Lieber Robert

buzz_screen

Du weißt, dass ich nicht viel von den Monetarisierungsversuchen der deutschen Blogosphäre halte. Als ich Dich noch nicht kannte, habe ich durchaus mit Belustigung auf Basic Thinking geschaut, wie Du das eine oder andere, manchmal lächerliche, Startup gepuscht hast. ich habe das Alles nicht wirklich ernst genommen. Nichtsdestotrotz warst Du der einzige Blogger in Deutschland, der sein Blog vermarkten konnte – weil es eben Du warst, mit Deiner Art, Kunden anzusprechen und auf Basic Thinking einzubinden. Als ich Dich dann persönlich kennengelernt habe, huch wer ist das, habe ich festgestellt, hinter dem Buzz Robert Basic steckt ja ein verdammt pfiffiger, auch politisch interessierter und sympathischer junger Kerl, tiefsinnig und immer hilfsbereit. Den Verkauf von Basic Thinking habe ich kommentarlos verfolgt – ganz ehrlich, schon damals hatte ich das Gefühl, dass Du für eine Idee ohne Hand und Fuß Deine Seele verkaufst. Aber – wenn es einer schaffen würde, dann Du.

Ein Blog ist in erster Linie mit dem Autor, den Autoren verbunden. Ein Blog selbst ist nur ein Stück Software mit mehr oder weniger guten Artikeln. Der Autor, die Menschen hinter der Schreibe machen ein Blog erst interessant und lesenswert. Bei Basic Thinking zum Beispiel war es immer die Mischung aus Technikkram, Deinen persönlichen Berichten – ja, und auch der Web-2.0-Hype gehörte dazu. Basic Thinking war Robert Basic, Robert Basic war Basic Thinking. Und nachdem ich Dich persönlich kannte, habe ich es gerne gelesen. Seitdem Du das Blog verkauft hast, habe ich es anfangs noch kurz verfolgt, danach habe ich aber schnell das Weite gesucht. Wie viele andere Publikationen ist es zu einer Web-2.0-Müllhalde mit pseudojournalistischem Anspruch geworden.

Dein neues privates Blog ist nie wirklich ein würdiger Nachfolger geworden. Ab und zu ein Video, ein bisschen Rumgelaber – Du bist nur noch ein Schatten Deiner selbst. Es fehlt förmlich alles, was früher Basic Thinking ausgemacht hat. Das Streitbare, die grenzenlose Subjektivität, die Polemik – früher warst Du ein stückweit meinungsbildend, heute interessiert es nur noch die engsten Bekannten und Freunde, die Dich aus alter Verbundenheit im Feedreader haben. Früher konnte man diverse Themen zwei Tage nach Basic Thinking durchaus in der Netzwelt vom Spiegel finden, heute klicke selbst ich kaum noch auf den Link zum neuen Artikel im Feedreader. Was ich damit sagen will: Du hast mit dem Verkauf von Basic Thinking einen großen Teil Deiner (Netz-) Persönlichkeit verkauft. Du hast es – leider – bis heute nicht geschafft, eine persönliche, streitbare, lesenswerte Alternative zu entwickeln.

Sei es drum, Du hast knapp 50.000 Euro bekommen– warum nicht, bei der Summe würden sicherlich viele Menschen ins Grübeln kommen. Noch hast Du ja alle Möglichkeiten der Welt, Dir wieder eine neue Online-Heimat aufzubauen, die zumindest an alte Zeiten erinnert – die Menschen hinter einem Blog sind entscheidend, nicht das Stück Software. Mach es einfach, ich würde mich wirklich freuen – das alte, oftmals durchaus für mich streitbare Basic Thinking, fehlt mir. Ich wusste bei Dir immer, welcher Dienst The Next Big Thing werden würde – so hast Du zum Beispiel Twitter schon dazu gemacht, als es in Deutschland kaum jemand kannte.

