Mich langweilt das Internet

CosmoIch kann mich noch gut an meine ersten Gehversuche im Internet erinnern. Das Analog-Modem weckte den Nachbarn bei seinem Mittagsschlaf, der Seitenaufbau dauerte schon mal ein paar Sekunden, Geocities, Augenkrebs-Alarm und doch jeden Tag etwas Neues, etwas Innovatives – der Spaß an der Sache stand im Vordergrund. Mitte, Ende der 90’er stand ein sehr guter Freund gerade vor seinem Diplom in Biologie an der Universität Osnabrück. Um seine Kulturen im Blick zu haben, musste er zu jeder Tageszeit in die Uni können, also auch in der Nacht. Dementsprechend hatte er einen Schlüssel – und so haben wir fast schon wöchentlich zu Dritt im CIP-Pool der Universität Osnabrück, Fachbereich Biologie, eine Internet-Party veranstaltet. Eine 2-MBit-Leitung und auf ging es zu Cosmo Connor. Danach war meist Warezslutz an der Reihe – 200 Files à 1,44 MB waren binnen kürzester Zeit auf der Platte. Das Kopieren auf die Disketten nahm mehr Zeit in Anspruch als das Runterladen. Hach, was waren das noch für Zeiten. Besonders lustig war es, mitten in der Nacht in der leeren Mensa unseren mitgebrachten Kartoffelsalat mit den kalten Bockwürstchen zu verputzen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass damals und schon viel früher auf den Schulhöfen der Erfolg von Microsoft begründet wurde, das zu analysieren würde aber jetzt zu weit gehen. Heute macht das alles keinen Spaß mehr. Da werden DVDs über Torrent verteilt, die Kunst des Rippens ist schon fast ausgestorben – anstelle der grandiosen 0-days werden die neusten Sex-Tapes von Paris Hilton & Co. per Bluetooth über Handy verteilt. Raubkopierer werden verfolgt und wie Kinderschänder durch die Republik gejagt. Es ist kein Wettstreit mehr – beide Seiten haben jegliches Maß verloren. Damals haben wir einfach unsere ersten Webseiten auf Lycos & Co. erstellt – heute braucht es schon fast ein Jurastudium um nicht die eigene Existenz aufs Spiel zu setzen.

Wir waren dabei als Firefox noch Firebird hieß – und davor nannte er sich Phoenix. Meine erste Version dürfte damals die 0.6x gewesen sein. Und auch OpenOffice.org war noch weitestgehend unbekannt als wir das erste Mal darüber gesprochen haben, es getestet haben, Microsoft totgeschrieben haben. Damals gab es fast wöchentlich neue Software, es wurden neue Ideen und Konzepte entwickelt und umgesetzt. Wir waren dabei als Opera noch Geld gekostet hat, haben uns per mIRC in Chaträumen diskret unterhalten — wie es heute laut schreiend über Identi.ca geschieht. Wir haben schon damals über die Usability von GIMP geflucht und die Entwicklung der unzähligen Mediaplayer verfolgt. Und heute? Freuen wir uns lediglich über Update XYZ. Bugfixes, evtl. ein neues Feature, abgeschaut von der Konkurrenz. Neuentwicklungen aber — gibt es nicht mehr. Alle Programme, die ich installiert habe, kenne ich schon Ewigkeiten. Seit Jahren gab es kaum eine neues, überzeugendes Programm, welches zum täglichen Must-Have geworden ist. Die Ideenlosigkeit einer ganzen Branche, siehe auch die CeBIT, steht exemplarisch für diese Entwicklung.

Wir waren zur Hochkultur der Forenkriege dabei, gründeten ein mehr oder weniger erfolgreiches eigenes Forum um uns dann doch schnell wieder zu verabschieden. Schon damals waren Foren tot, um nicht zu sagen Web 1.0. Es war alles schon einmal dagewesen, ein kleiner Prozentteil der User war aktiv, der Rest betrieb, wie wir es immer genannt haben, Contentleeching. Wir haben viele bekannte und unbekannte Foren begleitet. Sei es nun das CC-CB, das g:b oder auch das LaNd – verrückte Gleichgesinnte, die schon damals keinem Streit aus dem Weg gingen. Heute bin ich auf keinem Forum mehr aktiv. Der Erfolg der Foren war gleichzeitig deren Untergang. Die Monetisierung führten zu einer Verflachung, einem Ausverkauf der Werte, des Miteinanders. Wir haben vor Jahren schon einmal das mitgemacht, was heute die deutsche Blogosphäre durchlebt. Die großen Blogs, mit finanziellen Background ausgestattet, werden überleben, die kleinen, der Liebe zur Sache wegen, werden sicherlich auch weiterhin existieren – die Kultur jedoch stirbt aber einen langsamen Tod. Technische Evolution. The Next Big Thing kommt bestimmt.

Ich surfe heute kaum noch ein Forum an, aus alter Verbundenheit ab und zu das CC-CB, das EFB, manchmal noch das g:b. Und auch mein Weblog-Ordner nimmt rapide ab. Bloggen ist Punk? Nein, bloggen ist langweilig und tot. Von wenigen verkauft und medial der Lächerlichkeit preisgegeben. Rote Kampfhähne aus Berlin, die vorgeben für eine ganze Internetkultur zu sprechen – und dabei nicht merken, dass sie für die alten Medien nur als Pausenclowns herhalten. Und wo wir gerade bei den alten Medien sind. Der SPIEGEL, der Stern, die FAZ oder die SZ – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wo ist das Besondere? Wo sind die Dinge, die mich interessieren, mich ansprechen, mit mitnehmen? Oder gehöre ich mit 35 Jahren gar nicht mehr zur so genannten Zielgruppe? Ich habe früher mit gewisser Ehrfurcht den SPIEGEL in Händen gehalten, habe täglich die Neue Osnabrücker Zeitung konsumiert. Heute weiß ich, dort wird auch nur mit Wasser gekocht, das Informationsmonopol besteht zwar noch, das Meinungsmonopol schon lange nicht mehr. Was vom Tage übrig blieb? So gut wie Nichts, wenn ich mir die etablierten Medien anschaue. Ich möchte mehr Meinung der Redakteure, nicht der Verlage, mehr Kolumnen, mehr exklusive Insider-Story, mehr Hintergrund. Die Hoffnung, dass der Freitag diese Lücke auffüllt, habe ich schon fast aufgegeben.

