Linker Neoliberalismus — Die Berliner Buzzwordjagd geht in die nächste Runde

Der nächste bitte. Nachdem ich mich allgemein zu dem Begriff geäussert habe, direkt auf Frau Bunz eine Replik verfasst habe, versucht nun Spreeblick-Malte aus dem Berliner Netzwerk seiner Kollegin beizuspringen und das Buzzword zu retten, sprich die Vermarktungschance nicht vollständig den Bach runter gehen zu lassen. Spreeblick-Malte setzt gleich zu Anfang da an, wo der asoziale und antidemokratische Neoliberalismus heutzutage auch aufsetzt: Mit der Diffamierung der Linkspartei — die Linke in Deutschland ist dadurch belastet, dass es eine Partei gibt, die so heißt wie sie. Ob man mit allem einverstanden ist, was diese Partei ausmacht, darf durchaus bezweifelt werden, doch ist die im Moment die einzige politische Kraft, die die Schwachen der Gesellschaft im Blick hat — und seien es nur die Forderungen, die so manchen Politiker der etablierten Parteien zum Nachdenken bringen. Die (politische) Diffamierung der Linken ist in unserem Land weit fortgeschritten, die INSM, Bertelsmann, Mohn & Co. lassen grüßen — seit heute darf in diese Liste Spreeblick mit aufgenommen werden. Das Soziale, das Füreinander, das Miteinander — wie kann ein Mensch diese Werte derart lächerlich machen und angreifen?

Von den Punktgewinnen der Linken getrieben, gibt die Regierung den Deutschen, was die an sozialer Sicherheit verlangen. Sozialleistungen sollen erhöht werden, es gibt Zuzahlungen für Arbeitnehmer mit Kindern, die diese von ihrem Gehalt nicht versorgen können. Sicherheit ist der Fetisch einer verängstigten Gesellschaft. Von rechts schützen Trojaner und Gott, von links die Rente und ein großzügig bemessenes Kindergeld.

Die typische neoliberale Argumentation, rechts und links wird auf eine Stufe gestellt, verglichen, hier argumentativ nur noch per Komma getrennt — Menschen mit sozialem Gewissen werden als Sozialromatiker diffamiert. Vielleicht sollte der Autor über eine Karriere der oben genannten Institutionen nachdenken — die Argumentationslinie hat Spreeblick-Malte perfekt verinnerlicht. Und mal ganz nebenbei angemerkt: Wie schon Peter Struck vorher, macht Spreeblick-Malte die Linken zu den wahren Erben der Sozialdemokraten, der Sozialdemokratie in unserem Land. Jahrzehntelang wurde der SPD von den Schwarzen, den Gelben und den Braunen vorgeworfen, dass deren politische Forderungen (finanziell) nicht umsetzbar seien. Heute wird dieser mehr als blödsinnige Vorwurf an die Linkspartei gerichtet. Eindrucksvoller kann man nicht zeigen, wo man politisch steht. Und im Übrigen wurde dieser Vorwurf von SPD-Mitgliedern selbst widerlegt.

Gänzlich ins Reich von Grimms Märchen geht der Autor mit folgendem Absatz:

Es wird viele erstaunen, wenn ich zu dem Schluss komme, dass Gerhard Schroeder, der Genosse der Bosse, in dieser Reihe derjenige ist, dem ich am ehesten das Etikett links verpassen würde. Denn er ist der Einzige, der auch in dem Moment, als er an der Macht war, noch andere Meinungen neben seiner geduldet hat (für Jesus kann man das nicht exakt bestimmen, seine Rechtsnachfolger allerdings haben sich nicht als Hüter der Toleranz erwiesen).

Der Basta-Kanzler, der Mann, der den Menschen in unserem Land die Agenda 2010, Hartz IV und Millionen Kindern die Armut gebracht hat — diesen Menschen würde Spreeblick-Malte am ehesten das Attribut links verpassen. Wenn man das liest, kommt man auf den Gedanken, dass die INSM & Co. diverse Leute engagiert haben, um den Begriff links zu diffamieren, ihn in die rechte und asoziale Ecke zu drängen. Anders kann ich mir diese unglaubliche Argumentation nicht erklären — und da Spreeblick, wie wir alle wissen, käuflich in allen Belangen ist, mag man mir diesen Gedanken verzeihen. Die Forderung nach mehr Bildung mutet dann schon sehr komisch an — vielleicht sollte man bei Spreeblick überlegen, in die eigene politische Bildung zu investieren. Wenn nichtmal die jüngste politische Geschichte der Bundesrepublik gekannt und erkannt wird, dann sieht es in unserem Land richtig düster aus. Erschreckend.

