Millionäre

Ich halte mich an den Schweizer Grundsatz: Der Millionär braucht keine gesetzliche Rente, aber die Rentenkasse den Millionär.

Gregor Gysi

Brauchen wir Millionäre? Nein! Das Problem im Moment ist die ungerechte Verteilung des Volksvermögens auf wenige, die sich mit Almosen ein gutes Gewissen erkaufen, aber letztendlich dennoch den krassen Unterschied zwischen Arm und Reich wahren, um sich folglich in ihrer Rolle als Führer der Gesellschaft zu definieren. Die drastische Herabsenkung irrsinniger Gehälter wäre der erste Schritt, um diesem fatalen Gefälle wirksam zu begegnen, bisher tolerierten Ungereimtheiten in puncto Steuern müßte mit Bestimmtheit nachgekommen werden. Alles andere würde sich daraus mehr oder weniger ergeben ohne Zwanghaft eine absichtlich Umverteilung von Oben nach Unten herbeiführen zu müssen, denn diese wäre in freiheitlich Gefilden ebenso ein Hort der Sinnbefreitheit.

Ich sehe kein Problem das Menschen existieren, die deutlich mehr verdienen als andere Zeitgenossen, aber auch da muß irgendwo eine Grenze sein und diese wurde unlängst massiv überschritten1 . Das sind eben jene Summen, die dem Gros fehlen und letztendlich die vorherrschende Misere herbeiführen. Absurd ist es hierbei auch dem Gros der Minderbemittelten, im Verhältnis zu den wenigen Gutbetuchten, zusätzliche Last aufzubürden unter dem Vorwand fehlender Mittel. Die fehlenden Mittel sind vorhanden, wurden jedoch dem Kreislauf gezielt eben von jenen wenigen wieder entzogen, da diese mit unzähligen Schlupflöchern ihre zuvor beglichene Steuerschuld größtenteils wieder kompensieren konnten.

Die sogenannte Schere zwischen Arm und Reich ist ergo vom Staat toleriert und mittels Inkompetenz, aber teils auch willentlich geführten Aktionen — wie z.B. pragmatische Bündisse a la Seeheimer Kreis — herbeigeführt. Ein eventueller Zwang, im Moment Vater des Gedankens unzähliger Populisten aller Parteien, ist der falsche Weg. Ohnehin würde dieser nie konsequent umgesetzt werden, da oft genug politische und wirtschaftliche Interessen in dieser Republik Hand in Hand arbeiten. Lose Richtlinien um letztendlich auf den Pfad der Vernunft zurückzuführen sind wohl in dieser Gesellschaft unumgänglich, eine effektivere Umsetzung hingegen bestehender Mechanismen sollte ohnehin usus sein und dürfte den primären Ansatz darstellen. Wo aber soll der Ansatz zur Vernunft zu finden sein, wenn diejenigen die dies bewirken könnten in der Regel eben selbst jene wenigen darstellen die bei der Vermögensverteilung am besten abschneiden? Wer würde sich willentlich ins eigene Fleisch schneiden?

Die neidgetriebene Debatte ist imho der falsche Ansatz und dient letztendlich auch nur den Stimmenfängern der einelnen Parteien, man muß diese Dinge Anfangs lose regulieren und Vernunft herbeiführen, um diese Änderungen in der Gesellschaft mit Nachhaltigkeit zu zieren. Das hindert jedoch nicht daran bestehende Mechanismen, die oft geleugnet werden, konsequent umzusetzen und die Zuwiderhandlung mittels drakonischer Maßnahmen zu ahnden. Zugegeben eine kaum ökonomische und somit wohl auch naive Sichtweise, alles andere jedoch wird zu weiterem Unbill führen und Oberflächlichkeiten hervorrufen, die Probleme vertiefen anstatt diese zu lösen.

