Lizensierte Freiheit — free as in freedom?

Um Crosspostings zu vermeiden führe ich mal nur ein paar Artikel an, Freiheit die ich meine, Lizenz-Chaos und Postcard-Lizenz. Die Quintessenz in all diesen Texten ist die Überlegung in puncto Begriffen wie Freiheit, frei, offen und deren Mißbrauch im allgemeinen Sprachgebrauch, ich betrachte diese Texte als Basis für diesen hier. Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, das keine echte Freiheit existiert, aber es ist ein erstrebenswertes Ziel und jeder sollte den Mut besitzen mittels seiner bescheidenen Möglichkeiten darauf hinzuarbeiten. Viele jedoch tun genau das Gegenteil und unterwandern auch die sogenannte offene Kultur, mit starkem copyleft etc. Der Tenor, Freiheit sichern, mittels Einschränkungen, da klink ich mich dann schon aus, wenn ich das Credo all dieser Schäubles, Buchs usw. da draußen vernehme.

Der Begriff Freiheit ist also geklärt und auch das erstrebenswerte Ziel für eine wirklich bessere Gesellschaft. Wer mutig ist arbeitet drauf hin, wer feige ist versteckt sich hinter einem starken copyleft. Wer sich nicht sicher ist, probiert es erst einmal mit der Einschränkung alles erlaubt, jedoch nicht kommerziell … imo noch die beste Zwischenlösung.
Wenn also dieser Passus geklärt ist, ist doch alles klar, oder? Jeder darf es nicht-kommerziell nutzen. Warum also noch weitere Einschränkungen, wie es die GPL, GNU FDL oder diverse Varianten der Creative Commons fordern? Korrespondiert dies mit der Schaffung einer besseren Gesellschaft? Mitnichten, man unterwandert diese damit. Sicherlich, der Einäugige unter den Blinden wir sogleich antworten man muß sie ja nicht nutzen. Das ist auch so richtig, allerdings stolpert man im open content/source Bereich nun mal über vermeintlich freie Inhalte, gemäß Freiheit v1, v2, v3 …. Will man diese miteinander vermengen, so gleicht dies schon nicht mehr einem Schuß ins eigene Knie, sondern einer Fahrt mit 200 gegen die nächste Wand.
Diese mutmaßlich freie Gesellschaft, erreiche ich dann, wenn ich mit etwas Mut eben diese echte Freiheit im gewählten Rahmen vorlebe. Beginne ich jedoch damit das Vokabular unserer Politiker zu nutzen garantieren, sichern, vorbeugen, … parodiere ich eher den Begriff Freiheit und werkel an einem Politikum, aber nicht an einer besseren Gesellschaft.
Die Creative Commons z.B. setzte sich nur ob eines Punktes durch1, sie ist variabel. Was ja schön sein mag für den Urheber, ist gelinde ausgedrückt ein fauxpas in puncto open content/source. Gemeinhin tritt die CC zwar für freie Inhalte ein, die aber teils so frei gar nicht in der Praxis sind und die oftmals propagierte remix-Kultur ad absurdum führt.
Zwar kann ich mir auch eine wirklich freie Lizenz aus der CC basteln, profane Namensnennung (wie auch im deutschen Urheberrecht vorgeschrieben) und gut ist, aber auch quasi beinahe das Gegenteil wäre möglich bzw. diverse Abstufungen. Drüber prangt jedoch die creative commons, Synonym für open content, Credo: eine bessere Gesellschaft.

Ehrlich, ich habe selten so gelacht.

Gemeinhin lesen die Leute nicht den angeklebten Text und folgen dem allgemein postulierten Credo bezüglich freien Inhalten. Da wird auch lustig gemixt, ohne dabei zu bedenken hey stop, die CC ist selbst teils untereinander inkompatibel.
Ehrlich, wer da meint das arbeitet auf offene Inhalte, sowie eine bessere Gesellschaft hin, der muß wohl Anwalt sein.

Was bleibt also über für die Arbeit hin auf diese oft postulierten, jedoch mangelhaft ausgeführten, Dinge bezüglich Freiheit, offene Inhalte?

