Mein GIMP und ich – eine Geschichte

gimpEs hat lange (Jahre) gebraucht, bis ich mit GIMP warm geworden bin. Damals, als es noch kein Web 2.0 gab, keine Blogs, man per analogem Modem, per Minute abgerechnet, ins Internet ging, war GIMP noch eher unbekannt. Wir nutzten zu der Zeit Shareware – vielleicht sagt dem einen oder anderen Leser der Begriff noch etwas. Größere Downloads waren damals die Seltenheit, Photoshop per Warezslutz – kennt wer noch die grünen Bälle/Kugeln — war eine Utopie, solange man nicht Zugriff auf einen Uni-Rechner hatte, doch auch da stellte sich das Problem, die Daten mit nach Hause zu bekommen. Damals waren wir noch auf die kleinen Helferlein angewiesen, die auf 1–2 Disketten passten.

Damals war in der Shareware-Szene ein Grafikprogramm das meist genutzte: Paint Shop Pro. Mittlerweile von Corel übernommen, war es damals klein, aber fein – und mit einem Mittel zur Testzeitverlängerung, wenige KB groß, hatte man seinen Photoshop-Ersatz. Ich weiß nicht, welche meine erste Version von Paint Shop Pro war, es dürfte aber eine der ersten Versionen gewesen sein. Irgendwann, viele Monde später, folgte GIMP – lange Zeit kam ich mit dem GNU Image Manipulation Program nun gar nicht klar. Nach einem Intermezzo mit PhotoImpact, bin ich nun aber glücklicher Nutzer.

gimpDiese 3-Fenster-Ansicht, unübersichtliche Menüs – während andere Grafikprogramme dem Vorbild Photoshop nacheiferten, und man somit die meisten Programme mehr oder weniger gut bedienen konnte, stand man vor GIMP mit einem riesigen Fragezeichen über dem Kopf. Immer wieder wurde das Programm empfohlen, doch was der Bub’ nicht kennt, frisst er nicht. Geändert hatte sich das im Prinzip erst, als ich über den grandiosen Video-Podcast Meet the GIMP gestolpert bin – man kann bei GIMP sogar sein Menü personalisieren, den eigenen Wünschen entsprechend anpassen. 😉

Nun bin ich, was die Fotobearbeitung angeht, der absolute Laie – die meisten Dinge lasse ich GIMP selbst machen, oder realisiere sie durch den einen oder anderen Filter. Man kann fast schon sagen, dass GIMP für meine Zwecke ein wenig überkandidelt ist. Nichtsdestotrotz habe ich es lieben gelernt – selbst die 3-Fenster-Ansicht, die bei mir mittlerweile zur 2-Fenster-Ansicht mutiert ist. Neulich habe ich mal wieder andere Programme getestet, wie zum Beispiel Paint.NET – aber ich habe es sehr schnell wieder deinstalliert. So schließt sich der Kreis: Nun komme ich, für meine Zwecke völlig ausreichend, mit GIMP klar, andere Programme wiederum, sind ein Buch mit sieben Siegeln.

Was ich eigentlich schreiben möchte: GIMP ist eine grandiose Sache, wie sie nur das Web hervorbringen kann. Eine Anleitung zu GIMP gibt es hier, GIMPUSERS.de ist eine Anlaufstelle für deutsche User, ein GIMP-Forum gibt es natürlich auch – Meet the GIMP hatte ich bereits vorgestellt. Übrigens, kann sich noch wer an das Shareware-Magazin erinnern? Unglaublich, aber wahr, damals haben wir für ein Magazin mit Shareware-CD noch Geld bezahlt. Wer das Magazin noch kennt, dem wird auch der Name Carsten Scheibe ein Begriff sein – Carsten Schreibe führt mittlerweile eine Kolumne beim Stern.

Wer ein wenig in die Zeit zurückgehen möchte:
ZEIT — Die Invasion der Helferlein

Jahrelang wurden die GIMP-Programmierer dafür kritisiert, dass sie nicht auf die Usability geachtet haben und ein Programm geschaffen haben, das es durchaus mit Photoshop aufnehmen kann, den Nutzer jedoch mit der ungewöhnlichen Oberfläche ein wenig im Regen stehen lässt. Nach all den Jahren ist für den kommenden Versionssprung nun eine Revolution angekündigt worden: GIMP soll bald im Ein-Fenster-Modus erscheinen. Soll ich mich denn nun schon wieder umgewöhnen, ich bin doch ein alter Mann und kein D-Zug mehr. Aber okay, GIMP ist und war – und wird es wohl bleiben — ein hervorragendes Bildbearbeitungsprogramm, dass für eine große Anzahl der Anwender, gerade im privaten Bereich, mehr als ausreichend ist. Es benötigt kein Photoshop.

