Linker Neoliberalismus

Der Neoliberalismus tritt heute in unserer Gesellschaft in seiner gesamten Perversion auf. Das Recht des Stärkeren, im Neusprech Freiheit, ist nichts anderes als eine asoziale und zutiefst antidemokratische Gesellschaft zu der wir uns im neuen Jahrtausend entwickelt haben. Wenige profitieren von diesem Gesellschaftsbild, Millionen (Kinder) leben in Armut. Menschen, die gegen diese Auswüchse protestieren, argumentieren, werden oftmals als Anhänger von John Maynard Keynes, als Keynesianer bezeichnet. Dieser Begriff soll einfach nur diffamieren, soll zeigen, dass die Menschen, die so bezeichnet werden, in glorreichen alten Zeiten leben und den Anforderungen einer globalisierten Welt nicht gewachsen sind. Ja, die Argumente der Neoliberalen sind vielschichtig — und zugleich hanebüchen. Das würde jetzt aber alles zu weit führen. Es gibt Begrifflichkeiten, die schließen sich gegeneinander aus. Kaltes Feuer zum Beispiel. Und wenn unsere Digitale Bohème– und Wir nennen es Arbeit-Fraktion ganz offen über linken Neoleberalismus spricht, dann reibe ich mir im ersten Moment viellecht verwundert die Augen, sehe aber dann, dass dieses Outing zwangsläufig geschehen musste.

Die Verteilung von unten nach oben, die soziale Spaltung unseres Landes, rund 10 Mio. Haushalte sind auf Hartz IV angewiesen — diese, unsere Gesellschaft ist ein direktes Spiegelbild von diesem perversen Neoliberalismus. Die bekannteste Organisation, die diesem Welt– und Menschenbild frönt, ist sicherlich die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Von vielen in dieser digitalen Welt mehr als kritisiert, und doch — verhält man sich ähnlich, hat ähnliche Ziele und spricht nun offen über — ich erwähnte es bereits — den Neoleberalismus.

Wenn sich die Digitale Bohème– und Wir nennen es Arbeit-Fraktion nun offen dazu bekennt neoliberal zu sein, dann überrascht das nicht wirklich, im Gegenteil, die neoliberalen Dampfplauderer (Chef-) Redakteuere vom Handelsblatt haben es kürzlich erst auch getan. Es scheint schwer in Mode zu sein — aber so ist da halt. Wir leben in einer Welt, in der Menschen ausländischer Herkunft durch Dörfer geprügelt werden können, der Bürgermeister darf davon sprechen, dass kein rassistischer Hintergrund besteht — auf der anderen Seite werden Demonstanten des G8-Gipfels mit Tornados verfolgt und ausgespäht. Die aufrechten Deutschen haben mittlerweile jegliche Zurückhaltung verloren. Und jetzt komme mir keiner damit, ich würde Themen vermischen, die asoziale Grundhaltung steht direkt neben dieser rechten Grundhaltung — sie gehen ineinander auf.

Wir haben diese Grundhaltung schon immer kritisiert, es hat uns unter anderem den Blogfundi eingebracht. Gespannt bin ich auf die Reaktion mancher Blogger, die meinen in jedem Artikel das Wort INSM verwenden zu müssen und gleichzeitig den Oberen hinterherkriechen — wobei ich jetzt nicht sagen will, man sollte aufhören, die INSM als das anzuprangern, was sie ist. Nur, man kann es auch übertreiben und die Leser ermüden. Ich bin echt mal gespannt, was die ganzen Jochen & Co’s. dieser Welt zu den Neolibs und Neocons aus Berlin und aus dem Süden unserer Republik sagen. Ich gehe davon aus, dass sie sprachlos sind.

Ich schrieb es schon an anderer Stelle. Am Ende des Weges der Neoliberalen steht der Feudalismus, eine Abschaffung des Grundgesetzes in weiten Zügen, eine asoziale Gesellschaft, die nicht mehr von einem Miteinander getragen wird, sondern von Angst und Zwietracht. Man hat Angst vor der Gegenwart und der Zukunft — und macht den Nachbarn dafür verantwortlich. Der xxxxx [Begriff nach Wahl (Arbeitsloser, Student, Rentner, usw.) bitte einsetzen] ist schuld an der eigenen Situation. Das ist die Welt, die (auch politisch) gewollt ist — die wenige wollen. Der Arbeitgeber z. B. ist halt immer noch stärker als der Arbeitnehmer — und je mehr dieser Markt entfesselt wird, umso mehr spürt jeder einzelne dies in unserem Land. Schöne neue Welt.

Die Maske der Digitale Bohème– und Wir nennen es Arbeit-Fraktion ist nun gefallen. Sie sind asoziale und zutiefst antidemokratisch denkende und handelnde Menschen. Die Kritik hier auf F!XMBR war an vielen Stellen noch viel zu harmlos und zurückhaltend. Ich habe mich da wohl an manchen Stellen ob mancher Enttäuschung zu emotional geäussert. Das war falsch. Sachliche Kritik wäre viel angebrachter gewesen. Sachliche Kritik an dieser asozialen Grundhaltung, sachliche Kritik an dieser Nach uns die Sintflut-Haltung, sachliche Kritik am Menschenbild der beteiligten Personen.

