Liebe Meinungsbrigade

Die Art von Meinungsfreiheit die da viele vermeinen postulieren zu müssen und ich spreche dabei allgemein an den Adressat Internet, ist in der Regel keine Meinung, sondern Aussage, vielleicht auch Wut. Irgendein unkontrollierter Ausbruch, personell, beleidigend verwurstelt. Beleidigend eben im allgemein anerkannten gesellschaftlichen Konsens.

Man kann subtil beleidigen, das wird auch im allergeringsten Fall Anlaß zu Ungemach oder Tadel monetärer Natur geben, das ist die wohlbekannte Ermessenssache. Doch im Netz, tja im Netz ist man sehr oft weit davon entfernt, subtile Eindrücke gereichen oft zu dieser gerne postulierten Meinung, die doch so deutlich im Grundgesetz verankert ist, subtil jedoch ist die dann folgende Meinung im seltensten Fall. Hammerhart wird drauf eingedroschen bis die Ohren bluten, das letzte Gefecht wird ausgetragen, bis eben jener andere schlapp macht oder andere Geschütze auffährt. Diese anderen Geschütze sind es aber, die wiederum den Tadel der Netizens hervorrufen ob der falsch verstandenen Meinungsfreiheit. Meinung eben geht nur bis zu dem Punkt, an welchem man die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt. Da ist es nicht Ermessungssache wie der Beleidigende diese interpretiert, wenn denn ein Konsens darüber in der Gesellschaft existiert der die beleidigende Natur der Aussage verdeutlicht. Es ist mitunter Meinungsfreiheit des Beleidigten großzügig darüber hinweg zu sehen oder sich stante pede dagegen zu wehren.

Über die Wahl der Waffen der Duellanten, da könnte man wohl einen eigenen Text schreiben. Sie sollten jedoch gleichwertig sein und wenn dies nicht gegeben ist, wäre im Fall des Internets nicht die kostenlose Mahnung angebracht, sondern die initiale freundliche Anfrage. Si vis pacem evita bellum, gilt wohl auch hier als oberstes Gebot — für beide Parteien, den Beleidigten, als auch den Beleidigenden.

Das dem leider nicht so ist in der Praxis, nun da zeigt sich eben die Inkompetenz der Legislative, aber auch der Judikative — beide sind nicht auf der Höhe der Zeit und lassen die grundsätzlichen Dinge meist außen vor, lassen sich lieber von Oberflächlichkeiten wie Wirkungsgrad etc. diverser publizierender Medien beeindrucken. Und das ist imo der falsche Ansatz, jedenfalls nicht der Ansatz, der ein Plus an Gerechtigkeit verschafft. Die Lage heute ist diese, der Duellant mit den besten Ressourcen wählt die ihm gefällige Waffe, sprich hier die dicke Bertha, dort die Feder. Jene Feder eben, die in der Praxis eben nicht mächtiger als das Schwert ist 😉

Insofern gilt auch für alle Dinge, uti, non abuti. Der Mißbrauch leider herrscht vor in unserer Gesellschaft. Drum bedarf es einiger Regeln, die für alle gelten, respektive für alle gelten sollten. Das dem nicht so ist, sehen wir leider oft genug im Netz und da draußen. Das man diesem Umstand aber mit stupider Aufweichung der eigenen Rechte begegnet, natürlich derart das man dem Größeren wiederum diverse Rechte abspricht, kann und darf nicht Lösung sein. Diese Rechte sind Grundlage für ein zivilisiertes Miteinander. Das andererseits ein Duellant nicht plötzlich eine zusätzliche Waffe aus dem Hut zaubert oder mit einem Bataillon aufwartet, darum muß gefochten werden. Eben _gleiche_ Rechte für _alle_, niemand möchte einen king of the hill der Meinung durchpressen kann und somit Zensur fördert. Andererseits macht es auch nicht viel Sinn dem anderen, nur weil dieser größer ist, generell Meinung bzw. Persönlichkeitsrecht in Abrede zu stellen. Wo bleibt der Verstand? Der Verstand der doch zur Meinungsbild notwendig ist, um diese letztendlich zu postulieren?

Wenn also Meinungsfreiheit gefordert wird, dann für _alle_, ohne Ausnahme — mit Beachtung der jeweiligen Persönlichkeitsrechte. Nicht einseitge Erweiterung oder Aberkennung von Rechten macht Sinn, sondern das Traktat des Duells oder besser gleich die initiale Vermeidung des Waffengangs.

Meinung? Duell? Warum nicht mal _Mensch_?

Eine Antwort zu “Liebe Meinungsbrigade”

  1. […] Manchmal versteh ich garnix von XSBlog2.0, Nicht ohne meinen Anwalt auf Saarbrigger Gedankewies und Liebe Meinungsbrigade von fixmbr — Liebe SZ, darüber könnt ihr mal schreiben, aber ihr wollt nicht, glaube […]

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