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14 Antworten zu “Mein GIMP und ich – eine Geschichte”

  1. luttz sagt:

    Was OpenOffice Draw für schmeatische Zeichnungen und schnell hingeklatschte Konzepte, das ist eben GIMP für Bilder. Und auch ich musste mich recht lange dran gewöhnen (seit-win-3.1-unverändert-Paint + XnView waren vorher meine Wahl). Dennoch bin ich nun froh drüber, mich darauf letztendlich eingelassen zu haben 😉

  2. Teo sagt:

    GIMP nutze ich nun schon ein paar Jahre und kam Anfangs auch absolut nicht damit klar. An den 3-Fenster-Modus habe ich mich mittlerweile gewöhnt, zumal das unter Mac OS X auch nichts besonderes mehr ist. Ich habe mir sagen lassen, dass diese Arbeitsweise nur für Windows-Nutzer unüblich ist. Unter Linux z.B. sei das Gang und Gebe.

  3. tigion sagt:

    Es wird doch ein optionaler Einfenstermodus werden, also kein muss oder? Meiner Meinung nach kann die neue Sich als Alternative zur klassischen Mehrfensteransicht eigentlich nur eine Bereicherung sein.

    Bei meinem Test der Entwicklerversion vor kurzem, konnte man diese noch per Menüpunkt umschalten.

    Ich hab mich mittlerweile auch so an Gimp gewöhnt, dass ich meine Ideen damit eigentlich alle umsetzen kann. Und da ich unter Linux, Windows und Mac OS X gleichermaßen unterwegs bin, freut mich vor allem die Portabilität. :)

  4. Robert B. sagt:

    Keine Panik Chris:

    I suspect they don’t realize that single-window mode is going to be optional…

  5. Rolf sagt:

    Vielen Dank für die Blumen! 😉

    Der Ein-Fenster-Modus wird tatsächlich optional sein. Die Entwickler schätzen, dass es etwa die Hälfte der Benutzer wählen werden — der Rest bleibt bei der bewährten Lösung.

    Probleme machen die vielen Fenster (müssen ja nicht nur 2 oder 3 sein, ich habe auf einem 2-Monitor System auch schon mal 6 gesehen) eigentlich auch nur unter Windows, weil das keinen (aus Unix-X11-Sicht) anständigen Windowmanager hat. «Alles Geschmachssache» sagte der Affe und biss in die Seife. 😉

    Usability steht bei der Entwickölung von GIMP seit einiger Zeit im Mittelpunkt, ganz wesentlich ist da Peter Sikking am werkeln. Jedenfalls ist er der, der drüber blogt. 😉 Und zwischen 2.4 und 2.6 hat sich gerade da viel getan.

    Auch beim 1-Fenster ist Peter der Designer und Martin Nordholtz (aka enselic) hat das in einer Blitzaktion implementiert.

    Und jetzt warten wir alle auf 2.8 mit GEGL und etwas Konfekt und dann 2.10 (oder 3.0) mit einem so großen Farbraum, dass 16 Bit darin mickerig aussehen.

    BTW, etwa 4 Entwickler machen die meiste Arbeit an GIMP, wer den Prozess beschleunigen möchte, kann gerne helfen oder auf gimp.org den Spendenknopf drücken.

  6. Robert B. sagt:

    Kann es übrigens sein, dass der Ein-Fenster-Modus vom Design durch Inkscape inspiriert worden ist (auch ein grandioses OSS-Programm „für Bilder“, wie ich finde).

  7. Oliver sagt:

    Ich weiß nicht, die Art und Weise wie Gimp sich darstellt erinnert mich mehr an Deluxe Paint auf dem Amiga, mitunter auch einige Funktionalitäten. Sicherlich Photoshop 3 auf dem Mac, mit dem ich damals mal einen Lehrgang bei Adobe machte, kam auch noch recht «simpel» daher, zeigte doch aber ein paar Unterschiede auf. Von daher tendiere ich eher zu Deluxe Paint -> Gimp und auch warum mir das Interface nie wirklich fremd war. Betrachtet man z.B. Maxon Cinema oder Lightwave, bemerkt man ebeso den Stallgeruch des Amigas (beide Produkte starteten auf dem Amiga). Die typisch überfrachtete Bedienung eines Windows-Rechners hingegen wird an 3ds Max ersichtlich. Okay wir befinden uns nun in einer Windows-Welt, von daher ist es verständlich, daß gewisse Dinge an diese angepaßt werden. «PC-User» hatten immer Probleme mit der andersartigen, mitunter innovativeren, Bedienung von Amigas und Macs (siehe auch die neue, imho bessere Bedienung von Office 2007). We will see :-)

  8. Gerriet sagt:

    Ich kann euch nur beipflichten, komme ja aus derselben Ecke wie Chris, meine nun Softwaremässig. Früher kam man an Photoshop gar nicht vorbei bzw. man wollte es mal ausprobiert haben. Als Gimp fand, da hab ich mir gedacht, warum immer diese komziellen Sachen nutzen, es gibt soviele Open Source Projekte, angefangen bei Gimp bis Inkscape und Scribus nicht zu vergessen.
    Leider haben viele Scheuklappen auf, finde ich sehr schade und meinen, weil sehr viele oder die meisten M$ Produkte oder komzielle halt benutzen, das das A und O ist. OpenOffice macht es vor, das es auch anders geht. OO ist ein sehr gute alternative zu MSOffice, nur trauen sich die meisten nicht es zu benutzen. Weil sie fürchten dann ausgegrentz zu werden.

