Meine Woche bei Mister Wong #1

Mister WongIch habe meinen alten Mister-Wong-Account reaktiviert. Zukünftig werde ich dort interessante Artikel zeitnah hinterlegen. Wer aktuelle Lesetipps abonnieren möchte, hier entlang (RSS). Guido Westerwelle schallt natürlich aus allen Kanälen – es ist lange her, dass Deutschland einen solchen Rechtspopulisten bewundern durfte. Traurig ist, dass der, der gegen Schwächere und Minderheiten polemisiert, einen Teil der Regierung stellt und immerhin Vizekanzler unserer Republik ist. Aber wir wissen ja, es ist nicht der Duktus der Kanzlerin, was natürlich heißt, sie würde eine andere Sprache wählen, ist aber inhaltlich an der Seite ihres Außenministers.

Den Start soll ein Kommentar in der ZEIT machen, die doch tatsächlich feststellt, dass nicht die Transferleistungen, wie Hartz IV, zu hoch sind, sondern die Löhne zu niedrig. Man darf die ZEIT schon fragen, wie im Übrigen alle Medien, wo sie die letzten Jahre verbracht haben. Medien und Politik waren in den letzten Jahren die Sturmgeschütze des Neoliberalismus, die den unsäglichen Niedriglohnsektor in Deutschland gefördert und gefordert haben. Im Weser-Kurier gibt das soziale Gewissen der CDU, Heiner Geißler, eines seiner typischen Interviews. Nur hat dieser in der CDU ähnlich viel zu sagen, wie Oskar Lafontaine in der SPD. Geißler spricht einen interessanten Punkt an: Es ist ein Problem der Wirtschaft, die offensichtlich nicht in der Lage oder nicht Willens ist, den Leuten für ihre Arbeit Löhne zu bezahlen, von denen sie leben können. Sprich: Wenn schon die Hartz-IV-Sätze gegen die Menschenwürde verstoßen, was soll man dann von Unternehmern denken, die Löhne zahlen, von denen sich nicht leben lässt?

Unter der Woche hat Westerwelle vorgeschlagen, dass Hartz-IV-Empfänger doch bitte Schneeschnippen sollen. Dass damit rechtswidrig reguläre Jobs abgebaut werden, diese Praxis somit gegen geltendes Gesetz verstoßen würde, hat er nicht bedacht. Die ZEIT: So hätten mehrere Kommunen in Mecklenburg im Januar Langzeitarbeitslose als Ein-Euro-Kräfte gegen die Schneemassen eingesetzt – entgegen den gesetzlichen Bestimmungen. «Dadurch werden gewerbliche Anbieter verdrängt», sagt Huth. Die Arbeitsagenturen würde deshalb in Zukunft dafür auch kein Geld mehr zahlen. Doch nicht nur das. Der Cheflobbyist des Großkapitals hat Hartz-IV-Empfänger mit seinen Worten als Sozialschmarotzer und faules Pack stigmatisiert. In Berlin sind kurzfristig 650 Menschen gesucht worden, die Schneeschippen sollten. Das Ergebnis: 27.000 [sic!] haben sich gemeldet.

in der Berliner Zeitung wird offenbar, warum Guido Westerwelle zum rechten Chefpopulisten unseres Landes geworden ist. Nicht nur, dass ihm jegliche Fachkenntnis fehlt, er hat in seinem Leben nie Sorgen und Ängste erleben müssen. Westerwelle zeigte keinerlei Neugier, sammelte nirgends Erfahrungen, irrte sich nie, wollte nicht im Ausland studieren. Er pflegte die eigene Langeweile. Die SZ vergleicht zu Recht unseren Außenminister mit Jürgen W. Möllemann. Wollen wir hoffen, dass Westerwelle keinem gefährlichen Hobbys nachgeht. Fliegen sollte er allerdings – aus dem Job des Außenministers. Die ZEIT fährt mittlerweile eine ähnliche Argumentation und stellt fest, dass Westerwelle sich entscheiden muss – wird er ein Genscher oder ein Haider werden? Nun, ein Genscher wird Westerwelle nie werden. Es ist und bleibt, was er ist: Ein kleiner rechtspopulistischer Rechtsanwalt und Lobbyist, der von Medien und einer Kanzlerin in ein Amt gehoben wurde, das ihm mehrere Schuhgrößen zu groß ist. Die Schwarz-Gelbe Koalition sind vier verlorene Jahre für unser Land.

Dem Freitag werden Schleckermethoden vorgeworfen. Dem langjährigen Redakteur Ingo Arend wurde gekündigt, in einem öffentlichen Schreiben an Verleger Jakob Augstein fordern langjährige Abonnenten, Schriftsteller, Journalisten, Autoren des Freitag und der Herausgeber György Dalos die Entscheidung rückgängig zu machen. Augstein antwortet darauf aalglatt. Jürgen bringt die aktuelle Diskussion rund um den Freitag auf den Punkt: Ich wüsste wirklich nicht mehr, warum ich den Freitag wieder abonnieren sollte. Die taz zeigt auf, wohin die Reise für Augstein und den Freitag geht: in den Abgrund. Laut Augstein hat der Freitag seit dem Relaunch 2009 «ein paar hundert Abonnenten» verloren. Die Zeitung stehe «jetzt besser da als vor einem Jahr — aber sie ist noch lange nicht außer Gefahr». So kann man es auch sagen. Der Freitag hat um die 9.000 Abonnenten. Um kostendeckend zu arbeiten, braucht er ungefähr dreimal so viele. Ich bin mittlerweile der Meinung, dass der Freitag für Augstein nur Abschreibungsobjekt ist, Blogger sind für ihn nützliche Idioten. Wir sollten nicht vergessen, dass er seine Schäfchen mehr als im Trockenen hat und — steuerlich gesehen – ein Abschreibungsobjekt sicherlich gut gebrauchen kann.

