Microsoft und Opensource

Microsoft hat schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten das Image des bad guys. Teils begründet, zum größten Teil aber auch nur FUD. Das beginnt bei crap wie wir schalten den Redmondschen Timeserver ab, weil die da böse Dinge übermitteln können bis hin zu allerlei abstrusen Verschwörungstheorien. Und dem mag man auch zum Teil nicht wiedersprechen, Microsoft arbeitete, ebenso wie Apple, mit der NSA zusammen, um spezielle Dinge im System sicherheitstechnisch zu verbessern. Wer die LKML liest, wird auch dort sehen das NSA-Mitarbeiter häufige Gäster sind und sich um ihr Baby SELinux kümmern. Nun gut das eine ist ein Betriebssystem ohne Quellcode, letzteres ist Opensource und somit vermeintlich aus dem Schneider. In der Praxis aber ergibt sich nur für tatsächliche fähige Leute und Kenner der Materie ein wirklicher Vorteil in puncto Sicherheit daraus. Die Majorität der Anwender muß so oder so glauben.

Das Microsoft gerne mal über die Strenge schlägt und Eigenmächtigkeiten, wie z.B. die vor kurzem unerwünscht installierten Updates, an den Tag legt die einem Vertrauensbruch gleich kommen, trägt nicht unbedingt zu einer Vermeidung von FUD bei. Aber betrachtet man das Gemenge das heutzutage an urban legends vom Gros der User geäußert wird, so sieht man nur eines recht deutlich: es sind tatsächlich Legenden, eine Mär aus längst vergangenen Zeiten. Da wird z.B. mangelnde Stabilität beklagt, in einem Umfang welcher tatsächlich aus Win95/98 Zeiten stammt und von Nutzern der NT Schiene, seit 3.x, zu dessen glücklichen Usern ich mich immer zählen durfte, in diesem Umfang nie erfahren wurde. Da werden konspirative Zusammenhänge vermutet, wo sich tatsächlich nur ein eklatantes Unwissen seitens des User offenbahrt. Da werden schlicht und ergreifend olle Kamellen auf jedes neu erscheinende Betriebssystem aus Redmonds OS-Schmiede projiziert. Generationen werden dieses Ungemach wieder und wieder aufgreifen, denn das Netz vergißt nichts, auch keinen Schrott — völlig wertfrei wird *alles* gespeichert.

Natürlich hat beispielsweise Vista Probleme, andere Dinge sind schlichtweg wiederum Blödsinn. Vista hat diverse Macken und kostet auch Geld, ist jedoch oft genug nicht weniger haarsträubend als manche Distro die auf den User mit einer arg großen Fehlertoleranz losgelassen wird. Ich bin ganz ehrlich, bei mir ist es ein großes Stück Ideologie, von wegen Offenheit, Freiheit usw. Aber auch technische Dinge stören mich, die wirklich problematisch sind unter Windows, man muß auch klipp und klar eines einsehen — WinNT 3.5.x, NT4, W2k, das waren noch Systeme bei denen die Qualität gesteigert wurde. Ab XP erfolgte definitiv ein technologischer Abstieg und ein Hurra auf die Fehlertoleranz, ganz zu Gunsten des Konsumenten, denn die neueste Spielerei muß natürlich auch rennen. Man könnte dies endlos weiterführen, sich in Beispielen ergeben, Pro und Kontra. Als Fazit würde ich aus meiner Erfahrung heraus folgendes sagen: offene Betriebssysteme bieten einfach die bessere *Basis* für Stabilität und Qualität. Der Rest hängt ab, was man aus der Basis macht, wobei eine schlechtere Basis gleichbedeutend mit einem immens höheren Aufwand ist, und ansonsten gilt wie so oft, your mileage may vary.

Das war nun eine recht lange Einleitung, um ein wenig das Problem mit Microsoft darzulegen. IBM, früher nicht umsonst als big blue bekannt, Apple, Sun, Intel, Google und wie sie sonst noch alle heißen, sollten mind. die gleiche Aufmerksamkeit wie Microsoft genießen. Es sind per se keine Freunde von Opensource, wie es manche heute zu glauben meinen. Opensource wird bei Firmen allgemein recht pragmatisch genutzt, in der Regel findet man auch heterogene Umgebungen vor, d.h. was einen Vorteil bringt wird eingesetzt, wenn zudem noch die Kosten stimmen. Und nein, das ist nur auf einer Milchmädchenrechnung per se immer Opensource im Vorteil, in der Praxis schauts oft genug völlig anders aus. Und die Geschenke die seitens der erwähnten Firmen gemacht werden, könnte ein kritischer Zeitgenosse, der diese Dinge en detail betrachtet, oft genug auch als Danaergeschenke titulieren, denn wirklich Opensource, dem Geist des Opensource folgend, ist keiner dieser Vertreter. Solange der Rubel rollt, wirft man mal einen Batzen Sourcecode hin etc. Primär jedoch zählt für jede erfolgreiche Firma ein monetäres Interesse und das besagt u.a. auch eines, die Kronjuwelen und dazu zählt in der Regel auch die Dokumentation, behält man für sich. Da hilft auch keine veröffentlichte Dokumentation von AMD/ATI, denn betrachtet man diese so stehen jene mit dem Rücken zu Wand, falls der Höhenflug wieder einsetzt, wird man sehen was man in Zukunft davon halten kann. Sprich Kalkül ist es und solange Opensource, jedenfalls zum Teil, ein probates Mittel darstellt wird es auch genutzt und ein wenig supportet. Verlassen sollte man sich jedoch nie darauf!

