Liebe Hollywood-Produzenten

Liebe Hollywood-Produzenten,

ich habe die Schnauze voll.

Ich habe die Schnauze voll von irgendwelchen im Leben und auch im Beruf völlig gescheiterten Cops, die mittags nach dem Aufstehen bereits zum Zähneputzen zum Whisky-Glas greifen, die vom Dienst suspendiert wurden, die Frau, Geliebte und besten Freund verloren haben, am Abend dann aber Terroristen gegenüberstehen, diese große Armada in 90 Minuten in bester John Wayne-Manier über den Haufen schießen, zum Held einer verstörten Nation werden, dann vom Bürgermeister eine Plakette an die Brust geheftet bekommen und gewinnen dann auch noch voller Überschwang und Liebe die Familie zurück. Und wenn es schon sein muss, liebe Produzenten, dann lasst den Chef des abgehalfterten Cops wenigstens einmal nicht den typischen cholerischen Quoten-Schwarzen sein.

Ich habe die Schnauze voll von irgendwelchen Flugzeugen, Hubschraubern bei denen völlig unerwartet und aus heiterem Himmel die gesamte Crew ums Leben kommt, der kleine Max und / oder seine große Schwester mit  großen Brüsten sitzen rein zufällig im Cockpit, retten Maschine und alle völlig verängstigten, erwachsenen Fluggäste. Und wenn es schon sein muss, liebe Produzenten, über Funk findet man garantiert nicht die Liebe seines Lebens und Brüderchen und Schwesterchen, die sich nach jahrelanger Abneigung und Gehässigkeiten diesen Beinahe-Absturz überlebt haben, liegen sich auch dann nicht voller Liebe in den Armen.

Ich hab die Schnauze voll von irgendwelchen Teenies, die nacheinander Woche für Woche auf den Samstagsabend-Parties aufgeschlitzt werden, nur weil der kleine Bruder der Hauptdarstellerin — die natürlich als wäre sie Bruce Lee persönlich überlebt — nach der Geburt zur Adoption freigegeben wurde, weil Mama und Papa damals schon das unglaublich böse Potential des Jungen geahnt haben, dies führte natürlich zu einem irreparablen Schaden, der ihn just zum Abschlussball zur Samstagsabendunterhaltung zum Massenmörder gemacht hat. Und wenn es schon sein muss, dann zeigt in diesen Filmen wenigstens mehr Titten.

Ich habe auch die Schnauz voll von irgendwelchen Teenies, die ihre Geschlechtsteile in Apfelkuchen stecken, wetten, wer welches Mädel als erstes flachlegt, die ein Benehmen an den Tag legen, welches ein normaler Mensch schon mit 6 Jahren abgelegt hat, den Opfern der Wette dann selbstverständlich von der Wette erzählt wird, dann aber welch Wunder zum Abschlussball alles wieder in Ordnung kommt. Und sollte so ein Film in Himmelhergottsnamen doch noch einmal erforderlich sein, dass lasst bitte den Vater der Hauptdarstellerin keinen alkoholischen Ex-Cop sein, der als Kind zur Adoption freigegeben wurde.

Ich habe die Schnauze voll von irgendwelchen mutierten Viechern, die kleiner sind als ich und krabbeln, kriechen, schleichen, die aufgrund irgendwelcher Atom-, Chemie– oder Biologietests zum Zweihundertfachen ihrer ursprünglichen Größe angewachsen sind. Und selbst wenn es dann doch passiert, liebe Produzenten, selbst dann kann eine Anakonda immer noch keine 3-fachen Rittberger springen, ein Krokodil kann an Land immer noch nicht schneller laufen als Carl Lewis und eine Spinne wird ihr Nest nicht mit lebendem Futter füllen, damit die Hauptdarstellerin  in letzter Minute von der großen Liebe ihres Lebens gerettet werden kann.

Ich habe die Schnauze voll von irgendwelchen Europäern, die nach Asien reisen, dort mit ansehen müssen, wie der beste Freund von ganz bösen Samurais getötet wird, sich dann voller Trauer in den Wald zurückziehen, dort einen weißbärtigen, vorlauten alten Mann treffen, der dem Europäer die Gliedmaßen dehnt, bei der jeder Fußballer seine Karriere beenden müsste, am Ende der langen Reise der Europäer aber ein Turnier in fernöstlicher Kampfkunst gewinnt und allen bösen Samurais den Hintern versohlt. Und wenn es doch mal sein muss, liebe Produzenten, dann besetzt die Rolle des asiatischen Kampfsportlehrers mal ausnahmsweise mit einem anderen Schauspieler und nehmt nicht immer dem selben alten Mann.

Ich habe die Schnauze voll von irgendwelchen Aliens, die Woche für Woche auf die Erde reisen, diese zerstören und / oder erobern wollen, irgendein genialer verrückter genialer Wissenschaftler, dessen überragendes Talent bisher niemand erkannt hatte, erfindet in letzter Sekunde ein Mittelchen, ein Abwehrmittel gegen die Aliens, rettet die Welt, gewinnt das Herz der Frau seines Lebens und erhält vor den Trümmern des Weißen Hauses stehend die Tapferkeitsmedaille verliehen. Und wenn es doch mal sein muss, liebe Produzenten, dann lasst bitte einmal die Aliens gewinnen, vielleicht haben die ja bessere Filmproduzenten, als wir auf der Erde.

Ich habe die Schnauze voll von irgendwelchen Comicverfilmungen, bei denen die Hauptdarsteller wie gewaschen aussehen, nicht wie gemalt, ein Drehbuch, wenn überhaupt vorhanden, verdient den Namen nicht, und liebe Produzenten, Cops sind niemals so blöd wie von Euch dargestellt, auch nicht in Comics — es sei denn, es sind vom Dienst suspendierte Alkoholiker, die von der Familie verlassen wurden, aber lassen wir das.

Ich habe die Schnauze voll von irgendwelchen Remakes vom Remake. Vielleicht hat es Euch noch niemand gesagt, aber wir wissen, wie jeder dieser einzelnen Filme ausgeht — da staunt Ihr, was? Okay, Dracula als Junkie auf Speed, ein vorbildlicher Cop gerät an Terroristen, Schuss, da war er tot, Heidi könnte endlich mal erwachsen werden und mit Peter so richtig… Obwohl, ne, den Film hab ich gestern erst gesehen, den gibt’s schon.

Aber nein, das könnt Ihr ja nicht, denn das würde ja mal Kreativität von Euch bedeuten.

Hochachtungsvoll

Chris

2 Antworten zu “Liebe Hollywood-Produzenten”

  1. Oli sagt:

    Die Schnauze hatte ich davon schon in den 80ern voll, leider gabs da noch kein Internet 😀

  2. […] … war genauso schlecht wie die Jahre zuvor. Meine Zeilen an Hollywood, im Original schon Anfang 2005 erschienen, sind zeitlos geworden. Begonnen hatte es gut, das Kinojahr 2006 — zumindest für mich. Im Februar kam gleich eines der Highlights 2006 in die Kinos: Lord of War. Nicolas Cage in einer Rolle wie für ihn geschrieben, die restlichen Schauspieler verblassen in diesem moralischen zynischen Film zu Statisten. Es befinden sich weltweit etwa 550 Millionen Schußwaffen in Umlauf. Das heißt, auf diesem Planeten hat jeder 12. Mensch eine Schußwaffe. Das führt zu der einen Frage: Wie bewaffnet man die anderen 11? […]

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