Unkommentierte Lesetipps:

Twitter degradiert mit neuer Funktion die Privatsphäre aller Nutzer
Bei Twitter haben sie jetzt eine neue Funktion eingeführt. In den Optionen seines Kontos können Nutzer nun bestimmen, ob ihr Konto anhand Ihrer Emailadresse gefunden werden soll.

Ist Deutschlands Zukunft schwarz-grün?
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Der Briefeschreiber formulierte im Überschwang: „Sehr herzlich bedanke ich mich für die professionelle Planung und Durchführung des nunmehr zweiten Zukunftskongress 2006 Benchmark NRW der CDU Nordrhein-Westfalen in Bonn.

Ökonomische Dogmen fallen wie Dominosteine
Fast scheint es, als ob es dem Internationalen Währungsfonds (IWF) damit eilt, bisher durch dick und dünn vertretene Positionen über Bord zu werfen. Erst eben hat der Chefökonom des Fonds, Olivier Blanchard angeregt, die Zentralbanken sollten doch eine höhere Inflation anstreben. Schon das alleine widerspricht allem, was bisher den meisten Ökonomen als heilig galt.

Über 1 Milliarde Internetbewohner einen Klick entfernt und doch allein
Manchmal weiß ich nicht, ob wir das Richtige tun, das Netz wirklich eine gute Antwort auf das Mensch-Sein liefert. Ich sehe die Entwicklung, wie wir uns immer mehr vor den Monitor kleben. Wir können uns in einem nie da gewesenen Ausmaß mit über 1 Milliarde Menschen austauschen, doch das Netz bleibt letztlich kalt.

Einladung Arbeitsloser in den Krieg
Die Bundeswehr leidet unter einem Mangel an Personal. Der Arbeitsmarkt »leidet« unter einem Überschuss von Arbeitskräften. Was läge für die Werber des Militärs näher, als aus den Nöten eine Tugend zu machen – Nachschub für die Militärmacht Deutschland?

Lasst uns Google Adsense angreifen
In der vergangenen Nacht war ich in Düsseldorf und hatte einen seltenen Einblick in die Internet-Abrechnungen eines großen Westdeutschen Verlages. Dieser Verlag, der hier anonym bleiben soll, betreibt eine verdammt große Nachrichtenseite. Eine der größten Deutschlands. […] Ich habe die Google-Abrechnungen gesehen. Was der Laden so kriegt, dafür dass er seine Seiten mit Adsense vollklotzt. Was schätzen Sie?

Chefredakteur Pontius Pilatus
Wenn Recherchen, die nahe an der Grenze zur Rechtsverletzung liegen, ausgelagert werden, ist die Redaktion auch für das externe Handeln verantwortlich. Das Recht lässt sich nämlich mit Methoden des journalistischen Söldnertums nicht verdünnen. Pressefreiheit ist keine Ausrede für gewerbsmäßige Verletzung der Persönlichkeitsrechte.


3 Antworten zu “Meine Woche bei Mister Wong #1”

  1. vera sagt:

    ja, war eine interessante woche -
    die ‘presse’ scheint tatsächlich langsam, aber keineswegs unauffällig, die richtung zu ändern. ob da insm auch im ganzen versagt hat? das wird noch ganz spannend, glaub ich…

  2. Nobody sagt:

    –Ist Deutschlands Zukunft schwarz-grün?–

    Warum?
    Schwarz-Gelb, Schwarz-Rot, Schwarz-Grün, Schwarz-Pink!

    Schwarz ist das Hauptproblem und das muss weg!!! Wie wäre es dem statt Schwarz-Grün mit Grün-Schwarz?

    Alle Parteien haben sich in den letzten Jahren unwählbar gemacht, selbst die Piraten haben das jetzt innerhalb kürzester Zeit geschafft. Bei den offenen Alternativen die man so wählen kann wird mit einfach nur noch schlecht. Und dann bleibt das kleiner Übel, wenn es denn überhaupt noch eines gibt, auch noch für 4 Jahre im Amt !!!

  3. olhe sagt:

    >Alle Parteien haben sich in den letzten Jahren unwählbar gemacht, selbst die

    Es existieren ja per se Deppenparteien a la FDP usw., da ist Hopfen und Malz verloren. Aber bei anderen Parteien könnten z.B. sagen wir mal 150.000 Linke oder eben tatsächlich freiheitsliebende Menschen in die Partei eintreten und dort für den entsprechenden Habitus sorgen. Ich denke bei 90+ Mio Menschen in der Bundesrepublik ist das kein allzu großes Problem, oder? Aber der Deutsche protestiert halt lieber im Stillen. Solange es nicht wirklich schmerzt bewegt sich der Deutsche Michel auf keinen Zentimeter, drum erhoffe ich mir seitens dieser Regierung noch mehr Hiebe ins Gemächts, vielleicht wacht dann mal jemand auf.

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