MBC09 – Nachbetrachtung #5

identi.caKennt wer noch Herrn Angelo aus der Nescafé-Werbung? Niemand konnte je so gut Ich ´abe gar kein Auto in die Kameras säuseln. Bis zu diesem Wochenende. Da kam Chris. *g* Ich weiß gar nicht, wie oft ich nach meinem Twitter-Account gefragt wurde – und geantwortet habe: Ich ´abe gar keinen Twitter-Account. Die Verwunderung war immer groß – auch wenn mein Zusatz, aber einen Identi.ca-Account dann zur Kenntnis genommen wurde. Einer der meistgelesenen Artikel auf F!XMBR ist hier zu finden – Mama Google sei Dank. Natürlich könnte man den Artikel mittlerweile löschen – es war ein kleiner Rant, nicht mehr und nicht weniger. Vom Grundprinzip her ist die Kritik selbstverständlich richtig – auch wenn ich mittlerweile einige Punkte differenzierter sehe. Der Rant bleibt online, allein um die ganzen Reaktionen weiter zu beobachten. So mancher Web 2.0-Geselle zeigt da sein wahres Gesicht und lässt die Maske fallen. Natürlich könnte ich mir auf Twitter einen Account zulegen und parallel meine Nachrichten auch dort veröffentlichen. Das werde ich aber aus guten Gründen weiterhin nicht tun.

Bei Twitter handelt es sich um ein geschlossenes, proprietäres System. Ich weiß nicht, was dort mit den Daten passiert, wie sie ausgewertet werden oder gar an den Mann gebracht werden. Identi.ca, Opensource ist anders, offen und transparent – ein ganzes Team achtet darauf, dass diese Grundgedanken des Opensource beachtet werden. Die Leute bauen sich nach Microsoft eine weitere Monokultur auf – und sind auch noch stolz darauf. Gegen die Performance von Twitter ist Microsoft auch inhaltlich reines Gold und müsste den Nobelpreis verliehen bekommen. In allen Kategorien. Ich muss immer herzhaft lachen, wenn via Twitter Microsoft-Bashing angesagt ist. Die Leute könnten sich genauso gut ins Selbstkasteiung üben. Während sie das eine kritisieren, tragen sie auf der anderen Seite dazu bei, dass ein gleiches System entsteht. Evan hat auf der MBC09 einen wunderbaren Vortrag gehalten und die Vorzüge von Identi.ca und Opensource dargestellt. Das Video folgt hier nach der Veröffentlichung.

Es gibt eine Twitter-Alternative, auch wenn die Medien mittlerweile Microblogging mit Twitter gleichsetzen – wie die meisten User leider auch. All die Nutzer, die nach Opensource schreien, nach Offenheit und Transparenz, in Deutschland meinen ja manche Blogger, sie seien netzpolitisch sehr aktiv, dann aber das altbekannte Argument, ich verliere meine Freunde,1 zurückgreifen, besitzen schlicht und ergreifend keine Weitsicht. Es ist in meinen Augen sogar pure Dummheit. Identi.ca stellt mittlerweile weitaus mehr Funktionen zur Verfügung, als der proprietäre Bruder Twitter. Durch seine dezentrale Struktur, dem OMB, kommunizieren unterschiedliche Server miteinander. Die großen Vorteile liegen damit auf der Hand – und trotzdem bleiben die Leute beim geschlossenen System, wo man nicht einmal im Ansatz erkennen kann, wie die Zukunft ausschaut. Irgendwann in ganz naher Zukunft muss Twitter Geld verdienen. In all den (lächerlichen) Geschäftsmodellen, die hier und da diskutiert werden, ist nicht erkennbar, wie die enormen Kosten wieder eingespielt werden sollen. Man spricht mittlerweile von hohen 5-stelligen Verlusten – pro Tag. Und wenn ich dann noch Ideen lese, dass die User beteiligt werden, bekomme ich einen Lachkrampt. Und der Papst ist verheiratet und Elvis lebt. Genau. Manchmal will man den Leuten nur noch zurufen: Wacht auf!

