Kundenfeindlichkeit

Manchmal glaube ich ja, der Dienstleistungswille, der unbedingte Wille den Kunden, den Menschen in unserer Gesellschaft zufrieden zu stellen, ihm zu helfen geht immer mehr verloren. Heute war wieder so ein Fall, bei dem ich leicht sauer geworden bin. Ich hatte schon länger vor, mir ein Notebook anzuschaffen, kein Netbook wie zum Beispiel das ASUS-Dinges und auch nicht so eine überkandidelte Variante — mobil ein wenig surfen, schreiben, Musik hören, andere kleine Dinge erledigen. Mehr muss es nicht sein. Und so hatte ich preislich irgendwas zwischen 400,- Euro und 800 Euro eingeplant. Gestern hatte ich mich da in ein Notebook von Sony für 700,- Euro verliebt — auch wenn es denn bei Media Markt stand. Heute nach der Arbeit war ich dann im Saturn, im Media Markt und bei Conrad — alle innerhalb von 30 Minuten von hieraus zu erreichen. Lacht nicht, das ist gefährlich. Ein paar Favoriten hatte ich — auch wenn die Entscheidung pro Sony fast schon gefallen war. Doch irgendwie widerstrebt es mir, mein Geld den genannten Unternehmen in den Rachen zu werfen. Und so ging ich noch in einen anderen, viel kleineren Laden — doch irgendwie wollten die mein Geld nicht.

Ich ging in die Computer-Abteilung, die wohl mehr Quadratmeter misst, wie meine Wohnung — das erste, was mir auffiel, dass ein Mitarbeiter für diese ganze Fläche verantwortlich war. Und so schaute ich mir dort die Notebooks an — und beobachtete diesen einen Mitarbeiter, wie er sich rührend um eine Kundin kümmerte, die offensichtlich völlig überfordert mit ihrem (wohl) virenverseuchten PC war. Flirtend, ganz Gentleman schloss der Herr Verkäufer den PC mitten im Verkaufsraum an das normale Firmennetzwerk an — kein Scherz — und versuchte dem Problem Herr zu werden. In der Zwischenzeit, es waren wohl 15 Minuten vergangen, hatte ich einen großen Fauxpas entdeckt: Bei einem Notebook, welches offensiv beworben wurde, war in der Werbung von 2 GB Arbeitsspeicher die Rede, ebenso lautete die Auszeichnung in dem Laden. Auf dem Notebook selbst jedoch war nur von 1 GB die Rede. Und oh Wunder, gerade als mir da auffiel, kam ein anderer Mitarbeiter vorbei. Ich sprach ihn an, der nahm erstmal entsetzt die Auszeichnung zu dem Notebook ansich und bat mich auf seinen Kollegen zu warten.

Und so stand ich da, und wartete — der Mitarbeiter und die Kundin, sie sah wirklich nett aus, asiatisch, gebräunt, waren mittlerweile beim Du angekommen. Und schon kam ein weiterer Mitarbeiter, bei dem ich schon etwas lauter wurde. Ich frage ihn, was denn das für eine Art wäre, einen potentiellen Käufer eines Notebooks hier stehen zu lassen, sein Kollege würde unterdessen Kundinnen anflirten. Sowas hätte ich ja noch nie erlebt. Unnötig hier zu erwähnen, dass der von mir geforderte Marktleiter natürlich in einem Gespräch war und keine Zeit hatte. Und so ging dieser nette Herr zu seinem Kollegen und machte ihn auf mich aufmerksam. Das war meiner Meinung nach ziemlich überflüssig — er hatte, 3 Meter neben uns stehend, sehr wohl mitbekommen, was ich von ihm hielt. Und dementsprechend mürrisch kam er dann auf mich zu — ich hatte dafür gesorgt, dass er von seinem Flirt weggeholt wurde. Zu dem Zeitpunkt wollte ich nur noch 2 Fragen stellen. Die erste hat er noch beantwortet, ob mein neuer Favorit, ein Acer, auch mit schwarzer Tastatur zu haben sein. Ausgestellt war es mit grau-silberner Tastatur. Dem war nicht so. Okay, kann man mit leben. Und nachdem ich dann diese halbe Stunde dort verbracht habe, habe ich den Herrn dann noch gefragt, was er mir für ein Angebot bzgl. Acer Notebook plus MS Office 2007 Home machen kann. Das Notebook sollte im Übrigen 499,- Euro kosten — auch das wurde als Angebot beworben. Das MS Office Paket kostet je nach Laden zwischen 100,- Euro und 140,- Euro. Der gute Herr hob die Arme, das Notebook sei eh schon ein Angebot, das waren so die letzten Worte, die ich von ihm vernommen habe — er wandte sich wieder seinem Schätzchen zu. Er ließ mich einfach mitten im Verkaufsraum stehen.