  • Mut, Mut zu echter Freiheit
  • weitesgehender bis völliger Verzicht auf ein copyleft
  • Respekt vor den Dingen anderer, auch der eventuellen Entscheidung etwas nur kommerziell zu vertreiben

  • eine einfache und deutliche Lizenz, je mehr copyleft, umso mehr Anwälte kommen ins Spiel; dies gilt es zu vermeiden
  • die Angabe von Urheber und Quelle, immer und überall; das sollte auch ohne Lizenz/Urheberrecht usus sein, das nennt man Respekt

Diese Punkte erfordern natürlich Mut, sehr viel Mut sogar. Man sollte sich jedoch nicht von Neid/Paranoia ein bestimmtes Verhalten diktieren lassen. Freiheit braucht Mut und Kampf um diese, da gibt es nichts geschenkt und auch erst recht nichts garantiert. Freiheit wird stetig angefechtet werden, ergo muß auch permanent für diese eingestanden werden. Verteidigung dieser bedeutet nicht, mittels eines starken copylefts quasi eine Vorwärtsverteidigung zu iniziieren und somit wiederum Freiheit zu torpedieren.

Last not least müßten viele viele Blogger, Forenaktivisten, Webseitenbetreiber auch noch etwas über Respekt nachdenken, Zitatrecht, Schöpfungshöhe etc. Gerade bei letzterem erübrigt sich auf vielen Blogs der Gedanke an eine Lizenz schon sehr oft und beim Zitatrecht wird auf so manchem Blog sogar eine Urheberrechtsverletzung offenbahr. Natürlich kann man da zetern ist doch krank dieses Urheberrecht, allerdings ist so manches Zitat vom Umfang her und dem Verhältnis zur eigenen Schöpfung doch meist recht respektlos gegenüber dem Urheber, jetzt mal ganz abseits von Recht und Gesetz.

Es ist, abgesehen vom Mißbrauch, eine gewaltige Spirale — mangelnder Respekt, ruft auch immer befremdlichere Auswüchse des Urheberrechts hervor usw.

Freiheit braucht Mut und Vernunft, Vernunft die nicht diktiert wird, sondern die dem Individuum zueigen ist. Wir leben nun mal in einer Welt mit Gesetzen, einer diktierten Variante von Freiheit, nur müssen wir nicht dieser Haltung ebenso anheim fallen. Machen wir das beste draus und leben echte Freiheit vor, jeder gemäß seinen Möglichkeiten, eben die stetige Annäherung ans Ziel.

  1. auch erscheint sie vermeintlich einfacher, nur aber für den Laien — kommt es hart auf hart, ist das Ziehen eines Zahnes mitunter angenehmer []

14 Antworten zu “Lizensierte Freiheit — free as in freedom?”

  1. Musikdieb sagt:

    Was ja schön sein mag für den Urheber, ist gelinde ausgedrückt ein fauxpas in puncto open content/source. Gemeinhin tritt die CC zwar für freie Inhalte ein, die aber teils so frei gar nicht in der Praxis sind und die oftmals propagierte remix-Kultur ad absurdum führt.

    Das stimmt schon. Das gibt alles ein ganz schönes Rechte-Wirrwarr. Aber wenn man gar keine freie Lizenz vergibt, auch wenn es stark eingeschränkte freie Lizenzen sind wie manche cc-Lizenzen, dann gilt das klassische Urheberrecht, und das ist noch unfreier. Meinst du jetzt, man sollte seine Werke sozusagen unter einer eigenen Lizenz veröffentlichen, oder was ist dein Vorschlag? So ganz habe ich das nicht verstanden.

    Ich überlege auch oft, wohin das führt mit den ganzen verschiedenen Lizenzen. Creative Commons bauen ja auch eine Marke auf, die ganz schön was wert ist. Es besteht außerdem die Gefahr, dass sich das lediglich sozusagen als kostenloser Talentscout für die Contentindustrie entwickelt. Aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass es trotzdem besser ist als nichts.

  2. Oliver sagt:

    dann gilt das klassische Urheberrecht, und das ist noch unfreier

    Das klassische Urheberrecht gilt immer, du definierst nur wieviele Rechte du einräumen möchtest. Am Urheberrecht ist nichts unfrei, sondern es bietet auch initial dir z.B. erst einmal die Option auch entscheiden zu können ob du es verschenkst, verkaufst, whatever.

    Du brauchst auch keinen bunten Button, nur um zu sagen — da nimm, mach damit was du willst oder da nimm, aber kommerziell läuft nicht.

