Kunst oder Sachbeschädigung?

Kunst oder Sachbeschädigung?

Kunst oder Sachbeschädigung?

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16 Antworten zu “Kunst oder Sachbeschädigung?”

  1. Grainger sagt:

    Sorry, für mich ist das nur Sachbeschädigung und sonst nichts.

    Auch diejenigen unter uns, die kein Wohneigentum haben (mich eingeschlossen) sind sicher von der Vorstellung alles andere begeistert das selbsternannte Möchtegern-Künstler dieses nach eigenen Vorstellungen «künstlerisch umgestalten».

    Und bei öffentlichem Eigentum zahlen wir alle über unsere Steuergelder die Reinigung, versetzt mich auch nicht gerade in Begeisterung.

    Bei minderjährigen Sprayern wäre die Sache (falls man sie überhaupt erwischt) ganz einfach: den Eltern in Rechnung stellen.

    Volljährige Sprayer dürften das dann in Eigenleistung entfernen oder eben auch die Rechnung begleichen, vielleicht haben sie dann auch kein Geld mehr übrig sich Spraydosen zu kaufen und das Problem erledigt sich ao auf elegante Weise von selbst.

    Wer unbedingt meint diese Kunst produzieren zu müssen kann das ja auch auf einer Leinwand, einem Stück Blech, einer Acrylplatte, usw. tun und das dann ausstellen.

    Künstler zu sein (bzw. sein zu wollen) ist keine Entschuldigung für Sachbeschädigung.

  2. frank'n'furter sagt:

    kunst kommt von können, nicht von wollen, sonst hieße es «Wulst».

    ist zwar offTopic aber eine geschmeidige Einleitung 😉

    Kunst ist, wie so vieles im Leben, Geschmackssache (oh, Einleitung Teil 2 lässt grüßen: «Geschmackssache», sagte der Affe und biss in die Seife), insofern bleibt ein Kunstwerk vom Gefallen der Massen völlig unberührt.

    Wenn ich die Wahl habe zwischen bürotarngrauen Installationen und Umspannhäuschen, kilometerlangen einfarbigen Lärmschutzwänden auf der einen und sich selbst automatisch zyklisch erneuernder bunter Illustrationen rätselhaften Inhalts, dann ziehe ich letztes vor.

    (Übrigens sind mir selbst zugemalte S-Bahn-Fenster noch lieber als ein durch Werbung undurchschaubar gemachtes Fenster, aber ich wollte die Polarisierung nicht zu weit treiben)

  3. Grainger sagt:

    Nichts können ist noch lange keine neue Kunstrichtung. 😀

  4. Falk sagt:

    Nichts können

    ist dann aber wieder eine Frage der Herangehensweise an Kunst. Denn für viele mag beispielsweise Dada nichts anderes als «Schrott» sein, für andere ists die satirische Überspitzung von Kultur durch Zuhilfenahme von Alltagsgegenständen.

    Gibt da einen Spruch zu: «Du musst zerstören, um aufzubauen» und so ähnlich seh ich persönlich auch diese Form des künstlerischen Ausdrucks, der sich eben *nicht* gegen Privatbesitz richtet. (Ohne jetzt das Thema, ob Besitz überhaupt notwendig ist, großartig breitzutreten)

    Ergo: Für mich ist es Kunst :)

  5. Callinator sagt:

    Schon Kunst, nur man könnte dem Problem aus dem Weg gehen indem man Graffiti in irgendeiner Weise aus dem Untergrund rausholen würde… Legale Flächen zum sprayen waren schon ein sehr guter Ansatz!

  6. Grainger sagt:

    Denn für viele mag beispielsweise Dada nichts anderes als ?Schrott? sein, für andere ists die satirische Überspitzung von Kultur durch Zuhilfenahme von Alltagsgegenständen.

    Bleiben wir mal beim Dadaismus.

    Diese Dada-Figuren mögen ein– oder zweimal als satirische Überspitzung durchgehen, aber nahc den ersten ein bis zwei Deutzend Variationen sind sie eigentlich nur noch ein Zeugnis für die Unfähigkeit der Künstler sich auch mal was Neues einfallen zu lassen.

