mit 75 in Rente

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat eine weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeit gefordert.

sueddeutsche

Mit 80 kann man als Politiker höchstwahrscheinlich auch noch den gleichen Nonsense anstellen wie mit knapp über 60 oder auch in jüngeren Jahren. Die Majorität der Bevölkerung hingegen arbeitet damit ins Grab, der Staat spart also die ohnehin fortwährend schwindende Rente. Die neuerliche große Koalition verdingt sich wieder einmal als Totengräber der Nation.

10 Antworten zu “mit 75 in Rente”

  1. kobalt sagt:

    Wir brauchen keine längere Lebensarbeitszeit, sondern Arbeit mit der jeder den eigenen Lebensunterhalt sichern kann.

    Politiker ist eben kein Ausbildungsberuf.

  2. tante sagt:

    Es ist weltfremd, zu glauben, dass ein Zimmermann mit 70 noch auf Dächern rumklettern kann. Gerade bei körperlicher Arbeit ist man auch einfach mal «auf» nach einigen Jahren, es hat ja Gründe, dass Zimmermänner als Beispiel mit Mitte 50 nahezu alle massive Rückenprobleme haben.

    Aber wen wundert der Unfug bei Schäuble noch? Mal ehrlich.

  3. Grainger sagt:

    Lebensarbeitszeiten haben absolut nichts mit dem Lebensalter zu tun und Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung sind wieder ganz was anderes.

    Da ich nicht glaube, das unsere Politiker so blöd sind und das nicht wissen, kann es sich hier nur (mal wieder) um gezielte Desinformation und Volksverdummung handeln.

    Die Frequenz, mit der Herr Schäuble derlei (und schlimmeren) Unsinn von sich gibt, steigt langsam aber sicher. Scheinbar muss nun jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden.

    Ich habe irgendeinen unserer uralten Politiker in einer Talkshow gesehen, der nach eigener Aussage auch mit über 75 Jahren noch arbeitete, so schlimm sei das doch gar nicht (imho war das Kurt Biedenkopf, ich bin mir aber nicht mehr sicher).

    Wie sich dann heraus stellte, war seine Vorstellung von Arbeit das Diktieren seiner Memoiren. 😀

    Merke: das, was ein deutscher Politiker unter Arbeit versteht, unterscheidet sich mitunter beträchtlich von dem, was die werktätige Bevölkerung darunter versteht.

  4. Oliver sagt:

    Grainger, wie man es jetzt nun nennt ist letztendlich fakultativ. Unterm Strich steigt die Zeit nach der die Leute in den Ruhestand übergehen können, ob es dann «real» nur 65 ist statt 67, macht den Braten auch nicht fett. Machen wir beispielsweise 70 draus, kommen diejenigen u.U. mit 67/68 in Rente usw. Und Frühpension, tja da hat man auch nicht mehr davon, mehr Freizeit aber kaum etwas zum leben. Die 75 ganz oben ist auch nur eine fiktive Zahl, im Moment.

    Ich würde auch nicht betont auf Unfug von Schäuble plädieren, denn letztendlich spricht er nur aus was alle anderen denken.

  5. Grainger sagt:

    Für mich macht es schon einen Unterschied, ob jemand nach 45 Beitragsjahren (sog. langjährig Versicherte) mit Erreichung des 60. Lebensjahres in Rente gehen will (früher war es ja mal üblich, mit 15 Jahren eine Berufsausbildung zu beginnen) oder ob jemand nach etlichen Jahren des herumexperimentierens und einem über 20-semestrigen Architekturstudium mit fast 40 Jahren das erste mal ins Berufsleben eintritt.

    Beide Fälle habe ich im weiteren Bekanntenkreis.

    Das zweiterer nicht unbedingt mit 60 in Rente gehen kann versteht sich für mich von selbst.

    Und deswegen halte ich es für ausgemachten Unsinn, das nur am Lebensalter festzumachen.