  1. wobei ich hier keine fixen Grenzen sehe, diese Grenzen müssen mittels der Vernunft definiert werden []

9 Antworten zu “Millionäre”

  1. Hofi sagt:

    «.…Der Pragmatismus (von griech. pragma „Handlung“, „Sache“) bezeichnet eine philosophische Grundhaltung, die das Erkennen und die Wahrheitsbildung eng mit den Handlungen, die in der Lebenswelt ausgeführt werden, verbindet.…..» soweit Wikipedia.

    Für mich sind Die Seeheimer alles andere als ein pragmatisches Bündnis. Für mich sind es die Verantwortlichen des Niedergangs der Sozialdemokratie Brandtscher Prägung die den Zerstörungskurs Schröders weiterfahren und die letzten aufrechten Sozialdemokraten in die Arme der Linkspartei treiben.

    Ansonsten gebe ich Dir recht. Wir haben ein massives Verteilungsproblem in DE und es ist an der Zeit die Systemfrage zu stellen, denn in einer Sozialen Marktwirtschaft leben wir schon lange nicht mehr.

  2. Oliver sagt:

    >Für mich sind Die Seeheimer alles andere als ein pragmatisches Bündnis.

    Es ist die eigene Umschreibung und deshalb wurde auch die kursive Schreibweise gewählt. Derlei Erläuterungen zu Hervorhebungen findet man eben nicht in der Wikipedia. Darüber hinaus sollte man auch nicht nur die ersten Zeilen eines Wikipedia Artikels lesen.

    Die Reduzierung der Wahrheit und die Ausklammerung der Moral auf den vom Interesse des einzelnen oder einer Gruppe von Menschen her bestimmten Nutzen und Erfolg ist der entscheidende Moment der Lebensphilosophie des Pragmatismus.

    Aber mal ehrlich, man sollte seine Kenntnisse nicht aus der Wikipedia zehren (diese eignet sich vielleicht beim Nachschlagen z.B. für ein Kreuzworträtsel oder um im Netz 08/15 Dinge grob zu erläutern), bei Gelegenheit kann ich zur dieser Thematik gerne tatsächlich brauchbare Lektüre posten.

  3. Hofi sagt:

    Wollen wir eine Diskussion über Semantik und Philosophie des Pragmatismus führen?
    Für soviel Feinsinn bin ich nicht der richtige. Tut mir leid, dass ich so einfach gestrickt bin und andere Eigenschaften als Du mit pragmatisch verknüpfe.

    Die kursive Schreibweise zu Deiner eigenen Umschreibung habe ich möglicherweise übersehen was wohl daran liegt, dass ich gewohnt bin Umschreibungen in Anführungszeichen zu setzen weil es imho die Lesbarkeit verbessert. Oder liegt es daran, dass meine letzte Deutschstunde vor über 25 Jahren stattfand?

    Ein klassisches Missverständnis eben und ich bitte darum es nicht als persönlichen Angriff zu werten.

  4. Oliver sagt:

    >und andere Eigenschaften als Du mit pragmatisch verknüpfe.

    Entweder man benutzt es korrekt und weiß auch um die Breite des Begriffs oder man läßt es halt bleiben, zudem entstammt obiger fett hervorgehobene Teil dem Wikipedia-Artikel den du selbst kurz zitierst.

    >Die kursive Schreibweise zu Deiner eigenen Umschreibung habe ich möglicherweise übersehen was wohl daran liegt,

    Ich benutze in der Regel nur kursive Schreibweise, da es angenehmer im Lesefluß ist und z.B. Zitate deutlicher vom eigenem Geschriebenen unterscheidet. Die Benutzung von Anführungszeichen oder auch Guillemets ist im deutschsprachigen Raum ebenso alternativ möglich.

