Linktipps zum Wochenausklang

quirinus schreibt in einem lesenswerten Beitrag über die neue, alte Hatz auf Arbeitslose, Vergleiche mit Juden, die vor 1,5 Jahren als gefährlich galten, halten heute diese Vergleiche stand. Dicki ist einer dieser Solzialschmarotzer und hat nun ein Schreiben bzgl. seiner Wohnung bekommen. Die Junge Welt dokumentiert, dass die Verschärfung der JudenHartz IV-Gesetze fast gar nicht an die Öffentlichkeit geraten sind, da sie durch die Koaltion in einer Nacht– und Nebelaktion in einer nicht öffentlichen Sitzung beschlossen wurde. Die TAZ stößt ins gleiche Horn, ein wenig diplomatischer. Die Frankfurter Rundschau hat einen feinen Artikel über die Nachstenliebe unserer kari katativen Einrichtungen — das Geschäft mit der Nächstenliebe.

Zum Schluß eine feine Rechnung vom Rebell vom g:b zum Spargelstechen: Spargelernte in Deutchland: 65.000 Tonnen = 65.000.000 kg (Quelle). Ein Pole erntet im Akkord 250 kg pro Tag (Quelle). Rechnen wir großzügig mit 70.000 Tonnen = 70.000.000 kg pro Jahr und 200 kg Ernste pro Tag und Stecher: 70.000.000 dividiert durch 200 kg/tag = 350.000 Manntage. Die Spargelernte dauert etwa 2,5 Monate = 75 Tage. Also 350.000 Mannstunden dividiert durch 75 Tage macht 4.666 Spargelstecher. Nehmen wir großzügig an, die gleiche Anzahl an Mitarbeitern fürs Waschen und Verpacken, runden auf, kommen wir für 75 Tage auf 10.000 Jobs. Der Rebell sagt dazu:

Jetzt muß ich mal fragen, warum Herr Clement und Frau Christiansen so ein Gezeter um das Spargelstechen machen und warum die Bundesagentur für Arbeit gezwungen wurde, ein Sonderprogramm für Spargelstecher aufzulegen und von wichtigerer Arbeit abgehalten wurde?

Es ist absolut lächerlich. Dieses Theater wegen 10 000 Arbeitsplätzen.

7 Antworten zu “Linktipps zum Wochenausklang”

  1. Chris sagt:

    Einen internen Verweis noch hier als Kommentar: Warum keinen Stern?. Irgendwann werden sich Arbeitslose zu erkennen geben müssen — diesmal kann das deutsche Volk aber nicht sagen, es hätte von nichts gewusst. :-)

  2. Grainger sagt:

    Dazu kommt noch, das die Spargelbauern ja gar keine deutschen Arbeitslosen zum Spargelstechen haben wollen.

    Wer das (oder eine andere körperlich anstrengende landwirtschaftsliche Tätigkeit wie z.B. die Weinlese) schon mal gemacht weiß, das man einen Sesselpupser von Bürohengst nicht einfach mal so zu derartigen Tätigkeiten verdonnern und dabei auch noch halbwegs gute Arbeitsresultate erwarten kann.

    Selbst wenn die unfreiwilligen Erntehelfer grundsätzlich motiviert und gutwillig wären (was sie aber zu mehr als 90% gar nicht nicht sind), auch für solche scheinbar einfachen Tätigkeiten ist eine Anlernphase notwendig.

    Und je nach Gesundheitszustands des Couchpotatoes auch noch ein bißchen vorheriges Fitneßtraining.

    Aber ich bin mal ketzerisch:

    bei rund 5 Millionen (offiziellen) Arbeitslosen, von denen der größere Teil auch mittelfristig keine Anstellung finden wird müsste Deutschland doch das sauberste Land der Welt sein.

    Wenn jeder Arbeitlose nur 2–3 Stunden am Tag die Straßen kehren, in öffentlichen Grünanlagen Unkraut jäten, Autobahnparkplätze aufräumen, usw. würde, müsste doch selbst die Schweiz neben Deutschland wie eine Kloake aussehen. 😀

    Zahlen würde ich dafür auch nichts extra, schließlich werden die Arbeitslosen von der Solidargemeinschaft unterhalten und würden diese Tätigkeiten somit auch nicht unentgeltlich erledigen.

    Und bei 2–3 Stunden pro Tag bleibt auch noch genug Zeit für die Arbeitssuche übrig.

