Michael Ballack verletzt – na und?

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Foto: SpreePiX – Berlin | CC-Lizenz

Fußball-Deutschland ist geschockt. Der Kapitän der Fußballnationalmannschaft, Michael Ballack, hat sich nach einem üblen Tritt von Kevin-Prince Boateng das Innenband gerissen und fällt für die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika aus. Die ARD sendete einen Brennpunkt, die Newsportale des Landes haben Sonderseiten ins Leben gerufen, kein Promi ist nicht unbekannt genug, dass nicht ein O-Ton angefordert wird. Es wird in den Medien weitaus mehr über Michael Ballack gesprochen, als über die EU-Krise, die Weltwirtschaftskrise oder die Ölpest im Golf von Mexiko. Warum eigentlich liegt das Wohl und Weh eines Landes am Knöchel eines Michael Ballack? Michael Ballack kann ersetzt werden. Er ist ohne Zweifel ein guter Fußballspieler, von einem großen Weltklassespieler ist er aber weit entfernt.

Michael Ballack kann sich mit keinem Spieler aus der Weltmeistermannschaft von 1974 messen, eine Mannschaft, in der selbst ein Günter Netzer nur auf der Bank saß. Michael Ballack ist kein Weltstar wie es Lothar Matthäus 1990 war, der seine, unsere Mannschaft so grandios zum Titel getrieben hat. Michael Ballack ist sicherlich ein überdurchschnittlicher Fußballspieler, er wird aber nicht als einer der Großen in die DFB-Annalen eingehen. Dafür fehlt im der Biss, der Wille, viele Dinge, die einen Weltstar ausmachen. Ein Lothar Matthäus wurde in Mailand in der damals stärksten Liga der Welt zum Superstar, wurde mit Mailand italienischer Meister und wurde in einem Atemzug mit Diego Armando Maradona genannt. Michael Ballack ist gerade mit Chelsea Meister geworden, doch im Starensemble Chelseas ist er meist nur Mitläufer, nicht die herausragende Persönlichkeit wie es andere deutsche Spieler vor ihm in ihren Vereinen waren.

Deutschland wird, ob nun mit oder ohne Michael Ballack, eine WM wie schon 2006 spielen: brav – ohne den großen Erfolg. Dafür steht mit Jogi Löw ein Trainer, der zu Recht nicht zu den besten Trainern auf der Welt zählt, der in seiner Mannschaft keinen so genannten Stinkstiefel sehen will und eher nach Anpassungsfähigkeit aufstellt, als nach Leistung. Für den großen Erfolg braucht eine Mannschaft aber einen, der polarisiert, der andere mitreißt, an dem sich Mitspieler wie auch Gegner reiben können. Michael Ballack war dies nie – auch darum wird er nie als einer der Großen gelten. Für die DFB-Elf ist es nicht tragisch, dass Michael Ballack ausfällt. Im Gegenteil. Nun müssen andere, jüngere Spieler, die Verantwortung übernehmen. Und wer weiß: vielleicht wächst aus dieser Verantwortung heraus ein neuer Weltstar heran. Hoffen wir es für 2014: Michael Ballacks Ausfall ist eine große Chance für den deutschen Fußball, nicht aber der Untergang des Abendlandes.

24 Antworten zu “Michael Ballack verletzt – na und?”

  1. tobi sagt:

    ziemlich genau was ich dachte, als ich die nachricht hörte! schade für ihn selbst, aber die dfb-elf wird ohne ihn nicht soo viel schlechter sein.

  2. Anonymous sagt:

    ich bin ja genauso ein schisser wie ballack. hab nie verstanden, wieso um ihn so ein kotau gemacht wird. er kommt mit der rolle selber nur leidlich klar, merkt man doch ständig. nun ist das sein leben und großer fahrplan und ohnehin okay, trotzdem hab ichs nie verstanden.

  3. Urbster sagt:

    Muss dir vor allem beim letzten Absatz Recht geben, sehe ziehmlich wenig Chancen auf den Titel. Der positive Effekt den Löw schon unter Klinsmann hatte, dass wir also mit jüngeren Spielern frech offensiv spielen, ist spätestens 2008 verflogen wo wir nur gegen Portugal wirklich überzeugen konnten. Natürlich ist immer so was wie 2002 möglich, dass man sich einfach mal ins Finale dusselt, wenn die anderen Länder auch versagen.

  4. Andi sagt:

    Das einzig wirklich schlimme an dieser Meldung ist aus meiner Sicht der Name «Kevin-Prince», alles andere reicht gerade für ein Schulterzucken. ‘Nuff said.

  5. Captain sagt:

    Ohne Ballack zur WM — Jetzt können wir endlich Weltmeister werden!!!

