Linker Neoliberalismus — Ein Blick in ein tiefes, schwarzes Loch

2 Tage lang habe ich mir diesen Artikel aufgespart. 2 Tage in denen ich den neuesten Artikel von Frau Bunz nicht gelesen habe, 2 Tage in denen ich einfach mal abgeschaltet habe. Heute wollte ich dann eine Antwort verfassen, natürlich muss dann auch der Text vorher durchgelesen werden. Wenn schon im Fall Spreeblick nichts, aber auch gar nichts, argumentativ, gedanklich dahinter steckt, dann blicke ich im Fall Mercedes Bunz in ein tiefes, schwarzes Loch. Es scheint mir, als hätte man diese beiden Texte vielleicht gelesen, vielleicht auch zur Kenntnis genommen, aber sonst? Frau Bunz weist darauf hin, dass sie nicht gegen Erwerbsarbeit argumentiert. Das wars dann aber auch. Alle anderen Argumente, das Für und Wider vom (linken) Neoliberalismus wird einfach übergangen — und wieder erweckt man, ähm Frau 😉 den Eindruck, als wäre sie sprachlos, ziellos, planlos.

Ich könnte natürlich ein paar Argumente hier per Aufzählung zusammenfassen, die, die mir besonders am Herzen liegen — vielleicht käme dann ja mal was bei rum. Doch meine ausführliche Antwort auf das Manifest zeugt auch von einem gewissen Respekt des Gegenübers und seinem Standpunkt. Wenn sich jemand wirklich ernsthaft mit dem Thema in die Öffentlichkeit wagt, eine Replik bekommt, erwarte ich den gleichen Respekt auch auf diese Replik. Im Moment ist da schlicht und ergreifend nichts — nichts, was irgendwie eine Replik jetzt und hier wert wäre. Und ja, mir fällt kein anderer Begriff als das wert im Moment ein, bin ich gerade beim nochmal drüber Lesen nicht glücklich drüber.

Unter dem Strich bleibt es bei meiner Feststellung vom Anfang diesen Monats. Es gibt keinen linken Neoliberalismus — die beiden Begriffe verhalten sich zueinander — wie eben kaltes Feuer sich zueinander verhalten. Vielleicht ist eine Diskussion aber auch völlig obsolet — ich habe den Begriff Neoliberalismus für mich wie folgt erklärt: Für mich ist das Wort Neoliberalismus selbst, keine Begrifflichkeit, die sich stur mit Wikipedia erklären lässt, sondern ein Produkt. Ein Produkt zu der sich große Teile unserer Gesellschaft hin entwickelt haben. Und dass sich unsere Gesellschaft zu einem antidemokratischen und asozialem Gebilde, aufgrund des interpretierten Gedanken Neoliberalismus anderer entwickelt hat, mag kaum jemand bezweifeln. Für Frau Bunz geht es um die Diskurspolitik, die Beobachtung der politischen Ordnung — um die Sichtbarkeit der Diskurse, um die Macht. Das macht es natürlich schwierig, zusammen zu kommen — nichtsdestotrotz kann man versuchen, sich inhaltlich auseinandersetzen. Doch wenn außer dem — und bisher ist da nichts anderes — Buzzword linker Neoliberalismus nichts anderes beim Gegenüber vorhanden ist, dann wird es schwer. Verschiedene Gedankengänge zum Diskurs, zur Diskussion haben wir alle, die muss man aber nicht in so eine Begrifflichkeit verpacken. Ich bleibe dabei: Bei der Verwendung des Begriffes Neoliberalismus sollte man ganz vorsichtig sein. Wenn man diesen — und sei es mit links vorneweg — gesellschaftsfähig macht, hat die (asoziale und antidemokratische) politische Rechte gewonnen. Das kann — zumindest für mich — nicht das Ziel sein.

Linker Neoliberalismus auf F!XMBR:

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Eine Antwort zu “Linker Neoliberalismus — Ein Blick in ein tiefes, schwarzes Loch”

  1. Michael sagt:

    @Chris: Weise Worte sprichst Du wohl. Drum glaub und folg ich dir auf geistgem Weg, so gut mir mein bescheidnes Wesen dies erlaubt. Doch Du Weiser sprich zu mir, welch Farbe wird das Ziel wohl haben, dessen Weg ich nun betreten habe?