Nun lese ich von Deinem neuesten Vorhaben – Du möchtest Deinen Twitter-Account @robgreen verkaufen. Wie Du auf BUZZriders angekündigt hast, werden Finanz- und Sachmittel benötigt. Ganz ehrlich: Mit ist doch ein stückweit die Kinnlade runtergefallen, als ich davon gelesen habe. Ein Blog ist in erster Linie, wie oben bereits beschrieben, ein Stück Software, ein Twitter-Account ist etwas ganz anderes. Auf Identi.ca nenne ich unsere kleine Runde immer scherzhaft unsere Familie. Viele Menschen kommunizieren auf Twitter nicht mit Dir um des Buzz willen, sondern wegen dem Menschen Robert Basic. Es sind nicht nur Web-2.0-Heinis, sondern auch Familie, Freunde und Bekannte. Und diese verkaufst Du mit. In Deiner Werbebotschaft weist Du explizit darauf hin.

Ich habe die BUZZriders in den letzten Monaten nicht verfolgt, vielleicht fehlt mit der Weitblick, um es zu verstehen, ich halte es ehrlich gesagt für eine Totgeburt. Dennoch würde ich mich freuen und es Dir persönlich wünschen, wenn es The Next Big Thing werden würde. Dennoch solltest Du versuchen, auf anderem Wege Sponsoren an Land zu zu ziehen. Mit dem Verkauf Deines Twitter-Accounts gehst Du den berühmten Schritt zu weit. Ich weiß um Deine schnoddrige Art, Texte zu verfassen – Dein Artikel auf BUZZriders kommt bei Menschen, die Dich nicht persönlich kennen, teilweise so an, als würde jemand vor einen stehen und die berühmte Frage stellen, haste mal nen Euro.

Beende diesen Quatsch so schnell wie möglich, es geht hier nicht nur um einen Buzz, es geht auch um Deine Familie, Freunde und Bekannte, es geht um Menschen, die all die Jahre mit dem Menschen Robert Basic kommunizieren und in Kontakt bleiben wollten, nicht mit einem Hype oder gar einer Maschine. Noch ist es nicht zu spät – und wenn Du Deinen Leuten erklärst, dass die Idee unüberlegt war, werden sie es verstehen, wir kennen ja unseren Robert. ;-)

Lass diesen unüberlegten Mist sein…

, , , , , , , , ,



23 Antworten zu “Lieber Robert”

  1. Liebe Kommentatoren, bevor ich es vergesse, Robert mag da selbst schmerzbefreit sein und auf seinem Blog jede Beleidigung freischalten. Ich werde das hier nicht zulassen…

  2. Ich kenne Robert nicht persönlich. War nur damals begeisterter Leser seines Blogs und es war selbstverständlich im auf Twitter zu folgen – genauso selbstverständlich, wie ihn, nach dieser Ankündigung zu entfolgen. Selbstvermarktung grenzt an Prostitution und das kann jeder halten wie er will aber ich lasse mich nicht von Robert auf den “Twitterstrich” führen, will meinen, wenn, verkaufe ich mich selbst! Ansonsten hast Du völlig Recht Chris.

  3. Ich verfolge Robert Basic gar nicht (habe das auch schon zu Basicthinking Zeiten nicht getan). Als er sein Blog (naja, eigentlich nur den gesammelten Googlejuice) verkaufte, war das letzten Endes “normal”, er hat etwas aufgebaut und es dann verscheuert, das ist schon OK (auch wenn ich etwas so persönliches nicht verkaufen würde).

    Was er da jetzt verkauft ist ja gar nicht mal sein “virtuelles selbst”, er verkauft seine Follower. Und wenn ich ein eben solcher wäre, wäre ich ob dieses offensichtlichen Mangels an Respekt vor mir echt angepisst.

  4. Es teht doch jedem frei ihn zu unfollowen und so wie die Leute, die ihn kennen ihm von basicthinking zu robertbasic.de gefolgt sind oder gleich bei Buzzriders eingestiegen sind werden sie Robert unter seinem neuen Twitteraccount folgen.

    Der Account wird ersteigert von einer Firma, die sich ein schnelles Standing im Social Web aufbauen will, oder die einfach gerne den Buzz mitnimmt eben eine leichte möglichkeit “to gain 5000 Followers in just 11 days!”.

    Wer Robert kennt, weiß wie gelassen er diese Sache sieht und wie wenig ihn die Diskussion darum kümmert. Viele, ich weiß F!XMBR geht es mehr um das ideele, aber bei vielen anderen darf man wieder einmal eine Neid Diskussion vermuten. Genau wie man sich denkt, man wieso hab ich nicht das Cornflake gefunden, dass aussah wie Illinois und es auf ebay gesteigert, kam einfach bis jetzt niemand in der Größenordnung auf die Idee seinen Account zu versteigern.