    Es ist nicht besser als nichts, denn wenn man sich Gedanken macht braucht man derartiges nicht.
    Macht dich die CC, die GPL oder whatever glücklicher? Meinst du erst damit besitzt du Rechtssicherheit? Dann bist du aber auf dem Holzweg, mit der CC oder der GPL kannst du einen symbolischen Eiertanz aufführen um den Leuten zu zeigen, hey ich mach da auch mit bei open-dingsbums — mehr nicht.
    Da jeder Autor, immer das Urheberrecht besitzt, sollte er sich auch im klaren sein was er mit seinen Rechten anfängt. Wenn der bunte Button leichter ist, bezweifle ich das man sich überhaupt im klaren ist, welche Rechte man denn besitzt. Wenn man die CC beispielsweise moralisch unterstützten möchte, dann sollte man sich obigen Text mal in Erinnerung rufen. Hat man sich jedoch Gedanken gemacht und kennt seine Rechte am eigenen Werk, dann fällt es wohl leicht einfach zu sagen nimm es, sofern man denn überhaupt open content supporten möchte.
    Ich verstehe das Problem nicht wirklich. Mir deucht viele meinen da herrscht ein Automatismus mit GPL/Sourcecode bzw. CC/Opencontent. Dem ist aber nicht so, z.B. muß man das mit der Namensnennung in den USA definieren, hier ist es Pflicht. Btw. die diversen Lizenzen haben hierzulande nur Gültigkeit, wenn sie sich im Rahmen des Urheberrechts bewegen.

    Das kann dir wohl ein Anwalt weitaus besser erklären, obwohl ich das auch bezweifle wenn ich Lawrence Lessing betrachte :)

    http://www.golem.de/0406/.….857.html

    lese ich das z.B., frage ich mich doch — was versteht der Mann unter Freiheit? Auch nur seine Variante davon. Er spricht von kulturellen Remixen und dennoch supportet gerade die CC den Lizenzbaukasten, der Remixe oft genug unterbindet.

    Einfaches Beispiel dieser Text hier, ich sage dir nun nimm und mach was du willst, die Quelle mußt du so oder so nennen — wo ist der Knackpunkt? Ich bin der Urheber, ich darf das. Oder ich verfeinere wie auf diesem Blog, nimm, mach was du willst — Geld verdienen geht jedoch nicht.
    Eindeutig, frei, verwirrt weder Urheber noch Nutzer.

    Zeige mir die großartige Remix-Kultur xx freie Lizenzen mit teils waghalsigen Definitionen torpedieren jeglichen Remix, die CC macht es selbst innerhalb schon vor. Und ich teile seine Ansicht nicht, das die Leute remixen möchten, sie wollen konsumieren — jede Generation. Kaum einer ist bereit wirklich etwas aus freien Stücken herzugeben, genau das ist der springende Punkt!

  3. Falk sagt:

    Ein Stück weit würde ich jetzt gern widersprechen. Wenn ein Urheber eine Lizenz vergibt, ist die Intention doch weniger das Geben als Solches, sondern ein Stück weit den Rahmen des Nehmens auf der Seite der «Verbraucher» zu schaffen. Dies ist für mich erstmal der springende Punkt. Welche Fußfesseln dies weiterhin bietet, dürfte bei genauerer Betrachtung Jedem einleuchten. Nur redet ihr beide da offensichtlich nicht grad vom selben Thema.

    Sicher muss und kann man den Begriff Freiheit an der Stelle nicht gänzlich in Anspruch nehmen, denn es ist keine. Es ist in meinen Augen *nur* eine Hilfestellung, um einen faireren Umgang mit urheberrechtlich geschützten Werken zu etablieren. Ob der Weg und die Mittel Jedem gefallen, wage ich grundsätzlich zu bezweifeln. Und bevor alles gemeinfrei wird, müsste die gesamte Gesellschaft geändert werden. Und das weltweit.

  4. Oliver sagt:

    Wenn ein Urheber eine Lizenz vergibt, ist die Intention doch weniger das Geben als Solches, sondern ein Stück weit den Rahmen des Nehmens auf der Seite der ?Verbraucher? zu schaffen.

    Warum denn das schmale Brett? Du gehst pauschal von einem negativen Habitus aus, ich nicht. Urheber ist erst einmal jeder, wenn die Sache mit der Schöpfungshöhe geklärt ist und dann hat dieser das Recht a) damit zu machen was er «möchte», b) seinen Verstand zu gebrauchen. Und erst dann unterstelle ich mitunter jemandem einen negativen Habitus.

    Und bevor alles gemeinfrei wird, müsste die gesamte Gesellschaft geändert werden. Und das weltweit.

    Und bevor das der Fall ist müssen einzelne mutig sein und Freiheit wagen, das birgt auch die Gefahr des Mißbrauchs. Demgegenüber mit einem starken copyleft zu kontern halte ich für den gänzlich falschen Weg.
    Ich habe nichts gegen eine gänzlich kommerzielle Nutzung, auch das ist Freiheit. Aber ich habe etwas gegen Danaergeschenke in Form von massiv eingrenzenden copylefts.

    Wenn man nichts hergeben möchte, dann ist das okay — aber Mogelpackungen braucht eine *bessere* Gesellschaft auch nicht, schon gar nicht als Basis.

  5. Falk sagt:

    Warum denn das schmale Brett?