  7. moca sagt:

    kunst

  8. EuRo sagt:

    Es gibt Rechtsempfinden und Aesthetikempfinden. Und es gibt das Recht, das nicht unbedingt nicht immer zu den erstgenannten subjektiven Empfindungen kompatibel ist. Ich finde auch, dass das Kunst ist und ich finde auch, dass es die Funktion nicht beeinträchtigt. Der Gesetzgeber sagt:
    Ȥ 303
    Sachbeschädigung

    (1) Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    (2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert.

    (3) Der Versuch ist strafbar.»

    Auch wenn das graue Erscheinungsbild subjektiv scheiße ist, regelt der Absatz 2 doch ziemlich deutlich, dass er eben nicht eigenmächtig zu künstlerischen Zwecken verändert werden darf.

    Damit ist die Diskussion unerheblich.
    Ist so. Schade, aber «Basta!»

  9. EuRo sagt:

    Die Frage ist falsch: Das eine schließt das andere ja nicht aus: Das ist sachbeschädigende Kunst. — Fiel mir gerade auf.

  10. Grainger sagt:

    Wenn mit der künstlerischen «Verschönerung» eine Wertsteigerung einher ginge wäre es wohl per Definition keine Sachbeschädigung.

    Zumindest hat Beuys damals so argumentiert, als Hundertwasser das Haus seiner in Urlaub befindlichen Nachbarn ohne deren Wissen und Wollen künstlerisch umgestaltet hat.

    Außerdem hatte er sich noch die Behauptung verstiegen, das «Aktionskunst» niemals Sachbeschädigung sein könne.

    Als aber ein paar Jahre später einige Kunststudenten Beuys «Steinernen Wald» akionskünstlerisch verbesserten (sie bemalten einige der Steinsäulen mit rosa Farben) zeigte sich Herr Beuys äußerst sauertöpfisch und erstattete Anzeige wegen Sachbeschädigung.

    Kommt wohl immer auf den Standpuntk an, ich möchte wetten das einige der Spraykünstler die Sache auch anders betrachten würden wenn man ihr eigenes Auto, Haus, Garage, Fahrrad, usw. künstlerisch aufwerten würde.

    Den Begriff der «sachbechädigenden Kunst» muss ich mir aber unbedingt merken. 😀

    Ist eigentlich auch nicht dagegen einzuwenden, vielleicht kann Sachbeschädigung unter gewissen Umständen ja Kunst sein, aber dann erwarte ich natürlich das der Künstler sein eigenes Eigentum zur künstlerischen Selbstverwirklichung nimmt.

  11. Oli sagt:

    Kommt wohl immer auf den Standpuntk an, ich möchte wetten das einige der Spraykünstler die Sache auch anders betrachten würden wenn man ihr eigenes Auto, Haus, Garage, Fahrrad, usw. künstlerisch aufwerten würde.

    Mitunter werden hier auch Begrifflichkeiten durcheinander geworfen. Die Sprayer betrachten sich in der Regel (oder betrachteten) nicht als Künstler im eigentlichen Sinn. Ein wahrhaftiger Künstler würde das auch nie tun, der beste Leumund ist immer noch die Stimme der anderen, die diesen in den Olymp der Künste empor hiefen.
    Graffiti stammt aus New York und hatte seine Ursprung oder überhaupt seine jetzige Form in den dortigen Bandenkriegen begründet. Denn wie auch schon Breakdance half es diese blutigen Bandenkriege einzudämmen, da man auf andere Art miteinander rivalisierte — durch Können.
    Klar Graffiti gabs in dieser Form schon bei den Urmenschen, diente als Reviermarker, Storyline vergangener Taten etc. und auch Breakdance ist schon älter als viele vermuten und wurzelt massiv in Afrika. Nichtsdestotrotz existieren in der Geschichte eben Marker, die einen Umbruch oder Aufbruch signalisieren.
    Und ganz klar ist es illegal, illegale Kunst — aber wie bei vielen echten Künstlern muß eben alles stimmen, Ort, Zeit, Material etc. Eine legale Fläche zum Sprayen ist eben nicht das gleiche — für derlei «Aktionskünstler».
    Siehts gut aus? Keine Ahnung, hängt von dem jeweiligen «Stück» ab, denn ich werde auch kaum behaupten alle Gemälde die jemals gepinselt wurden entsprechen meinem Geschmack 😉

