Linke müssen draußen bleiben

Wir müssen die linken Themen ansprechen, aber die SPD darf nicht weiter nach links rutschen.» Die Sozialdemokraten müssten «realistische Politik betreiben.

–Peter Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt. Struck in der SZ

Halten wir also fest:

  • ein wenig links, jedoch nicht zuviel
  • linke Politik ist keine realistische Politik
  • die SPD mag die Mitte der CDU ebenso bedienen

Fazit? Ein Tadel der SPD? Untergang der SPD? Ich denke auf lange Sicht ist das der falsche Weg, korrekter wäre es, wenn Linke in Scharen in die SPD eintreten. Wohlgemerkt unrealistische, äußerst linke Linke, also jene die gemäß Struck draußen bleiben müssen. Damals hatte man noch eine Position wie man auf dem obigen Plakat sieht, eine markante linke Position.1 Also Linke stürmt die SPD, überflutet sie mit linkem Gedankengut und hört auf unzählige Splitterparteien zu bilden.

  1. Dieses rechtfreie Plakat wurde von mir verfremdet, um nicht vom eigentlichen Thema abzulenken. Das Original findet man auf der WikiCommons. []

9 Antworten zu “Linke müssen draußen bleiben”

  1. Chris sagt:

    Struck. Der kann mich mal. 😉

    Eine sehr gewagte These. Ich denke, umgekehrt wird ein Schuh draus. Wer heutzutage in die SPD eintritt, kann auch gleich bei dem Guido seiner Spaßpartei unterschreiben.

    Der Aufruf sollte in die umgekehrte Richtung gehen. Wer so etwas, wie noch ein sozialdemokratisches Herz insich spürt, wer von sich selbst behauptet, links zu sein, wer für die Schwachen dieser Gesellschaft eintritt, der sollte schleunigst sein SPD-Parteibuch abgeben und der Linken beitreten.

    Ich denke, es ist unbestritten, dass die Linke im Westen noch sehr stark von Altkomministen (der Vorwurf trifft also nicht wirklich ins Leere), von Schaumschlägern und von Karrieristen getragen wird. Ausnahme ist der Saarländische Verband, da hat Oskar seine Getreuen um sich — aber da kannst Du wahrscheinlich mehr zu sagen.

    Was ich damit sagen will: Die Linke muss sich schnell professionalisieren. Dann kann sie ernsthafte Alternative zur SPD werden. In anderen europäischen Ländern, Beispiel Niederlande, hat die neue Linke, die alte schon überholt. Okay, das wird so schnell hier nicht passieren — aber je lauter die Linke wird, desto mehr werden die etablierten Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft gezwungen, vielleicht einmal nachzudenken.

    Von den Linken selbst ist im Westen kurzfristig nichts zu erwarten — aber allein ihre Anwesenheit bewirkt ein nervösen Zucken in den Gesichtern von Merkel, Beck & Co. Und damit ist erstmal, kurzfristig viel erreicht.

  2. Oliver sagt:

    Ich halte auf Dauer nichts von der politischen Gralsuche, hier in Form der Linken. Nenn es halt vom persönlichen Dogma, in Form vielfältiger aktiver politischer Stationen, hin zur persönlichen Erkenntnis. Ob die Linken im Saarland noch von Lafo-Höflingen geprägt sind kann ich nicht wirklich behaupten, die SPD selbst verdingte sich dort als Königsmörder, was Lafo sich aber selbst zuzuschreiben hat. Und die jetzigen Linken hier sind Leute die zuvor mit Scheuklappen aufgesetzt dessen Politik mittrugen, inkl. Kolateralschaden in Form seines Kabinetts (Klimmt, Leinen usw.). Ich glaube zumindest Klimmt sollte den meisten noch von der Bundespolitik bekannt sein und Leinen rotiert in der EU.
    In der Linken dominiert nun irgendetwas PDS und zudem falsch verstandene Ex-SPDler, dazu die Galionsfiguren Lafo und Gysi. Wobei letzterer noch Symphatie-Punkte einreichen kann, Lafo aber wirklich nur als populistischer Störfaktor anzusehen ist. Im Moment wirken die Linken, wie das extreme Pendant von den 18%-Mannen.

    Den wirklichen Splitterparteien einer Weimarer Republik wirkte man mit der bekannten Hürde bei den Wahlen entgegen. Aber auch eine Koalition aus zwei großen Platzhirschen funktioniert nicht und ein Platzhirsch plus mehrere Höflinge, die auch vom politischen Kuchen naschen möchten, ebenso wenig.

  3. Henry sagt:

    Ich muss mich grade kringeln vor Lachen, weil die B**D die «Absurden Forderungen der Linken» veröffentlicht. Ziel ist natürlich, die Öffentlichkeit mit diesen Forderungen zu schockieren. Aber kommt da nun für Forderungen ans Licht? Die Dikatur des Proletariats? Enteignung aller Landwirte? Aber nein. Die Linken fordern unverschämterweise:

    - «Der Spitzensteuersatz für Einkommen ab 60 000 Euro soll wieder auf 50 Prozent steigen.»

    - «Verringerung der Jahresarbeitszeit: Ziel bleiben eine 35-Stunden-Woche sowie ein gesetzlicher Mindestlohn von acht Euro pro Stunde.»

    - «Umstrukturierung der Bundeswehr in eine Freiwilligen-Armee (100 000 Soldaten).»

    - «Manfed Sohn von der niedersächsischen Linke träumt sogar von einer Swimmingpool-Steuer.» (Typisch B**D, eine Forderung eines einzelnen Abgeordneten so heraus zu heben, als wäre es eines der wichtigsten Ziele. Abgesehen davon, glaube ich nicht, dass Herr Sohn das so gesagt hat.)

