Lieber Herr Christoph Meinel #2

Ich habe mir gerade Ihr Interview angesehen, und wenn mir auf dem Webseite IT-Gipfel entgegen springt, und eine liebreizende Angela Merkel, dann weiß ich, dass ich es mit einem Lobbyisten, aber wohl keinem Fachmann zu tun habe. Sie sprechen in erster Linie nicht für die Bürgerinnen und Bürger in diesen Land, sondern verfolgen dabei offensichtlich andere Interessen. Diese Information hatte ich vorher nicht, ich gebe jedem Menschen eine Chance, auch wenn ich es vermutet hatte, sie haben sicherlich die letzten beiden Fragen gelesen.

Herr Meinel, gleich im ersten Satz lassen auch Sie die Katze aus dem Sack: Es gibt den Vorschlag, den Zugang zu kriminellen Informationen, konkret geht es um kinderpornografische Informationen, zu erschweren, durch so genannte Internetsperren. Damit folgen Sie meiner Argumentation, dass von der Bundesregierung eben nicht nur Kinderpornografie gesperrt werden soll. Ich gehe davon aus, dass Sie selbst mit den Ministerien an diesem Gesetzentwurf gearbeitet haben, zumindest als Berater tätig waren. Korrigieren Sie mich, wenn meine Vermutung falsch ist. Ich danke für diese Klarstellung. Damit ist klar, dass alle öffentlichen Äußerungen der Politiker Lügen sind und die Diffamierung der Mitzeichner durch den Herrn von und zu Guttenberg und der Frau von der Leyen ungeheuerlich ist.

Sie weisen auf widersprüchliche Argumente hin, einmal, dass die Technik leicht zu umgehen ist, auf der anderen Seite soll die Informationsfreiheit im Internet eingeschränkt werden. Das passt Ihrer Meinung nach nicht zusammen. Herr Meinel, Frau von der Leyen hat mit stolz geschwellter Brust auf der Pressekonferenz mit den Internetprovidern verkündet, dass Technikoffenheit in die Verträge und Gesetze geschrieben wird. Heißt: Was heute leicht zu umgehen ist, ist es morgen nicht mehr. Wir kennen ja wohl beide die wahnsinnige technische Entwicklung, gerade im Internet. Diese Technikoffenheit hat unsere Bundesfamilienministerin, ich sage es noch einmal, extra betont.

Sie wünschen sich eine Diskussion darüber, wie der Zugang zu Webseiten mit Kinderpornografie gesperrt wird. Ich gebe Ihnen die Antwort: Die Server abschalten. Aber daran scheint man wohl innerhalb der Bundesregierung kein Interesse zu haben. Die meisten Server mit diesen, wie Sie schon sagten, Dreck, stehen in westlichen Industriestaaten, viele in Deutschland. Als die Sperrlisten aus anderen Ländern veröffentlicht wurden, hat man das feststellen können. In der Regel hat ein Anruf bei den Providern gereicht, und die betreffenden Seiten waren verschwunden, mal völlig abgesehen davon, dass 90% der auf den Sperrlisten aufgeführten Seiten kein Kinderpornografie enthielten. Aber dafür müsste man für Polizei und BKA mehr Personal einstellen.

Lieber Herr Meinel, auch wenn Sie es verkennen, es ist heute schon alles möglich. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, eine Legende, die auch Sie offensichtlich zu glauben scheinen. Schon heute müssen sich Blogger, Forenbetreiber mit unzähligen Gesetzen auseinandersetzen, werden durch Rechtsanwälte, gerade im Abmahnwesen, fast um Ihre Existenz gebracht. Wir Blogger, Forenbetreiber müssen nicht lernen, mit den Internet umzugehen. Sie vielleicht. Schon heute ist Kinderpornografie, rassistische Hetze, etc. pp verboten. Das muss unsere Gesellschaft nicht erst lernen. Das ist größtenteils auch selbstverständlich.

Lieber Herr Meinel, Sie diskutieren am Thema vorbei. Durch die Hintertür soll hier die Internetzensur eingeführt werden, durch die Allmacht des BKA. Es ist erschreckend, dass ein IT-Fachmann wie Sie, sich hier als Lobbyist der Bundesregierung verdingt. Aber — wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Erschreckend habe ich zum Schluss Ihre Argumentation registriert, dass der Internetnutzer geschützt werden soll. Wissen Sie, woran mich Ihre Worte erinnert haben?

