Linklift, die Kritik und die Verantwortung gegenüber den Usern

WP-LogoIn den letzten Tagen gab es ein paar Diskussionen rund um WordPress Deutschland (WPD) und das Linklift-Plugin. Dazu hat sich nun auch Linklift selbst per Blogeintrag zu Wort gemeldet — aus naheliegenden Gründen hier nur per TinyURL verlinkt. Das Statement offenbart eine sehr einfache Denke der Linklift-Verantwortlichen — wie schon bei WordPress Deutschland ist eine typische Wir haben nichts gemacht-Einstellung1 zu erkennen. Auf die Kritik wird so gut wie gar nicht eingegangen, man versteckt sich hinter rechtlich korrektem Verhalten — eigentlich sagt der Artikel gar nichts aus, außer ein wenig PR-Geblubber, so zumindest mein Eindruck. Und wie das auf den deutschen Blogs so ist — es funktioniert. Auf allen deutschen Blogs? Nein, ein kleines und unabhängiges Blog leistet — nach wie vor — den Römern Widerstand.

Bei Linklift scheint man Großes vorzuhaben — vergleicht man sich doch schon mit Größen wie Mozilla oder Google. Deren Verhalten hat als Vorbild für die Kooperation mit WPD gedient. Tja, man hätte vielleicht auch mal recherchieren sollen, dass auch diese Verhaltensweisen rund um Mozilla und den Firefox auf diversen Blogs Anlaß zur Kritik waren. Ich erinnere mich zudem an den Fall, dass eines Tages die deutsche Firefox-Version bei der eBay-Suche eine Ref-Id enthielt — der Aufschrei war noch größer, wie nun im Linklift-Fall. Immer, wenn bei Community-Projekten die User nicht informiert werden, immer, wenn etwas nicht koscher läuft, dann gibt es nunmal Ärger. Die Verhaltensweisen von Mozilla als Vorbild zu nehmen, war schon der initiale Fehler von Linklift und WPD. Einen lauen Scherz über zielgenaue Werbung, also die Zielgruppe Blogger, erspare ich mir, das kann jeder für sich selbst beurteilen.

Im Folgenden wird klar, dass Linklift, wie auch schon WPD, kaum die Kritik verstanden hat. Man beklagt sich darüber, und hey, man hat es rechtlich überprüfen lassen, dass das Plugin als SPAM bezeichnet wird. Das war zumindest hier nie der Fall — es wurde immer die Art und Weise, das Gesamte, wie dieses Werbeplugin den Usern mehr oder weniger untergeschoben wurde, das Verhalten plus die Auslieferung des Plugins, welches ich auch heute noch als SPAM bezeichne, kritisiert. Hier zeigt sich auch, wie weit Linklift da entfernt von der Wirklichkeit lebt. Man argumentiert, dass unser Plugin bei der Veröffentlichung des neuen Releases vorgestellt und angekündigt wurde. Gemeint sind damit 2 Sätze in der Ankündigung zum WP-Release 2.3 auf dem Blog, welches der überwältigende Mehrheit der Blogger mit Sicherheit nicht gelesen hat. Auf der Downloadseite wurde es nicht angekündigt, im Forum nicht, im Dashboard nicht auf die ersten Rückfragen wurde dann patzig reagiert — aber gut, rechtlich hat man sich wohl korrekt verhalten.

Auf die weitere Kritik wird nicht im Ansatz eingegangen. Es zeigt sich, wie schon bei WPD, dass man hier nicht im Geringsten eine Verantwortung gegenüber dem User wahrnimmt. Man mag mir verzeihen — aber bei so einem Angebot hat Linklift meiner Meinung nach nicht nur eine kleine, sondern auch eine große Verantwortung gegenüber dem User. Da wären zum Ersten die rechtlichen Konsequenzen. Setzt ein Blogger dieses Plugin ein, der vorher ein reines Privatblog geführt hat, wird aus dieser Privatveranstaltung auf einmal eine kommerzielle Veranstaltung — das bedeutet nicht nur Rechte, Kohlen auf dem Konto, etc. pp. — das beinhaltet auch Pflichten. armadi macht es am Beispiel Trigami fest — es lässt sich natürlich auf jeden Werbepartner eines Bloggers übertragen, wenn dieser erst einmal Geld verdient. Natürlich ist in erster Linie der Blogger für seine Inhalte verantwortlich, aber hier ist ebenso Linklift in der Pflicht, die (neuen) Partner aufzuklären, gegenfalls zu warnen. Das geschieht (nicht nur) bei Linklift nicht — man kann da nur vermuten, warum.

Ein weiterer Kritikpunkt ist eine evtl. Reaktion von Google bei gekauften Links — auch hierzu kein Satz im Statement Linklifts. Ich bin da nicht tief genug drin, in der Szene der Netzbeschmutzer, sprich SEOs — im April jedoch gab es zum Beispiel den Fall Matt Cutts, der dazu aufgerufen hat, gekaufte Links bei Google zu melden. Mal völlig abgesehen von diesem miesen Denunziantentum — wenn Google nicht gegen gekaufte Links vorgehen würde, würde es kaum Sinn machen, eben diese bei Google zu melden. Wenn man Linklift benutzt kann man also nur darauf hoffen, dass man von niemandem verpfiffen wird — Google selbst wird wohl auf Webseiten nicht auf die Suche gehen, und die Crawler werden nicht so intelligent sein, zwischen normalen und gekauften Links zu unterscheiden.