  12. spiefelwuetz sagt:

    In meiner Brust schlagen beim Anblick der Sprühergebnisse immer zwei Herzen. Einmal frage ich mich, muß denn die schöne neue Wand nun auch noch…, andererseits erfreue ich mich der manchmal schon sehr gelungenen Werke. Die Legalisierung würde einen Teil des Kicks nehmen, der ja nun mal dazugehört um die Kreativität zu befördern. Auftragswerke sehen i.d.R. immer etwas brav aus und sind meist nicht mehr als das gute Gewissen der Stadtverwaltungen u.ä. Aufratraggeber, um bspw. einen Bauzaun nicht ganz so beschi**** aussehen zu lassen.
    Ich glaube, alle Versuche die Szene in richtige Bahnen zu lenken, werden fehlschlagen. Das Geld für die Such-Hubschrauber mit IR-Technik wäre besser in einer intelligenten Jugendpolitik angelegt.

  13. maloXP sagt:

    Ich pflich Spiefelwuetz bei, er hat das in gute Worte gefasst. Es gibt nunmal Gegenden in den Großstädten, die sehen grau aus. Sowohl farblich als auch architektonis. Es ist nur zu verständlich, wenn dort ansässige Jugendliche versuchen, kreativ daraus auszubrechen. Andererseits finde ich gerade das jungmännerhafte Profilieren über öde, unleserliche Krakelschriftzüge, die in fünf Sekunden hingeschmiert werden, unnötig und häßlich, auch wenn ich dahinter natürlich den verzweifelten Versuch sehe, einen bleibenden Wert zu schaffen.
    Zur Ausgangsfrage: Geschmäcker sind verschieden. Soviel kann mna aber feststellen: Ich finde, Graffiti und StreetArt allgemein ist häufiger Kunst, als und die Boulevardjournaille weißmachen will. Bei mir in der Nähe gibt’s z.B. zwei Industrieruinen, über und über besprüht. Ich find’s großartig, das sind bunte Monumente. Sachbeschädigung wird das nach meinem Empfinden erst, wenn die Herrschaften ihre leeren Spraydosen in die Landschaft werfen. Da krieg ich ‘nen Hals von.

  14. Chris sagt:

    Ich möchte mal einen weiteren Punkt in die Diskussion werfen: Sehr oft, wenn nicht sogar überwiegend, sind es keine Kunstwerke, Bilder, sondern einfach nur der Name, das Kürzel, etc. pp. welches das Revier markieren, oft eben auch auf Häuserwänden — da kommen wir dann ganz schnell zum kriminellen Teil der Geschichte…

  15. spiefelwuetz sagt:

    «Wenn du mich fragst, was die Kunst sei, so weiß ich es nicht. Wenn du mich nicht fragst, so weiß ich es.»

    das Zitat stammt stammt von El Lissitzky und sagt eigentlich alles oder eben auch nichts darüber aus, was Kunst sein soll oder darf oder muß.
    Mal abgesehen davon, daß ich nicht in einer Großstadt sondern in der Kulturprovinz zwischen EF und J wohne, ist mir aufgefallen, daß Theater, Ausstellungsgebäude und Gedenkstätten nicht zu den bevorzugten Objekten der Besprühung gehören. Vielmehr sind es fast immer die (vermeintlichen) oder tatsächlichen Symbole der staatlichen Gewalt, des Privateigentums und die Gebäude der durchweg jugendfeindlichen «Volks«parteien.
    Treppenwitz: meine Gartenlaube ist im Sommer auch schon mal verschönert worden 😀 .

  16. Oli sagt:

    sondern einfach nur der Name, das Kürzel, etc. pp. welches das Revier markieren, oft eben auch auf Häuserwänden -

    Da pinselte damals so ein Steinzeitfuzzi derartiges an die Wand, um sein Revier abzustecken und wir feiern es heute als Kunst, Menschheitsgeschichte bla bla. Kunst liegt *nur* im Auge des Betrachters. Ich bin auch so manches Mal durch ein Musseum und dachte nur ne das wohl nicht. Die Faktoren die einem «Kunst» wertvoll, ob geistig oder materiell, erscheinen lassen sind rein personalisiert, insofern vernachlässigbar.

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