Leben und sterben für deutsche Wirtschaftsinteressen

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Bild: Agenda 2013

Ich glaube nicht, dass ich noch viel über das Köhler-Interview und seine Folgen im politischen Berlin schreiben muss. Viel mehr sei auf einen anderen Umstand hingewiesen. Für mich war das Thema rund um das Interview mit dem Deutschlandradio schon abgeschlossen. Auf mehreren Blogs waren die Äußerungen Köhlers und die nachträgliche Zensur des Deutschlandradios bereits thematisiert worden: Auf seinem Freitagblog sprach mcmac vom Verlust der Maskenkontrolle, das QuerBlog fragte, wie bitte Herr Köhler, Feynsinn stellte fest, Köhler, Sie Horst, die Oeffinger Freidenken sprachen vom bewaffneten Handelsreisenden und in den Hinweisen des Tages verlinkten die NachDenSeiten diese skurrile Geschichte ebenso. Fünf Tage später hat die Geschichte dann auch die etablierten Medien erreicht. Ich bin mir sicher, dass kein Hahn danach gekräht hätte, wäre die Geschichte nicht durch Twitter und die Blogs getragen worden. So kann sich Horst Köhler damit rühmen, dass sein Interview und die Zensur durch das Deutschlandradio die erste politische Geschichte war, die aus der Blogosphäre und der Twitterwelt in die etablierten Medien getragen wurde, die bundespoltische Reaktionen hervorgerufen hat, eine gewisse Brisanz entwickelt hat. Wenigstens etwas bei dieser Biographie.

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13 Antworten zu “Leben und sterben für deutsche Wirtschaftsinteressen”

  1. Anonymous sagt:

    Juckt wahrscheinlich keinen, aber mir sticht das immer so ins Auge. Wenn es der Imperativ sein soll, müsste es auf dem Bild «Bewirb dich noch heute.» heißen.

  2. Chris sagt:

    Ne, die Bundeswehr ist doch eine sympathische Familie… 😉

  3. Anonymous sagt:

    Ist mir auch aufgefallen — du bist nicht allein.

  4. Maschinist sagt:

    Seit wann jagd der Bundeshotte eigentlich Felder?
    Im Grunde ist das Amtsanmaßung, andere würden dafür belangt.

  5. Tarantoga sagt:

    Eigentlich läuft dieser «Skandal» schon wieder völlig falsch. Natürlich war es ziemlich dumm von Köhler, das so zu sagen. Wenn man sich des Köhlers berufliche Stationen so ansieht, dann muss man Unfähigkeit wohl zu seinen Kernkompetenzen zählen.
    Aber eigentlich waren diese Äußerungen genau richtig, denn er hat ausnahmsweise mal die Wahrheit gesagt. Ich persönlich warte seit Jahren auf eine halbwegs glaubhafte Begründung des Afghanistankriegs und halte diese für eine Voraussetzung einer wirklichen Debatte über die deutsche Beteiligung. Wenn man jetzt auf Köhler eindrischt, dann köpft man nur den Boten — und lässt so die Entscheidungsträger weiter machen. Tatsächlich gibt es ja diese sicherheitspolitische Verschiebung hin zur Durchsetzung ökonomischer Interessen mit Mitteln militärischer Gewalt. Nur stand die bisherige politische Kommunikation in deutlichem Widerspruch zu den Positionen in den «Sicherheits»-Strategien. Köhler hat eigentlich nur auf die ansonsten übliche Volksverarschung verzichtet.
    Der Skandal ist nicht, dass Köhler es ausgesprochen hat, sondern dass dies die Sicherheitsdoktrin ist.

  6. […] Debatte III: Leben und sterben für deutsche Wirtschaftsinteressen…F!XMBR […]

  7. Tom sagt:

    Brillen und Mützen können Menschen komplett verändern.
    Aber er wurde doch nur missverstanden. 😉

  8. Tobi-Wan sagt:

    «Der Skandal ist nicht, dass Köhler es ausgesprochen hat, sondern dass dies die Sicherheitsdoktrin ist.»

    … und dass UNSER BUNDESPRÄSIDENT offenbar für diese Doktrin eintritt, denn distanziert hat er sich davon meines Wissens nicht.

