Merlind Theile

spon_wahrheit

Ich glaube in dieser Geschichte ungesehen und ohne jeglichen Zweifel Marina Weisband. Die Frage ist doch: welchen Vorteil und welchen Grund hätte Marina, einen solchen Artikel im Spiegel zu lancieren? Sie hat keinen Grund. Wer sie und ihre Äußerungen in den letzten Wochen verfolgt hat, glaubt nicht im Entferntesten daran, dass sie wieder in den Vorstand der Piraten drängt. Und selbst wenn es der Fall wäre, müsste sie nur «ja» sagen — und die Piraten würden sie mit Kusshand zurücknehmen. Wobei Marina selbstverständlich niemals weg war, sie macht jetzt halt hervorragende Basisarbeit.

Marina Weisband braucht den Spiegel garantiert nicht.
Der Spiegel, Merlind Theile, brauchen aber Marina Weisband.
Es geht um Klicks, Aufmerksamkeit, Zitate in anderen Medien.

Die SZ und andere Medien schreiben, es stehe Aussage gegen Aussage:

«Für die Piraten wäre es wohl das Beste, wenn ich wieder antreten würde», zitiert der Spiegel Aussagen von Weisband. Die 25-Jährige bestreitet jedoch, dass die Formulierung in diesem Wortlaut gefallen sei. Statt dessen habe sie gesagt: «Für die Piraten mag es vielleicht das Beste sein, aber für mich? Ich weiß nicht, ob ich für den Politikbetrieb gemacht bin.»

Wenn man allein obiges Beispiel liest, ist das grober Unfug. Vor der Antwort, für die Piraten wäre es wohl das Beste, wenn ich wieder antreten würde, stand eine Frage — und man kann sich diesen tendenziösen Unsinn bei der Antwort ungefähr vorstellen. Markus Kompa weist in den Kommentaren im Spiegelblog auf einen weiteren Punkt hin:

In Marinas Posting steht: «Ich habe daraufhin gebeten, die Zitate vorher wenigstens sehen zu können. Auch das konnte ich nach Bitten durchsetzen, allerdings ohne Möglichkeit der Einflussnahme. Und auch aus den mir zugeschickten Zitaten wurden teilweise die relevanten Satzteile rausgenommen, neu zusammengesetzt und nach Belieben in neuen Kontext gesetzt, bis ich keines davon wiedererkannte.» Das ist ein anderer Vorwurf als den, den Frau Theile entkräften will.

Zuletzt sei an dieser Stelle angesprochen, dass Marinas Vorwürfe offensichtlich die Arbeitsweise von Merlind Theile widerspiegeln. Markus Kompa hat einige ähnliche Fälle aus der Vergangenheit in seinem Blog zusammengestellt. Obiger Tweet fiel mir heute Mittag spontan ein, als ich das erste Mal über Merlind Theile gelesen hatte. Jetzt hoffe ich, nie wieder von ihr zu lesen. Ein frommer Wunsch — liefern ihre boulevardesken Artikel dem Spiegel doch jede Menge Klicks.

In anderen Ländern sterben Journalisten für die Wahrheit. In Deutschland muss die Wahrheit viel zu oft vor Journalisten verteidigt werden.

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3 Antworten zu “Merlind Theile”

  1. Michael Haufe sagt:

    Sehr glücklich macht es mich — diesen Artikel heute noch zu lesen, nach dieser ganzen Farce.

    Ein volltrefflicher Aphorismus in der Einleitung… und das Wesentliche auf den Punkt gebracht.

    Sehr entlarvend fand ich auch diesen Satz von Merlin Theile:

    “Seit ihrem Rückzug im April habe ich mit Frau Weisband immer wieder über ihre mögliche Rückkehr in die Bundespolitik gesprochen.”

    So schrieb ich heute u. a. in Marinas Blog,
    ’Wenn Jemand gerade zurückgetreten ist, warum spricht man dann ab dem Tag des Rücktritts mit ihm über eine Rückkehr dorthin, von wo er gerade zurückgetreten ist?’

    Wenn es den angeblich über ein halbes Jahr anhaltenden ‘Dialog’ gegeben haben soll, dann müßte Frau Theile doch bemerkt haben, dass Marina Weißband (welche ich gar nicht weiter kenne) einerseits unbedingt mal eine längere Auszeit brauchte, dass sie aber andererseits die Entwicklung in ihrer Partei keinesfalls kalt lässt — was m. E. mehr als verständlich ist. Genau dies wird auch durch Marinas BlogBeitrag deutlich.

    Nun könnte man annehmen, dass das JournalistenHerz höher schlägt, wenn man so nahe an einer jungen Persönlichkeit dran ist… und sich vielleicht wünscht, die Erste zu sein, welche das ComeBack der Öffentlichkeit präsentiert. Dass Frau Theile Journalismus kann, hat sie bspw. in dem Interview mit BundesTagsPräsident Lammert bewiesen. ABER: Warum nutzt sie dann ihre Artikel um die Person Weißband dazu, die Piraten in ein äußerst boulevardeskes Licht zu rücken? Warum will sie der angeschlagenen Interviewten durch einen derartigen Artikel noch zusätzlich die Seele zerreißen?

    Ich glaube, Jeder der einigermaßen denken kann, wird selbst bemerken, worum es den großen, das System stabilisierenden Medien geht. In Abwandlung des den Artikel einleitenden Zitats, möchte ich enden.

    Es gibt Menschen, die sterben für die Wahrheit — und es gibt andere, die ‘töten’ für die AufrechtErhaltung ihrer Lügen.’

  2. N.N. sagt:

    Journalismus, wie man es in der Schule lernt:

    «Guten Tag, ich komme von der Zeitung. Wir würden Sie gerne mal interviewen, die Piraten haben in letzter Zeit ja viel am Programm gearbeitet, einige Pressemitteilungen an uns verschickt, und wir würden unseren Lesern gerne mal erzählen, was Sie nun alles vorhaben, welche Ziele Sie und Ihre Partei vertreten, welche Kritikpunkte Sie an der aktuellen Politik haben, was Ihre Haltung zu aktuellen Fragen ist.»

    Journalismus, wie er dann wirklich ist:

    «Hey Baby, ich kann dich ganz groß rausbringen.»

  3. vera sagt:

    Jepp. Du sagst es.

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