Mein persönliches Leistungsschutzrecht

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Foto: F!XMBR

Ich habe mir den Spaß gegönnt und meine Kreditkartenabrechnungen des letzten Jahres angeschaut. Durchschnittlich habe ich 15 Euro pro Monat für nicht Materielles im Internet wie zum Beispiel Apps ausgegeben. Dabei ist nicht ein Euro an einen Verlag, eine Zeitschrift oder eine Zeitung geflossen.

Ich nenne es mein persönliches LSR . Ich schütze mich selbst, mein Konto, vor den sogenannten Leistungen einer ganzen Branche. Oft lese ich, dass der und der Internetaktivist dazu aufruft, nicht mehr auf Verlagsinhalte zu verzichten. Das ist der falsche Weg.

Aufklärung heißt hier das Zauberwort. Wir sollten den Menschen Anleitungen an die Hand geben, wie sie Adblocker nutzen, wie sie an Informationen kommen, ohne von einer Paywall ausgesperrt zu werden. Wir müssen die Verlage, die Zeitschriften und Zeitungen noch vielmehr als es sowieso der Fall ist dort treffen, wo es wirklich weh tut: Im Finanziellen, auf der wirtschaftlichen Seite.

Mein persönliches Leistungsschutzrecht heißt: Verlage, Zeitschriften und Zeitungen bekommen von mir nicht einen Cent, solange sie nicht mehr ihrer im Grundgesetz verankerten Aufgabe nachkommen. Ich nutze Adblocker, steuere meinen Referer, wie ich es für richtig halte, umgehe Paywalls, lasse keine Cookies zu und nutze Anti-Tracking-Tools. Wenn ich einen Artikel aus dem Print wirklich lesen möchte, der nicht online verfügbar ist, gibt es Mittel und Wege, meist schon einen Tag bevor das Printprodukt seinen Weg an den Kiosk findet.

Ich schütze mich vor den Leistungen einer ganzen Branche. Dies ist vielmehr ein Leistungsschutzrecht, als der gefährliche, technik-, innovations– und zukunftsfeindliche Unsinn, der heute im Bundestag beschlossen wurde. Ob nun 100 Leute die LSR-Befürworter weniger verlinken, ist unerheblich, wir beugen uns damit zudem diesem infantilen, heute politisch beschlossenem Ärgernis. Nein, wir müssen sie dort treffen, wo es wirklich weh tut.

Das heißt für mich: Sobald ich irgendwo einen Rechner einrichte, ich gebeten werde, zu helfen, ist der erste Schritt, Firefox oder Chrome zu installieren und den jeweiligen Adblocker. Ich gebe Anleitungen an die Hand, wie man Cookies steuert und richte ein Anti-Tracking-Tool ein. Es folgt Aufklärung, niemals, erst Recht nicht auf Verlagsseiten, seine persönlichen Daten zu hinterlassen. Medienkompetenz ist das größte Leistungsschutzrecht. Es schützt die Menschen vor den Verlagen, den Zeitschriften und den Zeitungen.

Die Vernunft wird nicht siegen, indem wenige einen Boykott anstreben, die Vernunft wird siegen, wenn wir die breite Masse aufklären. Wenn mit jedem Artikel ein nicht netzaktives Familienmitglied, ein Nachbar, ein Arbeitskollege zum Nachdenken gebracht wird, ist viel gewonnen.

Lasst uns mit unserem LSR beginnen.

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Eine Antwort zu “Mein persönliches Leistungsschutzrecht”

  1. snoff sagt:

    Hi,

    ich hoffe nach einem Monat liest hier überhaupt noch jemand die Kommentare. Mich würde interessieren, welche Tools du nutzt? Ich habe Firefox mit AdBlock und Ghostery. Was würdest du noch empfehlen?

    Gruß
    snoff


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