Und F!XMBR? Ich habe immer gesagt, unsere Stärke sei es, uns täglich neu zu erfinden, uns selbst dabei aber immer treu zu bleiben. Zur Zeit stockt auch diese Entwicklung – zur Zeit ist F!XMBR beliebig und langweilig. Ein paar Linktipps hier, ein Video da, die interessanten Dinge geschehen zur Zeit auf unseren Zweitblogs. Ich weiß im Moment auch nicht, wie das zu ändern wäre – aber es muss wieder was passieren. Kurz bevor Robert sein Blog verkauft hat, hatte ich eine ähnliche Idee für F!XMBR. Natürlich kein Verkauf oder eine Versteigerung, das wäre lächerlich, einfach den Stecker ziehen und gut. Frei nach Oliver Kahn. Noch heute habe ich das im Hinterkopf, einfach das Licht aus, sich von Ballast befreien, etwas Neues beginnen. Oder auch mal Werbung zu schalten, sprich ein paar Euro zusätzlich zu verdienen? Ich hätte da eine feine Idee, die es so noch nicht gab. Ich denke im Moment über viele Dinge nach. In der derzeitigen Form spricht mich F!XMBR kaum noch an – es kann aber auch nur eine Phase sein, keine Angst. Ich bin ein Mensch, der sich selbst täglich hinterfragt. Kein Artikel ist so alt wie der gestrige. Auch das kommt dazu: Wenn ich unser Archiv durchgehe, kommt mir manchmal das Grausen. Selbstverständlich stehe ich zu den Texten, doch viele Dinge würde ich heute anders schreiben.

Also liebe Freunde, wenn Ihr Ideen habt, her damit. Sei es Programmtipps, Linktipps oder auch Ideen für die Zukunft F!XMBRs. Ich bin für alles offen, über alles kann gesprochen werden. Was würdet ihr tun, wenn Ihr am Schalthebel von F!XMBR sitzen würdet? Welche Seiten ruft Ihr täglich auf? Ohne welche Programme könnt Ihr nicht mehr leben? Muss ich mir einen Twitter-Account zulegen, um wieder Teil des modernen Internets zu sein? Oder gehöre ich mittlerweile zum alten Eisen? Gibt es da draußen Jemanden, der mal einen Gastbeitrag auf F!XMBR veröffentlichen möchte? Meine E-Mail-Adresse sollte bekannt sein. Jeder stirbt irgendwann, so gerade Dr. House in der gleichnamigen Serie. Es hat zwar nichts zu bedeuten, aber irgendwie passt es, habe ich gerade doch an das Desert Inn, .get privacy und andere Projekte gedacht. Motiviert mich. Eure Tipps und Tricks, Eure Ideen sind herzlich willkommen. Oder langweilt Ihr Euch vielleicht genauso?

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39 Antworten zu “Mich langweilt das Internet”

  1. Dirk sagt:

    Internetmüdigkeit kenne ich ein wenig, stelle fest das ich doch meist wenige bereits bekannte Seiten abgrase und nicht selten immer wieder den selben Inhalt in variabler Form präsentiert bekomme. Auch finde ich kaum neue, interessante Seiten. Wäre da nicht meine Zuneigung zu einem Betriebssystem, seiner Entwicklung, seiner Dokumentation und den Treffpunkten die es dafür im Netz gibt, bräuchte ich (ab von wenigen Kontakten die ich ernsthaft über das Internet pflege; per Email, ich finde soziale Netzwerke und Twitter primär anstrengend) kein Internet.

    Fixmbr gehört für mich zu den Seiten die ich sehr regelmässig besuche und ich habe zum Inhalt zwei Meinungen, wie es ja auch zwei Autoren gibt.

    Oliver macht sich zeitweise etwas rar und ohne das bemeckern zu wollen schreibt er meist über Sachen die ich an anderer Stelle bereits las. Ich will seine Beiträge nicht schlechtreden, ich lese zu diesen Themen scheinbar die selben Quellen.

    Chris wirkt auf mich deutlich politischer, schreibt oftmals Dinge die mich zum Nachdenken, Nachlesen und Überprüfen anregen. Das mag ich sehr. Ich lasse mir gerne Fragen stellen und suche dann nach Antworten und meiner Meinung dazu.

    Flashcontent gucke ich mir schon fast aus Prinzip nicht an, youtube und Konsorten langweilen mich bereits beim Aufruf der Seiten automatisch.

    Das aktuelle Design eurer Seite taugt mir garnicht, aber es ist eure Seite und ihr wisst sicher selbst am besten wie ihr euren Inhalt verpackt.

    Und Programme auf meinem Rechner sind alles alte Dinger, einzig XnView ist noch sowas wie eine Entdeckung. Aber was solls, funktioniert ja. Evtl und vermutlich gab es in den früheren Jahren des Netzes und der Rechner auch mehr Lücken die es zu füllen gab.

    Ich habe Roberts Blog nie regelmässig gelesen, daher wird es mir kaum auffallen wenn es sich ändert. Bei Fixmbr würde ich es registrieren, betrauern allerdings eher nicht. Ich bin da recht pragmatisch und weiche dann vermutlich auf eure Zweitblogs aus. Und das ihr euch komplett zurückzieht will ich zumindest nicht hoffen. Für mich bringt ihr mit Fixmbr und euren weiteren Veröffentlichungen Sinn in meinen Internetanschluss.

  2. dolce sagt:

    wenn etwas belastet muss es weg — bedenke aber — was weg ist kommt nie wieder — nur weil die IBM die re:publica sponsored wird die welt nicht untergehen. ein lifestream ist nichts für euch nehme ich mal an und twitter ist ein nettes tool auch für die direkte kommunikation aber es ersetzt nicht den wohl durchdachten content. also was tun? was nun? podcast, vlog oder ein buch schreiben. keine ahnung.

    ich persönlich bin der meinung, das man inhalte viel mehr poolen muss, um die interessengruppen zusammenzubringen und sprachrohre zu bilden. also nicht viele blogs sondern eine content community. aber weiter bin ich noch nicht. doch, ich hab ne domain reserviert «ex.pliz.it»

    Cheers, dolce

  3. vinz sagt:

    Ich habe meine Gedanken zu deinem Artikel mal in einem eigenen gesammelt. Siehe hier:

    Mich auch.

  4. […] habe ich bei F!XMBR den Artikel “Mich langweilt das Internet” gelesen und bin ins Grübeln gekommen. […]

  5. caschy sagt:

    Danke für diesen Beitrag Chris.

    Ich lese F!XMBR weil es FIX!MBR ist.

    Meine Idee — hänge mit bbPress noch ein Forum an — dann haben wir wieder alles 😉

    Mit Gastbeiträgen werde ich nicht dienen können — es ist für mich super schwer Sachen ausserhalb meines eigenen Blogs in längerer Form zu verfassen.

  6. Robert sagt:

    Hallo Chris,

    also erst einmal eine Information, die dir jetzt vielleicht nicht so weiterhilft: Einer der Blogs, den ich täglich aufrufe, ist F!XMBR :-)

    Nachdem ich jetzt den Artikel zum zweiten und den letzten Absatz zum dritten Mal gelesen habe, ist mir eingefallen, was mir in letzter Zeit in Erinnerung geblieben ist, und das war sehr klein. Wie wäre es denn mit mehr von dieser Sorte? Insgesamt muss ich sagen, dass Bilder bspw. in vielen Blogs dem Text untergeordnet sind, als hübsche Deko (auch wenn sie oft mit viel Liebe ausgewählt werden).

