Mattes Interview

off the record hat ihn interviewt — den Mann, der vor gut einem Jahr unrühmliche Karriere in den deutschen Blogs machte — Jean-Remy von Matt. Die Klowände des Internets sind mittlerweile weltberühmt. Seit den Klowänden und seiner — fast — glaubhaften Entschuldigung hat er geschwiegen, man hat wenig gehört aus dem Hause Jung und Matt. Auch wenn er manches von damals positiv sieht, manches scheint er dann doch nicht gelernt zu haben.

Dass ?Klowände des Internets? sich dann als Begriff so festsetzte, war insofern weniger überraschend, weil er eine sehr bildhafte Beschreibung eines der Hauptprobleme der Bloggerszene ist: die schwer kontrollierbare, anonyme Meinungsäusserung, die eben sehr oft zur Verhetzung wird.

Ah ja. Zur anonymen Meinungsäusserung — ein selten dämliches Vorurteil, welches der Kocks gestern schon im ZDF erbrochen hat — einen Link für Jean-Remy von Matt: 13 Fragen zum neuen Telemediengesetz. Dieses Vorurteil geht in Deutschland einfach mal meilenweit an der Realität vorbei. Die Freedom of Speech gibt es in unserem Land nicht. Schon die rechtlichen Verpflichtungen verurteilen zur Selbstzensur. Persönlichkeitsrecht geht vor der freien Meinungsäusserung — und wer F!XMBR regelmässig verfolgt weiß, wie sehr das Persönlichkeitsrecht mittlerweile unser Recht pervertiert. Seltsam übrigens, dass von Matt im Folgenden da selbst drauf hinweist.

Zum dem Erfolg der Klowände gibt von Matt zu Protokoll:

Das wichtigste, was ich gelernt habe, ist wie irre gut die Bloggerszene funktioniert und welche Kraft in diesem Phänomen steckt. Immerhin wurde mein Schlagwort in mehr als 40 Sprachen übersetzt und sogar in der ?Times? zitiert. Das ist mir in über 30 Jahren fleissiger Arbeit an Werbeideen nie gelungen.

Tja, wenn die Blogs nicht unereinander beschäftigt sind oder am Massengruscheln sind, können sie schon etwas erreichen. ;-)

Zu der Haftung von Kommentaren mag ich mich nicht äussern, einfach hier die interne Suche nutzen, ein Highlight hat Jean-Remy von Matt ausgegraben:

Lesen tu ich sie auch gerne, da stehen ja auch lustige Sachen drin: In einem Kommentar stand, ich sei ein Latin Lover, der sein Verfallsdatum überschritten hätte.

Nachfolgende Aussage erklärt, warum der Burda Verlag neulich nach meinem Namen gegoogelt hat — und wo ich gerade dabei bin, ich beiße nicht, man kann mich jederzeit anschreiben. ;-)

Die Top-50-Blogs sind entscheidende Meinungsbildner. Sie sind die Recherche– und Themenquellen von Journalisten aus den ?First-Level?-Medien.

Im Interview verkauft sich der Herr Profi gut, keine Frage, in manchen Sachen hat er nichts gelernt, in anderen schon — er lobt die Blogs, um nicht gleich wieder überrollt zu werden — und sein eigenes Blog zu aktivieren kann nur eine gute Idee sein. Do it Jean. Vielleicht bleibt uns dann so manches matte Interview erspart. ;-)

off the record — Jean-Remy von Matt bricht sein Schweigen: ?Massengräber? und ?Klowände?

Es ist übrigens nur ein Gerücht, dass Jean-Remy von Matt sein Schweigen bricht, weil die Nachfolgekampagne des unsäglichen Du bist Deutschland Poppen für Deutschland ins Haus steht, ebenfalls von Jung und Matt betreut. ;-)

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18 Antworten zu “Mattes Interview”

  1. Dr.Dean sagt:

    Der matte Mann findet, Jahre später, es dann doch nicht mehr überraschend, dass er mit seinen nicht sehr feinen Bemerkungen für einen Aufruhr gesorgt hat. Tja.

    1. Ich glaube, dass er mit diesem Interview diesmal nix gesagt hat, was sich für realweltliche Scheißhäuser zur Niederschrift eignen würde.