  5. >kam einfach bis jetzt niemand in der Größenordnung auf die Idee seinen Account zu versteigern.

    Warum gereicht jede Dummheit bzw. die Ausnutzung der Dummheit anderer zur Genialität? Lebt man denn ein derart eindimensionales Leben, um denn nur noch derlei Niederungen als erstrebenswert zu erachten? Neid? Normalerweise langt dieses zur Schau getragene unterirdische Niveau, um F!XMBR nur noch aus der Ferne zu betrachten.

  6. Ein sehr schöner und für mich treffender Artikel.

  7. @Chris, ein nachdenklich stimmender Artikel, über den ich in der Tat länger nachdenke musste. Dabei fiel mir ein, wie ich Twitter sehe, was ich vor einiger Zeit im Vergleich meiner Blog- zu Twittererfahrungen runtergeschrieben habe:

    Twitter: mein Zweijähriges und ein Blog-Vergleich

    Es mag mal eine Zeit gegeben haben, dass ich auf Basic Thinking Thematisches mit persönlichen Meinungsbekundungen gut mischen konnte. Als aber das Blog quasi vermehrt als “wichtiges” Medium wahrgenommen wurde, habe ich für mich gesehen, dass es kein richtiger Weg ist. Es obliegt einer Person nicht, soviel Vehemenz in seine Darstellungen zu legen, da es Leser oft und gerne als gesamtheitliche Darstellung wahrnehmen. Da ich aber ungerne ausgewogen diskutiere, sondern gerne Dinge akademisch bewusst aus einer Richtung betrachte, um das Objekt der Betrachtung gemeinsam STück für Stück aus allen Richtungen durchzudenken, sendet man falsche Signale. Man nimmt diese Art von Diskussion so nicht wahr. Was nicht gesagt wird, gilt es unbetrachtet. Strange aber wahr. Wenn man das erkennt, ist Sense mit Medium-Blabla.

    So habe ich kein Interesse mehr, ein meinungsstarkes Etwas nach vorne zu bringen, es ist nicht in mir, diese Rolle auszufüllen, ich mag es nicht.

    Twitter erleichtert diesen Weg. Das bisschen Twittern hier und da führt dazu, dass bis heute keine meinungsstarken Twitterer im Vergleich zu Bloggern ausgemacht wurden. Nicht in der ansatzweisen Beimessung, die man manchen Bloggern zuspricht.

    Das zur Meinungslautstärke.

    Zur Familiarität von Twitter: Oben hinter dem Link verbirgt sich das, wie ich Twitter sehe. Anders als Du. Sehr lose Beziehungen, schwach, kaum wahrnehmbar für mich. Wie ich Twitter nutze, lesend und schreibend war und ist im Großen und Ganzen rein informativ. Tiefe von Gedanken finde ich auf Blogs, auf Twitter finde ich sie nicht. Das pure Infobedürfnis steht bei mir im Vordergrund. Manche Follower mögen das anders sehen, aber dafür bin ich nicht in dem Sinne verantwortlich, da es deren Haltung ist. Meistens kommt aber Gleiches zu Gleichem zusammen. Demnach habe ich wenig persönlich Bezug zu Twitter, es wird nicht meine Familie sein. Familie und Freunde kontakte ich völlig unabhängig des Mediums, es spielt keine Rolle, welches.

  8. Ich weiß auch nicht so recht, was ich davon halten soll. Habe mich natürlich trotzdem gefreut, als Basicthinking unseren Veranstaltungskalender gepusht hat und fand den Blogverkauf auch eine gelungene Sache aber das geht wohl ein bisschen weit…

  9. Mit dem Umfeld ändert sich der Mensch …

  10. Wenn Robert Basic mit dieser Aktion sein Buzzrider-Projekt promoten wollte, ist ihm das gelungen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass er mit dem Verkauf seines Twitter-Accounts eine nennenswerte Summe verdienen wird.