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Mit freundlichen Grüßen

Chris

Nachtrag: Bei Hanno antwortet Dr. Koch aus meiner alten Heimat dem guten Herrn Meinel — und findet die gleichen Worte.

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16 Antworten zu “Lieber Herr Christoph Meinel #2”

  1. daMax sagt:

    Warum nur erinnert mich der Introjingle so sehr an The Onion? 😀

    Aber im Ernst: je mehr Interviews ich sehe, desto mehr drängt sich mir der Eindruck auf, dass diese ahnungslos Betroffenen wirklich denken, sie würden etwas Gutes vertreten. Die kommen mir immer mehr wie Marionetten vor, die Kasperletheater aufführen und dabei denken, sie würden wirklich dem Krokodil auf die Mütze hauen. Dass jemand anders die Fäden zieht, ist ihnen nicht klar.

    Und da kommen wir aber auch schon zu dem eigentlichen Problem: weder du noch ich können unser mulmiges Gefühl beweisen. Dass nämlich Leute im Hintergrund das Sagen haben, die jetzt ihre große Chance wittern, endlich den ganzen «Dreck» (Filesharing, kritische Meinungen, Wikileaks) dicht zu machen, um uns allen noch mehr Geld aus den Taschen ziehen und unsere «Meinungsbildung» noch besser kontrollieren zu können.

    Für mich klingt es ja selber total paranoid und verschwörungstheoretisch. Aber im Endeffekt gilt der alte Spruch: «nur weil du nicht paranoid bist heisst das noch lange nicht ‚dass sie nicht auch hinter dir her sind»

  2. daMax sagt:

    Sorry, ich noch mal. Ich selbst fühle mich ja zur Zeit wieder verstärkt daran erinnert:

    Mad as hell

  3. @chriss713 sagt:

    Read: Lieber Herr Christoph Meinel #2:
    Ich habe mir gerade Ihr Interview angesehen, und wenn mir auf dem W.. http://tinyurl.com/pd84c2

  4. @chriss713 sagt:

    Read: Lieber Herr Christoph Meinel #2:
    Ich habe mir gerade Ihr Interview angesehen, und wenn mir auf dem W.. http://tinyurl.com/pd84c2

  5. Jesus sagt:

    Mon Dieu der kann das doch nicht ernst meinen was der da sagt.
    Der will tatsächlich Bücher über das Internet als Kommunikationsmedium geschrieben haben?
    Na ja die Petition ist durch und ich hoffe mal das dieses mal wenigstens die Allgemeinheit durch deren Zensurphantasien aufgeschreckt wird.

  6. schrozberg sagt:

    Das Hasso Plattner Institut versteht sich als «universitäres Exzellenz-Center» und «wirbt um begabte junge Leute, die mehr als ein ‘normales’ Informatik-Studium anstreben».

    Nach den jüngsten Aussagen von Prof. Christoph Meinel (Direktor des Hasso-Plattner-Instituts) interpretiere ich den obigen Satz mal so:

    Wenn Sie zur CDU wählenden Elite des Landes gehören, keine eigene Meinung haben aber gut programmieren können, ohne Aufzumucken einfach das machen können was man ihnen sagt (aber dies sehr exzellent, nicht nur einfach irgendwie WIR SIND JA ELITE!), autoritätshörig und arschkriecherisch veranlagt sind, Zensur gutheissen, von Kommilitionen an einer stinknormalen Uni verprügelt werden würden, ausser 3-Teilern nix anderes im Schrank hängen haben dann sind Sie im Hasso Plattner Institut richtig.

    Liebes Hasso Plattner Institut, die begabten jungen Leute die Ihr wollt, werden euch (hoffentlich) ab sofort ausbleiben. Also: Laden am besten gleich dichtmachen und in Zukunft einfachs Maul halten!

  7. Stefan sagt:

    Spitzfindigkeit am Rande: Herr Meinel führt auch an, daß die Debatte die Netzbenutzer weiter sensibilisiert (ab 5:29):
    Ich glaube, die Diskussion um die Sperren sensibilisiert auch, z.B. die Anbieter von Servicen und von Foren, daß sie genauer hinschauen, welche Art Links da geforwardet werden; und ein Stück Verantwortung erkennen, daß auch die Unterstützung auf Zugriff auf solches Material nicht akzeptiert werden kann.
    Na, ich gratuliere — Konsequenz wäre: Kontrolliere ich jeden Link (das Linkziel ist ja oft nicht so ohne weiteres erkennbar, mache ich mich u.U. strafbar, weil ich auf einer KiPo-Seite lande und das Dreckszeux in meinem Browsercache landet (oder ich stehe zukünftig womöglich vor dem Stopschild und ziehe so die Aufmerksamkeit der Ermittler auf mich). Kontrolliere ich die Links jedoch nicht, bin ich Herrn Meinels Argumentation nach mitverantwortlich (und damit haftbar) für den Inhalt, der hinter dem Link steckt.