    Was mich ansonsten inspiriert, ist das Leben draußen, die Filme, die dort passieren. Seit einiger Zeit verbringe ich weniger Zeit online und mehr offline, was aber nicht heißt, dass ich weniger schreibe, momentan eigentlich sogar mehr (und auch bei einer Zeitung). Klar, online gibt es auch meine „Tagesschau“, die ich jeden Tag anschaue, F!XMBR, wie oben genannt, dann Fefe, annalist, lawblog, lanu, Rebellen ohne Markt und das Streetgirl; also eigentlich ist es auch recht unspektakulär. Was mir einen Schub gab, war das Buch „Blogs!“, welches ich zu Weihnachten aus dem Antiquariat (das Buch ist gerade einmal fünf Jahre alt) unter die Tanne bestellt und über die Feiertage gelesen habe.

    Twitter ist meiner Meinung nach einfach die nächste Sau, die durchs globale Dorf getrieben wird – sogar die Provinzzeitung in meiner Gegend twittert jetzt. Vielleicht wird das, zumal das Internet nichts vergisst, die nächste grandiose Fehleinschätzung, aber ich glaube nicht, dass es in einem Jahr noch ein großes Interesse für Microblogging gibt. So, jetzt ist es hier in Stein gemeißelt und hoffentlich vergesse ich diese Aussage nicht, damit ich sie in einem Jahr überprüfen kann. Oder kann mich jemand daran erinnern 😉

    Ich glaube, dass es einem mir bekannten Chefredakteur vielleicht ähnlich geht („Langeweile“), er schlug wohl bei einem Redaktionstreffen jetzt letztens vor, dass seine Zeitung (eigentlich gewerkschaftsnah) „einmal im Monat Titanic“ sein sollte, was in der Provinzhauptstadt mit ihren Veranstaltungen gar nicht so schwierig sein dürfte.

    Und jetzt wird es Zeit, mich für heute zu verabschieden.

  7. onli sagt:

    Was du beschreibst klingt für mich nicht nach dem langweilig gewordenen Netz, sondern der zur Gewohnheit gewordenen Besonderheit. Ich kann mich auch noch an Modem-Zeiten erinnern, die bei mir länger gedauert haben (dafür später anfingen) als bei den meisten anderen. Daher weiß ich noch sehr gut, wie langweilig das damals auch sein konnte. Einen Programm mal schnell testen, ein Video schauen? Das dauerte ewig, diese langen Ladezeiten kosteten Geld — und langweilten furchtbar.

    Nimm den Spiegel oder ein anderes Magazin doch einfach mal wieder in die Hand. Auf Papier ist das ein ganz anderes Medium, mit anderer Tiefe. Mag an meiner verqueren Wahrnehmung liegen, kann ja aber auch stimmen: Nicht alles landet im Internet, nicht alles wird im Internet gleich wahrgenommen. Von der letzten Spiegel-Ausgabe die ich hier hatte habe ich jede Seite gelesen, und so einige sehr interessante Artikel entdeckt. Diese «gewisse Ehrfurcht» war wieder da.

    Vielleicht kommen so auch neue Ideen.

  8. So jung und schon so alt? So frustriert von der eigenen Generation? Ich habe zuweilen das Gefühl, »die Jungen« haben einfach kein Durchhaltevermögen; sage ich mal so als »alter Sack«. Sie haben so etwas gelernt wie »der schnelle Erfolg ist wichtig«. Und erreichbar. Aber Ausdauer nicht. Wenn das nicht geht, zappt man zu was anderem — s. Weizenbaum

    Wir sehen aber — nicht nur aber auch — im Internet, dass der sog. schnelle Erfolg in geplatzten Blasen endet, Web 2.0 wird demnächst wohl auch sein Blubbb! von sich geben.

    Erfolge, »was Neues«, sie dauern — eher mehr als eine Generation. So schnell wie die Technologie»fortschritte« ist das menschliche Hirn und sein Gefühlskostüm nicht. Ich mache mit Computern und IT seit 1970 rum, ich weiss, wovon ich rede — eben auch auf diesem Gebiet. Das Schwärmen von quiekenden Akustikkopplern kann ich nachvollziehen. Aber Nostalgie mit 35?

    Zunächst muss man sich selbst »mitnehmen«, wenn andere folgen ist gut, wenn nicht war man vielleicht zu schnell, auch wenn man auf dem richtigen Weg ist. Aber Ausdauer ist wichtiger als »immer was Neues«.

    Also: Wenn der Frust so weit abgeklungen ist — weitermachen!

  9. romantischer nostalgiker sagt:

    Das folgende ist Satire, sicher sehr böse, aber *nicht* persönlich gemeint! Ich mag F!XMBR und ich will Chris damit nicht in eine Ecke drängen, in die er nicht gehört, das ist mehr eine Satire auf diese leetigen HardcoreOldSchool Leute, die meinen, dass die welt vor dem never-ending September noch in Ordnung war. Nochmal: Satire. Nicht böse gemeint. Kann Chris verstehen, habe keine konstruktive Anwort.

    Achja, wie war das früher alles besser!

    In neonfarbenen Klamotten vor dem ersten 386er auf die grieseligen Porno-GIFs aus dem Fido oder einem BBS warten. Das kennen die «Kids» von heute ja gar nicht mehr. Die ziehen sich ihre BluRay-HD-Russenpornos mit Standleitung von Rapidshare.

    Ich weiss noch, mein erstes Wares-Programm (ja, wir waren so «alte Schule», wir haben noch ‘s’ geschrieben statt ‘z’ und ‘u’ statt ‘00’), Pacman für Commodore 64, auf dreihundert Datasetten, in monatelanger Kleinarbeit. Und die Jugend von heute? Lasert sich ihr World of Warcraft als Warez per Bluetooth aufs Netbook.

    A propos Mobil: So was wie Handys hatten wir ja gar nicht! Wenn wir unterwegs telefonieren wollten, nutzten wir einfach das AsFuKrg (Aussen Stationierbares Funk Und Kofferradiogerät), einen zwanzig Kilo schweren Koffer, darin ein CB-Funkgerät mit Kurbel-Generator. Da brauchte man noch Muskelkraft!

    Aber die Jugend von heute ist so schlaff, verweichlicht und fett, die können ja kaum noch die Senden-taste drücken, um ihre Schulklo-Gruppenficks per MMS nach Bittorrent zu laden. Gabs ja alles nicht bei uns, waren ja noch andere Zeiten! Wir haben noch die Wichsvorlagen auf Karopapier gemalt und anschließend als ASCII-Art abgetippt. Und wir haben uns auch einen von der Palme wedeln können!

    Früher, ach!, was gab es da für Programme, was herrschte noch Kraft und Elan! Ein jeder schrieb sich seinen eigenen IRC-Client, aus einfachsten Materialien: Ein bisschen Stapelverarbeitung, ein bisschen Basic, hier und da ein Sprenkler Assembler und viel Ellenbogenschmalz. Und die Welt war in Ordnung, bis AOL kam, und mit ihm ein Schwall dekadenter, trotteliger amerikanischer Fretboys. Wahrlich schlimmer als der Elfte September 2001 war der elfte September 1992. Und dann dieses WWW, dieses verdammte WWW! Blinkende Katzenbilder. Überall. Und ich glaubte an Gopher, ich glaubte mit meiner ganzen jungen und unschuldigen Seele an Gopher — vergebens. Ich muss heute noch oft weinen deswegen, ich schäme mich dessen nicht.