    Is doch Quatsch den ewigen Zweiten mitzunehmen … (nein, rein englische Titel zählen nicht)

  6. Tom sagt:

    Jetzt steht die Ausrede fürs Rausfliegen schon fest. Mit Ballack hätten sie es geschafft. :)

  7. Anonymous sagt:

    fußball ist nur interessant, wenn er nicht aus finanziellen interessen betrieben wird. wm, em und bundesliga lösen bei mir eh brechreiz aus…

  8. Guy Fawkes sagt:

    Man sollte das Ganze einfach positiv sehen. Sollte die Nationalmannschaft aufgrund Ballacks Verletzung tatsächlich vorzeitig ausscheiden, laufen wir wenigstens nicht Gefahr, am 11. Juli wie die Besoffenen den Weltmeistertitel zu feiern, nur um am nächsten Tag festzustellen, dass die Laufzeiten von Neckarwestheim, Biblis, Krümmel, usw. bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag verlängert und sämtliche Schulen komplett geschlossen wurden :)

  9. Max sagt:

    Findet ihr die Tatsache, dass die ARD einen Brennpunkt zum Thema Ballack gemacht hat, nicht das eigentlich Wirre an der Sache? Mein Gott, ist doch «nur» Fussball…

  10. Andi sagt:

    @ Max: Neben dem ARD-Brennpunkt war es gestern auch die Top-Meldung bei «heute», wo nach fast auf die Sekunde genau 5 (fünf! FÜNF!) inhaltsarmen Minuten Berichterstattung darauf verwiesen wurde, dass es im Anschluss noch ein 15minütiges «ZDF spezial» geben werde.

    Ich ziehe daraus die beruhigende Erkenntnis, dass es offenbar allen Menschen auf der Welt gerade gut zu gehen scheint. (Okay, ausser Ballack halt.)

  11. Anonymous sagt:

    @Andi: Ich ziehe daraus die beruhigende Erkenntnis, dass es offenbar allen Menschen auf der Welt gerade gut zu gehen scheint. geniale Haltung.

  12. Guy Fawkes sagt:

    OMFG demnächst bekommt der Boateng wohl ein Stoppschild vors Gesicht gepappt. Der SpOn berichtet gerade, dass der Berater von Ballack wohl erwägt, Boateng wegen des Fouls vor Gericht zu zerren. Begründung: Der Fußballplatz sei «kein rechtsfreier Raum, auch wenn Boateng das offensichtlich annimmt».

    Merke…nicht nur die Politik wird von Bekloppten bestimmt *facepalm*

  13. RIO sagt:

    nicht dass ich ein asugewiesener sport-experte oder gar selber ein mustergültiger athlet sei, aber zu erkennen, dass ballack ganz extrem überbewertet wird, fällt nicht wirklich schwer. dazu noch die berichterstattungen über und kommentare während unserer nationalspiele. da kommt doch der eindruck auf, ballack sei unser einziger spieler. die wade der nation…
    😀

    allerdings gilt das nicht nur für michael b., sondern auch für eine reihe weiterer kandidaten, wie z.b. david b. aus UK oder cristiano r. aus P. das sind keine fussballspieler mehr, das sind popstars. ich schliesse mich eurer meinung vorbehaltlos an.

    und die meldung über eine mögliche anklage wegen eines fouls (in einem fussballspiel wtf): lächerlich. der mann sollte vllt (endlich) den beruf wechseln.

  14. Thomala sagt:

    Fussball ist sooo langweilig das selbst die meisten Fans sich besaufen müssen um es gut zu finden!!!

  15. Torsten sagt:

    Matthäus war nie ein Weltklassespieler. Er hat nur zufällig die richtigen Titel gewonnen. Ballack hat das (gerade international) nicht geschafft.

    Und dann noch den heutigen Fußball mit dem von 74 zu vergleichen — nene — ich sage nur «Standfußball».…;-)

    Grüße,
    Torsten

  16. Chris sagt:

    @Guy Fawkes: Ja, das wird schon ein «schlimmer» Sommer…

    @Anonymous:

    @Andi: Ich ziehe daraus die beruhigende Erkenntnis, dass es offenbar allen Menschen auf der Welt gerade gut zu gehen scheint. geniale Haltung.

    Andi kritisiert damit die Medien und gibt nicht seine eigene Haltung wieder.

    @Thorsten: Selbstverständlich war Matthäus ein Weltstar. Man kann ihn mögen oder nicht, das aber zu verneinen, entspricht nicht wirklich den Realitäten. Und ich vergleiche nicht den Fußball von 1974 mit dem von heute sondern die Zusammensetzung der Mannschaft. Bitte Artikel noch einmal lesen. Danke.

