liebe Telekom

Als ich 97 bei euch das erste mal internettig den Weg bereiten ließ, flutschte noch alles mehr oder weniger gut. Man rief an, sprach mit einer netten Person und alles ging seinen Weg. Einwahlprobleme waren an der Tagesordnung, bei jedem, die Technik spielte da vor Ort halt nicht immer mit. Mit der Zeit kam DSL, anno 2000 war es dann soweit, und mit DSL kamen auch die echten Probleme. Probleme wiederum auch nur technischer Natur, es war eben alles neu und so rasant, doch man konnte einiges verschmerzen, schließlich war man Analog/ISDN-gestählt.

Mit der Zeit setze jedoch auch massiv der Rotstift an, genoß man beim gelbsten aller Vereine noch eine technisch hochwertige Ausbildung, auch ich durfte dieser mal beiwohnen, so ließ man wohl gerade diesen Bereich mit dem Advent des rasant einsetzenden und vom Internet getragenen Fortschritt arg schleifen. Aber auch das war und ist relativ verschmerzbar, denn zumindest wurden auftretende Probleme noch zeitnah gelöst ob der durchaus akzeptablen Bereitschaft seitens des Service. Ein Service den man unlängst selbst in einer rudimentären Form unlängst vergebens sucht. Auf Hoffnung und Glück basiert da heutzutage in der Regel die Gegenleistung ob dieser monatlich veräußerten Barschaft. Und es ist mir ehrlich gesagt schnuppe wie knapp kalkuliert wird etc., ihr macht ein Angebot, ich gehe auf dieses ein und entlohne euch dafür — bingo, alles klar? Okay, über die unvermeidlichen Ecken und Kanten die mal alle Schaltjahre auftreten — ach schwamm drüber. Aber in letzter Zeit, für viele auch in den letzten zwei Jahren, da bleibt mir nur ein sehr, sehr höfliches na ja über.

Hätte ich jetzt nicht auch diese Art Service über Jahre für Verwandte, Bekannte usw. übernommen die Technik zu richten, respektive mit eurem Service kommunikativ in Verbindung zu treten, ich glaube ich würde es immer noch wohlwollend, wenn auch verärgert, als Einzelfälle abtun. Aber dem ist nicht so, zwar blieb ich all die Jahre von wirklich argen Problemen verschont, kann jedoch von Legionen anderer berichten mit welchen ich mich beschäftigen mußte. Und dank Internet wissen wir auch eines: wir sind keineswegs alleine da draußen. Es hat schon etwas von LMAA–Mentalität seitens einzelner Techniker beispielsweise, wenn man sich geschlagene fünf Wochen mit abbrechenden Netzverbindungen herumplagt — immer zur gleichen Stunde — nur um letztendlich die lapidare Antwort zu bekommen: das Problem muß bei ihnen liegen. Letztendlich ist es dann doch nicht so, es sind diese Zufälle im Raum-/Zeitkontinuum welche vom Service zu den echten Profis der Telekom führen, die dann dazu nur eines zu berichten wissen: nonsense. Prompt werden dann die nötigen Maßnahmen in die Wege geleitet, das Problem gelöst, man schwelgt in Nostalgie und erinnert sich an frühere Zeiten. Und doch sind es, trotz dieser formidablen Ausnahmen, nur noch die Prinzipien von Glück und Hoffnung.

Und das muß wirklich nicht sein, oder? Kämpft man zudem desöfteren mit CallCentern, die ob Provisionsgeilheit auch mal Aufträge erteilen ohne die Einwilligung des Kunden, dann fragt man sich doch: gehts noch? Was soll der Mist? Klar I know die Menschen in den CallCentern haben alles andere als eine Ponyhof-Atmosphäre — wir kümmern uns da mehr um die Massentierhaltung, als um eine für Menschen akzeptable Umgebung — aber IHR schafft diese Voraussetzungen, IHR fördert ob der wirtschaftlichen Optimierung diese und andere Problemzonen. Problemzonen die auch einen staatlich sanktionierten Monopolisten Kunden kosten — sofern möglich, denn nicht jeder wohnt in einem Ballungszentrum und hat die Wahl. Mit einem CallCenter und derlei Gebahren in puncto Einwilligung des Kunden plage ich mich übrigens just in diesem Moment ebenfalls herum im Auftrag meiner kleinen Schwester. Danke noch mal dafür Telekom.

In Zeiten in denen eurer servicetechnisches Karma ohnehin ein gewaltiges Minus aufweist, in denen eure Abhörmethoden Legion sind und das Ausmaß noch gar nicht ersichtlich, in Zeiten in denen ihr bereitwillig Kundendaten veräußert, in diesen Zeiten würde ich versuchen noch ein wenig die Zügel anzuziehen damit euch euer Konzern nicht vollkommen entgleitet. Ohne Monopol wäre die Telekom schon längst nicht mehr. Und ich wäre froh würdet ihr euch anstatt ausschließlich um staatliche Belange auch ab und an mal um die Belange eurer zahlenden Kundschaft kümmern.