    Das ist wohl einfach eine Generationensache. Unsere Generation, die Pre-WWW-Generation, hat dieses Netz ja maßgeblich aufgebaut. Das dankt uns heute keiner mehr, es ist nicht mehr «en vogue»: Damals sei alles schlecht gewesen, etc. pp. Diese ganze neu-modische, amerikanische Ideologie. Peer2Peer, Web 2.0, Wisdom of the Masses, das ist doch mumpitz! MUMPITZ! Zu meiner Zeit galt noch die eiserne Regel: Ein Host, ein Netz, ein Admin. Unsere Ehre hieß Elite (NICHT: l33t!). Und man darf nicht vergessen: Wir haben damals auch Datenautobahnen gebaut, es war beileibe nicht alles schlecht.

    Manchmal, wenn ich mit meinem Enkel unterhalte, den der liberale Fatzke von einem Schwiegersohn so netzneutral erzogen hat, da frage ich mich auch: Sind so viele Kameraden umsonst offline gegangen? Ist die heilige Kraft der Generation X tatsächlich versiegt? Auch ich verzweifle von Zeit zu Zeit und denke an die guten alten Zeiten zurück, als Computernutzer noch Computernutzer, echte Männer waren, nicht bloß content-generierende Schwächlinge, User und Trolle. Aber ich hoffe darauf, dass eines Tages jemand den Stecker zieht und diese Entwicklung aufhält, die Userfrage endlöst. Und meinem Schwiegersohn, diesem frechen Lümmel mit seinem impertinenten Blog und dem Dreckskerl von einem Nachbarsjungen, der Nackfotos von mir auf Myspace gestellt hat, werden endlich die Zugänge gesperrt. Und dann werde ich die Kameraden reaktivieren und wir werden gemeinsam online gehen, wir Veteranen, endlich befreit von dieser Ur-Plage, endlich wieder eine reine und kraftvolle Nutzerbasis. Und die die heute lachen, werden dann nicht mehr lachen!

  10. exorbitant sagt:

    So langsam bekomme ich ein mulmiges Gefühl. Schau mal, was der Nachtwächter gestern losgelassen hat: Übers Bloggen (15): Keine Lust mehr

    OK, der Sommer steht vor der Tür — real-life etc — wer braucht da noch einen Computer, um sich zu unterhalten? Dabei wird die warme Jahrezeit sicherlich in Verbindung mit der sog. Finanzkrise und dem sog. Wahlkampf den Gärungsprozess in der denkenden Bevölkerung weiter anheizen. Die auch von euch betriebene Medienanalyse ist nicht nur für mich unverzichtbar geworden. Ich verspreche Dir, Du wirst dieses Ventil nicht nur in Bezug auf die noch kommenden Lügen «unserer» Politikerdarsteller brauchen. Bitte macht weiter in Vorfreude auf einen heißen Herbst.

    Vielleicht könnt Ihr dem eingangs genannten Richtigdichter in diesem Zusammenhang ein Asyl gewähren?

  11. phoibos sagt:

    chris, mach urlaub 😉

    ich werde nächste woche in den urlaub gefahren und hoffe, dass die welt wieder cool ist, wenn ich zurückkomme…

    aber ich verstehe dich und auch oli, denn in vielem wird er dir zustimmen und hat ja auch schon mal hier und dort den stecker gezogen… ja, das netz ist langweilig geworden. alle welt eiert in den verflachten «the noise is the signal»-gedönse rum. immer mehr interessante inhalte werden durch «content» (wohl ein webzwonull-wort für bullshit-bingo) ersetzt oder, schlimmer noch, durch linklisten. das habe ich aber schon zum ende der webwarez-ära erlebt. ich für meinen teil surfe euch regelmäßig an, deviantart, efb, heise und ein paar fontseiten. ansonsten treibe ich mich auf der wikipedia ziellos herum und lasse mich inspirieren. erfüllend ist das nicht wirklich. also gehe ich raus, treff mich mit freunden. unterhalte mich. ist vielleicht webfünfnull wieder die kneipe an der ecke?

    ciao
    phoibos

  12. bernd sagt:

    Seit Jahren gab es kaum eine neues, überzeugendes Programm, welches zum täglichen Must-Have geworden ist. Die Ideenlosigkeit einer ganzen Branche, siehe auch die CeBIT, steht exemplarisch für diese Entwicklung.

    Da gebe ich dir absolut recht, dabei gäbe es dennoch so viel was noch nicht da ist.

    Und F!XMBR? Ich habe immer gesagt, unsere Stärke sei es, uns täglich neu zu erfinden, uns selbst dabei aber immer treu zu bleiben. Zur Zeit stockt auch diese Entwicklung – zur Zeit ist F!XMBR beliebig und langweilig.
    Ach was, da ist nix langweilig – man kann nicht immer 100% geben. Manchmal stocken eben die Dinge…

    Ok, bearbeite ich mal Deine Punkte ab 😉 :
    Welche Seiten ruft Ihr täglich auf?
    heise.de, prolinux.de, fixmbr.de, tagesschau.de und wenn es mal wieder was Neues gibt: chruetertee.ch, Fischblog, grUNIX und das wars dann auch schon. Oh google und leo auch noch 😉

    Ohne welche Programme könnt Ihr nicht mehr leben?
    Gimp, LaTeX, NeoOffice (oder auch OpenOffice), AppleMail, iCal, InkScape, Skype *grins*, iTunes *duck*, Quicksilver, Firefox. Unheimlich schade fände ich es auch, wenn es kein FreeBSD mehr geben würde.

    Muss ich mir einen Twitter-Account zulegen, um wieder Teil des modernen Internets zu sein? Oder gehöre ich mittlerweile zum alten Eisen?

    Das kann ich dir nicht beantworten. Ich für mich lege mir keinen Twitter-Account zu. Tröste Dich ich bin 4 Jahre jünger und gehöre wohl auch schon zum alten Eisen. Twitter… 😀

    Jeder stirbt irgendwann, so gerade Dr. House in der gleichnamigen Serie.

    Habs auch gesehen. Du könntest alternativ eine Dr. House Fan Sparte eröffnen. 😀

    Motiviert mich. Eure Tipps und Tricks, Eure Ideen sind herzlich willkommen. Oder langweilt Ihr Euch vielleicht genauso?

    Tipps? Tricks? Ich schreibe (wenn man das so nennen darf) wenn ich Lust habe – soll es lesen wer will – ob er/sie/es gut findet ist mir dabei auch schnuppe. :)
    Ich versuche Teile meines kümmerlichen Wissens oder anderen Content weiter zu geben, ob es für irgendeine Person dabei relevant sein könnte, ist mir dabei ebenfalls egal. Ob Rezepte für Kuchen, HowTos, Bilder von denen ich denke dass sie einen Reiz haben – kurz: nimm was’t brauchst!