    2. Ich glaube nun umso fester, jedenfalls in Bezug auf sein monstranzmäßiges Selbstbewusstsein — bei dem es nie Überaschungen, und noch viel weniger eigene Fehler gibt — dass ich dafür jede Menge Koks in der Nase benötigen würde, um sowas von überzeugt von mir zu sein.

    3. Aber bitte, unabhängig von diesr Type, es soll niemand von mir sagen, dass ich irgendetwas gegen neoliberale Werbekokser habe, die mit aller Kraft versuchen, die Bürger mit Lügen, Werbedreck und Agendasetting anzuscheißen. Nett sind sie doch alle, oder?

    4. Lustig finde ich, dass er nun behauptet, dass er die Klowandsprüche bewusst lanciert hat, als Versuch eines Agendasettings:

    Das mit dem Themen setzen über Blogs habe ich ja mit den Klowänden vorgemacht. Natürlich funktioniert das, wenn man ein überraschendes Statement zu einem brisanten Thema liefert.

    Anders gesagt, die «interne» Mail wurde dann gezielt und bewusst nach draußen gegeben, quasi Viralmarketing by JRvM. Obwohl: Dazu halte ich JRvM nicht für klug genug.

    5. Matts Hauptproblem> als Werber ist: Wie kriege ich die Blogosphäre kontrolliert? In seinen Worten:

    eines der Hauptprobleme der Bloggerszene ist: die schwer kontrollierbare (…) Meinungsäusserung (..)

    Der Werber hätte gerne mehr Kontrolle und weniger Kritik. Das sagt er auch an anderer Stelle. Da trifft es sich für ihn und seine beknallten Werbesprüche gut, dass es immer mehr Topblogger gibt, die sich von Werbung kaufen lassen. Auch eine Form von Kontrolle. Das nimmt die Unabhängigkeit und Kommerzfremdheit aus der Blogosphäre. Der von Adel abstammende Herreinreiter und Soziadarwinist wird über adical ganz bestimmt nicht unglücklich sein.

  2. Chris sagt:

    Der von Adel abstammende Herreinreiter und Soziadarwinist wird über adical ganz bestimmt nicht unglücklich sein.

    Natürlich sind die Profis und Journalisten über adical nicht unglücklich — schließlich können sie jetzt sagen: siehste, die auch… ;-)

  3. kobalt sagt:

    Jetzt weiß ich, wofür das Wort «Hype» steht. Als ob der Mann auch nur den geringsten Einfluß auf das Wohl und Wehe der Blogosphäre hätte.

  4. […] F!XMBR setzt sich mit dem Gespräch in Punkto “Klowände” und Haftung für Kommentare auseneinder. […]

  5. Jens sagt:

    «Das mit dem Themen setzen über Blogs habe ich ja mit den Klowänden vorgemacht.«
    ist aj so ein typischer «War ja Absicht»-Spruch, den wir als Kindergartenkinder auch ständig gebracht haben — ähnlich wie «Hat ja gar nicht wehgetan». Nein, das hat den Knaben damals ganz schön kalt und am schlechtmöglichsten Zeitpunkt kurz vor Ende der Kampagne (die dadurch vollends auch international zum Gespött wurde) erwischt. Da kann er im Nahchinein noch so sehr versuchen, das umzudeuten. Vielleicht schläft er dann besser, am Imageschaden ändert das nichts.

  6. Grainger sagt:

    Auch wenn die Werbetreibenden es partout nicht wahrhaben wollen:

    es gibt eine (imho stetig wachsende) Anzahl von Leuten die Werbung in jeglicher Form grundsätzlich ablehnen.

    Ich mache da keinen Unterschied was die jeweils benutzen Medien anbelangt (wobei wenigstens sich im Internet Werbung durch entsprechende Tools auf ein zumindest halbwegs erträgliches Maß reduzieren läßt) oder die mit der Werbung verfolgte Intention (selbst Werbung für einen «guten Zweck» wie z.B. Spendenaufrufe empfinde ich inzwischen als lästig).

    Und an meiner Abneigung gegnüber jeglicher Form von Werbung sind die Werbetreibenden letztendlich selbst schuld: es ist einfach zuviel geworden!

    Wo man geht und steht, welche Zeitung man auch liest, auf welchen Sender man switcht, in welchem Forum man liest:

    überall Werbung, Werbung, Werbung!

