle. Damit ist imho das ganze erklärbar (auch wenn ich es nur überflogen habe).

    Grüße
    ALOA

  11. […] dies nur nebenbei. Vielmehr interessiert die Empfehlung Asa Dotzlers1 Bing anstelle von Google zu nutzen, ob Eric Schmidts befremdlicher Aussage in puncto Datenschutz. […]

  12. […] Mozillas Antwort auf Googles Vorstellung von Datenschutz […]

  13. Sigh sagt:

    Naja — es gab schon mal einen krassen Fall mit «Mark Jens», den das Management von Google nicht verhindern konnte bzw. eher verstärkt hat.

    Das Verwerfliche war nicht die Kündigung von Mark seitens Google, sondern das Löschen der Daten, die zur Kündigung geführt haben. Blogeinträge und sogar den Google Cache vom Blog.
    Das hat schon was Orwellsches 😉 — Was nicht im Google Cache ist, ist halt nicht passiert.

    http://siddhi.blogspot.co.….ens.html

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