Tja — und so bin ich dann zur Kasse, habe überlegt, einfach zu gehen und mein Geld woanders hinzutragen. An der Kasse jedoch meldete sich der kleine Teufel in mir und so fragte ich die Kassiererin, wo ich mich denn beschweren könne, ich wollte eigentlich ein Notebook kaufen und sei behandelt worden wie der letzte Penner. Sie telefonierte kurz und eine Minute später stand der Marktleiter vor mir — den musste ich wohl aus seinem Gespräch rausgeholt haben. Ich erzählte ich die Geschichte, ich schloss ab mit den Worten, dass ich eigentlich ein Notebook kaufen wollte — nun aber ohne gehe und morgen halt woanders — hoffentlich — wie ein König behandelt werde. Ihm war bei dieser Geschichte sichtlich unwohl. Und so fragte er mich, ob er mich denn beraten könne, ob er mir helfen könne, er wäre früher selbst in der Computer-Abteilung Verkäufer gewesen. Ich sagte ihm, dass sei mittlerweile unnötig, aber *er* könne mir ja mal ein Angebot machen, Notebook plus Office 2007 Home. Und so zog er von dannen und kam 10 Minuten später wieder. 560,- Euro für beides — und ich schlug zu. Immerhin fast 10% Rabatt. Sicherlich hat auch er noch seinen Schnitt gemacht — aber hey, wenn seine Leute sich so aufführen, selbst schuld.

Das hier ist übrigens das Schätzen, inkl. MS Office 2007 Home 560,- Euro. Ich denke, das ist ein guter Preis. Und sollte ich die nächsten Tage nicht allzu häufig da sein — mein neues Spielzeug ist schuld… 😀

27 Antworten zu “Kundenfeindlichkeit”

  1. adlerweb sagt:

    Hmm — Notebookkauf scheint echt so eine Sache zu sein — die Gefährtin eines Freundes hat sich vor ein paar Wochen auch einen «Neuen» zugelegt. Der Verkäufer war wohl auch sehr gut drauf — 1GB RAM ist zuwenig für Internet, Vista natürlich Pflicht, eine 500er USB-Platte gehört auch dringend dazu und ohne sorglos-Paket mit 90-Tage-AV-Demos sowie 3 Jahren Versicherung für das Prachtstück kann man die Kundin doch nicht aus dem Laden gehen lassen…

  2. Chris sagt:

    Vista wollte ich gar nicht — gut, schaue ich es mir mal an…

  3. caschy sagt:

    Alles ok Chris — aber er BAT dich zu warten — weil VK1 der Dame half (After Sales? ;)) — und du wirst gleich laut? Die Margen in dem Bereich Notebook liegen übrigens im Minus– bis Nullspannenbereich. Trust me — ich war 3,5 Jahre dabei.

  4. Chris sagt:

    Wo Du gerade hier bist. Ist das bei diesen Angeboten heutzutage normal, dass keine DVD dabei ist, nichtmal recovery?

    Und wie soll ich dat alles wieder installieren, wenn mal was passiert?

    Btw, lustig war das gerade schon — ohne etwas zu tun, etwas überflüssige Software deinstalliert, war ich auf einmal gerade online…

    Auch nicht ungefährlich…

  5. caschy sagt:

    Is keine dabei. Ist normal. Musste brennen, bzw. kannste n Acer mit ALT+F10 im Recoverymodus booten, weil die ne Recovery-Partition am Start haben.

  6. Chris sagt:

    Kann ich dann im Recovery-Modus brennen, gibbet es ein ISO, bin ich alt???

    Früher, ja früher, war ich einer der ersten XP-Nutzer… 😀

  7. caschy sagt:

    Ne, kannst von da recovern. Bring natürlich nix, wenn die Pladde schrottig ist 😉

    Und zu 2000, ME und Co — ich war auch immer einer der ersten Nutzer… 😉

  8. Chris sagt:

    THX. :)

    So, hab jetzt mal allen Schrott von der Platte gefegt.

    Über Nacht läuft TrueCrypt… 😉

  9. blix sagt:

    Du hast dich aber auch nicht gerade positiv als Kunde verhalten. Man wird nicht gleich laut, wenn einem was nicht passt. Außerdem hätte es sich bei der «Anflirterei» mit der Kunden auch um für sie kostenpflichtigen Support handeln können, und von sowas holt man keinen Mitarbeiter einfach so weg.

  10. Oliver sagt:

    –interessant für Acer: Acer User Forum
    –DVD sollte es beim Blödmarkt für lau geben, lag bei dem Acer hier anbei

    Die Hardware ist heutzutage recht billig (ob zunehmender Vereinheitlichung der Hardware ähnlich wie bei den Desktop-Rechnern), selbst Taiwan lagert die Produktion nach China aus (outsourcing), die Margen sind niedrig ob des Preiskampfs und weil teils für Namen bezahlt wird, die Geschäfte verarmen dennoch nicht da sie von Mischkalkulationen leben und sich innerhalb großer Konzerne konzentrieren (Blödmarkt, Saturn, Metro-Group). Schlechtes Gewissen muß man keines haben, allenfalls ob der Ländern in denen diese Dinge produziert werden. Mit quasi null Service wird auch ein Teil wieder wett gemacht, jedenfalls im niedrigen bis mittleren Preissegment.

