Liebe Frau Kraft,

Stoppt die SPDehrlich gesagt, habe ich mich nie intensiv mit Ihnen beschäftigt. Sie gehörten für mich bis dato zu den farb– und inhaltslosen SPD-Politikern, die aufgrund der Agenda 2010 und deren Folgen für die SPD, nach oben gespült wurden. Sie gehören dem SPD-Landesverband an, die noch vor wenigen Jahren das bundesdeutsche Herz der SPD war. Nordrhein-Westwalen wählte Rot, aus Überzeugung, tief verwurzelt, es wurde von Generation von Generation weitegegeben. In nur wenigen Jahren hat sich die SPD von den Menschen entfernt. Wolfgang Clement, Peer Steinbrück, die Menschen haben die SPD aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland mit Schimpf und Schande davongejagt. Die Bürger fühlten sich nicht nur verraten und verkauft, die SPD hat die soziale Gerechtigkeit und das gesellschaftliche Miteinander auf dem Altar des Neoliberalismus meist bietend feilgeboten. Nun sind sie seit 2 Jahren Vorsitzende der NRW-SPD und Spitzenkandidatin. Frau Kraft, glauben Sie wirklich, dass Sie die Moral und Integrität besitzen, Landesmutter von Nordrhein-Westfalen zu werden?

Selbstverständlich kann ich Sie nicht für die nah an der rechtlichen Grenze, vielleicht sogar darüber hinaus, hinterlassenen Kommentare bei den Ruhrbaronen aus der SPD-Parteizentrale heraus verantwortlich machen. Das muss die Partei selbst verantworten und sich der Öffentlichkeit erklären. Doch ging es bei den Kommentaren immer um Ihre Person und Ihrem Verhalten David Schravens gegenüber. Womit wir wieder bei Ihnen und Ihrem juristischen Feldzug gegen die Ruhrbarone wären. Ich halte Ihr Verhalten für absolut inakzeptabel, unmoralisch und einer Politikerin nicht würdig, die Verantwortung tragen möchte. Die SPD und Sie selbst beweisen, dass Sie von Internet nichts verstehen — und viel schlimmer, sich von den Menschen entfernt haben. Ist Ihre Machtgier wirklich so weit ausgeprägt?

Natürlich steht es Ihnen frei, ihren Lebenslauf zu gestalten, wie Sie es wünschen. Das geschieht täglich Tausende Male in Deutschland, auch der Autor dieser Zeilen hat bei Bewerbungen jede einzelne Zeile hinterfragt, auch Freunde drüberlesen lassen, um den gewünschten Job zu bekommen. Es liegt in der Natur der Sache und des Internets, dass Änderungen, insbesondere bei öffentlichen Personen, nicht unentdeckt bleiben. David Schraven hatte Ihre kleine Änderung bemerkt und dies öffentlich gemacht. Es war ein kleiner Blogartikel, nichts weiter. Selbst die Tatsche, dass Sie die ZENIT GmbH gestrichen hatten, hat die Menschen kaum erreicht. Und selbst wenn die ZENIT GmbH in einen Förderskandal verwickelt war — glauben Sie wirklich, irgendwer hätte darüber auch nur einen Satz verloren?

Chris maltDann hat der Nordrhein-Westfälische Landesverband der CDU die Geschichte um Ihren Lebenslauf öffentlich gemacht — in einer Postkartenaktion gegen Ihre Person. Im Prinzip ebenso uninteressant, glauben Sie mir, die Menschen können sehr gut zwischen Wahlkampf, politischem Streit und normalem Diskurs unterscheiden. Doch Sie, die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen werden möchte, kennt diese Unterschiede offensichtlich ebenso wenig, wie Sie augenscheinlich einen kritischen Blogger mundtot machen wollen. Und selbst wenn ich Ihre Argumentation des Journalisten David Schraven aufgreifen möchte, es gehört sich einfach nicht. Sie fordern eine Unterlassungserklärung — und wie das immer so ist, fand David Schraven noch eine Rechnung Ihres Rechtsanwaltes im Briefkasten. Darf ich nebenbei fragen, inwieweit die Diskussionen innerhalb Ihrer Partei fortgeschritten sind, um Abmahnungen, nicht nur die Urheberrechtsverletzungen zum Ursprung haben, zu deckeln?