  3. Chris sagt:

    @Grainger: So einen neoliberalen Rechtspopulismus (denke das nächste Mal nach, bevor Du schreibst) lasse ich das erste und letzte Mal zu.

    Der Satz diesmal kann das deutsche Volk aber nicht sagen, es hätte von nichts gewusst war auf Leute wie Dich bezogen.

  4. Grainger sagt:

    @Chris

    Sorry, aber was an meinen Äußerung neoliberaler Rechtspopulismus sein soll entzieht sich mir völlig.

    Ich halte es nach wie vor für legitim, Arbeitslose für gemeinnützige Tätigkeiten einzusetzen, allerdings nur für solche die sonst eben unerledigt blieben (und z.T. ja auch seit Jahren bzw. Jahrzehnten unerledigt sind).

    Als Jobvernichtungsmaschine darf so etwas natürlich nicht dienen, das wäre ja auch vollkommen kontraproduktiv.

    Und Pläne wie die des DRK arbeitslose 1-Euro-Jobber auch noch zur eigenen Gewinnmaximierung einzusetzen kann ich auch nicht gutheißen (auch das würde letztendlich nur andere Jobs vernichten).

    Aber warum sollte ein Arbeitsloser nichts anderes machen sollen/dürfen als (erfolglos) auf Arbeitssuche zu gehen oder wahlweise irgend welche Freizeitaktivitäten zu betreiben?

    Da muss es doch auch noch was dazwischen geben.

  5. Chris sagt:

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. Man, was ist das traurig, dass man as heutzutage immer wieder zitieren muss. Nur weil jemand arbeitslos geworden ist, soll er also dazu gzwungen werden, Dir Deinen Gehweg zu säubern — ansonsten gibts kein Geld, keine Wohnung, kein Essen. Das ist Deine Meinung, nicht meine, ich diskutiere darüber auch nicht weiter.

    Zu den Freizeitaktivitäten: Das ist ganz TYPISCHER Rechtspopulismus. Bevor Du weiter so einen Schwachsinn absonderst, befasse Dich erstmal damit, inwieweit ein arbeitsloser Hartz IV-Empänger überhaupt noch Freizeitaktivitäten hat. Hör den Podcast. Ich kenne genug Leute und habe es selber erlebt, dass nach Abzug aller (Un-) Kosten von den 345,- Euro nicht mal am Ende des Monats was zu Essen übrig blieb.

    Aber fabuliere Du man weiter, dass der Arbeitslose ja nur Geld abzockt, und faul auf dem Sofa rumhockt — aber nicht mehr hier!

  6. Oli sagt:

    Zu den Ausführungen Chris braucht man nicht viel zu ergänzen, es ist eine Schweinerei und wer es anders sieht hat keine Meinung innne, sondern ist schlicht und ergreifend asozial!

    Was mich bei der Sache nur stört und das hat nichts mit Chris Ausführungen zu tun, das ist der völlig sinnfreie Vergleiche mit der Verfolgung der Juden im dritten Reich bzw. deren Verfolgung über die Jahrhunderte quer durch Europa. Das ist etwas anders. Punkt!

  7. Chris sagt:

    Ach! ich kann mich noch gut an jene Bremer Montagsdemo 2004 erinnern, als eine Rednerin den damals noch recht zahlreichen Versammelten vorlas, wie Arbeitslose nach und nach immer mehr Rechte verlieren und immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Alle standen betroffen da; alle hatten diese oder ähnliche Erfahrungen bereits gemacht, noch vor Inkrafttreten der Hartz-IV-Gesetze. Dann jedoch, als die Rednerin ihre Quelle preisgab, zuckten die meisten zusammen; und eine jüngere Autonome sagte: «Du, das find ich aber total gefährlich, was du da machst.«Was aber hatte die Rednerin getan? Sie hatte ganz einfach, unter Weglassung der zeitgeschichtlichen Bezüge, aus dem ersten Band der Tagebücher von Victor Klemperer* zitiert und das Wort Juden durch Arbeitslose ersetzt. Das galt damals, vor erst 1 1/2 Jahren, noch als gar zu brisant;

    Ich habe darauf Bezug genommen, also gar nicht so abwägig die _Entwicklung_. Nur weil (hoffentlich) dieser unglaubliche Völkermord, Massenmord einzigartig war, nie wieder passiert, sollte man — gerade um den Ernst der Lage begreiflich zu machen — Entwicklungen vergleichen dürfen.

    http://spielverderber.two.….2099868/

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