Kultur: Lobbyisten wollen mehr Macht

Rund 200 teilweise prominente Künstler haben einen vom Bundesverband Musikindustrie verfassten offenen Brief an Angela Merkel unterzeichnet, in dem die Bundeskanzlerin aufgefordert wird, sich für den Schutz des geistigen Eigentums einzusetzen und das Thema «zur Chefsache» zu machen.

heise

70% des Internetverkehrs in Deutschland würde aufgrund illegaler Aktivitäten in diesem Bereich zustande kommen usw. Yada yada, die Banausen fabulieren u.a. von Kulturwirtschaft(!), alleine schon ein Grund ein derartiges Pamphlet in die Tonne wandern zu lassen. Ein Blick auf einen Teil der Unterzeichner läßt oft schmunzeln, kennt man doch teils widersprüchliche Aussagen diesbezüglich von diesen in der Vergangenheit. Aber who cares, der Blick auf den schnöden Mammon gereicht nur allzu häufig zu maßgeschneiderten Scheuklappen. Das man als Künstler tagtäglich von Kultur zehrt, ja diese teils gar ausbeutet, ist kein Geheimnis für vernunftbegabte Individuen die Kultur um ihrer selbst Willen zu schätzen wissen. Verhältnismäßigkeit ist wohl das Stichwort, ich gebe keine Kultur zurück indem ich mir diesen Schatz des Volks unter den Nagel reiße und das Recht beanspruche den kulturellen Remix als mein Eigentum auszugeben. Die Vergüldung des Remixes ist nur legitim, der Mensch lebt eben nicht vom Brot allein, diese Vehemenz der Ausbeutung jedoch ist mit diesem absurden Anspruch bezüglich einer geistigen Urheberschaft keineswegs gerechtfertigt.

4 Antworten zu “Kultur: Lobbyisten wollen mehr Macht”

  1. Filzo sagt:

    Wenn die Angaben in dem offenen Brief so stimmen, davon gehe ich jetzt einfach mal aus, da ich keine ‘eigenen’ Daten zur Hand habe, hören mehr Menschen «illegal heruntergeladene» Musik als «legal gekaufte». Die Künstler sollten sich vielleicht mal überlegen, dass diejenigen, gegen die sie ein härteres Vorgehen fordern ihre Fans sind. True war das Musikbusiness noch nie und wird es wohl auch nicht werden — dafür geht es um zu viel Geld.

    Nicht unerwähnt sollten aber auch die oft wirklich guten Künstler sein, die ihre Musik frei zur verfügung stellen. Meine Favoriten wären da zum Beispiel pornophonique und der Binärpilot

  2. Oliver sagt:

    Wenn man die sonstigen Erhebungen der Industrie betrachtet, welche generell immer auf der berüchtigten Brennerstudie basieren, dürfte auch hier von P2P == illegal ausgegangen werden. Auch wenn dies sicherlich bei P2P massive Anteile hat, ist kaum anzunehmen, daß 70% des deutschen Internet-Traffics illegalen Aktivitäten zuzuschreiben ist. Darüber hinaus haben knapp 50% der Deutschen Zugang zum Internet, wobei sich die Summe der derartig aktiv Nutzenden noch reduziert, was auch eventuell Rückschlüsse auf das reelle Kaufverhalten zuläßt, respektive welchen Einfluß Raubkopien per se besitzen. Die Content-Mafia übt sich schon seit Jahren in einer Verzerrung der Fakten und dem Aufbau einer massiven Drohkulisse, gepaart mit einem geradezu erschreckendem Lobbyismus in der Legislative.

  3. J-M Fischer sagt:

    Jo, zum Glück hör ich die Musik nicht die die Unterzeichner machen … komisch mein Plattenregal ist prall mit GEKAUFTEN ORIGINALTONTRÄGERN gefüllt.

    Und es wären noch mehr würden solche Holzköpfe endlich mal mit dem DENKEN anfangen.

    DJÖtzi ich schmess mich weg … wo ist denn da bitte das schützenswerte Eigentum …

    Rheinhard Mey .. ich dachte der sei ein bisschen schlauer, (könnte man denken wenn man seine [alten] Platten hört).

    etcpp

  4. Propaganda der Content-Industrie…

    Die Content-Industrie kann es einfach nicht hinnehmen, dass mittlerweile eine technische Infrastruktur entstanden ist, in der Informationen aller Art frei und mühelos kopierbar werden. Weil. Das Geschäft dieses Industriezweiges darin besteht,…

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