Dieser lange Text war nun notwendig, um auf den Umstand von Microsofts Opensource-Lizenzen hinzuweisen, die just von OSI sanktioniert wurden. Das wäre zum einen die Microsoft Reciprocal License (Ms-RL) und zum anderen die Microsoft Public License (Ms-PL). Denn auch hier geht wieder gewaltig FUD um, man erzählt sich wieder vor dem heimischen Rechner die Mär diverser vermeintlicher Unsäglichkeiten aus Redmond und überträgt dies auf jene genannten Lizenzen. Natürlich wird dabei geflissentlich der Umstand übersehen, das Microsoft nicht anders arbeitet als eben diese genannten Firmen. Das IBM für Jahrzehnte diesen Ruf inne hatte und für den Kundigen auch noch heute, das Sun keinen deut besser ist und Apple beispielsweise der Opensource-Nassauer par excellence ist, auch wenn man wieder einen quasi unnützen Batzen Darwin wiederum der Community vor die Füße kippt. Die Größe eines Konzerns ist teils relativ unbedeutsam, denn Billigung schafft Größe — es liegt letztendlich immer in der Hand des Konsumenten.

FUD killt Hirnzellen und bei einigen Vertretern im Opensource-Ländle kann man dies wunderbar beobachten. Nicht das ich nicht selbst Opensource propagieren würde und das schon seit über einem Jahrzehnt, aber auch benenne ich crap in derlei Gefilden ebenso angemessen, wie vice versa proprietäre Unsäglichkeiten.

Was also bewirken diese Lizenzen? Erst einmal gar nichts, es sind einfach nur Lizenzen die der Opensource-Charakteristika von OSI entsprechen. So geschehen in der Vergangenheit mit Suns CDDL und auch der GPL, von welcher der OSI-Initiator ESR, auch nicht unbedingt ein Freund per se ist. Man wäre schlicht und ergreifend unglaubwürdig dahergekommen, hätte man nun andere Richtlinien walten lassen. Mitunter ist es eben jene Haltung, die Opensource noch immer wirklich den Durchbruch vereitelt — jedenfalls zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil. Auf lange Sicht also besitzt nun Microsoft zwei durch OSI gedeckelte Lizenzen, die sie noch mit Inhalt füllen müssen, das heißt Quellcode, den sie unter diesen bereitstellen. Große Teile von .NET werden da kommen, wie auch schon für ihr Flash-Pendant Silverlight vollzogen. Ist das gut oder ist es schlecht? Keine Ahnung, es kommt darauf an was man daraus macht. Sun veröffentlichte Java nun auch als Opensource, nach Jahren, weil man damit mehr Einfluß gewinnen wollte. Microsoft tut es jenen gleich, der Blob Flash wird beispielsweise unter vielen Linux Vertretern gefördert, anstatt Gnash oder swfdec zu unterstützen, man gibt sich da einem Pragmatismus hin und schwingt gleichermaßen die FUD-Keule gen Redmond. Das nenne ich wahrlich Heuchelei par excellence. Last not least, habe ich gegenüber *jedem* Großkonzern ein gesundes Mißtrauen, da letztendlich der Erfolg für diese maßgeblich ist und diese monetäre Gesinnung kann u.U. den gleichen Weg verfolgen wie die Community, zum Teil, hat aber in der Regel völlig andere Ziele. Und wenn man sich über diesen Umstand in einer wachen Minute bewußt wird, sieht man diese Firmen nicht mehr per se blind als Feind, sondern als nicht unbedingt vertrauenswürdigen Weggefährten, als enfant terrible auf dem Markt 😉

Also klar pro Opensource. Doch Opensource beweist sich mittels überlegener Qualität und nicht mittels FUD und darauf basierenden Tiraden.

OSI — opensource initiative

Eine Antwort zu “Microsoft und Opensource”

  1. dakira sagt:

    Wow. Toller Artikel! Sehr ausgeglichene Sichtweise auf das Thema. Das muessen wir Montag direkt mal in unserer Sendung ansprechen (Link folgt dann ueber Trackback) 😉

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