Microsoft zu Milliardenstrafe verurteilt — Mp3 vor dem Fall?

Microsoft wird verurteil — und ich höre die Leute schon wieder jubeln — auf dem ersten Forum haben ich vorhin kurz beim Überfliegen schon schon die erste freudige Überschrift gelesen. Sicherlich kann man Schadenfreude empfinden — wenn man doch mal ein wenig genauer schaut, kann man erkennen, dass hinter dem Urteil eine Menge mehr steckt, als profanes Microsoft-Bashing, zumindest für die, die ab und zu mal ein wenig Musik am PC hören: In Form des Mp3-Formates.

Wie viele andere Unternehmen hat Microsoft das Recht zur Nutzung der Mp3-Technologie vom Frauenhofer Institut erworben. So weit, so gut, gilt das Frauenhofer Institut doch als Erfinder der Mp3-Technologie. Doch hier fangen nun die Probleme an. Zur Datenkomprimierung sollen damals Technologien von Bell Laboratories zum Einsatz gekommen sein. Bell Laboratories wiederum wurde dann von Lucent übernommen. Lucent fusionierte mit Alcatel — das neue Unternehmen heißt Alcatel-Lucent und hat mehrere Unternehmen wegen Patentrechtsverletzungen beim Mp3-Format verklagt. Darunter auch Gateway und Dell. Microsoft hatte sich bei dieser Klage selbst auf die Anklagenliste gesetzt.

Ein teures Vergnügen, um Rechtssicherheit zu bekommen — das Gegenteil scheint nun der Fall zu sein. Dieses Urteil könnte weltweit zum Präzedenzfall werden. Das Mp3-Format könnte vor einem tiefen Fall stehen. Die Unsicherheit zumindest ist da, die Kollegen der Süddeutschen schreiben, dass das Geschäft um Musik im Internet vor großen Turbolenzen steht.

Doch es gibt Alternativen: Das Vorbis-Format in einem OGG–Container — wei ich in den Kommentaren gelernt habe. Und da wundert sich wer, warum sich OGG nicht durchsetzt. Ich bitte Euch. 😉 Obwohl es nachweislich bessere Qualität als Mp3 liefert, fristet es also mehr oder weniger ein Schattendasein im Netz. Das kann sich nun ändern. Nie war die Chance größer — die Unternehmen (in diesem Fall Mp3-Unternehmen) haben sich mal wieder, weil viel Geld im Spiel war, selbst ins Knie geschossen. (via)

20 Antworten zu “Microsoft zu Milliardenstrafe verurteilt — Mp3 vor dem Fall?”

  1. Falk sagt:

    Im Zeitalter von immer breitbandigeren Netzanschlüssen und bezahlbarem Traffic dürfte sogar die Distribution von verlustfreien Musikfiles langsam in den Bereich des Möglichen fallen.

  2. Der Tom sagt:

    Kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß das das (3 mal das!!) Ende von MP3 bedeutet, es ist einfach zu verbreitet.
    Da wird halt jetzt jemand mitverdienen wollen.
    Sollte MP3 wirklich ersetzt werden, so habe ich eher die Angst daß uns Microsoft wieder mit einem tollen eigenen Dateiformat beglückt, welches dann mangels Alternativen ( und aus Bequemlichkeit) schneller VErbreitung findet als andere

  3. Oliver sagt:

    Tja das Schattendasein von Ogg begründet sich in der Tatsache der damaligen Verbreitung eines illegal kopierten Codecs von Fraunhofer und die Leute standen halt schon da lieber auf Produktnamen, denn Qualität :) … Stichwort Radium wenn ich mich recht erinnere.

  4. Usul sagt:

    Das Problem ist IMHO weniger die Bandbreite, sondern eher die Tatsache, dass die meisten MP3-Player tragbarer Bauart MP3s abspielen können. Es ist der Quasistandard geworden. Klar gibt es welche, die Ogg abspielen können, aber es ist leider nicht die Masse. Viele können noch WMV, was aber keine Alternative ist, da man quasi den Teufel mit Beelzebub austreibt, dann gibts noch die Apple-Lösungen, das gleiche.

    MP3-Player mit OGG-Unterstützung gab es damals, als ich meinen kaufte (vor über einem Jahr) in meinem Preissegment (ca. 100?) leider nicht wie Sand am Meer, es ware eher die Ausnahme.