Die Ruhrbarone machten diesen, meiner Meinung nach, perfiden Angriff auf die Pressefreiheit und das eigene Blog öffentlich. Spätestens hier, nachdem dann auch SPIEGEL Online das Thema aufgegriffen hat, hätten Sie Ihren Fehler erkennen müssen. Ich glaube, dass man dies von einer Spitzenpolitikern erwarten kann und sogar muss. Schließlich tragen Sie schon große Verantwortung — und wollen noch viel mehr. Darf ich anmerken, dass ich Ihre Ausrede, der Text wäre zu lang geworden, für ziemlich lächerlich halte? Genauso gut könnte man behaupten, der Papst wäre nicht katholisch genug. Die Tatsache, dass in Ihrem Lebenslauf noch unwichtige Praktika auftauchen, erhärtet den Verdacht, dass Sie hier nur eine Ausrede gesucht haben.

David Schraven hat nun öffentlich gemacht, was Michael Spreng auch schon angedeutet hat. Sie sind offensichtlich Kapitän ohne Mannschaft, das Team wird offensichtlich aus Berlin heraus gesteuert, Ihre Leute spielen gegen Sie. Es ist wahrscheinlich, dass die Agenda-Clique, die Sie jahrelang unterstützt haben, dessen NRW-Erbe Sie angetreten sind, Sie nach der Bundestagswahl fallen lassen werden. Was glauben Sie, wie wahrscheinlich ist es, dass Peer Steinbrück im September arbeitslos wird? Sie liegen hoffnungslos hinter dem CDU-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers zurück. Mit ein wenig bundespolitischen Rückenwind wird Peer Steinbrück ganz schnell ihren Platz einnehmen. Zumindest werden das die Demoskopen und die Medien fordern — ein Peer Steinbrück bringt mehr Schlagzeilen als eine Hannelore Kraft.

Wenn Sie Rückgrat besitzen, dann wäre hier und jetzt die Zeit für einen Rücktritt. Dann würden Sie den Zeitpunkt bestimmen, es wäre einzig und allein Ihre Entscheidung. Sie würden nicht unwürdig abgesägt werden, Sie könnten erhobenen Hauptes das Feld verlassen. Ganz ehrlich, ich erwarte diesen Rücktritt auch von ihnen. Ich halte ihr Verhalten gegenüber David Schraven für unmoralisch und einer Politikerin für unwürdig, die Ministerpräsidentin werden möchte. Ich halte es für zweifelhaft, dass Sie dieser großen Position gewachsen sind. Und dabei meine ich nicht Ihre fachliche Eignung. Liebe Frau Kraft, tun Sie sich selbst und den Menschen von Nordrhein-Westfalen einen Gefallen:

Treten Sie unverzüglich zurück!

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10 Antworten zu “Liebe Frau Kraft,”

  1. cyberfux sagt:

    Guter Artikel, nur leider: in NRW gibt es keine Wale, die wurden alle ausgerottet *g*

  2. phoibos sagt:

    projekt 18… die tage habe ich, bei der taz imo, gelesen, dass die spd laut forsa schon bei 21% rumdümpelt. wäre nicht schade drum, schade ist nur, dass die fdp davon zu profitieren scheint. was bedeutet, dass die spd ihr ziel der neuen mitte verpasst hat. aber es zeigt auch, wie wenig s in der pd ist und vor allem: war!
    die spd als feigenblättchen der besitzenden, des bürgertums gegenüber den armen und ärmsten hat mittlerweile ausgedient. nach über 100 jahren der permanenten verarschung… vielleicht merkt es diesmal die pseudo-zielgruppe…

  3. Oliver sagt:

    >projekt 18… die tage habe ich, bei der taz imo, gelesen, dass die spd laut forsa schon bei 21% rumdümpelt.

    Das sind eh nur Gefühlschwankungen vor der Wahl, ich rechne mit irgendetwas um die 30% im Schnitt, also ein wenig Schwächer als beim ersten großen Versagen während «Mr. Pfälzer Saumagens» Herrschaftszeit.