  13. Lupus sagt:

    Chris? Hast Du uns irgendwann mal belogen und bist doch schon >50? Ansonsten kann ich nur sagen, 1 Blogeintrag pro Tag tuts auch — als Hardcoreblogger hast Du es wohl einfach mal ein wenig übertrieben. Ich kenne sowas und überhaupt — wenn es bei Dir damals an der Uni schon eine 2 Mbit Leitung musst Du verdammt jung sein. Da war doch schon alles gelaufen. Also ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen ich mir einen 50 Kg Fernschreiber mittels Platine und dazugehörigem Codeschnipsel so umgebaut habe, dass ich den als Drucker für einen Color Genie EG 2000 einsetzen konnte. Und ich sage Dir Baudot-Code ist echt doof — ein Dollerzeichen zu drucken hiess damals ein S zu drucken, dann einen Schritt zurück und dann ein / darüber zu hämmern. Was habe ich einen Ärger bekommen, bloß weil ich mir mal eine Woche lang mit der Methode einen HexDump des Systemroms machen wollte.

    Das FidoNetz befand sich grad im Aufbau und wer schon privat mit 2.400er Akustikkoppler aus den Staaten ausgetstattet war, war der King — nein, nicht der Strasse, der ganzen Stadt!

    Vielleicht sollte ich Dir mal einen Artikel schreiben der richtig Retro ist — Du gehörst doch schon zur MausklickerGeneration — PAH!

  14. Wolf-Dieter sagt:

    Ich sehe es anders.

    Mein Einstieg ins Internet (Ende der 90er) war ein zäher. Ich musste innere Widerstände überwinden, und ich brauchte einen konkreten Anlass. Danach freilich wurde ich ich süchtig, das ging zackzack.

    Vielleicht ist der Reiz der Neuheit raus. Das alltägliche Surfen ist Alltag geworden. Wird es dadurch langweilig? Mitnichten. Sondern die Quantität ist in Qualität umgeschlagen.

    Mein Informationsstand über die Welt ist wesentlich besser geworden, und über meine Homepage habe ich Gelegenheit, meine «lange Fresse» in die Öffentlichkeit rauszuhängen.

    Nein. Die Zeiten sind nicht schlechter geworden. Sondern Besser!

  15. .campino2k sagt:

    Ich mache mit beim Langweilen. Wobei es für mich als Entwickler und Designer weiterhin einigermaßen spannend ist, die Entwicklung unter der Haube mitzumachen, zu beobachten. Man lernt ja nie aus und so.

    Trotzdem kann ich dich verstehen, das gelangweilte kenne ich durchaus. Mein Tipp: Einfach mal ne Woche abschalten oder so. Dein Internet, nicht F!XMBR.

    Kopf hoch, Augen geradeaus!

  16. Sieht schwer nach ‘Midlife(Internet)-Krisis’ aus — einfach mal ein paar Tage aussetzen, raus in die Natur, den Druck des täglich etwas schreiben rausnehmen. Dann kommt der Spass wieder; Themen gibt es (und wird es immer) genug geben.

  17. JensBest sagt:

    Ein wenig Nostalgie kam auch in mir auf als ich deinen Artikel las. An der Schule war einer meiner Mitschüler Sohn von einem Chef von Zenith (Hardware, kennt das noch jemand?) und unser Computer-Raum war ein beliebter Treffpunkt für irgendwie kreativ-logisches und auch gern mal ein bisserl subversives. und Jahre später meine erste Email.…ach Ich will jetzt garnicht anfangen einzutauchen.

    Dennoch. It’s 2009, rocker und wer von der Nostalgie-Welle überrollt wird soll schnell die unterhaltsamen 4 Minuten mit Louis CK’s «Everything’s amazing, nobody’s happy» anschauen:

    Everything’s amazing, nobody’s happy

    Und die Frontleute zu beschimpfen ist auch müßig. Sixtus, Lobo etc. vertreten öffentlich ihre Marke und beraten sicher genauso kompentent wie andere stillere Gesellen Leute, die den ganzen Impact des Internets auf die Gesellschaft verstehen und in ihrem Bereich umsetzen wollen.

    ES GIBT NOCH GENUG ZU TUN. Das Internet trägt die große Chance offenere Diskussionen und andere gesellschaftlichen Teilhabe zu ermöglichen. Dass die vielen Ausdrucksformen erstmal spielerisch eingesetzt wurden und werden ist nur menschlich. Dass nun aber langsam immer mehr und gerade long-time-user nach mehr Sinn suchen, ist ein gutes Zeichen dafür, dass mit dem Internet eine (andere) Gesellschaft gestaltbar geworden ist. Die Verbreitung ist da, der Anspruch wie das Internet zu nutzen ist auf unerwartet hohem Niveau gehalten worden.

    Klar, die alten Verführer, Besitzstandswahrer und konservativen Biz-Holzköpfe haben ihre anzugs-bewehrten Armeen auch mittlerweile digital aufgestellt und für die, die einfaches suchen, das Unterschichten-Internet mit wer-kennt-wen, rtl.de etc. eingeführt.

    Aber die Gruppe derjenigen, die das Internet als einen Ort des Diskurses, der kollaborativen Meinungs– und Entscheidungsfindung entdeckt und schätzen gelernt haben, hat auch eine bemerkenswerte Größe erreicht.

    Also, die Gesellschaft ist im Internet angekommen, schauen wir das sie es nicht verhunzt, sondern an ihm wächst. Und wenn es dir nicht mehr subversiv genug ist, schlage ich eine location-änderung vor. Ägypten, Birma, China. Alles Orte, wo ein Internet-Spezi noch wahrlich Teil des demokratischen Widerstandes sein kann.
    Aber eigentlich heisst es: Bleibt zuhause und wehr dich täglich — auch digital. lolcats r zhere to diztract u frum ze ®evolution

  18. Plusculus sagt:

    Was einem neue Möglichkeiten bietet ist, herauszufinden welche Spezialinteressen einem liegen. Es scharen sich neue Leute um einen und ein neuer Wissensdurst bildet sich, der fast euphorisch gestillt werden möchte. Wer kein Spezialinteresse entdecken kann, darf sich gerne mit «anders gearteten» Menschen unterhalten. Menschen, die von der Norm abweichen. Raus aus der Routine, damit wieder neue Nervenzellen, — bahnen und Synapsen gebildet werden.

    Unabhängig von all dem Internet-Firlefanz und dem Drumherum, was hab ich noch nicht gemacht, egal wie banal oder kompliziert es klingt?