  9. olhe sagt:

    … erinnert mich an John Rambos Mentor Col. Trautman.

  10. PhaseIV sagt:

    Skandal.
    Bundeshorst sagt die Wahrheit, bleibt dabei schön schlicht.
    Seit dem deutschen 911, also dem 9. November 89 ist das, was er da von sich zu uns durchschimmern liess, zu erwarten und seit 92 offizielle Verteidigungspolitische Richtlinie. Bald 20 Jahre olle Kamelle und die Massenmedienzielgruppe ist nicht reif dafür?
    Von deutschem Boden darf nie wieder ein Krieg verloren gehen.
    Seit 3.10.90 wird halt wieder zurückgeschossen.
    Hurrah!

  11. Anonymous sagt:

    Der Mann war beim Internationalen Währungsfonds. DA ist diese Doktrin zu Hause.

    Wenn aber Kapitalinteressen und Demokratieexport Marke «Hell-Boys» vorliegen, dann hört es auf. Köhlers Äußerungen sind nach meiner Auffassung anti-deutsch und nur erklärbar durch eine seltsame substanzlose Nüchternheit, die mir zuvor schon einmal aufgestoßen war und vielleicht auch seine Vorliebe zum Bankgeschäft erklärt. Dieser Mann sollte sich bilden in politischer Geschichte!

  12. Was mir heute wichtig erscheint #211…

    Urteil: «Es ist in der Tat ein gerechtes Urteil, das das Landgericht Karlsruhe gestern gegen Jörg Tauss gefällt hat. Tauss wird das sicherlich nicht gerne hören, aber das Gericht hat in seiner Urteilsbegründung einige gute Gründe aufgeführt, warum er …

  13. Leserbrief an das Medienhaus Bauer, Marl

    – Von Dietrich Stahlbaum, Recklinghausen
    – Betr.: „Köhler hat Recht“, Kommentar von A. Herholz
    – Vom: 28. Mai

    Mit welcher Selbstverständlichkeit der Kommentator doch einem Bundespräsidenten zustimmt, der Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland mit Wirtschaftsinteressen begründet und „im Notfall“ für „notwendig“ hält (!). Köhler hatte bei seinem Rückflug aus Afghanistan in einem etwas holprigen Deutsch gesagt: «Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.»

    Der Flieger war wohl in Turbulenzen geraten. Regierungsparteien und Teile der Opposition sind es dann auch.

    Zwar wurden westliche Militärinterventionen bisher als humanitäre Maßnahmen getarnt, aber solche Ideen sind nicht neu: Bereits 2005 forderte ein Bundeswehrgeneral bei einem Reservistentreffen im Hertener Schloss, außer der Bekämpfung des internationalen Terrorismus, der Drogenkriminalität und der „inter-ethischen Konflikte“ durch die Bundeswehr müsse die Nutzung der „internationalen Energieressourcen“ gewährleistet bleiben (Generalmajor Oerding lt. RZ vom 27.9.05).

    Was heißt das konkret? Es heißt, statt fairer und ökologischer Handelsbeziehungen dürfen US– und europäische Konzerne unter militärischem Schutz in der „Dritten Welt“ weiterhin Regenwälder abholzen, riesige Anbauflächen für den Bedarf des Westens an Futtermitteln (Soja, Mais) und Plantagen (Obst, Kokosnüsse) anlegen und für Hungerlöhne arbeiten lassen. Es heißt, die Profite der Öl– und Gaskonzerne und die Sicherheit der Versorgungswege des Westens machen weiterhin „im Notfall“ auch militärische Einsätze „notwendig“, ohne Rücksicht auf zivile Opfer, auf Frauen, Kinder, alte Männer, die dabei getötet oder verstümmelt werden. Es heißt, man holt sich alles, was man zu brauchen meint, „im Notfall“ gewaltsam von anderen und ordnet Völkerrecht und Menschenrechte eigenen Interessen unter, kurz, man missbraucht diese Rechte. Darin offenbart sich eine Mentalität, die der Kapitalismus zwar nicht hervorgebracht, aber in unserer Gesellschaft „kultiviert“ hat.

    Ohne Humanität und soziale Gerechtigkeit global ist jedoch kein dauerhafter Frieden möglich.

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