Diverse Berliner Kreise versuchen gerade zu retten, was zu retten ist. Ein neues Buzzword à la Web 2.0 von (einem Mitarbeiter) O’Reilly(‘s) soll gefunden werden. Linker Neoliberalismus soll es sein. Um den Schein zu wahren, setzt man das Attribut links vor das eigene Denken und Handeln, es lässt sich dann vielleicht hervorragend verkaufen. Nur haben sie eines übersehen: Sie müssen nicht nur den Begriff links erklären — sobald sie den Begriff Neoliberalismus — das Ganze — zu erklären versuchen, fällt die Maske. Diverse Berliner Kreise sind mittlerweile — zumindest in der Argumentationsstruktur — mit dem offensichtlich asozialen und antidemokratischen Neoliberalismus und dessen Inbegriff, der INSM, gleichzusetzen. Herzlichen Glückwunsch.

Linker Neoliberalismus auf F!XMBR:

Linker Neoliberalismus

Linker Neoliberalismus — Eine Replik: Ein Mensch ist ein Produkt seines Handelns und seiner Taten


6 Antworten zu “Linker Neoliberalismus — Die Berliner Buzzwordjagd geht in die nächste Runde”

  1. Oliver sagt:

    Was ich schon zuvor bemerkte die Damen und Herren Blogger schaffen nie eine Gegengesellschaft, aber vielleicht gelingt es ihnen noch etwas zu zerstören. Die nächste, dort angesprochene, Generation wird dann wohl überhaupt nicht mehr wissen, wo ihr denn politisch gesehen der Kopf steht. Was ist links, was ist sozial und was zur Hölle ist denn neoliberal. Das ist alles ein böser Traum und die dortigen Worthülsen sind ebenso aufs schärfste zu tadeln, wie der eigentliche Anlaß des verbalen Rückhalts.

  2. Chris sagt:

    Japp, sie zerstören, was zu vorzugeben aufzubauen.

    Btw, lief gerade auf der anderen Leitung ein (Auszug):

    Dabei sind das genau solche xxx, die den Weg in den totalitären Staat ebnen. Schwächere Menschen als nicht schutzbedürftig ansehen ist dunkelste braune Kacke. Das ist rechter Neoliberalismus, was ich da gelesen habe.

  3. NIXKNUT sagt:

    Nachdem nun ein Asyl für Knut in Afghanistan gesucht wird, und unser Umweltengel ein Eisberg in der Region installieren möchte, bleibt nur noch ein Abwurf von Leber, Niere, oder sonstige Organen in den Kirchlichen Klingelbeutel.
    In den Kommentaren auf jahnke.net darf Humankapital dann gern nachlesen, was es mit einer s.g. linken in DDRBRDigung 2.0 so auf sich hat. Konditionierung findet in frühster Kindheit statt. Änderungen sind da nicht in Sicht. Kultivierte Konditionierungen sind nun einmal nicht so ohne weiteres zu wandeln. Journaille, die eigentlich nur noch PR zum Inhalt hat kann aus diesem Grunde schon bald kein Vorwurf mehr gemacht werden. Zumindest hat es den Anschein. In jüngsten Jahren wird Wesen Mensch in Interesse der Industrie gebildet, und PISA oder wie auch immer bleibt aus diesem Zusammenhang unverständlich. Der Versuch eine Käseglocke übers Land zu ziehen, und aussenstehende bekommen ja nichts mit.
    «Hurra wir bringen euch Freiheit» steht in grossen Lettern auf der grossen Glaskuppel des Überdachten Ländchens. Warum will denn der böse böse Migrant, Ausländer, wie auch immer das nicht verstehen. Im verordnetem Vakuum macht sich Migräne breit. AllgemeinesDefizitHurraSyndrom macht sich breit. Selbst ernannte Gockel krakeelen im Glaspalast. Der Malteser Hilfsdienst bittet um freundlicher Zuwendung. Punk is dead but never.…; HipHop is dead, but never…
    Welcome in the World of Musikantenstadl. Wir sind die, vor die unsere Eltern gewarnt…
    Dem Haifisch sein Karies

  4. Chat Atkins sagt:

    Statt den Kurs neu zu bestimmen, ziehen sie andersfarbige Segel auf.
    Was interessiert das den Wind? Der dreht sich weiter …

  5. […] Definition 100%-ig zu. Da die Berliner Netzwerker hier mitlesen — man denke an den interessanten Text von Spreeblick-Malte, in dem er mehrere meiner Begriffe zitiert — ist den Damen und Herren dieser Umstand natürlich […]

  6. […] natürlich muss dann auch der Text vorher durchgelesen werden. Wenn schon im Fall Spreeblick nichts, aber auch gar nichts, argumentativ, gedanklich dahinter steckt, dann blicke ich im Fall Mercedes […]

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