  5. Usul sagt:

    Noch eine Ergänzung zum Kommentar von Oliver: Als die ersten MP3-Player auf den Markt kamen, war das Totschlagargument gegen Ogg eigentlich immer, dass es komplizierter zu decodieren und daher teurer und stromintensiver sei. Ich denke, das Argument zieht heute nicht mehr, ob es damals korrekt war, kann ich nicht beurteilen.

  6. korvin sagt:

    Die meisten mp3’s im Netz sind in P2P Netzwerken und werden von dort runtergeladen. Ich denke nicht das es jemanden kümmert, ob M$ irgendwelche Rechtsprobleme mit Mp3 hat, es werden trotzdem mp3’s weiter benutzt.

    /me träumt von der Zeit in der alle Menschen Ogg benutzen, was aber wohl niemals Realität sein wird

  7. Oliver sagt:

    Auch damals gab es recht schnell Tools für Ogg. Kompliziert? Ich nutze es selbst heute noch in der Regel aus der Shell heraus. Ich denke eher es war der Name Fraunhofer und das Motto «billig taugt nichts».

  8. kobalt sagt:

    Aaalso, wenn ich eine CD im Konqueror (dem besten Browser der Welt) öffne, dann sehe ich das die meisten CDs sowohl MP3 als auch OGG, sowie WAV und FLA Dateien enthalten. Ich wunderte mich sehr lange Zeit über einen Bekannten, der sich extra eine Software auf den Windows-Rechner gebastelt hatte, mittels derer er Musikdateien in MP3-Files umwandeln konnte. Dieses Lizenzierungsgedöns macht die Arbeit am Rechner komplizierter als sie sein müßte.

  9. Grainger sagt:

    … im Konqueror (dem besten Browser der Welt) …

    Browser Flamewar ! 😉

    Es kann nur einen geben: Opera 😀

  10. Oliver sagt:

    Konqueror hat doch schon das Problem bei der Definition als echter Browser durchzugehen 😀 😀

  11. kobalt sagt:

    Kehret um, die ihr auf dem Wege in euer Verderben seid! Sehet das Wort des Herrn:
    ————————-
    (Offenbarung 21, Vers 8)
    Die (…) Ungläubigen und Frevler (…) und Götzendiener (…), deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.
    ————————-
    😉

  12. Usul sagt:

    Auch damals gab es recht schnell Tools für Ogg. Kompliziert? Ich nutze es selbst heute noch in der Regel aus der Shell heraus. Ich denke eher es war der Name Fraunhofer und das Motto ?billig taugt nichts?.

    Ich habe mich unklar ausgedrückt. Nicht kompliziert im Sinne von kompliziert anzuwenden, sondern es sei wohl aufwendiger, einen Ogg-Decoder in Hardware zu realisieren als einen MP3-Decoder. Das war damals das Argument der Player-Entwickler gegen Ogg.

  13. Oliver sagt:

    Ach aufwendiger, iRiver hat das schon sehr lange drin und Ogg hat den Vorteil es kostet weder Lizenzen für mp3 noch den Player. Das grottig WMA baute man auch schnell überall ein … ist halt dumm gelaufen, weil Kunde dumm war, wie so oft.

  14. phoibos sagt:

    kann der ipod ogg? bzw. kann ich ihm das auf einfache art und weise beibringen?
    mp3 ist für mich irgendwie ein sehr liebgewonnenes format. es hat immer so den hauch des illegetimen :) das downloaden von mp3s (zb. jamendo.com) ist wie rauchen aufm schulhof als ehemaliger schüler mit nem abi von vor 10 jahren :) so ein bischen nervenkitzel ist immer noch dabei.

    ciao
    phoibos

  15. Callinator sagt:

    Ja und? Mp3s werden aufm PC weiterlaufen…

    Naja aber is schon Scheisse… Es geht wie immer ums liebe böse Geld… :(

  16. Oliver sagt:

    >Ja und? Mp3s werden aufm PC weiterlaufen?

    Zum Gros ob der illegalen Kopien, ebenso wie ein gewisses Format beim visuellen Erlebnis. Klar gehts halt ums Geld, ist auch deren gutes Recht.

  17. Name sagt:

    Kleine Korrektur: Es handelt sich um das Vorbis-Format in einem Ogg-Container.

  18. Oliver sagt:

    Nein, nicht wahr? Du zerstörst gerade mein Weltbild. Jetzt hört sich die Musik direkt völlig anders an 😀

  19. Chris sagt:

    Ich korrigier das nachher mal. Jetzt ruft mich das RL da draußen — args verdammt kalt… 😮

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