    - Kann ich etwas mit Neurobiologie und Hirnforschung anfangen?
    – Habe ich einen Büchereiausweis?
    – Könnte mich Mathematik interessieren, obwohl ich es hasse?
    – Habe ich für Ordnung auf meinen Festplatten gesorgt? (Es entspannt mich, Daten auf meiner Platte zu sortieren)
    – Kann ich neue Lernmethoden erschliessen, auch wenn ich nicht mehr zur Schule gehe?
    – Könnte mich Sport interessieren?
    – Kann ich mich noch weiter individualisieren, mich vom Mainstream abgrenzen, um zu zeigen: Hey! Ihr könnt mich mal passiv… 😉
    – Welche Themen interessierten mich damals, die ich aber nie weiter verfolgt habe?
    – Richte ich mein Themengebiet anders aus? Wenn ja… (siehe Spezialinteresse)
    – Zeige ich den Leuten genug Gefühl (Stichpunkte zu einem musikalischem Artikel genügen)? Muss es immer «Brainfood» sein?
    – Ist es mir möglich, durch den Kopf schiessende Gedanken in angeschwollene, leicht zu lesende Worte zu fassen? Wenn ja, tu es!
    – Zeichnen? Kann ich das überhaupt?
    – Bin ich depressiv?
    – Stelle ich zu viele Fragen? 😀

    Ich wünsche weiterhin viel Erfolg!
    Gruß
    Plusculus

  19. slowcar sagt:

    hurra, cosmo connor! das war echt grossartig damals!
    (auch wenn ich auf disketten nur arj-archive mit doom2 rumgeschleppt hab)

  20. Vermutlich bin ich etwas zu jung um einige der beschriebenen Dinge nachvollziehen zu können, oder um jetzt in Nostalgie verfallen zu können.

    Letztlich ist es doch so, dass alles irgendwann zur Gewohnheitssache wird. Am Anfang ist natürlich erstmal alles neu und interessant, aber wenn man jeden Tag mit etwas zu tun hat, dann kann es irgendwann nun mal nicht mehr neu und interessant sein. Hinzu kommt die Veränderung des Medium Internets in eine Richtung, die mir schon mit meinen 20 Jahren völlig zuwieder ist. Es scheint nur noch darum zu gehen möglichst viel sinnfreien Content auf irgendwelchen Seiten mit unaussprechlichen Namen zu posten. Wenn man nichts zu sagen hat, dann sagt man es im Internet, oder so ähnlich. Viele schon lange bestehende Projekte / Seiten bleiben zwar weiter erhalten, aber auch die können sich nicht ständig selbst neu erfinden, irgendwann werden Sachen langweilig, man verliert das Interesse aus vielfältigen Gründen.

    Die Frage ob mich das Internet langweilt, kann ich so nicht wirklich beantworten, weil ich die im Artikel beschriebene »Euphorie« längts vergangener Zeiten nicht kenne. In gewisser Weise ist das Internet für mich etwas »gewohntes«, quasi wie wenn man jeden Tag eine Zeitung liest. Es ist nicht so, dass ich mich wie ein frisch paniertes Schnitzel amüsiere / freue, wenn ich online bin, weil es nichts besonderes ist. Gleichzeitig kann ich aber auch nicht sagen, dass ich mich langweilen würde, sonst würde ich es nicht mehr nutzen.

    Dann kommt natürlich noch die Frage mit dem Bloggen. Die Feststellung, dass F!XMBR in letzter Zeit unglaublich austauschbar geworden ist, habe ich auch schon gemacht. Vielleicht ist das in gewisser Weise das Resultat, wenn man einen verhältnismäßig großen Blog betreibt, dass man auf der einen Seite etwas öfter als einmal in der Woche schreiben muss, man aber gleichzeitig nicht jeden Müll veröffentlichen will. Man kann nun mal nicht immer irgendwelche interessanten Themen haben. Ich kenne das von mir selber gut genug; diese Woche habe ich jede Menge Ideen, was nächste Woche ist weiß ich nicht, ich werde aber nicht anfangen etwas zu schreiben, nur um des schreibens Willen. Von hier aus kommt man natürlich wieder auf die Frage nach den DIngen die einen Interessieren, vermutlich auch Dinge die das Internet interessant machen. Wenn man so etwas findet, kann man darüber schreiben, wenn nicht, dann nicht. Man kann aber auch nicht erwarten, dass die interessanten Dinge immer und überall sind. Gerade in Zeiten wo jeder meint irgendwo Sozialprostitution begehen zu müssen. Die Interessante Dinge sind in einer stetig wachsenden Masse an Content natürlich rar gesät, sie zu finden fast unmöglich.

    Was bleibt also? Sich einfach treiben lassen, schlafwandlerisches Gleiten? Vermutlich. Man kann vom Medium Internet heute nicht mehr erwarten, dass es jeden Tag aufs neue Interessantes, oder gar neues bietet. Inwieweit das akzeptabel ist, muss jeder selbst entscheiden. Viel anderes bleibt vermutlich nicht übrig; oder um es anders zu formulieren: Einfach mal einen Gang runterschalten und lockerer angehen lassen.

  21. jack sagt:

    Jaja… die Zeiten ändern sich 😉 . Ich kann mich noch erinnern an die Aufregung, als wir den ersten Computer im Hause hatten… ein Sinclair ZX oder sowas… später dann natürlich der C64. Ich wette, die Leute, die die ersten Töne aus einem Phonographen vernahmen, waren in größerer Verzückung als man heute mit der dicksten Stereoanlage hervorrufen könnte. So ist es eben. Wenn man im analogen Zeitalter ein Bild aus einer Zeitung haben wollte, um es an die Wand zu hängen, musste man die Zeitung kaufen und es ausschneiden. Scanner gab es nicht. Und wer kennt noch die alten lila Matrizendrucke?

    Ich will Euch nicht mit mehr Nostalgie langweilen.
    Aber manches wird eben einfach selbstverständlich und verliert damit den Reiz des Neuen.
    Die Bedürfnisse nach Textverarbeitung, Bildbearbeitung, Videoschnitt…etc… waren eben irgendwann weitgehend befriedigt. Bis dahin war jedes neue Programm ein Abenteuer.
    Als ich vor etwa 12 Jahren ins Web einstieg, da war es aufregend und der Kommerz hatte es noch nicht im Griff. Ein Hauch von Anarchismus wehte und nur eine Minderheit war im Web aktiv (Die Warezseite von Cosmo C. kenne ich auch noch). Allerdings war es auch scheiße lahm! Und man musste immer auf die Uhr gucken, weil es sonst so teuer wurde.
    Nun hat sich alles weiterentwickelt, wird Routine, aber findet auch mehr Verbreitung. Damit ändert sich auch die Funktion. Der technisch weniger versierte User wird zur Zielgruppe. So geht es geht mehr um die Inhalte.

    Darin sehe ich heute die Chance. Für mich ist das Web heute vor allem Informationsquelle abseits des doch sehr gleichgeschalteten Mainstreams. Außerdem habe ich die interessantesten neuen Freundschaften (die sich auch ins «Real Life» retten konnten) in den letzten jahren über das Web geschlossen.

    Was mir eher Kummer macht, ist, dass immer mehr «Zäune» gezogen werden im ehemals freien Webgebiet.
    Dazu gehören die Abmahneritis, Rechteschacherei, Geldmacherei, Zensur…
    All das erstickt Kreativität und führt zur Schere im Kopf. Das ist es, was mir wirklich einmal den Spaß am Web verderben könnte.

    Natürlich muss man auch nicht jeden Tag bloggen. Man kann auch mal spazieren gehen, oder, wie es so schön heißt, für eine Weile die «Leinwand zur Wand drehen», bis wieder neue Ideen kommen. Da verhält es sich mit dem Web nicht anders als mit der Schreibmaschine oder eben besagter Leinwand.