    Empfinde nur ich das als dermaßen nervtötend das schon fast Aggressionen in mir wach werden?

  7. Dr.Dean sagt:

    Es gibt inzwischen viele Leute geben, die aufdringliche Werbung nicht nervtötend finden. Und es gilt als unschicklich, hasserfüllt oder neidisch, Werbedreck zu kritieren. Echt jetzt.

  8. Dr.Dean sagt:

    Schön wäre es ja, wenn ich meine Schreibfehler korrigieren könnte.

  9. Chris sagt:

    Welchen Rechtschreibfehler? :D

    Von dem Edit-Commentds-Gedöns halte ich nichts, da es hier auch ab und zu mal emotionaler hergeht. Ausserdem gehören Rechtschreibfehler zum Bloggen dazu. ;-)

  10. Oliver sagt:

    >Empfinde nur ich das als dermaßen nervtötend das schon fast Aggressionen in mir wach werden?

    Exakt, zusätzlich bezahlen alle Konsumenten auch diese Scheinwelt teuer. Die Kritik allgemein ist also angebracht, von mir aus auch stündlich. Auf jeden Fall wird dieser Dreck noch viel zu unreflektiert hingenommen.

  11. Chris sagt:

    Ihr Unwissenden Trolle — Ihr versteht da was falsch. Werbung ist Kultur. ;-)

  12. Falk sagt:

    Mal so ein Einwurf eines Unwissenden: Wo genau beginnt denn eigentlich Werbung im Sinne von «scheiss Werbung» oder anders gefragt — was wäre denn noch okay? Denn je länger ich die Diskussion hier verfolge, umso mehr mach ich mir da Gedanken um mich selbst und meinen Musikkram.

  13. Oliver sagt:

    Falk bei mir beginnt die scheiß Werbung bei Werbung allgemein, allerdings verfolge ich nicht fanatisch irgendwelche Adsense Blogs etc. bzw. überwiegt der Inhalt sehe ich über so einiges hinweg — notgedrungen.
    Kurzum ich mag keine Werbung, macht man dazu noch Werbung für Werbung und übersieht dabei die Tatsache das der Kunde allgemein diesen Hirn-Fuck bezahlt, dann jedoch ist der Ofen aus. Im TV störte mich die Werbung aus, der Inhalt blieb auf der Strecke, ergo entsagte ich konsequent. Nur bliebe mir dank der Werbe-Huren im Netz nur noch ein Leben als Einsiedler über und da spiel ich halt nicht mit.
    Aber was soll mich an deinem Blog stören? Manchmal eine gewisse Musikrichtung, ja *g*, aber Werbung nö und wenn würde ich nicht mehr draufschauen.

  14. […] Falk: Mal so ein Einwurf eines Unwissenden: Wo genau beginnt denn eigentlich Werbung im… […]

  15. Don Alphonso sagt:

    Mal schaun, ob der Herr der Bremsspuren das vordere Loch immer nich so weit öffnen würde, wenn es Boykottaufrufe gegen die von seiner Klitsche betreuten Firmen gäbe.

  16. Chris sagt:

    Ich könnte mir vorstellen, dass der Herr der Klowände dann der erste wäre, der Abmahnungen verschickt. Boykottaufrufe werden von Rechtsanwälten und Richtern nicht gerne gesehen…

  17. Poppen für Deutschland ist ein schöner Slogan… ich freu mich auf den nächsten «deutschen Herbst»! Die letzte Kampagne hat ja dermaßen die Kreativität der User geweckt, dass es eine Art hatte.

  18. Grainger sagt:

    Also diese Du bist Deutschland–Kampagne war ja nur oberpeinlich.

    Zum Einen finde ich es natürlich ganz toll wenn Jungmillionäre und Angehörige der B– und C-Prominenz mich (zu was eigentlich?) motivieren wollen.

    Und zum Anderen hatte das Ganze eine dermaßen oberlehrerhafte, spießbürgerliche und gleichzeitig betuliche Art an sich das vor meinem inneren Auge immer Tante Merkel auftauchte. *schüttel*

    Selten eine Kampagne gesehen die ihre Zielgruppe so konsequent verfehlt hat, wäre es bei dieser Werbung um ein real käufliches Produkt gegangen hätten die Konsumenten es wohl wie Blei in den Regalen liegen gelassen.


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