Liebe Paywall, Du kannst mich mal!

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Foto: F!XMBR

Hey Paywall,

wir haben lange nicht mehr miteinander gesprochen. Es ist mir auch egal, ob Du für die Verleger erfolgreich bist, oder nicht. Im Moment wird halt ein politischer Kampf gekämpft, und ob sich Schwarz-Gelb nun kaufen und unter Druck setzen lässt, oder auch nicht — who cares. Du und Deine Verleger, Ihr habt schon verloren. Ihr führt einen Rückzugs– und Rechtfertigungskampf. Dass Ihr dabei jegliche Moral verloren habt, ist Euer Problem, nicht meines. Politische Mehrheiten ändern sich — und solltet Ihr es tatsächlich schaffen, unsere Demokratie und Meinungsfreiheit ein stückweit abzubauen, hoffe ich stark, dass dies dann korrigiert wird. Ich bin halt ein unerschütterlicher Optimist. Weißt Du, liebe Paywall, seitdem Du beim Abendblatt, der Berliner Morgenpost, der Financial Times oder der New York Times eingezogen bist, habe ich Dich und Deine Auftraggeber nicht mehr verlinkt. Warum sollte ich auch? Du möchtest mich nicht als Leser und meine Empfehlung? Ich kann das akzeptieren. Natürlich kommen gerade im Web 2.0 durchaus Links zu Dir an, sei es über Twitter, Facebook oder wie die Dienste alle heißen. Und soll ich Dir Etwas verraten? Ich stehe dann nicht vor einer Schranke. Wie ich das anstelle? Nun, im Gegensatz zu Dir kenne ich das Netz, seine Möglichkeiten und großen Chancen. Auch wenn mir viele Dinge nicht gefallen, so besteht mein Internet hauptsächlich aus positiven Dingen. Jeder Nutzer ist selbst dafür verantwortlich, was auf seinem Bildschirm erscheint — das gilt nicht nur für die Twittertimeline, sondern für alle Inhalte. Du, liebe Paywall, erscheinst garantiert nicht auf meinem Bildschirm.

Doch genug der der Politik der kleinen Spitzen. Du willst sicherlich wissen, warum ich Deine hässliche Fratze noch nicht zu Gesicht bekommen habe? Nun, wie bekannt nutze ich den Firefox — uns zusätzlich das Addon RefControl. Weißt Du, Deine Schizophrenie sorgt dafür, dass Deine Tore weit offen stehen. Google ist böse und das Russland des Kalten Krieges — trotzdem sollen Besucher, die über Google kommen, Deine Schranken überwinden dürfen? Konsequent ist das nicht. Eher lächerlich. Als Du beim Abendblatt und bei der Berliner Morgenpost eingezogen bist, reicht es, als Referer google.com einzugeben. Kurze Zeit später, nachdem sich ungefähr das halbe Netz über Dich lustig gemacht hat, funktionierte das nicht mehr. Gut, dann eben anders. Deine Schizophrenie kennt keine Grenzen, der Eintrag in RefControl wurde ein wenig geändert:

http://news.google.de/news/search?aq=f&pz=1&cf=all&ned=de&hl=de&q=abendblatt
http://news.google.de/news/search?aq=f&pz=1&cf=all&ned=de&hl=de&q=berliner+morgenpost

Es mag Dich jetzt, schockieren, liebe Paywall, aber sollte tatsächlich mal ein Link zum Abendblatt oder zur Berliner Morgenpost reinkommen, überspringe ich Dich mit einem einfachen Mausklick. Gut, meistens bereue ich den Klick ob der niveaulosen Qualität der Inhalte, die Du vorgibst, zu schützen. Egal. Auch die Financial Times und die New York Times beschützt Du nicht wirklich, bei beiden reicht der Eintrag google.com. Bei der New York Times ändert sich der Eintrag in naher Zeit, ab dem 28. März wird dann halt google.com in twitter.com geändert.

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Das Netz ist frei und unendlich. Ich möchte an dieser Stelle nicht den Vergleich antreten, dass in anderen Ländern dieser Welt das Netz von diktatorischen Regimes kontrolliert, zensiert und notfalls abgeschaltet wird, Deine Bemühungen in eine ähnliche Richtung laufen. Das wissen Du und Deine Auftraggeber hoffentlich selbst. Weißt Du, liebe Paywall, Dein Ruf gleicht mittlerweile dem von Spammern, Abzockern, Betrüger und XXX-Anbietern. Dabei sollte auch Dir klar sein, dass für gute Inhalte durchaus freiwillig bezahlt wird. Du möchtest die Menschen zwingen, Geld in die Kassen Deiner Auftraggeber zu spülen, sei es auf schizophrenem Wege, wie beim Abendblatt oder der Berliner Morgenpost, oder auf demokratiefeindlichen Wege wie dem Leistungsschutzrecht. Ich sage es Dir noch einmal: das wird nicht klappen. Darum, in aller Deutlichkeit:

Du kannst mich mal!

Dein Chris

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3 Antworten zu “Liebe Paywall, Du kannst mich mal!”

  1. […] Paywall, stell dich ruhig in den Weg, wir hüpfen mit RefControl über diese lächerliche Mauer. […]

  2. Callgate sagt:

    köstlich und genial…!

  3. […] Heute erst ganz neu dazugekommen: RefControl unterdrückt es, anzuzeigen von welcher Seite ihr auf eine andere gekommen seid oder gaukelt vor, von einer bestimmten Seite gekommen zu sein. Damit kann man auch ganz nett PaidContent von bestimmten Nachrichtenanbietern sich durchlesen. […]

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