  17. Anonymous sagt:

    Schön, dass man hier immer wieder konträre, Anti-Mainstream-Meinungen liest und Meinung erlaubt ist!
    Das ist das schöne am Internet — hier wird noch unzensiert, differenziert und eigenständig gehandelt/ gedacht/ geschrieben — zumindest in Teilen!

    Weiter so!!

  18. MR sagt:

    @Torsten: «Matthäus war nie ein Weltstar»

    Haha. Na du hast aber Ahnung. Er war u.a. 2 x Weltfußballer und hat per «Zufall» so ziemlich alle großen Titel gewonnen. Er ist VOR Beckenbauer der bekannteste deutsche Fußballer in der Welt. Du bist schon ziemlich weit weg von der Realität mit deiner absurden Meinung.

  19. olhe sagt:

    >Du bist schon ziemlich weit weg von der Realität mit deiner absurden Meinung.

    *gähn* Fanboy-Meeting.

  20. Stefan Effenberg, Mario Basler, Uli Stein, Toni Schumacher, «Walter Eschweiler», Manni Kaltz, Horst Hrubesch, Uli Stielike, die Hoeneß Brothers, Günni Netzer, Schachi Magath, usw. …
    Die hatten kein fettiges, halblanges Haar.
    Aber einen gesunden Friseur hatten die. Oder Muddi. Oder es war ihnen scheißegal. Aber eines haben sie alle einem Herrn Ballack voraus. Man erinnert sich an diese Typen. An einen Herrn Ballack erinnert sich in ein paar Jahren kein Schwein mehr, warum auch. Wer sich so verändert im Charakter. Seit er zum «Weltstar» geworden ist.
    Erinnert mich alles stark an Herrn Trochowski. Seit der sein erstes Länderspiel gemacht hat, nimmt der die sonderbaren Entwicklungszüge eines Herrn Ballack´s an. Und hebt ab, obwohl nix (nach)kommt.
    Meiner Meinung nach ist der Ausfall von Herrn B. ein Glücksfall für die WM. Einen weniger den die anderen durchschleppen müssen. Jetzt kommen wir auch in die Zwischenrunde 😉
    Traurig das «DAS» Thema so von den Medien aufgebauscht wird. Es gibt weitaus wichtigers als die Scheiß-Bänder von Herrn B.
    Nachdenken !
    In diesem Sinne…

  21. n1Ls sagt:

    Vielen Dank für diese Zeilen, das hätte von mir sein können.
    Einfach lachhaft.
    Als wäre Ballack tatsächlich interessanter als die Ölpest, Währungskrise etc. pp.

    weiter so!

  22. Torsten sagt:

    @MR: «Er war u.a. 2 x Weltfußballer»

    Ja klar…und Diego Maradona nur einmal — darum muss Matthäus ja exakt doppelt so viel «Weltstar» wie die «Hand Gottes»!

    Ob jemand das Zeug zu einem «Weltstar» hat, entscheidet jeder für sich — basta. Für mich war er keiner! 😛

    @Chris: Ich habe den Artikel nochmal gelesen. Das ist natürlich was völlig anderes — die «Zusammensetzung der Mannschaften» von 74 und heute darfst du selbstverständlich vergleichen.

    Ich «mag» Ballack übrigens auch nicht. Aber heute über jemanden zu urteilen, dass morgen niemand mehr über ihn spricht, weil er nicht so viel geleistet hat wie jemand von vorgestern, der immerhin heute noch im Gespräch ist, halte ich für «Kindergartenargumentation».

  23. Tom sagt:

    panem et circenses.
    Was ist besser geeignet als eine Fussball-WM?

  24. joe sagt:

    Einen Ballack und Matthäus miteinander zu vergleichen, ist obektiv doch nicht möglich. Nur weil Matthäus einen EM– und WM-Titel gewonnen hat, heißt es nicht das ein Matthäus ein besserer Spieler war als ein Ballack.

    Möchte man einen objektiven Vergleich zwischen den zwei versuchen, muss man die Ausgangssituationen anschauen. Mit Ausgangssituation meine ich, die komplette deutsche Nationalmannschaft. Im EM-Team von ’80 und WM-Team von ’90 spielten Spieler, die in ihren Verein unersetzbar waren. Schaut man jetzt die Spieler an die in der Nationalmannschaft spielen, sind 50% keine Stammspieler.

    Michael Ballack ist sicherlich nicht der beste deutsche Fussballer allerzeiten, gehört jedoch zu denjenigen, die überdurchschnittliche Leistungen erbracht haben.

    Meine subjektive Meinung ist, das Ballack aus der Ausgangssituationen mehr gemacht hat als ein Matthäus, der Weltstar als Mitspieler hatte. Ein Ballack ist der einzige Weltstar, den die deutsche Nationalmannschaft in ihren Reihen hat.

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