    😉

    Ich Weis nicht ob ich es hier schon einmal geschrieben habe, aber ich denke das die vielen aktuellen sozialen, kulturellen, ökonomischen wie politischen Irritationen vor allem daher rühren, dass dem „einfachen“ Volk der Eindruck vermittelt wird, dass die Diskussion über all jenes nicht gewollt bzw. gestattet ist. Und in einer solchen Situation übernehmen wie immer genau die Kräfte das Ruder, welche sich wenigstens durch ihre zur Schau getragene Bereitschaft zum Paradigmenbruch, vom Rest der Gesellschaft abspalten. Nicht das diese neues oder weises zu bieten hätten, beileibe nicht. Aufgekocht wiedergekäut wird all jenes was das Volk nicht kennen kann oder darf, weil es diesem nie substanziell vermittelt wurde. Die Grundlagen:

    Das Volk der geduldigen Zuhörer:

    95% des Lehr– und Arbeitsbetriebes in unserer Obstrepublik besteht nach wie vor aus „Frontalunterricht“ und „Umsetzungsanweisungen“. Das ist bekannt, wird akzeptiert und nicht (oder nur sehr selten) in Frage gestellt.

    Ergo zum Ersten,
    werden seit spätestens 1955 Generationen von interessiert dreinschauenden Zuhörern/innen herangezogen (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Erst den gewaltigen Sparmaßnahmen im Bildungswesen verdanken wir es (Lehrermangel und Klassenüberfüllung), dass es hier überhaupt noch Menschen gibt, die auch selbst gestalten oder schaffen können. Was wäre wohl geschehen wenn unser Bildungssystem die Chance bekommen hätte, die uralte Forderung nach mehr Lehrkräften und also kleineren Klassen zu realisieren? Wie viele aktuelle Freidenker die sich in einer überfüllten Klasse, der Unaufmerksamkeit ihres Lehrers gewiss sein konnten, wären der Frontalbildungsmaschine so zum Opfer gefallen?

    Ergo zum Zweiten,
    dürfen Alle und Jeder, vom Kindergarten bis zum Vorstandsvorsitz eines Gigantunternehmens, lediglich Anweisungen umsetzen. Anweisungen zu interpretieren oder kreativ produktiv umzusetzen, kommt so ziemlich überall dem Wunsch gleich, zukünftig einer anderen Beschäftigung nachzugehen, oder über sehr viel Freizeit zu verfügen. Ausnahmen hiervon sind entweder echte Freiberufler oder Künstlernaturen (Politiker sind weder das Eine noch das Andere).

    Ergo zum Dritten,
    werden durch dieses Vorgehensmodell vor allem nur drei klar zuzuordnende Sorten Bürger produziert. Angepasste, Verunsicherte und Verweigerer. Wobei es sehr interessant ist das rund 80% der deutschen Unternehmer zur dritten Gruppe gehören, eine ähnliche Zahl Politiker bzw. Lobbyisten (leider auch viele Journalisten) zur ersten und die große Masse zur zweiten.

    Und da sind wir dann am Kern des Problems angekommen. Denn wenn ein Unternehmer ein Politiker und ein Akademiker an einem Tisch sitzen und was auch immer produzieren wollen, wird der Politiker lediglich was auch immer angepasst bewahren wollen, der Unternehmer macht sich dies zu nutze und der Akademiker ist verunsichert…

    Als Adenauer und die anderen alten Zöpfe abgeschnitten wurden, hat die soziale Fraktion einen gewaltigen Fehler begangen: Sie füllte das hierdurch entstandene Ideologievakuum mit, nun, ähhhh.…

    NICHTS

    Und 30 Jahre später wundern wir uns darüber, dass die Bürger dieser Republik genau DAS leben? Und das es nach wie vor Menschen mit klaren Einstellungen gibt, die dieses –noch immer existente Vakuum– mit Inhalten ausfüllen wollen (wenn auch mitunter asozial)?

    Gruß

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