Merkel, Guttenberg und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)

Stop INSMAls aus der Finanzkrise eine Weltwirtschaftskrise wurde, schrieb ich: Wir erleben gerade die Übernahme der Gesellschaft durch den Neoliberalismus. Wer wirklich glaubt, mit dieser Krise würde sich auch der Neoliberalismus, diese unfassbare Unmenschlichkeit erledigen, der hat unsere Elite und die Macht des Geldes unterschätzt. Selbstverständlich wird auch weiterhin die Predigt des freien Marktes gehalten. Die so genannten höchsten Vertreter des Volkes arbeiten auch in Zukunft ganz eng mit ihren Hofschranzen bei Presse, Funk und Fernsehen zusammen, um die Botschaft zweifelhafter Organisationen unters Volk zu bringen. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) war hier schon des Öfteren Thema. Die Forderungen der, verniedlicht ausgedrückt, Arbeitgeberlobby lassen sich schnell zusammenfassen. Ein paar Beispiele: Die Liberalisierung des Arbeitsmarktes — was nichts anderes heißt, als Arbeitnehmerrechte weitestgehend abzubauen. Reform der Bildungspolitik — Studiengebühren, etc. pp. lassen grüßen. Weniger Staat — Privatisierungen allen Ortes, auch das letzte Staatsvermögen wird in private Hände gelegt. Nun sollte man man, das gerade die marktradikalen Organisation, die mit ihren Forderungen des letzten Jahrzehnts die Krise mit zu verantworten hat, auch mal in sich geht und den Mund hält. Doch weit gefehlt.

Die INSM ruft — und Angela Merkel und Karl-Theodor zu Guttenberg kommen, begleitet von der PR-Agentur SPIEGEL. Ich möchte gar nicht viel zu dieser Hofberichterstattung schreiben — das hat nicht viel mit Journalismus zu tun. Ich bin einfach auch müde, ewig darauf hinzuweisen, dass Angela Merkel und natürlich auch der neue Shootingstar von und zu Guttenberg der INSM die Ehre erweisen und ganz in deren Sinne reden und handeln. Vielleicht einfach noch mal dieses Video von ZAPP schauen:

Und ein paar Lesetipps:

Und immer daran denken: Das ist die Organisation, bei der unsere Politiker ein und ausgehen und sich ihre Aufträge abholen. Sozial ist, was Arbeit schafft. Dieser Satz stammt nicht aus dem Wahlprogramm der Union — ausgedacht hat ihn sich die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Aber man kann schreiben, was man will — bestenfalls wird man als Verschwörungstheoretiker abgetan. Bis, ja bis dann mal wieder das Heulen und Zähneklappern groß ist…

Bild: threecee unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

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11 Antworten zu “Merkel, Guttenberg und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)”

  1. […] mehr mit denen beschäftigen die nur das Beste wollen. Das ZAPP-Video auch gleich hier aber den Artikel auf F!XMBR auch […]

  2. Teuchtlurm sagt:

    Ich könnte gar nicht so viel fressen wie… usw.

  3. Sozial — eine Definitionsfrage?…

    Auch wenn’s nicht unbedingt zum Thema Zensur gehört, so doch zu den “typischen Teuchtlurm-Themen“: Bei F!XMBR! stieß ich heute erstmals auf die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Ist wohl an mir vorübergegangen, d…

  4. Phil sagt:

    Sozial ist, was Arbeit schafft. Dieser Satz stammt nicht aus dem Wahlprogramm der Union — ausgedacht hat ihn sich die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

    Und die hat es aus dem 3. Reich übernommen. Da hieß es noch, «Sozial ist, wer Arbeit schafft».

    Pfui Deibel.

  5. Marc B. sagt:

    Und die hat es aus dem 3. Reich übernommen. Da hieß es noch, “Sozial ist, wer Arbeit schafft”.

    Pfui Deibel.