  4. Ralle sagt:

    Ich bin auch der Meinung dass Frau Kraft abtreten sollte. Die Ausage dass aus Platzmangel der Firmenname gestrichen wurde ist eine schallende Ohrfeige im Gesicht aller Wähler. Für wen hält Sie uns eigentlich, bzw. für wie Hirntot werden wir von Ihr gehalten? Das ist eine so absolute und unfassbare Aroganz die da zu Ausdruck kommt. Pfui Frau Kraft…schämen Sie sich!

  5. Tommy sagt:

    Frau Kraft beweist auf wunderschöne Art und Weise, was man schon immer über Provinzpolitiker jeglicher couleur ahnte: Arroganz gepaart mit unglaublicher Ignoranz für alles, was außerhalb der kleinen Welt solcher Leistungsträger geschieht. Für «die» ist der Bürger — so er nicht als Stimmvieh (leider) benötigt wird — doch nur Rotz am Ärmel…

    Es ist ja nicht nur so, dass diese Sorte Politiker von nichts, aber auch wirklich nichts eine Ahnung hat — sie w o l l e n keine Ahnung haben. Alles, was vom eigenen, obskuren Weltbild abweicht, ist qua Definition schlecht und falsch. So werden sie sozialisiert, so leben sie, so «denken» sie. Der politische Gegner ist der Feind, der Partei«freund» ist der Feind, jeder ist der Feind.

    Und dieses komische Volk da draußen: undankbar bis zum Abwinken. Da schuftet man Tag für Tag, Jahr um Jahr, lässt sich von den merkwürdigsten Lobbyisten schmieren und mit Pseudo-Jobs aushalten und wie dankt einem das Pack dies: man muss auch noch um die wohlverdiente Wiederwahl bangen…

    Teilziel 1 für das Jahr 2009: zeigen wir der «S«PD, wie sehr wie sie brauchen und schätzen — alles unter 20 Prozent k ö n n t e vielleicht einen Denkprozess anstoßen!

  6. Wahlvieh... sagt:

    Nein, auch bei unter 20% werden die noch proklamieren, dass sie zwar genug Wähler haben, diese aber mal wieder «nicht zu mobilisieren waren».

  7. Tommy sagt:

    @Wahlvieh

    Mmh, ja, stimmt — das würde ja zu der Wagenburg-Mentalität der «S«PD passen…

    Schließlich sind wir als Wähler ja entweder faul und immobil, falsch informiert oder Kinderporno-Raubmordkopier-Fans.

    Und natürlich liegt es nicht daran, dass die «S«PD mit ihrer tatsächlichen Politik weder die wahren Adressaten erreicht (die wählen lieber die Original in Form von CDUCSUFDP) noch ihren eigentlichen, sozialdemokratischen Wählerstamm (der wendet sich nur noch angewidert ab).

    So wie ich!

  8. Frank sagt:

    Doch Tommy, das S trägt die SPD zu Recht im Namen, es steht für «Seeheimer». Ansonsten meine ich, dass so ein offener Brief für eine Frau Kraft viel zu viel der Ehre und vergebliche Mühe ist.

  9. Tommy sagt:

    Jepp, Frank — wenn man es so interpretiert, dann stimmts’ wieder mit der SPD…

    Na, dann schauen wir mal, bei welchem Prozentsatz die Seeheimer Partei aufklatscht!

    Das üble dabei ist ja nur, dass die uns ab September drohende Alternative ja genauso bürgerrechtsfeindliche Politik «gestalten» wird. Nur eben ohne Bauchschmerzen. Und in vollem Einklang mit ihren Wählern.

    Und den Lobbyismus beherrschen sie natürlich auch besser, weil lange Übung halt den Meister macht…

    FDJ + FDP — ohweh!

  10. Robert B. sagt:

    OT: Ich glaube, dass der ehemals «Sozial-Demokratischen Partei» nicht mehr zu helfen ist: Wie Fefe meldet, hat die SPD gegen die Wahlrechtsänderung mit den Überhangmandaten gestimmt. Damit wird Schwarz-Geldb ab Oktober mit in einer satten und verfassungswidrigen Mehrheit regieren können. Anyway, Opposition tut weh, aber bestimmt auch gut.

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