Der Artikel von Linklift war also nichts als eine laue PR-Nummer, einen kleinen Fehler zugeben, auf die wichtige, tiefgehende Kritik wird nicht eingegangen, eine Verantwortung gegenüber dem User wird nicht mal in Betracht gezogen — typisch halt in heutigen Web 2.0-Zeiten. Ich würde so einem evtl. Partner nicht vertrauen — eine ganz traurige Nummer. Aber wenn ich mir WPD so anschaue, dann scheinen sich da vielleicht die richtigen Partner gefunden zu haben. Dazu aber evtl. morgen hier — auf dem gleichen Kanal — mehr.

  1. Kennt wer den Ich hab nichts gemacht-Jungen aus den Simpsons? *g* []

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8 Antworten zu “Linklift, die Kritik und die Verantwortung gegenüber den Usern”

  1. Oliver sagt:

    Business as usual halt — langsam wirds schon blöde diese Floskel im Zusammenhang mit Web 2 zu benutzen 😀

    Vielleicht sollte man sich auf die guten Sachen konzentrieren? Aber dann hätten wir nur noch 1–2 Postings im Monat *g*

  2. Bulo sagt:

    «Kennt wer den Ich hab nichts gemacht-Jungen aus den Simpsons? *g* [?]»

    SAG DEINEN SATZ!

    (grandiose Episode)

    :-)

  3. Grainger sagt:

    Ich persönlich betrachte jede Form der unverlangt an mich übermittelten Werbung als SPAM.

    Und bis auf die paar gewerblichen Newsletter, die ich abonniert habe (und die ich an den Fingern einer Hand abzählen kann), umfaßt das jede Form der Werbung, egal ob die in meinem Hausbriefkasten, in meinem eMail-Postfach oder in meinem Browserfenster erscheint.

    Selbst TV-, Radio– und Printmedien schließe ich davon nicht.

    Ein bißchen Werbung wäre ja noch ertragbar, aber man wird heute überall und jederzeit dermaßen mit diesem Müll bombadiert das es einfach zuviel wird.

    Ich wünsche auch keine Analyse meines Konsumverhaltens, um mir zielgruppenorientierten SPAM unterjubeln zu können.

    Die Vorstellung, zielgruppenorientierte Werbung sei irgendwie erwünschter als ihre in dieser Hinsicht nicht optimierte Form ist ohnehin nur ein feuchter Wunschtraum der Werbetreibenden.

  4. solarix sagt:

    Ich finde es schon interessant wie «kreativ» irgend welche Gestalten werden um «zielgruppengerechte» Werbung zu platzieren.

    Das ein Projekt finanziert werden soll, ist eines, aber dann spende ich für ein Projekt, unterstütze die Developer und helfe den Leuten dort materiell, im übrigen freiwillig und weil ich das Projekt eben schätze.

    Noch so eine Aktion und ich werde WordPress von meinem Server verbannen, entweder code ich mir Blogsoftware selbst, oder ich seh mir Nanoblogger doch mal genauer an.

    Was mein Konsumverhalten angeht, das hat niemand zu interessieren, ich frag auch nicht was andere Mitmenschen so an Unterwäsche im Monat kaufen. 😉

    Ach stimmt, die Marketingfritzen sind sicher toootal dran interessiert das meine letzte materielle Erungenschaft == Männerspielzeug eine Storedge Unit war. 😉

  5. Doc Montresor sagt:

    Besonders lachen musste ich über folgenden Absatz:

    Unsere Idee war es, möglichst zielgenau Webmaster und Blogger zu erreichen, welche einen wesentlichen Teil der Publisher-Basis von LinkLift darstellen. Weiterhin hatten wir aus unserem Support gelernt, dass sich nicht wenige Nutzer damit schwer tun, unser Plugin einzurichten. Durch eine Vorinstallation würden die Hürden natürlich erheblich reduziert werden.

    Was sagt das aus? Ihre «Zielgruppe» sind Blogger, die zwar eigenhändig WordPress installieren können, aber sich «damit schwer tun», ein WordPress-Plugin zu «einzurichten»?

    Ähm.
    Also geht es um Leute, die zu doof sind, einen Ordner zu kopieren? Damit ist über die Zielgruppe dieser Maßnahme zur «Reduzierung von Hürden» alles gesagt. (Und auch darüber, wie die Firma über sie denkt.)

  6. Oliver sagt:

    Lustige Nicks 😀 und schon muß ich an the cask of Amontillado denken 😉

  7. […] Server noch auf meinem Rechner haben.Einen aufschlussreichen Bericht und Kommentar findet Ihr hier bei F!xmbr Geschrieben von Mark | Noch keine Kommentare Tags für diesen Artikel: cms, internet, irrsinn, […]

  8. @oliver: Wow. Du bist der Erste, der das sofort entschlüsselt hat. Respekt. :)

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