    Quelle: Die absurden Ideen und Forderungen der Linken

    So, und nun denken wir darüber nach, wer typischerweise die B**D liest. Ich sehe jeden morgen dutzende Arbeiter und Angestellte in den Zügen die dieses Schmierblatt in den Händen halten. Die werde glatt in Tränen ausbrechen oder Wutanfälle bekommen, wenn sie dran denken, dass die Linken fordern, dass ihre CEOs und Manager 50% Einkommenssteuer bezahlen sollen.

    Im Ernst: Eine bessere Werbung konnte es für die Linke fast nicht geben. Es fehlte eigentlich nur noch das abdrucken eines Mitgliedsantrages zum ausschneiden.

  4. Chris sagt:

    Japp, ich hab selten so gelacht — Kampagnenjournalismus im Stil eines trotzigen Kleinkindes. Da macht es die FAZ dann profaner, die mal wieder Seit’ an Seit’ mit der Bild marschiert:

    Auch die Frankfurter Allgemeine hyperventilierte angesichts des Aufstiegs der Linken. […] Wählerverachtend konstatierte die FAZ. […] Im feinsten Sozialrassismus tönte die Elitenzeitung weiter.

    Es sind schon Komiker da in der Redaktion bei der BILD und der FAZ — nur gefährlich für dieses Land, dass sie Einfluss haben. Es hilft nur, die Leute aufzuklären, bei der BILD wissen die meisten bescheid — aber der Drecksjournalismus der FAZ muss auch öffentlich gemacht werden…

    Angst vor Oskars Truppe

  5. Oliver sagt:

    >Ich sehe jeden morgen dutzende Arbeiter und Angestellte in den Zügen die dieses Schmierblatt in den Händen halten.

    Es existieren auch viele Arbeiter die CDU wählen, kaum zu glauben ist aber so. Im Moment sehe ich eine Partei mit einem validen Anliegen und teils absurden Ausarbeitungen bzw. Polemik a la Großpartei vom Saar-Napoleon. Der Weg der Grünen in den 80ern eben, wird so mancher einwerfen und da gebe ich denjenigen vollkommen recht, die Grünen entwickelten sich ebenso … zum politischen Kitt. Die Grünen wurden einfach überrannt, indem die großen Parteien deren Ziele zum Teil mit ins Tagesprogramm übernahmen. Und die Grünen selbst wurden erwachsen und verloren ihr Esprit. Ebenso wird es den Linken auch ergehen, schneller wahrscheinlich, denn es existiert da ein kleiner Unterschied: die Grünen damals *wollten* etwas bewegen — waren einfach bodenständig, die Linken aber präsentieren zum Gros ehemalige Steigbügelhalter der SPD und verwirrte PDSler.

    Die einzige Chance die irgendetwas Links in Deutschland überhaupt noch hat, ist ein Programm, eine klare und intelligente Aussage pro *aller* Bürger. Die CDU hat im Moment gar kein Thema, deswegen nutzte man auch in Hessen Ausländerhaß als Mittel zum Zweck, wie sooft in der Geschichte wenn alle Stricke reißen: Minderheiten-Diffamierung. Linke und SPD könnten das als Chance sehen und auch nur diese beiden Parteien. Politischer Kitt und Zünglein an der Waage (aka FDP) braucht kein Land.

  6. Oliver sagt:

    >aber der Drecksjournalismus der FAZ muss auch öffentlich gemacht werden…

    Sicherlich, aber wer ist die Klientel der FAZ? Arbeiter? Nein die Leute die in der Regel CDU/FDP wählen und das aus innerster Überzeugung heraus.

  7. My 0,02 Euro sagt:

    Ich lese immer «Linke Mehrheit» und «Linksrutsch», kann den aber irgendwie nirgends entdecken.

    Die Linke hat 5,1 bzw. 7,1 Prozent erhalten, der Rest sind Hartz4-Parteien. Wo bitte ist da eine linke Mehrheit?

    Und wo ist der Linksrutsch? Ich lese nur von der Abschaffung der Pendlerpauschale und so — und der Mindestlohn ist doch kein Linksthema. Der Mindestlohn begrenzt nur die exzessive Wiedereinführung eines Sklavenmarktes und ist somit eine Art Kartellamt gegen den hemmungslos ausufernden Kapitalismus, der über (auch oder gerade menschliche) Leichen geht.

    Linksrutsch? Ist doch nirgends vorhanden. Stattdessen Abschaffung der Pendlerpauschale und so… na Prost Mahlzeit! Hier mal ein schönes Zitat, was wirklich Links wäre:

    Es ist doch auffällig, wie sehr sich das Spektrum der politischen Diskussion bei uns verändert hat: Wenn es in den späten sechziger Jahren «links» war, über die Enteignung von Springer, über die öffentliche Kontrolle der Grossbanken nachzudenken und die in der UNO diskutierte Neue Weltwirtschaftsordnung zu begrüssen, wird heute schon als «links» verschrien, wer die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für Ältere verlängern will. Wir sind uns gar nicht bewusst, in welchem Ausmass hier eine Gehirnwäsche stattgefunden hat, die Themen jenseits des neoliberalen Mantras einfach nicht mehr zulässt.

    Bernd Hamm, Professor für Siedlungs-, Umwelt– und Planungssoziologie

    Gerade das vermeintlich Unpolitische ist in höchstem Grade politisch

  8. Grainger sagt:

    Wenn ein gesetzlicher Mindestlohn ein Indiz für eine linke Gesellschaft ist, dann sind 74% aller EU-Mitgliedsstaaten vermutlich linksradikal regiert.

    Die Länder, die in der EU bisher keinen Mindestlohn haben, sind deutlich in der Minderheit.

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