  11. Chris sagt:

    Laut und etwas laut ist ein Unterschied. Bitte genauer lesen. Es steht alles oben — wenn Ihr so behandelt werden wollt, oder andere behandelt, bitte sehr.

    Achja, ich bin 35 Jahre alt. Ich kann wohl zwischen «der kann mich mal» und «die alte will ich» unterscheiden… 😉

  12. Chris sagt:

    @Oliver: THX. :)

    Mal schauen… :)

  13. Oliver sagt:

    Für die effektivere Kontrolle des Saftes bietet sich übrigens dieses Tool an.

  14. Phil sagt:

    Äh, das ist jetzt nicht irgendwie Spam oder so, aber wie schaut es mit gebrauchten Schlepptops aus?

    Meines erachtens hat Lapstore gute Angebote und bin mit meinem gebrauchten Schatz (T41) recht zufrieden. Was ich mir noch neu dazu geholt habe, war der größte Akku für das Teil plus einen Akku fürs Bay.

  15. Oliver sagt:

    >aber wie schaut es mit gebrauchten Schlepptops aus?

    Ist eine Option, da sollte man aber auch auf Marken wie Thinkpad und Toshiba achten und Mr. Reparatur «Sony» etc. meiden. Dazu ist dringenst ein neuer Akku empfohlen um dem Schleppi-Glück steht nichts im Weg.

  16. Chris sagt:

    So, 7 Stunden hats gedauert — TrueCrypt läuft unter Vista und dem guten Stück ohne Probleme. :)

  17. Anon sagt:

    «Das hier ist übrigens das Schätzen, «
    Jetzt dachte ich, da sei ein Foto der Kundin.

    Wie soll ich denn da erkennen, ob sich der Verkäufer nicht doch korrekt verhalten hat ?

  18. Kronkorken sagt:

    Vista? Das hätte ich von dir nicht erwartet… :S

  19. Oliver sagt:

    Die Fundamentalisten findest du auch anderswo, ich hatte es bei mir auf dem Schleppi letztes Jahr auch mal durchgetestet. Übrigens liebe Apple-Fanboy «Ich hab nen Apple und die sind so …», Apple-Service ist bekanntermaßen ein Schmerz im Arsch, Beispiele sind Legion, Ausnahmen bestätigen die Regel.

  20. Grainger sagt:

    Apropos: was ist denn von dem NetBook zu halten, das es ab Donnerstag bei ALDI Süd für 399 Teuronen gibt?

    Hat natürlich nur ein 10″-Display mit einer nativen Auflösung von 1024×600, aber ansonsten ist die Aussattung für ein NetBootk imho nicht schlecht:

    - 1,6 GHz Intel Atom-Prozessor
    – 80 GB SATA-HD (reicht mir aus)
    – WLan
    – 1 GB RAM
    – WinXP Home SP3
    – Wordperfect Office X3

    Bin schwer am überlegen, ob ich mir das Teil holen soll.

  21. Oliver sagt:

    Basiert auf dem MSI Wind. Die Atom-CPU arbeitet mit Hyperthreading und ansonsten soll es nicht schlecht sein. Wenns dir allerdings nicht auf die Winzigkeit ankommt, dürfte wohl ein Lenovo 3000 N200 TY2E7GE für knapp 450€ mehr bieten.

  22. Grainger sagt:

    Danke, der Tipp mit dem Lenovo 3000 ist auch nicht schlecht.
    Ich suche schon was kompaktes für unterwegs (auf Weiterbildungen, Tagungen, usw.), aber die Winzigkeit ist nicht das auschließliche K.O.-Kriterium.

  23. caschy sagt:

    Tja, das Wind — leider ist mir die Auflösung zu dürftig. 1280×800 muss es schon sein.

  24. Oliver sagt:

    Mal abgesehen vom Kostenfaktor den ich da eher für ein no-go halte im Vergleich zu anderen Dingen, wird wohl bei Windows 7 oder 8 ein 24″ Display Pflicht sein — noch größere Balken, noch mehr Platzverschwendung. W2k und NT4 wahren da noch die wohligen Ausnahmen.

  25. Juzam sagt:

    Einfach das alte 2k-Design nutzen, das nehmen sie ja glücklicherweise immer mit.

  26. Chris sagt:

    Mit TrueImage von Acronis ist es im Übrigen möglich ein Backup von der Recovery-Partition zu machen. An die Daten ist also ein rankommen. Mal schauen, was das gibt…

    Es läuft gerade im Hintergrund.

  27. Chris sagt:

    So, das ist aber auch nur ein Abbild von c:\ im ausgelieferten Zustand… 😉

    Früher, ja früher war alles besser…

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