Livetest: Sie schreiben Dir

Johnny hat seit kurzer Zeit einen kleinen, neuen Banner eingebaut — den von sie-schreiben-dir.de. Ich hatte es kurz überflogen, und als Volksverarsche abgetan — nun, der Meinung bin ich immer noch, aber man kann es sich ja mal genauer anschauen. Ich glaube zwar nicht, dass da wirklich die Abgeordneten antworten, wenn überhaupt die PR-geschulten Mitarbeiter, aber okay, schauen wir es uns mal an und registrieren uns auf sie-schreiben-dir.de.

Nach der Registrierung wird es das erste Mal so richtig lustig:

sie-schreiben-dir.de

An diesem Punkt rolle ich gleich nach 5 Minuten das erste Mal mit den Augen — wie will man den Abgeordneten die neuen Medien näher bringen, wenn man selber die Technik — augenscheinlich — nicht im Griff hat? Nein, mein Abgeordneter ist nicht der Herr Mierscheid, es ist der Herr Ortwin Runde — sollte es damit zusammen hängen, dass der Herr Mierscheid im Moment der einzige Abgeordnete ist, der dort antwortet (via Kommentare Spreeblick)? Nett, wie ich bin, schreibe ich doch gleich mal ne eMail:

sie-schreiben-dir.de

Was bin ich freundlich. 😉 Irgendwelche Newsletter bestelle ich nicht, und so gehts einfach weiter. Tja, wenn es weitergehen würde. Ich _muss_ einen Abgeordneten auswählen, dessen Aktivitäten ich verfolgen möchte, weiter lies die Technik mich nicht gehen, siehe ersten Screenshot — ich habe einzig die Möglichkeit, Herrn Mierscheid anzukreuzen. Stellt sich die Frage, ob ich dann nur die Beiträge von Herrn Mierscheid lesen kann, die anderer Abgeordnete nicht, was natürlich auch — gelinde gesagt — ziemlich panne wäre. Wenn ich mich schon bei so einem Projekt beteilige, möchte ich auch überall — zumindest — lesen, wenn nicht sogar schreiben — auch bei anderen Abgeordneten. So langsam nervt es, ich bin kurz davor, das Projekt abzubrechen. Okay, wählen wir Herrn Mierscheid aus und gehen auf weiter. Nun bekomme ich _endlich_ eine Authentifizierungs-Mail — das wurde auch langsam Zeit.

So, nachdem ich den Link zur Authentifizierung in der Mail angeklickt habe, werde ich wieder zu «Sie schreiben Dir» geleitet — und hier breche ich jetzt das Projekt einfach ab. Meine Bedenken, ob die Abgeordneten (selbst) sich da jemals zu Wort melden, habe ich bereits geäussert, doch wenn der Veranstalter nichtmal die Technik im Ansatz im Griff hat, dann macht das alles keinen Sinn. Ich hab tatsächlich nur Zugriff auf das Mierscheid-Forum, auf sonst nichts — das ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten, ich kann keine anderen Abgeordneten hinzufügen.:

sie-schreiben-dir.de

sie-schreiben-dir.de

Auf den Arm nehmen kann ich mich alleine, da brauche ich nicht so ein «Wir machen mal ein wenig Politik»-Projekt, was nicht funktioniert. Wenn ich da mal auf die «Mutterseite» pol-di.net klicke:

pol-di.net ist ein Verein für eine demokratische und digitale Entwicklung der europäischen Informationsgesellschaft mit Hauptsitz in Berlin. Mit ihm wollen wir einen aktiven Beitrag zur europäischen Informations– und Wissensgesellschaft leisten. Im Mittelpunkt steht dabei die Verbesserung der Möglichkeiten für eine demokratische Beteiligung der Bürger sowie für ein Mehr an Transparenz innerhalb der politischen Institutionen und Prozesse.

Sicherlich lobenswert, nur muss sowas zumindest technisch durchdacht sein, sonst wird es peinlich — und als letzter Ratschlag an die Kollegen: Denkt mal über ein neues Style nach, die Verwechslung mit einem hier nicht genannten Nachrichtensender ist durchaus gegeben. 😉

Aber vielleicht wird es ja noch was: Wiedervorlage 18.11.2006

6 Antworten zu “Livetest: Sie schreiben Dir”

  1. Falk sagt:

    Hab ja auch Eure Diskussion beim Johnny verfolgt. Bin aber eher auch der Meinung, dass wenn man solch ein Projekt startet, beim Relaunch schon einige Politiker mehr am Start sein sollten. Ist zwar nett, dass einer sich da engagiert, aber so wirkts halt momentan eher unausgereift und ändert nichts an der derzeitigen Meinung, das unsere Politiker gar nicht mit uns reden _wollen_. Ich möcht nur einmal ein glaubwürdiges Argument hören, warum die _Basisarbeit_ keinen Wert mehr besitzt.

  2. Chris sagt:

    So siehts aus, und der Herr Mierscheid gehört da zum Inventar bei politik-digital.de — das ist jetzt nicht abwertend gemeint, ich find das echt gut, dass es da zumindest einen gibt. Es zeigt aber, dass den Rest das alles gar nicht interessiert und/oder dass der (Re)Launch einfach mal schlecht ausgeführt wurde.

  3. Chris sagt:

    Ich hab da gerade noch mal durch Zufall drauf geklickt. 😀

    Interessant auch, die neuesten Kommentare. 😉 Bei den Abgeordenten, gut, kann man evtl. nachvollziehen, aber bei den Users?

    sie-schreiben-dir.de

  4. Oli sagt:

    *gröl*

    Ehrlich das Gros der Leute ob Politiker, an der Uni, auf den Behörden ist noch nicht einmal ansatzweise im Jahr *2000* angekommen. Ist leider eine traurige Wahrheit und umso schlimmer, da diejenigen sagen wo es lang geht.

  5. Chris sagt:

    Warum Oli so gröhlt? 😀 Hab ihm gerade den Link im Jabber rübergebeamt — man vergleiche das aktuelle Aussehen der Seite mit dem Screenshot aus Mai zwei Beiträge über diesem hier… 😀

  6. […] Sich selbst zu zitieren hat nicht wirklich was. Schon hier hatte ich ein paar Zeilen geschrieben, ein ähnliches Projekt, schon damals zum Scheitern verurteilt, und nach Wiedervorlage von mir in den Müll geschoben, weil selbst diese zuviel des Guten gewesen wäre. […]

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