  9. phoibos sagt:

    das problem ist wie so oft die lernkurve. ich hab photoshop, ich kann es für meine zwecke ausreichend bedienen, das reicht mir. das neue office mag zwar gut durchdacht sein, aber bei ooo weiss ich, wo ich etwas finde. und bevor ich mich jetzt an ein neues office gewöhne, lerne ich lieber latex. oder warte auf cs5 und tippse meine einkaufszettel mit indesign 😀

  10. Oliver sagt:

    offtopic

    >OO ist ein sehr gute alternative zu MSOffice, nur trauen sich die meisten nicht es zu benutzen. Weil sie fürchten dann ausgegrentz zu werden.

    Nein, weil MS Office eben eine gewachsene Größe im Business ist und ein ebenso gewachsenes Umfeld mit sich bringt. Kurzum, wird reden von Wissen welches für den Job notwendig ist und in den meisten Fällen auch nicht mal eben innerhalb einiger Jahre ersetzt werden kann. Zudem sticht Gimp einfach andersartig heraus, OO hingegen ist inzwischen nur noch ein aufgeblähtes «Office 97″ und das war mal zu StarOffice 5 Zeiten völlig anders. Wobei ich hierbei bemerken muß ich startete mit Wordstar unter CP/M, nutzte gerne WordPerfect unter DOS oder NisusWriter auf dem Mac. Office hingegen nutzte ich erstmals unter Windows3.11 gelegentlich, fand Office 97 ganz passabel, aber erst Office 2007 wirklich innovativ — inkl. Interface.

    Ob das Gros also im Einzelfall alles stehen und liegen lassen kann zugunsten oftmals teils gehypter FOSS-Applikationen wage ich ob Erfahrung stark zu bezweifeln. Es ist sicherlich wiederum in Einzelfällen möglich, aber pauschal? Das ist sinnbefreit. Bei mir ist es beispielsweise so, für 60–70% der Bildbearbeitung langt mir Gimp, für 100% jedoch benötige ich Applikationen wie Photoshop. Photogrammetrie beispielsweise ist auch mit Gimp bedingt machbar, nur ob zahlreicher (noch-) Mängel unter der Haube nicht der Weisheit letzter Schluß — sprich hier kommt Photoshop zur Vorbearbeitung zum Einsatz. Professionell in diesem Fall sicherlich, aber auch dem Hobbyisten, dem Hobbyfotographen möchte ich nicht vorweg greifen, denn so mancher Hobbyist betreibt sein Hobby äußerst professionell. «Aber die Masse …», nun als FOSS-Advokat spreche ich auch von jener und kenne gute Argumente diesbezüglich, letztendlich weiß ich jedoch auch, daß ich nur einzelne Erreiche und das aus erwähnten Gründen.

    /offtopic

  11. Gerriet sagt:

    Mein Kollege im Büro macht alles mit Excel. Seit es Flyer, Kundenkarten oder sonst was. Wenn ich OOO nur erwähne, dann meint er, das wäre vergeudete Zeit, da ja unter OOO kein VBA benutzbar ist.

  12. Oliver sagt:

    >da ja unter OOO kein VBA benutzbar ist.

    Ein Script, vor allem jene komplexerer Natur, umzuarbeiten ist ein nicht unerheblicher Aufwand, insbesondere da Zeit Geld ist in vielen Fällen und derlei Umarbeitungen Fehler nach sich ziehen können, nicht offensichtlich sind.

  13. FieserKiller sagt:

    Jaja dieses Gimp, tolles tool.
    Bin zwar nur ein klassischer schnappschussfotograf ohne anspruch an meine fotos und bildbearbeitungsfähigkeiten die über helligkeit/kontrastanpassen und rote-augen entfernen hinausgehen, hab aber für meine programme und webseiten im laufe der zeit schon etliche buttons, schatten, rahmen und farbverläufe mit gimp gepinselt.

    Und ja, es stimmt tatsächlich, es existiert ein spendenknopf auf der seite, habe ihn soeben gefunden und erfolgreich betätigt :)

    PS: Lohnt sich auch weil der Dollar mal wieder seeeehr tief steht — so kommt man günstig an ein gutes gewissen 😀

  14. Bernd sagt:

    Ich nutze GIMP unter Linux für meine Bilder. Es bietet mehr als ich erwarte und viele Funktionen die ich noch nie ausprobiert habe. Jetzt möchte ich es nicht mehr missen.

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