Twitter ist nicht gleich Microblogging. Microblogging ist viel mehr als dieses lächerliche proprietäre System. Und wer wirklich damit argumentiert, er verliere seine ganzen Freunde, wenn er Twitter den Rücken kehrt, muss ein sehr einsames Leben führen. Freundschaften bleiben bestehen, auch wenn man ICQ oder auch Twitter den Rücken kehrt. Was vielleicht fehlt, ist eine lange Kontaktliste. Wer mit mir in Kontakt bleiben möchte, der bleibt es auch. Ohne beleidigt zu sein, weil ICQ nicht mehr aufpoppt oder meine Nachrichten per Twitter nicht mehr eintrudeln. Online gibt es unzählige Möglichkeiten, mit mir zu kommunizieren. Identi.ca, E-Mail oder auch Jabber. Und für wahre Freunde gibt es den RL-Kontakt, sei es persönlich oder per Telefon. Wer wirklich diese Argumentation, aber meine Freunde, vorbringt, der macht sich lächerlich. Da geht es dann ausschließlich um Bequemlichkeit oder den berühmten Schwanzvergleich. Ich habe am Wochenende davon gehört, dass es mittlerweile sogar Charts mit Followern bei Twitter gibt. Wahnsinn.

Wer wirklich die Idee des Microbloggings lebt und liebt, der sollte doch einsehen, dass er mit seinem Verbleib auf Twitter nur zu dessen schnellem Tod beiträgt. Nachdem Google Jaiku aufgegeben hat, ist Identi.ca die einzige wirkliche Alternative zu Twitter.2 Wer wirklich das Microblogging liebt und lebt, unterstützt die Alternative und nicht die Monokultur. Monopole sind nicht wirklich eine Lösung für die Zukunft. Es liegt an den Usern. Ich bin mir aber sicher, dass es damals ähnliche Mails auf den Mailinglisten gab, wie diesen Artikel, als Microsoft immer größer und dominanter wurde. Irgendwann wird auch im Fall Twitter die Frage gestellt werden, wie es nur soweit kommen konnte. Die Antwort ist jetzt schon klar erkennbar. Die Nutzer wollten es so, sei es aus Bequemlichkeit, dem Schwanzvergleich oder purer Dummheit. Eine offene Opensource-Alternative gibt es – man muss sie nur nutzen.

Und wer immer noch nicht überzeugt ist, weitere Gründe: :D

  • !identi.ca users are like barack !obama. we have the change in us !twitter users are like george w. bush. no change, no hope.
  • #identica is like the beautiful red flower in the garden. #twitter is like the pest plant. we need to weed it. immediately.

Weitere Punkte bitte in die Kommentare oder per Identi.ca. :)

  1. Wie oft habe ich den Blödsinn beim Umstieg von ICQ auf Jabber gehört… []
  2. International gesehen vielleicht noch Plurk. []

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17 Antworten zu “MBC09 – Nachbetrachtung #5”

  1. Cartagena sagt:

    Na ja, vllt nicht gerade super innovativ, weil einfach analog übertragen und anderen Bezug hat, aber:

    Microblogging is like sex, it’s better when it’s free :-)

    Wenn das die Nutzerschaft nicht überzeugt, weiß ich auch nicht weiter ^^

  2. @chris97 Ach… Hauch… Wie schön gesagt :)

    (Bin ja schon lange offline. Mehr Kommentar gibt’s nicht)