  5. […] Es ist erschreckend wie recht du hast Oliver von F!XMBR Das Problem im Moment ist die ungerechte Verteilung des Volksvermögens auf wenige, die sich mit Almosen ein gutes Gewissen erkaufen, aber letztendlich dennoch den krassen Unterschied zwischen Arm und Reich wahren, um sich folglich in ihrer Rolle als Führer der Gesellschaft zu definieren. Die drastische Herabsenkung irrsinniger Gehälter wäre der erste Schritt, um diesem fatalen Gefälle wirksam zu begegnen, bisher tolerierten Ungereimtheiten in puncto Steuern müßte mit Bestimmtheit nachgekommen werden. Alles andere würde sich daraus mehr oder weniger ergeben ohne Zwanghaft eine absichtlich Umverteilung von Oben nach Unten herbeiführen zu müssen, denn diese wäre in freiheitlich Gefilden ebenso ein Hort der Sinnbefreitheit….weiter lesen […]

  6. Hofi sagt:

    ergebnisorientiert, zielorientiert, sachbezogen, realistisch, hart an der Realität, überschauend, sachlich, auf Tatsachen bezogen, lösungsorientiert, einfach, simpel, nüchtern, ohne Emotionen. Das kann alles als Synonym nach meinem Verständnis für «pragmatisch» stehen.
    Nur sehe ich darin keine Verbindung der Seeheimer im Zusammenhang mit der SPD, da sie für mich die destuktive Kraft innerhalb dieser Partei darstellen.
    Und bevor Du mich didaktisch weiter auseinander nimmst, beende ich den Diskurs an dieser Stelle und wünsche Dir noch ein schönes Restwochenende.

  7. Oliver sagt:

    >Das kann alles als Synonym nach meinem Verständnis für “pragmatisch” stehen.

    Pragmatismus ist ein Gebiet der Philosophie, nicht ein profaner Begriff wie einkaufen. Eine eventuell negative bzw. positive Belegung ergibt sich nur aus dem jeweiligen Kontext. Synonyme sind somit selten adäquate Hilfen um inhaltsschwangere Begrifflichkeiten tatsächlich zu verstehen.

    setzen sich die Seeheimer für eine pragmatische, an den finanziellen Möglichkeiten des Sozialstaates orientierte sozialdemokratische Politik ein.

    Seeheimer Kreis

    Da konsequent gelebter Pragmatismus auf zwischenmenschliche/soziale Aktivitäten bezogen eher negativ belegt ist, denn es wird ohne Emotionen, sachlich entschieden, ist diese Umschreibung der Seeheimer mehr als nur passend. Wir reden von Sprache nicht von mathematischen Gleichungen a la Begriff A == Begriff B. Das obige Zitat der Seeheimer strotzt ergo nur so von einem asozialen Habitus, wenn man denn in der Lage ist diese Aussage korrekt zu lesen.

    Der Seeheimer Kreis ist insofern eine destruktive Kraft, da dieser eine soziale Kühle fördert.

  8. […] braucht kein Mensch, sinnvoller ist die grundlegende Änderung der bestehenden Situation — sprich eine gerechte Verteilung von Volksvermögen und Steuerlast auf alle. Aber das wird wohl nie geschehen, drum geben wir uns lieber auch einer nationalstaatlich […]

  9. […] Das sehe ich im Prinzip sogar ähnlich wie dieser Herr da, allerdings unter der Prämisse, daß diejenigen auch tatsächlich für den angerichteten Schaden einstehen — siehe z.B. die Bankenkrise und wer tatsächlich die Zeche zahlt. Und nicht, wie z.B. auch bei Spitzenpolitikern usus, zurücktreten und schwamm drüber. Wer Verantwortung trägt, soll die Kritik parieren und Argumente liefern. Exakt, liebe Manager zeigt die positiven Beispiele auf und tadelt somit jene die euren Stand fortwährend in den Dreck ziehen Und dennoch ist in letzter Instanz Augenmaß erforderlich, denn letztendlich ist auch der verantwortungsbewußte Manager ohne seine Arbeiter nichts wert. Und ganz ehrlich wer ein wenig Ahnung hat, weiß auch wie wichtig das Funktionieren eines Arbeiters im Betrieb ist, so manch einer hat schon die Produktion für einen Vormittag lahmgelegt — dennoch mangelt es an entsprechender Entlohnung. Mehr Gerechtigkeit und die Wut legt sich beinahe wie von selbst. […]

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