Krise? Eine Krise an Unfähigkeit und Verlogenheit

John Kennedy will nicht Präsident werden, naja, oder vielleicht doch, wer weiß das schon bei dem Namen. Zur Zeit ist er jedenfalls CEO von IFPI. Er gab SPIEGEL Online ein Interview und als ich es heute morgen das erste mal las, wollte ich eigentlich kurz einen Satz hier reinstellen, mit der Frage, ob jemand schon mal so einen Blödsinn gelesen hat. Ich habs dann gelassen — gut so, Korrupt hat das wieder auf seite unnachahmliche Art und Weise getan.

Dann bin ich noch bei Sherpa auf sehr interessante Zahlen unserer Musik– und Unterhaltungsindustrie gestossen:

  • Warner Music weist aufgrund gestiegener Musikverkäufe (CDs und digital!) einen geringeren Verlust auf als erwartet: 7 Mio. Dollar bei einem Umsatz von 796 Mio. Dollar (3,8 % mehr als im Vorjahreszeitraum)
  • EMI konnte im Geschäftsjahr 2005 (bis Ende März) einen Gewinn vor Steuern etc. in Höhe von 159,3 Mio. Pfund einfahren — nach 141,1 Mio. Pfund im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 3,9 % auf 2,08 Mrd. Pfund. Grund: Robbie Williams, Coldplay, die Gorillaz …
  • Bertelsmann gibt für das erste Quartal 2006 eine Umsatzsteigerung um 17,3 % an (von 3,8 auf 4,5 Mrd. Euro). Der Gewinn vor Steuern und Pipapo stieg «auf das Rekordniveau» von 215 Mio. Euro (plus 35,2 %)

Fortsetzung / weitere Beispiele

Es wird gelogen, betrogen, die Kunden gegängelt, die Kunden kriminalisiert, es werden Entwicklungen verschlafen — die ganze Diskussion ist an Absurdität nicht zu überbieten.
Dank an Sherpa für das Zusammentragen der Zahlen.

3 Antworten zu “Krise? Eine Krise an Unfähigkeit und Verlogenheit”

  1. maloXP sagt:

    Tja, die Leute kaufen wieder mehr Platten. Dafür kann man alles mögliche verantwortlich machen: Steigende Konjunktur dank Kuschelkanzlerin, die Klimaerwärmung (schönes Wetter -> Kauflaune), die Auflösung von Modern Talking, wachsende Bandbreiten der DSL-User (Dateien sind schneller fertig -> Weniger Dateien im Share) etc.

    Die MI gerät nun natürlich in Argumentationsnot. Wie passt sowas nur ins Bild? Genau, die Filesharerei (Piraterie) geht zurück wegen der öffentlichkeitswirksamen Haussuchungen und Anklagen! Hmmm…

  2. Oli sagt:

    Kauften die Leute tatsächlich jemals weniger, insbesondere hier in Deutschland? Wohl kaum, nehmen wir z.B. die DVDs, die Verkäufe stiegen hier in astronomische Höhen über die Jahre, mehr als in jedem anderen europäischen Land.

  3. Falk sagt:

    Kauften die Leute tatsächlich jemals weniger, insbesondere hier in Deutschland?

    Doch ich denke schon. Der Rückgang beim Kauf von Tonträgern war für den Markt und die Firmen schon spürbar. Aber — man hat als man dies merkte, dann eine Menge falsch gemacht. Anstelle die wirklichen Gründe auszumachen, war ja der(?) Schuldige schnell gefunen, man konnte sich drauf einschiessen und tut es heute immer noch. Hat damit aber eine Entwicklung losgetreten, die man nun nicht mehr mit einfachen Mitteln beherrscht.

    Nur ein paar Stichworte — «Geiz ist geil», mangelnde Qualität, Umsatzeinbrüchen mit Quantität begegnen. Der Rest ist eine lange Geschichte von gegenseitigen Vorwürfen und unmöglichen Gesetzesänderungen. Hätte man statt dies als Gefahr zu sehen, darin eine Chance gesucht, würden heute auch noch CDs gekauft, die Radiolandschaft in Deutschland wäre noch vielfältiger und nicht 80% der Internetnutzer quasi-kriminell. Aber was die MI immer noch nicht schafft ist, zu ihren eigenen Fehlern zu stehen. Die haben nur die «Anderen» gemacht.

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