    Natürlich müssen die Rentenkassen auch von allen beitragsfremden Leistungen befreit werden, erst dann sieht man überhaupt einmal, was in die RV einbezahlt wird und wie hoch die tatsächlichen Lasten sind.

    Ein Solidarsystem kann nur innerhalb der Mitglieder dieses Systems funktionieren, sobald ich dem System von außen Zahlungsempfänger zuführe, die niemals auch nur 1 Cent zu diesem Solidarsystem beigetragen haben, kommt man früher oder später an einen Punkt ab dem das System nicht mehr funktionieren kann.

    Mir ist schon klar, das bei einem Solidarsystem nicht jeder das herausholen kann, was er auch einbezahlt hat. Aber das Verhältnis zwischen Brutto– und Nettoeinzahlern muss nun mal stimmen und wer noch nie etwas eingezahlt hat kann auch nichts bekommen.

    Das der Bundeszuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung ziemlich genau den Ostrenten entspricht wird gerne übersehen, tatsächlich sind die Ostrenten Kosten der Wiedervereinigung und hätten in der Rentenversicherung eigentlich gar nichts zu suchen.

  6. Oliver sagt:

    Und wir haben nicht nur ein darwinistisch angehauchtes Solidarsystem in Deutschland, sondern auch einen sogenannten Sozialstaat.

  7. Grainger sagt:

    Aber der Sozialstaat muss vom Solidarsystem finanziell getrennt sein, das sind sozusagen zwei ganz verschiedene Kassen.

    Und so war das ursprünglich auch einmal geplant, das Solidarsystem wird nur von und für Mitglieder finanziert, der Sozialstaat von allen Steuerzahlern (und das sind nicht zwangsläufig dieselben Leute).

    Das hat auch gar nichts mit darwinistisch angehaucht zu tun, so etwas nenne ich einfach eine saubere Buchführung.

    So wie es jetzt läuft, drückt man dem Solidarsystem Kosten aufs Auge, die man eigentlich aus Steuermitteln finanzieren müsste, aber nicht will.

  8. Oliver sagt:

    Diese Art «Buchhaltung», welche im Zusammenhang mit einer *Sozialgemeinschaft* immer auf nonsense hinausläuft, wäre per se nicht einmal notwendig, wenn man die Löcher nicht für jeden crap sonst aufreißen würde. Fällt natürlich irgendjemandem dann einmal auf «hey da fehlt doch was» greift man selbstredend nicht die Verursacher an, sondern vergreift sich an Sozialem. Es war und ist schon immer einfacher gewesen den Schwächeren, das ohnehin kaum vorhandene Wasser gänzlich abzugraben. Ergo wird eine solche Buchhaltung auch immer nur auf ein asoziales Ungleichgewicht hinauslaufen, da die tatsächlichen Verursacher der Kosten nicht angetastet werden.

  9. Grainger sagt:

    Ich bin vermutlich beruflich zu sehr vorbelastet um das anders sehen zu können, ich ziehe eine klare Trennung und eine saubere Buchhaltung vor (obwohl ich kein klassischer Buchhalter bin, sondern in den letzten Jahren mehr und mehr in den Bereich Controlling hinein gerutscht bin).

    Und wenn man Kosten und Erträge ehrlich kontrollieren will ist eine saubere Buchführung unabdingbar, man erhält keine aussagekräftigen Auswertungen wenn alles drunter und drüber geht.

    Eben GiGo (Garbabe in, Garbage out).

  10. Grainger sagt:

    Heute war in der FAZ ein Artikel, das momentan die Rücklagen in der Rentenversicherung steigen und evtl. ab 2011 der Beitragssatz gesenkt werden soll.

    Das erscheint mir nun doch ein bißchen im Widerspruch zu der von Herrn Schäuble gesehenen Notwendigkeit weiterer Erhöhungen des Mindestrentenalters (den Begriff Lebensarbeitszeit vermeide ich bewußt) zu stehen.

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