    http://identi.ca/markusme.….rz

  3. Martin sagt:

    Hallo Chris,

    Normalerweise finde ich es gut, dass du kritisch und scharfsinnig hinterfragst und mit deiner Meinung dabei nicht hinter dem Berg hältst. Aber im Bezug auf deine Einstellung OpenSource/Proprietär gibt es vielleicht doch noch ein paar Anmerkungen zu machen:
    Ich persönlich finde Twitter nicht «so schlimm». Das mag naiv klingen, aber ich möchte es erklären: Ich glaube nicht, dass Twitter «so schlimm» werden kann wie Microsoft, Apple, [Your favorite Enemy] es war/ist, weil der Nutzen für Microblogging ja nun mal auf bestimmte Einsatzgebiete beschränkt ist. Wir werden also niemals die Einschränkungen erfahren, die uns Microsoft mangels gangbarer Alternative jahrelang auferlegt hat.
    Die Datenschutzproblematik besteht und du hast recht, wenn du sagst, dass es immer gefährlich sein kann einem Unternehmen, wie Twitter empfindliche Informationen zur Verfügung zu stellen. Allerdings muss man Twitter auch kaum Informationen zur Verfügung stellen. Im Grunde könnte man sich auch einen anonymen Twitteraccount einrichten, wo dieses Argument nicht mehr greifen würde. Dass die Meldungen datenschutztechnisch ein Problem sein sollen mag stimmen, jedoch befinden wir uns ähnlich wie bei einer eigenen Website in einem öffentlichen Raum und müssen uns also eh Gedanken machen, was über uns im Internet zu finden sein soll und was besser nicht.
    Auch identi.ca ist übrigens keineswegs datenschutzmäßig gesehen ein Fort Knox. Auch hier komme ich an sensitive Informationen und auch der Betreiber dieser Plattform ist ein kommerzielles Unternehmen, bei dem auch ein gewisses Missbrauchspotential besteht (wie bei jedem kommerziellen Anbieter).
    Ich glaube nicht wie du daran, dass mit Twitter eine, wie du sagst, «Monokultur» aufgebaut wird. Andere Webservices, wie etwa Ping.FM zeigen die Entwicklung in diesem Bereich auf. Es wird immer unübersichtlicher im Dickicht des SocialWebs und mit der Individualisierung werden auch die Microblogging Einzellösungen, wie etwa Laconica, als eine natürliche Entwicklung mittelfristig kommen (diese Entwicklung erinnert mich ein bisschen an die Entwicklung Forum -> Blogs, auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt).
    Auch finde ich es schade, dass du das Argument der verlorenen Kontakte mit einem Wisch vom Tisch fegst, ohne dich genauer zu fragen, was es bedeuten könnte.
    Klar stimmt es nicht, dass man seine Freunde wegen eines Softwareschnipsels wie Twitter verliert. Ich glaube, was mit diesem Argument zum Ausruck gebracht werden sollte ist das Folgende: Twitter ist eine einfache und schnelle Informationsplattform, die zu einem nicht unerheblichen Teil eben aus Kommunikation besteht. Ein Wechsel der Plattform wird im seltensten Fall den Verlust eines Freundes bedingen, kann aber des öfteren den Verlust eines losen, aber guten Kontakts bedeuten. Ich glaube, dass «Freund» in diesem Zusammenhang mehr aus dem Web2.0-Jargon entlehnt wurde, als man vielleicht im ersten Moment denkt. Gerade oberflächliche Kontakte und die potentielle Öffentlichkeit in Form von Verfolgenden sind hier die Werte um die gebangt wird.
    Was mich auch ein bisschen nachdenklich stimmt ist, dass du sehr harsche Worte findest, für alle, die bisher OpenSource noch nicht für sich entdecken konnten (das habe ich schon länger im Hinterkopf und hier passt es gerade). Ich denke, dass das der falsche Ansatz ist, um mehr Leute für OpenSource zu begeistern. Eine Meinungsänderung ist auch immer eine Entwicklung, die man unterstützen kann. Wer jedoch dem anderen nicht die Chance gibt, diese Entwicklung zu machen, weil seine Argumente so scharf formuliert sind, dass sie zu einer abrupten Gegenreaktion führen, der hat, denke ich, das Ziel verfehlt. An die Hand nehmen bringt mehr als vor sich her schubsen.
    Was du über die finanzielle Seite von Twitter sagst mag stimmen, wer weiß das schon so genau. Sei dir gewiss, dass, wenn Twitter untergehen sollte, die Meute auf den nächstbesten Dienst umziehen wird, ohne auch nur einmal zurück zu blicken. Hoffentlich landen sie dann bei identi.ca.

