Liebes Arbeitsamt

ich mag nicht mehr. Ihr macht mich fertig. Ich hab schon Magenschmerzen, wenn mir meine Mutter nur am Telefon sagt, dass neue Post von Euch gekommen ist. Zu recht, wie mir die letzten drei Briefe zeigen, die mir das Wochenende versaut haben.

[…]

Und falls Ihr mich systematisch fertig machen wollt, könnt Ihr jetzt damit aufhören. Ich bin am Ende, Ihr habts geschafft. Ich kann nachts nicht mehr schlafen, ich hab Druck auf dem Magen, wenn ich an Euch denke und gelegentlich ein Pfeifen in den Ohren, das mir Angst macht. Ich mag nicht mehr. Lasst mich endlich in Ruhe.

Das und mehr schreibt Kirsten hier. Diese Worte höre ich sinngemäß nicht das erste Mal und auch ich persönlich hatte schon das Vergnügen, die ARGE kennenzulernen.

Politisch gewollt, unterstützt durch einen Großteil der rechten Gesellschaft in unserem Land werden hier Menschen, die im Moment nicht das Glück haben, einen Job zu haben, zu Untermenschen degradiert, als Versager, Sozialschmarotzer und Parasiten abgestempelt. Medial läuft eine Hetzkampagne, die einem totalitären Staate würdig ist — wo leben wir? In der Bundesrepublik Deutschland, im Grunde ihres Herzens rassistsch reserviert gegenüber anderen Menschen, voller Neid zerfressen, nach dem Motto lebend nach oben kriechen, nach unten treten.

Oli schrieb heute, wir haben den Nationalsozialismus nach dem 2. Weltkrieg nie wirklich abgelegt — wer mag da noch widersprechen, wenn er heute auf unser Land schaut. Offener Rassismus allen Ortes, die NPD — besonders in den neuen Bundesländern — tief in der Gesellschaft verwurzelt und akzeptiert. Nicht nur mediale Hetze bestimmt das Leben in unserem Land.

Wo mag das enden?

6 Antworten zu “Liebes Arbeitsamt”

  1. Euro sagt:

    Wo das enden mag?
    Sollte logisch ableitbar sein.
    Da gibts Bücher drüber.
    1. In einem Geldsystem, dass auf Kredit aufgebaut ist und
    2. in dem Zinsen verlangt werden, ist
    3. Wachstum unabdingbar — und wenns keins mehr gibt, kommt es zur
    4. Hyperinflation und die ganze schöne Kohle wird wertlos, es sei denn, dass
    5. Alles kaputt geht und wir bei Null anfangen.

    So. Und wie KRIEGt (scheiß Capslock) man alles kaputt? Und wie bekommt man die Menschen dazu, mitzuspielen?
    Das Lehrbuch wird im Geschichtsunterricht benutzt. Es fängt damit an, Untermenschen zu installieren…

  2. Nicht schlecht der vorstehende Kommentar. Ich gebe dann noch einen dazu, indem ich den Blick auf die Privilegien der Privilegierten lenke: Mindestlohn-Weblog — Wo ist das Geld?

  3. Chris sagt:

    Ich denke, beides spielt zusammen. Ich denke schon, dass in der Vergangenheit einflussreiche Persönlichkeiten des eigenen Vorteils wegen Kriegenangezettelt haben, Wirtschaften zum Einsturz gebracht haben.

    Natürlich bin ich nicht so ein Paranoiker zu glauben, dass es heute in Deutschland eine Gruppe einflussreicher Herrschaften gibt, die eben genau dahin will. Ich denke eher, durch die vorherrschende Ideologie ist der Weg genau dahin vorgezeichnet, nur wollen es wohl diverse Leute wohl nicht wahrhaben — es könnte ja weniger Geld auf dem Konto bedeuten.

  4. Oli sagt:

    Einen neuen Krieg möchte wohl keiner, davon profitiert letztendlich auf kein Mensch. Aber eine gewaltige Umstrukturierung ist im Gange, da braucht man nur ein wenig Geschichte und ein wenig Weitsicht bzw. Fantasie. Sprich die einflußreichen Herrschaften lernten hinzu, die Mittel sind jedoch weiterhin weitesgehend identisch, man benennt diese nur anders.

  5. EuRo sagt:

    Nein, sie beteuern natürlich, dass sie nicht dahin WOLLEN. Aber sie nehmen es «billigend in Kauf», wie es im Juristendeutsch so schön heißt. Denn: Ihnen selber und ihren Familien wird nichts passieren. Was wäre denn passiert, wenn in den Sechzigern oder Siebzigern deutsche Soldaten in Richtung Libanon abkommandiert worden wären?
    Und was passiert heute?
    Weblogs, die protestieren. Lautlos und weitestgehend unbeachtet von der bild.de-Öffentlichkeit.
    Wir müssen auf die Straße. Das hatte auch Michael Moore auf eine entsprechende Frage aus dem Auditorium in Köln geantwortet, als er dort war, um mein Buch zu signieren…
    Aber — wer geht auf die Straße? Loveparade. Auch gut, aber nicht zielführend.

  6. Oli sagt:

    Ich dachte jetzt eher an einen richtigen Weltkrieg, nicht die Auslandsüberfälle.

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