    Demnach wäre das Betreiben jeglicher interaktiver Plattform (Forum, Wiki, Blog mit Kommentarmöglichkeit, etc.etc.) unmöglich, will man nicht ein juristisches Harakiri zu begehen.

  8. Toby sagt:

    Ich ticke ab !
    sollen sie doch erstmal das Internet vor der Haustür aufräumen und Sachlichen Hinweisen nachgehen, die man ihnen gibt und nicht ein Zensurfilter einbauen.
    Z.B. habe ich in meinen 12 Jahren Internet Erfahrung zweimal eine Anzeige aufgegeben, einmal wegen einer Kinder pornografischen Seite, dieser Anzeige wurde auch nachgegangen und die Seite entfernt. Das zweite mal, letztes Jahr, wegen einer Sprengstoffseite, diese ist noch immer frei für jeden Zugänglich und es wird gar nichts unternommen !!!! obwohl der Server hier in Deutschland steht!!!!!
    Hierdurch wird mir ganz klar, hier werden mal wieder Opfer verschoben, diesem Fall Kinder, um etwas ganz anderes zu bewirken !
    (Für jeden den es interessiert, ich habe ein ausgedruckte Bestätigung der Abgabe meiner Anzeige zu dem Spreng e.V.)
    Bohr, ich bin so in Rage, aber das musste ich hier jetzt mal loslassen !

    Toby

  9. ulysses sagt:

    Die Wikipedia weiß es wieder:

    «Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) an der Universität Potsdam ist das bislang einzige völlig privat finanzierte Universitäts-Institut in Deutschland. Es hat die Rechtsform einer GmbH und wird getragen durch die gemeinnützige Hasso-Plattner-Stiftung für Softwaresystemtechnik. Gründer und Namensgeber des Instituts ist der SAP-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner. Das Institut ist in Potsdam-Babelsberg angesiedelt und wird von Prof. Dr. Christoph Meinel geleitet.»

  10. Phil sagt:

    Btw. was ist eigentlich aus Missbrauchsopfer kämpfen gegen Netzsperren geworden:

    Bahls: Wir haben ihrem Büro diesen Server in Kiel genannt, auf dem vermutlich 18 kinderpornografische Domains liegen. Wir haben nun darum gebeten, dass diese Domains und der Server so bald wie möglich abgeschaltet werden. Ich habe dem Ministerbüro auch noch einmal am Telefon gesagt, dass ich erwarte, dass dieser Server spätestens Freitagfrüh um 9.30 Uhr nicht mehr erreichbar ist, da ich sonst deutlich meine Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Anliegens von Frau von der Leyen äußern werde.

    Ich habe diesbezüglich auf http://mogis.wordpress.co.….m/ noch nichts finden können.

  11. Spunkmeyer sagt:

    Ein sehr lesenswerter Artikel! Danke! Werde ihn verlinken.

  12. […] F!XMBR — Lieber Herr Christoph Meinel #2: Lieber Herr Meinel, Sie diskutieren am Thema vorbei. Durch die Hintertür soll hier die Internetzensur eingeführt werden, durch die Allmacht des BKA. Es ist erschreckend, dass ein IT-Fachmann wie Sie, sich hier als Lobbyist der Bundesregierung verdingt. Aber — wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. […]

  13. […] Und zur Agenda von Herrn Meinel gibts bei Chris von F!XMBR […]

  14. […] F!XMBR: Lieber Herr Christoph Meinel #2 […]

  15. […] und gegen die »guten Onkels« in TV-Interviews durchzusetzen. Man schaue sich nur Herrn Christoph Meinel an um eine Ahnung davon zu bekommen, mit welchen Plaudertaschen sich die Regierungsleute […]

  16. […] Initiative “Eltern aus IT-Berufen zu Internetsperren” von Hanno Zulla @golem.de Kritik zur Video-Pressemitteilung von Prof. Meinel @fixmbr.de Urteil: DNS-Sperren sind zur Blockade von Inhalte “nur bedingt geeignet” […]

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