Kulturbanausen

Udo Jürgens: Immer mehr Künstler müssen die bittere Erfahrung machen, dass ihre frühen Aufnahmen und ihr geistiges Eigentum ohne ihr Wissen, ihren Einfluss und ohne eine Entschädigung veröffentlicht und kommerziell ausgewertet werden.

golem

Ja ja ich weiß ich denke nicht ökonomisch, hab kein Sinn fürs Geld und überhaupt fehlt mir der Tick im Hirn damit mir jedes Mal einer abgeht wenn ich da Geld rieche oder meine Besitztümer horten und vor den neidvollen Blicken anderer verstecken kann. Ich bin halt brutal banal und bezeichne die Krämerseelen in der Industrie und deren willigen Anhang als Kulturbanausen. Hängt doch ein Schloß dran und versenkt den Schrott im Meer, auf eure schützenswerte Kultur — damit auch noch in 100 Jahren der Rubel rollt, kann man geflissentlich verzichten. Man muß eben damit leben, das wahrhaftige Kultur die Künste fördert und sich eben einige an dieser bedienen, jedoch ihre Ergüsse penibel zu schützen wissen.

Das vorgeschobene Argument vom bösen kommerziellen Vermarkter, der da später damit die große Kasse macht ist doch recht banal — so mancher Schrott kann doch nur noch verramscht werden. Der Schaden aber der mit diesem Wegsperren kulturell, zum Teil jedenfalls, angerichtet wird, ist nicht mehr gutzumachen. Sich kostenlos bei Kultur bedienen und später den Remix für gutes Geld weitergeben ist die übelste Art von Schmarotzertum in einer Gesellschaft. Wo wären wir heute, wäre dies die Triebfeder in früheren Zeiten gewesen? In den Höhlen, genau! Als die Ökonomie Einzug erhielt in das kulturelle Denken und Handeln, kam dies einer Zensur in einer Diktatur gleich — der Schaden ist heute zum Teil sichtbar, den Totalschaden kann man nur erahnen.

Btw. den Jürgens da oben möchte ich gar nicht werten, mir gings rein nur um die profane Aussage, dieses Zeterns ob des schnöden Mammons wegen. Ich weiß man kann da nicht gleich ohne Geld nur für Luft und Liebe arbeiten — aber einige der massiven Verdiener in dieser Industrie könnten mit ein paar Einschnitten immer noch leben, gleichermaßen würde man jedoch dem Nachwuchs auch Chancen eröffnen ebenfalls von ihrer jetzigen brotlosen Kunst zu leben. Wäre ein erster Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit, der Rest würde mit der Zeit dann von selbst kommen …

Konkret ging es um einen verbesserten Schutz der Rechte und Interessen von Künstlern und Tonträgerherstellern vor Internet-Piraterie und Raubkopien sowie die Frage der Schutzfristen

Die IFPI redet da schon eher tacheles und benennt Roß und Reiter, Dreh– u. Angelpunkt ist wie immer die Plage der Leute die da kopieren und die fehlende Kontrolle. Denn Kontrolle bedeutet Macht, Macht über den Kunden, Macht über den Künstler, Macht ist big business, Macht sorgt für ein kontrolliertes Einkommen — jedenfalls in deren Welt. Wenn sie auf die Schnauze fallen, und das werden sie, dann erst wird ein Neuanfang entstehen.

Der erwähnte Schaden an der Kultur jedoch, den kann man nicht so leicht wieder wett machen …

3 Antworten zu “Kulturbanausen”

  1. Euro sagt:

    Du beziehst dich nur auf die Aussage, ich bezieh mich mal auf den Herrn, der das gesagt hat. Ich denke, es muss schon verdammt weh tun, wenn man beim Schlendern auf dem Flohmarkt in dem Kasten «alle für 50 Cent/Stück» das eigene Lebenswerk, als Kulturgut für die nächsten Jahrhunderte gedacht, noch zu Lebzeiten entdecken muss. Obwohl ich bezweifle, dass Herr J. über den Flohmarkt schlendert, er stellt nur sinkende Verkaufszahlen fest und sucht nach dem Grund. Dass Mutti inzwischen auf Robbie mehr abfährt, tut noch mehr weh, also stimmt man in den Reigen der eigenen Zuhälter ein und prügelt auf die ein, die es sowieso immer sind.
    In diesen speziellen Fall glaub ich einfach, die Werke dieses Mannes sind obsolet. Bedauernswert.

  2. Falk sagt:

    Es wird seit Jahren diese Verteilungsungerechtigkeit «angeprangert». Wenn die sogenannten Kreativen anfangen mit Jammern, sind es immer wieder die, die weit über dem Durchschnitt eines Musikschaffenden verdienen. Was wiederum ja auch zu dem arg verzerrten Bild von Musikern in der Öffentlichkeit führt. Und wenn dann durch solchen Bullshit die Politik wieder dahingehend beeinflusst wird, noch mehr Kontrolle ausüben zu können, schadet dies wieder nur dem Kleinen. Es ist schlicht zum Kotzen. Die solln endlich alle sterben…

  3. Grainger sagt:

    Um es dann doch mal konkret am Beispiel von Herrn Jürgens fest zu machen (ohne künstlerische Wertung, über Geschmack läßt sich nicht streiten und der Begriff der Kunst ist ohnehin nach wie vor undefiniert):

    Die Platten– bzw. CD-Verkäufe von Herrn Jürgens stagnieren doch seit Jahren auf niedrigem Niveau, seine Konzerte sind allerdings immer noch gut besucht (vermutlich wird der größte Teil seines noch vorhandenen CD-Umsatzes dort an der Abendkasse gemacht).

    Er scheint nun mal ein Künstler zu sein dessen Publikum inzwischen Live-Auftritte bevorzugt.

    Schon lange bevor das Internet oder gar Tauschbörsen existierten gab es Künstler, deren Karriere mangels Nachfrage zu Ende ging (die Gründe dafür waren und sind vielfältig).

    Allerdings bieten Internet und Tauschbörsen natürlich nun bequeme Ausreden für den eigenen Niedergang, die Nachfrage sinkt nicht weil beim Publikum ein Generationswechsel eingetreten ist oder weil man seit Jahrzehnten immer das Gleiche produziert (und die Konsumenten es vielleicht endlich gemerkt haben).

    Nein!

    Die bösen Tauschbörsen sind schuld.

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