  22. Alexz sagt:

    Die Sinnfrage stelle ich mir zur Zeit auch (wieder). Liegt wahrscheinlich daran, dass es wärmer wird draußen und der Drang, etwas mehr reales Leben zu erleben, dadurch stärker wird?
    Letztes Jahr um die Zeit hatte ich schon ähnliche Gedanken, als Ergebnis hab ich zu Hause die DSL-Leitung gekappt. Naja, real-life-Anteil ist gestiegen, wichtige Dinge im Internet kläre ich tagsüber oder per UMTS-Stick.
    Die aufregende Pionierzeit ist vorbei, Internet gehört heutzutage dazu wie das Fernsehen. Machen wir das beste draus.

  23. dolce sagt:

    Die aufregende Pionierzeit ist vorbei, .… hat man in den 1970ern auch gesagt und in den 90ern das D — Netz mit GSM eingeführt. Da war das Feuer wieder am lodern, oder?

    Heutzutage ist die Basistechnologie vllt. nicht mehr so interessant, aber was im Netz geschieht doch um so mehr!

    Also: Das Internet ist langweilig. Blogs sind tot. Twitter ist ein Sch**ß und.…

    … früher war alles besser.

    bin > 40 also lasst das Alter weg, @robgreen hat gestern ältere Twitterer gesucht Ergebnis: 72 Lenze

  24. phoibos sagt:

    wo wir schon dabei sind, in nostalgie zu schwelgen: was macht ihr mit den ganzen alten programmen, die bei euch auf den platten hausen? diese programme, die so nützlich sind wie der ikea-krams vor der kasse (von der kategorie haste-nie-gesehen-kannste-aber-bestimmt-mal-gebrauchen-und-wolltest-sowieso-schon-immer-haben). ich hab bestimmt ein, zwei gb mit kleinen und kleinsten tools, die irgendwas machen, aber heute letztlich gar nichts (oder ich merk es schlicht nicht). so a la im mirc ich-hab-mal-eben-ne-bat-geschrieben-für-nerviges-feature-abstellen… oder diese unendlichen freeware-perlen, die man auf dem efb findet, aber de facto niemals braucht…

    einfach in bausch und bogen löschen? ich hab das mal versucht. ich kam mir vor wie jemand, der bücher verbrennt…

  25. Chris sagt:

    Wow, danke erstmal für Eure Kommentare. :)

    @Dirk: Ich bin sicher, dass es kaum einen interessieren würde, wenn F!XMBR morgen verschwinden würde. Wer zu uns Kontakt halten möchte, tut das. Das gleiche gilt im Übrigen für jede Webseite da draußen… 😉

    Ja, so sehe ich das auch — wenn auch viel Herzblut hier in F!XMBR steckt.

    @dolce: was weg ist kommt nie wieder — Ich glaube, das ist genau der Punkt, der mich nicht den Stecker ziehen lässt. Wir haben hier als kleines Privatblog Großes geschaffen. Das schließt man nicht einfach.

    Hm, 72 Lenze, dann habe ich ja noch Zeit… 😀

    @vinz: Melancholie, hm, ja, eher das eigene Tun reflektieren, einfach auch mal nachfragen, was die Leser denken. Ich sehe hier auf einmal Leute, die habe ich noch nie gesehen. Das ist schon fein.

    @caschy: Ein Forum wird nich wiederkommen. Ne, hilfe… 😀

    @Robert: Danke. Du hast recht — bei jedem Bild, was ich einbinde, steckt Recherche hinter und ein Gedanke. Mi gefällts. Ich schau mal, dass ich zur nächsten Woche einen neuen Wettbewerb starte. :)

    @onli: Die Besonderheit wird Gewohnheit? Hm, kann evtl. sein. F!XMBR ist, war (?) etwas Großes. Wie nun wieder es zu etwas Besonderem machen? Da daruaßen gibt es Leute, die beißen täglich in die Tischkante, dass es F!XMBR gibt. Allein das ist es wert, dass F!XMBR bestehen bleibt. Der wichtigste Grund sind aber die Leser. Und nein, den Spiegel werde ich nicht in die Hand nehmen, da muss ich ja hinterher schauen, ob sie nicht, ähm, abgefault ist… 😀

    @Reinhard: Ja, manchmal fühle ich mich richtig alt. Wenn ich diese ganzen Jungspunde da draußen sehe, ohne Respekt vor den Älteren. Das erinnert mich an mich — damals, ja damals. 😀

    @ romantischer nostalgiker: Früher war alles besser!!!!!!!einself!!!!!!!

    @ exorbitant: Ups, den Nachtwächter hatte ich gar nicht gelesen. Auch dort der Blogblues? Hm, scheint ansteckend zu sein. Jetzt weiß ich, wer schuld ist… 😀

    @phoibs: Urlaub, jahaaa. 😀 Irgendwie quer durch die ganze Welt. Darüber bloggen. Hach… 😉 Bin ich jetzt böse, wenn ich sage, ich lösche das meiste alte Gegriffel? *g* Die meisten Tools gibt es ja auch noch irgendwo zum Runterladen, alle Versionen. Vielleicht. 😀

    @ bernd: Feine Programme und URLs dabei. Wundert es, wenn es große Überschneidungen gibt? 😀

    @lupos: Ich gehöre zur C64-Generation. Ganz alte Zeiten, da schrieb ich auch schon drüber… 😉

    @Wolf-Dieter: Die Zeiten sind besser geworden. Da ist was dran. Ich glaube, das muss man sich jeden Tag bewusst machen. *grübelt*

    @.campino2k: Internet abschalten? Args. *zitter* *schweißausbrüche* *kalter entzug* 😀

    @JensBest: Und die Frontleute zu beschimpfen ist auch müßig. Da ist auch was dran. Der letzte Niggemeier-Artikel war in der Sache richtig, aber er ist halt Volksheld. Sowas tut man natürlich nicht. Mein Fehler. 😉 THX für Deinen Kommentar. :)

    @Plusculus: 42 😀

    @slowcar: Ja, der Cosmo… *fg*

    @Christian | the headlight: Einen Gang runterschalten ist eine gute Idee… :)

    @jack: Naja, das so genannte Wissensnetz muss man heute leider mit der Lupe suchen. Hoffen wir, dass es nicht ausstirbt…

    @Alexz: DSL-Leitung gekappt? Bist du wahnsinnig??? 😀

    Args, Ihr macht mich fertig, so viel geschrieben… 😉

  26. […] Die Welt ist so langweilig geworden. So richtig bewusst wurde mir das aber erst jetzt, als ich diesen Artikel auf fixmbr.de gelesen habe. Er beschreibt dort, warum er das Internet langweilig findet, und da hat er garnicht […]

  27. […] Mich langweilt das Internet — klagt Chris auf F!XMBR auf recht unterhaltsame Weise, und motiviert damit andere zu einem besinnlichen Kommentargespräch. […]

  28. Herr Q. sagt:

    Hallo Chris,

    und noch mehr Geschreibsel,

    anmerkend, Fixmbr war ein Fixpunkt zum Einstieg in die Log-Dings-Sphäre.
    Eure techniklastige und .get-privacy Schlagseite hat mir gefallen. Die vermisse ich. Ok, bei ersterer tut sich nicht wirklich viel. Bei letzterer überschlagen sich unsere Politiker mit Ideen.