    Einfache Frage und simple Antwort: Weil es Vertreter der Industrie über Jahre hinweg geschafft haben, dem Urheberrecht in der jetzigen Form einen sehr negativen Anstrich zu verpassen.

  6. Oliver sagt:

    Ja aber da bin ich nun weit von weg und sage eben drum, ich machs anders und wer von Freiheit fabuliert — und ich schrieb auch wie wo wohin die mitunter geht, was real ist etc. — der muß auch Roß und Reiter benennen. Dann mach ichs besser, denn ich will besser sein als eben diese verteufelte Industrie. Und last not least ist es eben belanglos welchen Anstrich das Urheberrecht hat, jeder hat nen eigenen Verstand und kann ihn auch als großindustrieller Urheber bzw. kleiner minimal-Urheber gebrauchen.

  7. Maxx sagt:

    Wenn du, deinem Artikel nach zu schließen, eher gegen Copyleft eingestellt bist — warum steht dann F!XMBR unter einer ShareAlike-Lizenz?

  8. Chris sagt:

    Du bist schon den Links da oben gefolgt? Oder hast jetzt einfach ein Schlagwort aus dem Text gegriffen, nach links geschaut, und — oh böse — CC-Lizenz, ich kann meckern, juchuuu… 😀

    Wenn Du den Links nämlich gefolgt wirst, hättest Du vielleicht, unter Umständen, evtl. gesehen, verstanden dass wir gerade hier am Entwicklen, am Überlegen sind. :)

    Wenn wir Links in einem Text verpacken, geschieht das nicht aus Spaß, im Übrigen auch über dem bösen Banner festgehalten, den Du da ausgemacht hast :)

  9. Falk sagt:

    Was spricht eigentlich gegen die Public Domain, wie sie auch Creative Commons anbietet?

  10. Oliver sagt:

    Weils die Public Domain in D nicht gibt.

    In Deutschland wie in Österreich ist ein Totalverzicht auf das Urheberrecht ? etwa zugunsten der Allgemeinheit ? nicht möglich (dies wird aus § 29 UrhG [D] bzw. § 19 UrhG [Ö] abgeleitet). Daher gibt es dort auch keine Public Domain durch Rechteverzicht wie in den USA, wo auf alle Rechte verzichtet werden kann und das Public-Domain-Werk den gleichen Status wie ein nicht mehr geschütztes Werk besitzt. Es ist allerdings möglich, das Werk unter einem solchen Nutzungsrecht zur Verfügung zu stellen, sodass es von jedermann frei veränderbar ist.

    In den 80ern schwappte da gerade viel herüber und auf den Mailboxen dachte auch jeder das wäre ein Passus der bei uns auch Gültigkeit hat — dem war und ist aber nicht so.

    http://de.wikipedia.org/w.….c_domain

    Der Name muß ohnehin genannt werden, wobei wir dann bei einer BSD-Lizenz, CC-Attribute oder auch Beerware-Lizenz wären. Die auch eigentlich nur diesen Sachverhalt für die USA klären, wo eben die Namensnennung des Urhebers keine Pflicht ist.

  11. Oliver sagt:

    @Chris, der kluge Mensch war sich sogar zu fein überhaupt etwas zu lesen, sonst hätte er da mitbekommen das da ein gewaltiges Brainstorming zu dieser Thematik läuft insbesondere auch in diesem Text hier.
    Leute! Nix Bild, das sind Gedanken, Meinungen und ihr erschreckt mich, wenn ihr solche Dinge nicht kennt.

  12. Maxx sagt:

    hmhmhm,

    ich wollte nicht nur meckern. Ich habe den Text nicht sooo genau gelesen und er schien doch eher Anti-Copyleft.

    Sorry fuer mein vorschnelles Urteil, ich gelobe Besserung 😉

  13. Oliver sagt:

    Ich bin auch strikt gegen copyleft, aber dieses Projekt betreibe ich zusammen mit Chris, ergo ist es ein Kompromiss, da ich seine Meinung schätze und vor allem auch respektiere.
    Zu tatsächlicher Freiheit gehört auch die Tatsache nicht dem anderen die Freiheit zu beschneiden. Das hindert mich jedoch nicht daran meine Meinung zu äußern. Darüber hinaus nutze ich drüber BSD Lizenz und COFFEEWARE-LICENSE :)

  14. Chris sagt:

    Ich habe die ShareAlike-Geschichte mal rausgenommen, war mir so gar nicht bewusst, dass wir die drin haben. Bis wir unser Brainstorming beendet haben, macht was Ihr wollt, macht Ihr Kohle, gibt uns was ab… 😀

RSS-Feed abonnieren