    Ansonsten spricht es für ihn, dass er hier an dieser Stelle auf diesen etwas pathetisch-selbstgerechten Post antwortet: Weder ist es ihm vorzuwerfen, dass er lieber Unternehmer als Meinungsmacher ist noch gibt es ein Patentrezept dafür, wie und wofür man Twitter nutzen sollte – sorry, da bin ich dann eher bei Robert als bei Dir, Chris.

  11. Die Gelegenheit, ein Blog zu versilbern, ist einmalig auf der Welt. Diese Gelegenheit zu wiederholen, das gleicht in meinen Augen der Idee eines Lotto-Millionärs, seinen Sechser wiederholen zu wollen.

    Aber wer weiß? Vielleicht schaffts der Robert?

    PS, das ursprüngliche Blog Basic Thinking habe ich anfangs gelesen, weil ich zwischen dem Namen “Basic” und Blog-Inhalt einen Zusammenhang suchte; nachdem ich raus hatte, dass es schlicht sein Nachname war, erlosch mein Interesse recht schnell. Spricht nicht gegen Robert, aber ein Jarhundertblog war es auch nicht, sorry.

  12. Ein fulminantes Plädoyer für die persönliche Beziehung zwischen Leser und Blogger, in der Tat. Generell finde ich es nicht “hübsch”, erst Bindungen aufzubauen, um sie dann zu kommerzialisieren, weshalb ich Deinem “offenen Brief” nur beipflichten kann.

  13. >erst Bindungen aufzubauen

    Bei ein paar tausend Folgenden? Welche Bindungen baut man da auf? Etwas persönliches aufzubauen ist bei 140 Zeichen schon ein Ding der Unmöglichkeit, bei knapp 100 Folgenden ist es ein gar lächerlicher Versuch überhaupt adäquat kommunizieren zu wollen. Letztendlich paßt es doch also, die Folgenden erfahren ergo eine adäquate Behandlung. Sorry, wenn ich also jemandem mit ein wenig mehr als 140 Zeichen den Lebensinhalt in Abrede stelle.

  14. für mich wäre das so, als ob ich mit der mitgliederliste meines vereins zu einem adresshändler ginge — also ein vertrauensbruch sondergleichen.

  15. >als ob ich mit der mitgliederliste meines vereins zu einem adresshändler ginge

    Wie hoch war denn dein Beitrag bei Robert? Ich mein ja nur, das ist ungefähr so der bergleich wie “…letztes Jahr noch meldete ich mich beim Quelle-Mailverteiler an und heute … ach shit, das Vertrauen und so …”

  16. @Oliver:

    ist das nicht egal? kann ich dazu keine prinzipiellen äußerungen tätigen?

  17. Sicherlich, aber das hat was von Äpfeln mit Birnen vergleichen. Der Verein ist eine Gemeinschaft, die ein gemeinsames Ziel verfolgt. Was sind Follower bei Twitter/Identi.ca – mitunter gute Freunde, darauf spielst du wohl an, aber xxxx “gute Freunde” die man vor den Kopf stößt? Oder anders herum, wer würde einen Account mit _Freunden_ verkaufen? Bei 5000+ Followern ist das eine recht unpersönliche Sache, ich sehe da in diesem Fall keinen Unterschied zu einem Mailverteiler, der z.B. Tipps/Tricks und Links zu Windows verschickt.

    Wer mich beispielsweise auf identi.ca nur liest ist mir eigentlich völlig egal, die Leute die mit mir jedoch regelmäßig kommunizieren sind durch keine Summe ersetzbar. Und ich denke darum wird es Basic auch gehen, die tatsächlichen Freunde/gute Bekannte hat er anderswo, nicht dort.

  18. Dass man durchaus versuchen darf mit dem was man tut Geld zu verdienen, ob nun Blog oder anderes, war schon immer meine Ansicht. Dennoch habe ich Robert Basic entfollowed als er sein Blog verkauft hat. Warum? Weil ich die Entwicklung irgendwie ahnte.

    Manchmal mag ich nicht recht behalten.

  19. @Mela ich kann dir nur beipflichten…
    Es ist traurig, wie sich manche Menschen entwickeln.
    Geld ist nicht alles im Leben … gerade jetzt zur Weihnachtszeit.

Trackbacks

Hallo Wanderer, lasse uns an Deinen Gedanken teilhaben:

Erlaubte XHTML-Tags:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>