    Dein politischer Ton ist mir in letzter Zeit zu polemisch. Klar hier wurde vor Sarkasmus und Co gewarnt. Mir ist es zu viel.
    Ich weiß, das die SPD das S streichen könnte, ich weis, dass man der CDU einen Buchstaben klauen könnte und verstehe nicht, wieso die Neoliberalen jetzt in Form ihrer Partei gefeiert werden.

    Irgendwie ist alles gesagt worden, die es hören wollten hörten, es alle anderen nicht. Politische Änderung? Gibt es. Im Traum.

    Dein Bundestagartikel stach positiv heraus.

    Die letzten Tubevideos? Hab ich alle nicht gesehen. Reicht das verlinken dieser nicht auch? Stört (mich :-), wenn man die auf der Frontseite hat.

    Eure Linkssammlungen finde ich erfrischend. so bin ich auf andere Seiten erst aufmerksam geworden.

    Was der Oliver von sich gibt passt, weil ich auf den Unix-Portalen weniger unterwegs bin.

    Eine Lösung hab ich nicht. Schraube Dein Tempo runter, wieso sollte eine Publikation an der Quantität gemessen werden. Stammleser lesen wegen des Inhaltes.
    Und ich würde den Wegfall vermissen. Euch stattdessen auf Identi.ca stalken hab ich nicht vor.

    Gastartikel sind ein komischer Gedanke.

    Abgesehen davon war dieser Artikel, Ausschlag mal meinen Kurs zu hinterfragen… 😉

  29. Welche Langeweile?…

    Tja, bei einer Schreibkrise[1] bin ich dabei. Ich frage mich was tue ich hier?
    Was ich hier nicht tue, ist über Fotografie schreiben. Es passt irgendwie nicht in den Kontext? Gut.
    Und was passiert hier sonst?
    Gelegentlich kommt ein Artikel, gelegentli…

  30. john doe sagt:

    z.T. ACK
    Schaue dir doch mal fora.tv an
    z.B. die /Talks von Paul Krugman, dem Wirtschaftsnobelpreisträger von 2008
    The Future of the Middle Class

  31. Onno sagt:

    Midlife.

    «Pop out more!» geht nicht immer und allezeit und dennoch können Dinge, Beziehungen und Entwicklungen faszinierend sein. Kommt auf die Sicht an.

  32. […] Zeit habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, doch nun war ich erstaunt, dass ich nicht der Einzige bin dem das Internet irgendwie zu langweilig geworden ist. Meine täglichen […]

  33. marcel sagt:

    mach urlaub.

    fixmbr:

    frische gedanken muessen auch irgendwo herkommen. ich mag diese seite, weil ich mich so grandios ueber manche artikel hier aufregen kann. deshalb komme ich gerne wieder, und wuerde das nicht gerne missen wollen. ich brauche meine taegliche gegendarstellung 😉

    internet allgemein:

    stimmt, langweilt mich auch. ich rate zur entschleunigung und konzentriere mich auf inhalt. defaultbrowsing ueber tor seit jahresanfang unterstuetzt dieses unterfangen perfekt *g*
    ernsthaft: durch die geschwindigkeitseinbussen geht man da bewusster ran.

    viel spass noch.

  34. Jenope sagt:

    Diese Art von Müdigkeit, das Gefühl von «alles schon gesehen zu haben». Dies ist aber genau die Zeit, die am fruchtbarsten sein kann. Erfinde F!XMBR neu! Mach etwas was es noch nicht gab, etwas was dir schon Lange gefehlt hat. Oder gehe den alten Weg weiter und festige ihn. Wie weiter oben angemerkt wurde, Qualität geht über Quantität. Weniger ist mehr.

  35. Chris sagt:

    @Herr Q.: Das .get-privacy-Kram wäre Perlen vor dei Säue werfen. Und die, die es wirklich interessiert, die haben genug andere Anlaufstellen. Und was die politischen Inhalte angeht, gerade in letzter Zeit sind sie weniger polemisch. Schau m’er mal…

    @john doe: Danke für den Link.

    @Onno: Hey, für die midlife crisis bin ich noch zu jung… 😀

    @marcel: Hach, Urlaub, ja, das wäre fein…

    @Jenope: Mal schauen, was mir einfällt. :)

  36. Simson sagt:

    Komisch, die gleichen Gedanken plagen mich auch schon seit Monaten. Ich glaube allerdings nicht, das früher alles besser war, ganz im Gegenteil. Dieses Gefühl von früher habe ich seit einiger Zeit bei Linux wieder. Oder sollte ich besser sagen, bei OpenSource Software im Allgemeinen. Die Seiten die ich in letzter Zeit vermehrt besuche, sind also zu meist Linux basierend. Egal ob Entwickler-Blogs oder Mailgroups. Habe selbst keine Ahnung vom Programmieren aber es ist einfach spannend zuzuschauen wie solche Projekt voranschreiten und sich organisieren. Dabei ist es immer wieder erstaunlich das es nicht nur um das Projekt geht sondern auch um ganz triviale Dinge, die immer mal wieder dazwischen auftauchen. Man bekommt Lust selbst so etwas zu machen. Und zu großen Teil wird der sehr komplizierte Inhalt geradezu perfekt wieder gegeben. Einfach und verständlich geschrieben. Das Design einer Seite interessiert mich dabei kein Stück und lenkt nur vom wesentlichen ab. Dabei gibt es eine einfache Regel: Um so aufwendiger das Aussehen um so weniger nachhaltig ist der Inhalt. Es überfordert einfach. Es gibt im Netz übrigens auch viele freie Inhalte die keinen Cent kosten wie zum Beispiel das «Projekt Gutenberg» bei Spiegel.de oder die vielen Webseiten die man NICHT über Google erreicht sondern über reudige Linkslisten. So wie früher halt :)

  37. […] Mich langweilt das Internet » F!XMBR — Christ ist gelangweilt vom Internet. Irgendwie hat er Recht, aber was gibts denn für Alternativen? […]

  38. […] F!XMBR: Mich langweilt das InternetDas Internet ist alltäglich geworden, es ist nicht mehr besonders neu, oder aufregend. Gerade, wenn man schon lange dabei ist kann das ein Gefühl von Langeweile mit sich bringen. Gibt es denn noch etwas aufregendes, oder interessantes da draußen? […]

  39. Chris sagt:

    «The Next Big Thing» wird bestimmt Virtual Reality. Ob wir mal tatsächlich unsere
    Gedankenkapazität ins Netz einspeisen werden, wir die Zukunft zeigen.

    Zum Twittern kann ich sagen, es ist ein ganz netter Zeitvertreib. Hat aber irgentwie was vom Chatten und das ist nun ein echt alter Hut.

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