    Wer suchet, der findet.
    Irgendwie kann man alles mit dem dritten Reich in Verbindung bringen. Man kann ja nicht mal mehr „Jedem das Seine” sagen, ohne dass man dafür als Nazi hingestellt wird.

  6. Oliver sagt:

    >Irgendwie kann man alles mit dem dritten Reich in Verbindung bringen

    Irgendwie kann man auch ziemlich alles in Abrede bringen, wenn man es denn nicht versteht.

    «Sozial ist, wer Arbeit schafft» oder auch das schon in der Politik zur Anwendung gekommene «Arbeit macht frei» haben ein völlig anderes Kaliber inne. Erschließt sich nicht unbedingt dem historisch Desinteressierten, aber einigen fällt es eben auf — da brisant. Die Kaffee Werbung finde ich beispielsweise belanglos, andere Dinge sind wiederum erst in der damaligen Zeit initiiert worden. Des Deutschen liebster Köter, der Schäferhund, mißbraucht im Dritten Reich, des Deutschen liebstes Kind, die Autobahn, mißbraucht zu Propagandazwecken im Dritten Reich, Wagner gilt heute noch als anrüchig — er konnte nichts dafür, wohl aber einer seiner Hörer usw. Wo findet es jemand anrüchig Autobahnen zu nutzen oder einen Schäferhund sein eigen zu nennen? Man muß unterscheiden zwischen Mißbrauch alltäglicher Dinge und den Medien gepushten Feldzügen oder aber per se initiierter Unmenschlichkeit, die sich insbesondere in den zuvor genannten Sprüchen ausdrückt. Alles eine Gratwanderung, jedoch erst dann bedenklich, wenn keinem mehr die Brisanz bestimmter Dinge auffällig ist.

  7. Phil sagt:

    @Marc B.:

    Nur hier wird tatsächlich wieder das, was auch schon im 3. Reich war, wieder aufgekocht: Die «faulen» Arbeitslosen in Arbeit zu bringen und Arbeitgebern billige Arbeitskräfte zu besorgen.

    Wie Oli schon schrieb, ist die Kaffeewerbung in der Tat diesbezüglich belanglos, da (vermutlich) nicht das Gedankengut der Nazis hinter diesem Slogan steht.

    Ach ja, und einen Spruch ohne Wertung von mir hätte ich noch aus damaliger Zeit:
    Die Polizei, Dein Freund und Helfer.

  8. Marc Boe sagt:

    Dennoch stellt sich mir die Frage: ist ein Satz automatisch böse, wenn er aus dem dritten Reich stammt? Das finde ich schon ein wenig undifferenziert.
    Auch wenn das dritte Reich selbstredend furchtbar war, so sollte man nicht alles, was in irgendeiner Form eine Verbindung mit dem dritten Reich steht sofort verteufeln. Ich sehe an dem Satz „Sozial ist, was Arbeit schafft”, von dem man halten kann was man will, grundsätzlich erst mal nichts verwerfliches. Dieser Satz ist weder antisemitisch, noch rassistisch, auch wenn er auf das dritte Reich zurückgehen mag.

    Arbeit macht frei” ist da schon ein ganz anderes Kaliber, da dieser Satz einfach zu stark mit dem Holocaust verbunden ist. Wenn man jedoch die Verbindung zum Holocaust außen vorlässt, dann wäre nicht mal dieser Satz schlimm. Jedoch ist dieser Satz einfach deutlich stärker mit einem schrecklichen NS-Verbrechen verbunden, sodass ich es in diesem Falle für richtig halte, diesen Satz nicht zu verwenden, aus Respekt gegenüber den Opfern des Holocaustes.

    Aber im Falle von dem Satz, um den es hier geht, denke ich nicht, dass die Existenz eines ähnlichen Satzes im dritten Reich wirklich schlimm ist. Sich darüber aufzuregen finde ich dann doch eher ähnlich unnötig, wie die völlig überzogene Aufregung über Eva Hermann vor einiger Zeit.