    Grüße Martin

  4. phoibos sagt:

    ist twitter nicht mittlerweile sprachlich so für microbloggen zu benutzen wie tesa, fön, jeep, tempo, googlen, … für ihre nicht markennamigen äquivalente?

  5. Chris sagt:

    @Martin: Ich nehme Dir schon nicht Dein Spielzeug weg. Deine Rechtfertigungsorgie zeigt mir, die mich im Übrigen in keinem Punkt überzeugt, dass ich nicht so unrecht haben kann…

    @phoibos: Ja, so schauts aus. Das ist auch ganz klar erkennbar deren Marketingstrategie…

  6. Sebastian sagt:

    Habt ihr eine gemeinsame Geschichte oder warum kanzelst Du Martins höflichen und sachlichen Kommentar mit so einer harschen (und kurzen) Bemerkung ab? Ich fand die Punkte durchaus nachvollziehbar.

  7. Chris sagt:

    Nö, wir verstehen uns sogar gut, darum ist das in dieser Form auch kein Problem. Ausserdem habe ich morgens um 06.00h zu mehr keine Zeit und keine Lust.

  8. […] wenn wir schon mal beim Thema Microblogging sind, möchte ich einen Text von Chris (fixmbr.de) zum Thema empfehlen, in dem mal klar gemacht gemacht wird, daß MB nicht gleich Twitter ist und es […]

  9. Cartagena sagt:

    Sorry Chris, irgendwie hab ich den Link verbaselt:

    Guest Post– Is Twitter the Future

    Lösch einfach einen meiner Kommentare, Hauptsache der Link ist dabei ;-)
    Danke!

  10. […] lauter Euphorie haben fast alle wieder einmal gepennt und sich in eingemauerte Gärten verbarrikadieren lassen (z.B. Twitter, so ziemlich jedes soziale Netzwerk, etc.). Als hätten wir diesen Mist nicht […]

  11. […] Twitter-Suche gelöschte Tweets findet, der dürfte ähnlich fassungslos sein, wie meine Wenigkeit. Gestern hatte ich bereits Einiges zu Twitter geschrieben. Ein wesentlicher Aspekt konnte nur angerissen werden, ganz einfach weil ich es zu dem Zeitpunkt […]

  12. ix sagt:

    @chris welches nicht-proprietäre opensource-system würdest du eigentlich zum telefonieren empfehlen?

  13. Chris sagt:

    Ix, habe ich Dich getroffen? Tut mir leid. ;-) Wenn es eine Alternative gibt, gebe ich bescheid. Der Punkt ist, für Twitter gibt es eine Alternative. Also keine Ausreden oder dumme Kommentare. Aber wie gesagt, ich will da Eure Party nicht stören, lieber Ix. :)

  14. march. sagt:

    @ix:
    da würde ich die jingle erweiterung für jabber empfehlen.

    habs nur noch nicht ausprobiert, weil alle meine freunde skypen. >:->

  15. phoibos sagt:

    @chris welches nicht-proprietäre opensource-system würdest du eigentlich zum telefonieren empfehlen?

    openmoko.com
    Android
    alles, das auf SIP aufbaut
    Jabbin
    Jingle

    bist du nun glücklich? aber im übrigen stimme ich chris zu, dass du das prinzip nicht begriffen hast ;)

    ciao
    phoibos

  16. Oliver sagt:

    @ix, wenn man schon solche Fragen stellt, sollte man zumindest den Schimmer einer Ahnung besitzen, um nicht aufs Glatteis zu geraten. Anders als bei den üblichen Rants auf deiner virtuellen Örtlichkeit, gibts hier nur Rants zu Dingen die wir auch verstehen.

    Sorry falls die Frage ernst gemeint war — aber mir fehlt da halt der Glaube bei der Legion von Vorzeigebloggern .…

  17. […] diesem Blog – übrigens inhaltsgleich mit einer Gruppe auf Identi.ca. Im Unterschied zu dem proprietären Twitter-Dienst, stehen alle Inhalte, die über Indenti.ca verbreitet werden, unter einer […]


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