Angela Merkel ging mit dem Slogan Sozial ist, was Arbeit schafft in den Wahlkampf. Dieser Satz bedeutete nichts anderes, als eine Reihe von Forderungen: Lohnsenkungen, Arbeitszeitverlängerungen, Abbau der Arbeitsschutzgesetze, Löhne sollen einzig und allein dem (freien) Markt geschuldet sein. Alle Macht dem Arbeitgeber, der Arbeitnehmer hat williges Arbeitsvieh zu sein. Übersetzt auf unsere Digitale Bohème– und Wir nennen es Arbeit-Fraktion heißt das nichts weiter, als Sozial ist, was Klicks und Aufmerksamkeit schafft. Auf Kosten aller drängen wenige ins Rampenlicht, sprechen für alle — Reden Sie mit Bloggern. Reden Sie mit uns — ohne Rücksicht auf Verluste. Der Leser ist an den meisten Stellen schon zum Klickvieh mutiert.

Sie reden mittlerweile selbst vom Linken Neoliberalismus. Lasst den ersten Begriff einfach weg — das wäre wenigstens ehrlich. Obwohl, Ehrlichkeit, Menschlichkeit, das ist da ja nicht zu erwarten. Passt schon. Die alten Medien pervertieren heutzutage den Begriff links, indem sie ihn mit rechts auf eine Stufe stellen, Lafontaine mit Schönhuber vergleichen. Linker Neoleberalismus bedeutet nichts anderes — nur nimmt diesmal die Perversion ihren Ursprung im digitalen Netz. Oliver hat hier u. a. über die Blogcharts gesprochen. Für Recherchezwecke und zum Nachschlagen gar nicht so übel. Nur sollte man mal die Topleute da oben auf ihre Verbindungen zur INSM abklopfen. Vielleicht würde dann so manches klarer werden. 😉


5 Antworten zu “Linker Neoliberalismus”

  1. Oliver sagt:

    Yuppies 2.0. Diese Revoluzzer von unten, die sich etablieren möchten, jedoch im gleichen System. War wohl zu erwarten. Dazu paßt auch das Bild dieser Wölfe in Schafspelzen aka bloggende Journalisten. Die Herde rennt mit, supportet und letztendlich ist es die Herde die zur Schlachtbank geführt wird.
    Wenn da eine Gegengesellschaft oder besser ein Subkultur generiert werden soll, müßte man sich als ersten von jenen trennen, sprich distanzieren. Ohne Beachtung der eigentlichen Masse, ist da nur totes Holz, das mit viel Ach und Weh virtualisiert werden möchte. Schade um die vielen Baumstämme, schade um eine schöne Sache die wieder einmal von Trittbrettfahrern torpediert wurde.

  2. m.a.c.k.e. sagt:

    tja: endlich einmal das was ich schon lange denke und auch im blog von frau m. bunz geaeussert habe: aber dort werden die wirklich kritischen kommentare erst garnicht veroeffentlicht… schon die begriffe rollen einem die fussnaegel nach oben: ‘urbane penner’ ‘digitale bohème’… derweil arbeiten sie in der konservativen presse oder fuer grosse firmen: ja die nennen das arbeit… und wer baut ihnen ihre laptops zusammen? wer belaedt das flugzeug in dem sie fliegen? wer bringt ihnen die pizza die sie essen? ja: diese menschen nennen das auch arbeit: auch als ‘angestellte’ und sogar ‘arbeiter’! ich habe ja ueberhaupt nichts dagegen zu leben wie man will: aber von den praekaeren nichts wissen und grossartig das maul aufreissen aber mitspielen wie jeder andere buerger auch: irgendwo nicht nur naiv und peinlich sondern ein wenig eklig dazu! wer es nicht glaubt kann ja mal auf den blog von frau bunz schauen und findet da eine krude mischung aus trallala chicken klamotten ein bischen fuck-old aeh foucault und etwas muede gewordene pop philosophie: aber ganz linkx und neoliberal! wirklich: dabei emotional zu kritisieren ist das einzige was geht: wenn man selbst noch halbwegx im wilden leben steckt!

  3. m.a.c.k.e. sagt:

    nachschlag:

    eine ode an das rintelligente leben’ oder wie ‘nenen’ wir das?!

    http://zia.pentabarf.org/.…..de.html

  4. […] Nachdem ich hier schon über das kalte Feuer des linken Neoliberalismus1 gesprochen hatte, heute ein kleiner Nachschlag. Egal, was ich bisher über das Thema gelesen haben, ich bin weiterhin der Meinung, wer sich in heutiger Zeit Neoliberalismus aufs Revers heftet, gehört tief in die asoziale und antidemokratische Ecke — auch, wenn es vielleicht anders gemeint ist. Man sollte man mit solchen Begrifflichkeiten extrem vorsichtig sein. Mercedes Bunz2 und andere haben gerade in Berlin wieder über das Thema gesprochen. Und wenn es nur im Ansatz auf die Ideen, die schon zur 9to5 veröffentlicht wurden, aufsetzt, dann kann man nur noch Gute Nacht sagen. Die Ideen sind als PDF verfügbar (110 KB) — es ist eine Ansammlung obskurer Argumente, hilflos, ziellos, an den reellen Begebenheiten vorbei argumentiert. Es fällt schwer, einige Punkte herauszupicken und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, weil es teilweise sowas von hanebüchen ist. Es hat den Anschein, als solle hier einfach nur ein neues, werbewirksames Buzzword entstehen. […]

  5. […] nächste bitte . Nachdem ich mich allgemein zu dem Begriff geäussert habe, direkt auf Frau Bunz eine Replik verfasst habe, versucht nun Spreeblick-Malte aus dem Berliner […]

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