Mehr verlangt der Mensch ja gar nicht, kein Kunde bei klarem Verstand wird Unmögliches einfordern. Die Ausnahmen mutierten aber unlängst zur Regel …

Update: konnte telefonisch zurechtgebogen werden, war nur ein Versehen mit komplett neuem Anschluß, allen Sonderkonditionen etc. pp. und das bei einer simplen Anfrage ob der Kosten. Aber Fehler die passieren halt mal, gell? Bring mir einer die Konkurrenz vor Ort und ich bin weg.1

Bild: CCC (Pesthörnchen)

  1. dort ist das Gras gewiß nicht grüner, aber der Rasen wird ab und zu doch noch getrimmt []

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10 Antworten zu “liebe Telekom”

  1. Toby046 sagt:

    Wunder schön und genau auf den Punkt gebracht. Von mir zwei Daumen :-)

  2. Andreas Alin sagt:

    Naja, die Konkurrenz hat auch keinen besseren Service. Ist dafür aber billiger!

    Aber was ich schon alles mit den Laden erlebt habe ist echt der Hammer.
    – Tagelange Telefongespräche bis man zum richtigen Mann durchkommt, der endlich feststellt, dass der DSL-Anschluss nicht richtig geschalten wurde.
    – Ein anderes mal sollte ich für einen Service-Techniker während der Woche zwischen 8 und 18 Uhr (10 Stunden!!) zuhause bleiben. Und da war ich noch froh, weil ich 3 Monate auf den Techniker warten musste! Ja gehts noch?
    – …

    Das Video hier bringts IMHO am besten zum Ausdruck was in dem Laden läuft:
    http://blog.alin.eu/satir.….ebracht/

  3. Jean-Michel sagt:

    Ja, so ist das. Seit wir von der Telekom zu einem lokalen Anbieter gewechselt sind bekommen wir von der Telekom auch keine Werbeanrufe mehr. Diese Werbeanrufe waren auch mit ein Grund bei dem Verein zu kündigen. Die wollen einfach keine Kunden. Warum auch immer.

  4. Annika sagt:

    Ich könnte über Hansenet aber auch Romane berichten. Die Behauptung, dass die sich anfangs mit den vielen Neukunden total übernommen hatten, wäre wohl sehr euphemistisch… und über dieses Sphairon Modem/Router-Ding breiten wir mal gnädig den Mantel des Schweigens.
    Mittlerweile allerdings sind sie zuverlässig und schnell (und halt relativ günstig). Man muss ja auch mal loben, wenns verdient ist.

  5. Oliver sagt:

    >Ich könnte über Hansenet aber auch Romane berichten.

    Hansenet ist auch längst nicht mehr der kleine lokale Anbieter, sondern unlängst aufgekauft und verarbeitet.

  6. Annika sagt:

    Ja, das meinte ich mit «viele Neukunden»… die haben halt extrem expandiert, ohne die Infrastruktur dafür zu haben, imo. So langsam wachsen sie rein.

  7. Yuri sagt:

    Also ich hatte mit HanseNet bisher noch keinerlei Probleme, muss ich sagen. Die Telekom dagegen… naja.

    Wobei ich natuerlich nur von meiner Perspektive ausgehe und das insgesamt nichts heissen muss.

  8. Marcel sagt:

    also ich hab beruflich öfter mit dem support der dtag und deren konkurrenz zu tun. ehrlich, gegen das was die konkurrenz veranstaltet sind die rosa männer noch engel (service technisch, nicht was den abhörkram angeht)

  9. Oliver sagt:

    Wenn man denn Text nicht lesen möchte — okay, aber dann brauchts auch keinen Kommentar. Ich habe als User Erfahrung seit den 90ern und als Techniker ebenso. Und ich habe auch noch durch Bekannte mancherlei Einblick hinter die technischen Kulissen, CallCenter Support tangiert mich da weniger — das sind arme Schweine denen mein Mitleid gilt, jedoch nicht dem Monopolisten. Ich rede also nicht von Oberflächlichkeiten oder bloßen Eindrücken — die jedoch ebenso wenig fehlen.

    >das was die konkurrenz veranstaltet

    Fußnote lesen

  10. Phil sagt:

    Tjaja, der liebe «Service». Auch ich schlage mich ab und zu mal mit dem rum, vorallem wenn es um Störungen geht. So ist es zwecklos, es tagsüber zu versuchen. Ständig werde ich in der Leitung gehalten und mir wird immer vollmundig versprochen, dass der nächste freie Platz mein sein wird, doch ich warte und warte und warte.

    Nun gut, es gibt ja auch noch die Nacht, wo es dann auf wundersame Weise gleich beim ersten Mal klappt.

    Achja, und dann der doofe Sprachcomputer. Wie ich den hasse. Gefühlte tausend Minuten Spam. Ein Trost: Beim weiteren Anruf fragt er, ob es sich um das gleiche Problem handeln würde, was die ganze Sache doch wesentlich abkürzt.

    Tja, unter Service verstehe ich doch ein wenig was anderes.

    Ich hatte mal ein Handy von einer Firma, sie hatte zwar auch schon damals nur die teuren 01805er Nummern (gerade mit dem Handy), doch wenn da keiner dran ging, meldete sich der AB, wo man seine Daten hinterlassen konnte. Und man wurde dann auch zurück gerufen. Das hat mir sozusagen die teuren Telefonentgelte doch versüßt. DAS ist Service.
    Lang, lang ists her.

    Dass der Endkunden-Service sozusagen von Callcentern durchgeführt wird, ist ja nichts schlimmes. Vieles lässt sich auch mit einer FAQ abarbeiten. Nur wenn es trotzdem nicht klappen sollte, so erwarte ich einfach, dass dann das Problem jemandem unverzüglich vorgelegt wird, der davon auch Ahnung hat.

    Aber anscheinend gilt weiterhin die Device: Je größer ein Unternehmen desto mieserabler der Service in der Regel.

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