Kultur ist nicht ökonomisch

… und erst recht sollte man, wie Golem z.B., nicht jedes Gefasel unreflektiert aufgreifen. Was der gute Mann da von sich gab mag zwar der Geisteswelt eines Menschen entsprechen der sich mit Wirtschaft beschäftigt und dort zu allerlei Ehrungen kam, jedoch entspricht dies nicht der Welt eines Historikers.

Die wirtschaftliche Vorherrschaft des Westens seit dem ausgehenden Mittelalter schrieb Lipsey insbesondere der Integration der griechischen Philosophie und Wissenschaft sowie der Newtonschen Mechanik durch die korporative Institution der Universität zu. In der islamischen Welt und in China wäre das nicht gelungen, obwohl zumindest in den islamischen Ländern das Wissen der Griechen in Übersetzungen zur Verfügung stand.

golem

Auf das weitere Gefasel geh ich gar nicht ein, da er sich eben mit dieser Aussage schon ad absurdum erklärt hat. Begonnen hat alles im Mesolithikum, Neolithiker aus den Gebieten des heutigen Orients brachten uns die domestizierte Ziege, überhaupt Ackerbau und Viehzucht. Währenddessen gab sich in diesen Gefilden die mesolithische Bevölkerung noch dem Jäger– u. Sammlertum hin. Selbst heute kann im Genpool in diesen Gefilden eine Basis nachgewiesen werden, die man dem Orient zuschreibt — dumm gelaufen, gibt man sich denn beispielsweise rassistischen Gelüsten in puncto Überlegenheit hin … eine nicht gerade selten anzutreffende Selbstüberschätzung der westlichen Nationen, wir sind halt eben alle Menschen mit lokalem Colorit.

Die Griechen ihrerseits, brachten Resteuropa, z.B. später über das heutige Marseille bzw. die Schwarzmeerküste, ein großen Teil der Kultur die wir heute so schätzen, Kultur die sie ihrerseits wiederum aus dem Gebiet des heutigen Orients erbten. Sie verbreiteten diese, Menschen der Hallstatt-Periode nahmen sie willig auf, in der Latene-Periode arbeitete man diverse Dinge, wie z.B. Mäander, in die eigene lokale Kunst ein und auch die USA der Antike, die Römer, konnten davon nicht viel zerstören.

Weiter gings über das Hochmittelalter, man konnte schon damals nicht davon ablassen auf den Orient überzugreifen, ob fadenscheiniger Ausreden — heute Öl, damals sagenhafter Reichtum der lockte … die Kreuzzüge waren geboren. Byzanz war später der Dreh– u. Angelpunkt, der Wissen gen Westen vermittelte. Als die Osmanen drüber herfielen brach der Wissenszug zwar ab, schwappte aber auch gerade in diesem Moment, in Form vieler flüchtender Gelehrter gen Westen. Wissen ohne welches ein Wissenschaftler, der im big business agiert, sich nicht einmal seinen Zahlenspielereien hingeben könnte, denn alleine mit römischen Ziffern, da rechnet es sich so schlecht.

Man kann also nichts trennen, ohne derlei Beeinflussungen wären wir eben heute nichts bzw. lange nicht auf diesem Stand. Unsere Beeinflussung hingegen war nie eine gute, wir unterdrückten zu jeder Zeit, wir gaben uns zu jeder Zeit Übergriffen hin, ob nun wegen profaner Reichtümer, Gewürze oder dem heutigen Öl — der nahe Osten, die dritte Welt allgemein ist der westlichen Unterdrückung, aka wirtschaftliche Dominanz, ausgeliefert. Ja genau das ist leider die bittere Realität. Vom kulturellen Bittsteller, zum Usurpator par excellence der seine ehemaligen Gönner nun ausbeutet.

Arg grob verkürzt, jedoch ausreichend um diesen Blödsinn als Blödsinn bloßzustellen. Ein weiterer Beweis, warum Wirtschaftlichkeit gleichzusetzen ist mit amoralischem Handeln.

Trotz all diesem Unbill jedoch gab es jedoch immer wieder eine massive positive Beeinflussung aus dem Orient bzw. China. Apropos China, auch diese hatten einen schweren Stand, erst immer die Heimsuchungen durch die Japaner, mehrmals in deren Geschichte, dann auch später die Gelüste der Briten und last not least der eigene Schuß ins Knie, als man mittels der Kulturrevolution, nahezu jegliche Errungenschaft mit Stumpf und Stil ausrottete — man findet heute nur noch mühsam Anschluß an die eigene, einstmals überragende Kultur. Aber das nur nebenbei.

Das ist Wissen das man sich abseits von Zahlenspielereien aneignen könnte, das ist wichtiges Wissen, um die Zusammenhänge zu verstehen, um als Mensch unter Menschen zu leben. Dieses Wissen ist jedoch wohl kontraproduktiv im ökonomischen Sinn, man macht sicht dort lieber die Welt, wie sie einem gefällt — sieht man allerorten, nicht nur bei diesen erwähnten pseudogeschichtlichen Fantasien eines Ökonomen.

Es ist also last not least der blanke Hohn dies als wirtschaftliche Vorherrschaft des Westens zu bezeichnen und dies anhand von irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen kulturellen Merkmalen belegen zu wollen. Wir sehen im Moment gerade die US-amerkanische Methodik im Orient, um die Dominanz zu sichern bzw. die anderer Staaten die ihre Dominanz ihrerseits absichern, von Südamerika bis Asien. Die Religionen, oft auch von Verblendeten als Kulturträger geadelt, waren und sind, hier wie dort — überall auf der Welt, das größte Übel. Kulturhemmend, amoralisch, nicht ihren postulierten Lehren würdig, da sie diese selbst nicht Leben …

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