Manchmal pfeift er auch — E-Mail-Wechsel mit der GEMA

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Foto: marfis75 | CC-Lizenz

Ich habe gestern eine Presseanfrage an die GEMA gestellt:


Sehr geehrte Frau,

auf unserem Weblog setzen wir uns mit politisch und gesellschaftlich relevanten Themen auseinander, dazu gehört mit dem «Siegeszug» des Internets natürlich auch das Urheberrecht und die Verwertungsrechte der Künstler.

Die Frage, die sich natürlich Allen stellt, ist die, wie die Künstler in Zeiten des Internets weitreichend geschützt werden können. Wie ich den Medien entnehmen konnte, setzen Sie sich hier ohne Wenn und Aber für die von Ihnen vertretenen Künstler ein, so zum Beispiel beim Thema YouTube.

Gestern war beim Bayerischen Rundfunk eine Ankündigung zu einem Beitrag am Donnerstag zu finden. Bei dem reißerischen und polemischen Titel  «Alle meine Centchen: GEMA kassiert bei Kindergärten» ist wieder einmal zu erwarten, dass die gute und wichtige Arbeit der GEMA diskreditiert werden soll. Meiner Meinung nach werden hier GEZ-Gebühren nahezu verschwendet. Das soll aber nicht das Thema dieser E-Mail sein. Ich finde es richtig, dass Sie sich so für Ihre Künstler einsetzen.

Weiter so!

Liebe Frau, in diesem Zusammenhang hätte ich eine Frage. Seit zwei Monaten haben ich einen neuen Nachbarn. Da unser Mehrfamilienhaus schon etwas älter, dementsprechend hellhörig ist, ist es nicht zu vermeiden, dass ich ihn morgens, wenn wir gleichzeitig aufstehen, unter der Dusche singen höre.

Oftmals sind es Lieder von «Michael Jackson», ich konnte aber auch schon den Klängen von «Juli — Perfekte Welle», «Christina Stürmer — Wir Leben Den Moment» und «Selig — Von Ewigkeit zu Ewigkeit» lauschen.

Diesbezüglich hätte ich die Frage, ob ein solcher Auftritt in einem hellhörigen Mehrfamilienhaus nicht schon unter öffentlicher Auftritt fällt und dementsprechend Gebühren für meinen Nachbarn anfallen sollten. Wissen Sie, wenn wir uns im Treppenhaus begegnen, dann schaut der immer so komisch, manchmal pfeift er auch. Ich finde das sehr irritierend. Ich glaube, der macht das extra um Sie und Ihre Künstler zu provozieren und zu ärgern.

Das können Sie dem Herrn doch nicht durchgehen lassen!
Schützen Sie Ihre Künstler!

Für weitere Fragen stehe ich selbstverständlich bereit und verbleibe derweil

mit freundlichen Grüßen

Christian Sickendieck
Hamburg

Und ich habe Antwort erhalten:

Sehr geehrter Herr Sickendieck,

stellvertretend für Frau: vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir sind Ihnen sehr verbunden, dass Sie uns einen weiteren Fall der öffentlichen Aufführung geschildert haben — in Ihrem Fall wohl ein besonders bemerkenswerter Fall von lauthals-unter-der-Dusche-in-einem-hellhörigen-Haus-Singen…

Können Sie uns vielleicht — sozusagen als freiwilliger Mitarbeiter der ersten Stunde in diesem Bereich — den zuständigen Branchenverband nennen? Oder den Dachverband für alle lauthals-unter-der-Dusche-in-einem-hellhörigen-Haus-Sänger zwecks Kontaktaufnahme?

Doch nun genug des Wortwitzes und zum «ernsten» Teil:

Wir haben den von Ihnen verlinkten Blogbeitrag des BR bereits gestern auf dem BR-Blog kommentiert und dabei die eine oder andere Rechercheschwäche aufgezeigt, die diesem Beitrag zu Grunde liegt.

Nicht die GEMA lizenziert Notenkopien, sondern die VG Musikedition ist hierfür zuständig. Wir bieten der VG Musikedition lediglich unsere Organisations– bzw. Vertriebsstruktur als Partner an, um die Lizenzierung, die sich aus dem Urheberrechtswahrnehmungsgesetz eindeutig ergibt, für die Kunden und die VG Musikedition so einfach und unkompliziert wie möglich zu gestalten.

Mit freundlichen Grüßen

Selbstverständlich habe ich recherchiert:

Sehr geehrter Herr,

ich habe ein wenig recherchiert und konnte in Erfahrung bringen, um welchen Dachverband es sich handelt: es ist der Verband «Verband in hellhörigen Häusern unter der Dusche singender Hydrophoben (VihHudDsH)». Ich habe auch dort eine Presseanfrage gestellt und warte auf Antwort.

Was werden Sie nun unternehmen?

Vielen Dank für die Information bezgl. des Beitrags im Bayerischen Rundfunk.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Sickendieck,
nicht unter der Dusche stehend.

To be continued… 😀

Mit Dank an @DonDahlmann für die Idee via Twitter

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8 Antworten zu “Manchmal pfeift er auch — E-Mail-Wechsel mit der GEMA”

  1. […] Rechtsanwalt Markus Kompa ·  Lupe, der Satire-Blog ·  Just my ·  F!XMBR Oktober 21st, 2010 in Fundstücke | tags: GEMA, Gesellschaft, Kinder, […]

  2. Baul sagt:

    Haha 😀 echt nicht schlecht!

    Besonders witzig finde ich ja «[…] freiwilliger Mitarbeiter der ersten Stunde […]» 😀

  3. Das ist wirklich schön… Die Gema durch den Kakao ziehen…

  4. Franse sagt:

    Du hast dir da ein leichtes Opfer rausgesucht und ich bin dem Humor — grade bei diesem Ziel — eigentlich nicht abgeneigt.

    Das Thema ist aber leider sehr ernst. «Meine» Musikschule muss deswegen Selbstzensur betreiben und das in einem biblischen Ausmaß: Wegen den Forderungen der VG Musikedition sind alle Lehrer dazu angehalten, alle nicht manuell erstellten Kopien von ihren Schülern einzuziehen. Den Schülern wird somit Lernmaterial entzogen und die Lehrer haben weniger Lehrmaterial und zusätzlich noch den Aufwand, alle Kopien einzuziehen und paranoid nach schülereigenen Kopien Ausschau zu halten.

    Einen ähnlichen Fall hatte ich bei einem Internetprojekt, das sich aber mittlerweile mit der Musikbranche geeinigt hat.

    Ich habe den Brief — man kann auch Erpresserbrief sagen — der VG Musikedition vorliegen und werde die Tage mal drüber bloggen… und melde mich dann nochmal.

  5. unschland sagt:

    momentmal, bevor mir wieder der kragen platzt -
    das läuft so ab, dass der musikschüler sich irgendwie noten besorgt von einem stück, das er spelen lernen will, und der musiklehrer muss sich die noten krallen und schreddern????

  6. Haben die Leute denn nichts besseres zu tun?

    Schülereigene Kopien einziehen — wo leben wir denn?

  7. Franse sagt:

    Ganz genau.

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