  9. Oliver sagt:

    >Dennoch stellt sich mir die Frage: ist ein Satz automatisch böse, wenn er aus dem dritten Reich stammt? Das finde ich schon ein wenig undifferenziert.

    >da dieser Satz einfach zu stark mit dem Holocaust verbunden ist. Wenn man jedoch die Verbindung zum Holocaust außen vorlässt, dann wäre nicht mal dieser Satz schlimm.

    Die Brisanz der Aussage ergibt sich nicht nur aus dem Kontext, welcher anscheinend auch nicht geläufig ist (-> Alfred Hugenberg), sondern auch aus der Aussage per se. Denn das asoziale Kalkül derlei Aussagen «Arbeit macht frei» oder «sozial ist wer arbeit schafft» ist auch ohne drittes Reich offenbar. Unter Historikern ist dies unbestritten und selbst wenn ich damit nichts zu tun hätte, wäre mir die asoziale Komponente gewahr. Dies war die menschenverachtende Kunst der Nazis: den Mob fütterte man mit stupidem Kampfgebrüll, die mehr mit Hirn beschlagenen hingegen stillte man mit oberflächlich völlig in Ordnung anmutendem Material, welches erst bei genauerer Betrachtung seine Wirkung entfaltet und ansonsten unterbewußt sättigte.

    Das erzneoliberale Lager bedient sich seit Jahrzehnten an derlei Material und hofft auf die unterbewußte Wirkung bei vielen. Kein Problem wie man auch hier sieht, triggert dort doch erst der Warnton wenn von «Ungeziefer» und ähnlichem die Rede ist. Nun die Diskussion ist müßig, ist man denn nicht in der Lage Worte in ihrer gesamten Bandbreite zu verstehen.

    Der Tenor war und ist: ohne Arbeit ist Mensch nichts. Ohne Arbeit kann Mensch nicht leben bzw. ohne Arbeit ist Mensch nicht lebenswert (siehe Drittes Reich), sozial kann also nur jener sein, der seinen Mitmenschen diese verschafft, alles andere ist sekundär, wenn nicht gar tertiär. Ein rechtschaffender Mensch arbeitet, dieser allein ist gottgefällig (mit diesem Argument meuchelten gläubige Indianer beispielsweise viele «Indianer» in den Staaten). Du hast natürlich schon recht, dass man derartiges Gedankengut nicht ausschließlich im Dritten Reich vermuten muß, viele Menschen nennen eine asoziale Komponente ihr eigen, schmettern gleichsam jedoch linke Parolen — die Unmenschlichkeit geht deshalb jedoch keinen Iota verlustig. Homo homini lupus.

  10. phoibos sagt:

    wer menschen auf ihre ökonomische verwertbarkeit reduziert, baut an den gleisen, die nach auschwitz führten. die unterordnung jeglicher existenz, moral und handelns unter ein primat des wirtschaftlichen nutzens ist amoralisch, unmenschlich und verachtenswert.

  11. NewJuve sagt:

    Wo sind die Verschwörungsspezialisten wenn man sie wirklich braucht?
    Wer sonst könnte INSM durchleuchten um Parallelen zu, und/oder Anleihen bei, scientologischen Techniken aufzudecken? Egal ob sie aus der «kirche» oder der «Freien Zone» stammt, eine Hubbardisierung ist unverkennbar. Geltende Ethik verbietet es ja bei einer Institution die das «NS» schon im Namen führt eine «Hitlerisierung» zu vermuten. Schließlich gilt der Kampf ja auch einem gänzlich anderen Feindbild. Das Postulat besagt: Diskriminierung bezieht sich auf Umstände die der/die Diskriminierte nicht beeinflussen kann (z.B. Hautfarbe). Ein zweites Postulat behauptet «Wer arbeiten will, kann arbeiten». Was aber, wenn das nicht stimmt?


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