Kreationisten auf dem Vormarsch

Im Biologieunterricht müsse die Auseinandersetzung mit philosophischen und theologischen Aussagen die naturwissenschaftliche Diskussion ergänzen, sagte Koch am Donnerstag im Wiesbadener Landtag: «Nicht mehr und nicht weniger hat Karin Wolff gesagt.»

FTD

Wo bleibt da die sogenannte Leitkultur, die von den Spacken der Union fortwährend gefordert wird — das ist jedenfalls nicht die unsrige und meines Erachtens nach nicht einmal aus diesem Jahrhundert stammend. Koch verteidigt da die sonderbaren Ansichten seiner Ministerin, in Hessen — wo auch sonst …

Was doch wundert, wo bleibt die Kritik der Bevölkerung? Sonst ist man doch auch dabei schnellstens Minderheiten für die eigene Unzulänglichkeit abzuwatschen — liegt jedoch tatsächlich einmal Grund zum Tadel vor, schweigt der Mob. Business as usual ..

13 Antworten zu “Kreationisten auf dem Vormarsch”

  1. Grainger sagt:

    Theologie ist keine Wissenschaft und hat im Unterricht ohnehin nichts zu suchen (ebensowenig wie Frau Wolff in einem Ministerium).

    Ich bin ohnehin gegen jede Form der religiösen Indoktrination unserer Kinder.

  2. Bernd sagt:

    liegt jedoch tatsächlich einmal Grund zum Tadel vor, schweigt der Mob. Business as usual ..

    Was interessiert mich denn die Schule. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass dort zu einem gewissen Anteil absoluter Dreck verzapft wird. Angefangen von den Mathematik, Biologie, Chemie Physik bis hin zu Geschichte werden Halbwahrheiten, veraltete Modelle und industrielle Interessen gelehrt — das sieht man z.B. ganz prima am «Informatik-Unterricht» -> Word, Excel VBA usw.
    Die Schule versagt als Institut, was nur noch nach außen vorgibt, Wissen zu vermitteln. Diese lernresistente System wird schon Jahre lang von der Inkompetenz geleitet, da schadet etwas Diskussion um die Beteilung eines Wesens an der Ursuppe auch nicht mehr.

  3. Oliver sagt:

    >Was interessiert mich denn die Schule.

    In der Schule werden die Grundlagen gelegt und nur wenige können sich davon befreien oder verfallen gar ins Gegenteil .. Verschwörungstheorien.

  4. Tom sagt:

    Die Leitkultur (erstes Buch Union)

    Am Anfang war das Nichts
    Dann aber sprach KOHL
    «Jetz werde ap’r mal Wente!«
    Und es ward Wende…

  5. Michael sagt:

    Schön, dass ihr das hier auch noch bringt.

    «Was interessiert mich denn die Schule»… Heftige Aussage. Ob das richtig oder falsch ist, sei mal dahingestellt, aber die Schule stellt die heute mehr denn je die Weichen für die Zukunft, ich glaube kaum, dass es eine Entscheidung ohne Tragweite ist, welche Schule meine Kinder besuchen.

    Was das Thema angeht: Viele Menschen denken tatsächlich, ist doch halb so wild, gibt doch auch schon Religionsunterricht und übersehen geflissentlich, dass der nicht ohne Grund freiwillig ist. Oder auch immer wieder gerne gesehen ist der Gedanke, och, da hat es immer wieder welche gegeben, die sowas fordern, das passiert schon nicht.
    An der Stelle verweise ich vielleicht auf die Diskussion bei mir: Kreationismus — Demnächst auch an einer Schule in Deiner Nähe.

    Ich frage mich, wie weit es wirklich in Deutschland mit Trennung von Staat und Kirche her ist… Gestern erzählte mir noch ein befreundetes, verheiratetes, homosexuelles Päärchen, dass es für sie nicht möglich ist, die Steuerklassen zu teilen… WTF? Warum denn nicht? Alle Verpflichtungen dürfen sie mit der Ehe eingehen, die paar Vergünstigungen werden verwehrt mit der Begründung, man müssste die «heilige» Familie schützen??

  6. Bernd sagt:

    aber die Schule stellt die heute mehr denn je die Weichen für die Zukunft, ich glaube kaum, dass es eine Entscheidung ohne Tragweite ist, welche Schule meine Kinder besuchen.

    Genau das ist das fürchterliche daran. Nicht der Schüler stellt die Weichen für seine Zukunft — die Schule, der Lehrer macht das. Das fängt in der Grundschule an, in der man Kinder nach ihrem sozialen Umfeld auf weiterführende Schulen schickt. Hat man einen Durchschnitt von 2 und ist ne arme Sau, dann wirds halt nix mit dem Gymnasium — so einfach ist das.
    Und weil Schule Kinder im zarten Alter in Schichten und Schubladen steckt, interessiert mich dieses kranke System nicht (mehr) so besonders.

    gibt doch auch schon Religionsunterricht und übersehen geflissentlich, dass der nicht ohne Grund freiwillig ist.

    Also hier in BW ist der afaik nicht freiwillig. Zumindest mussten wir noch. Da haben wir gelernt, dass der liebe Gott beleidigt ist, wenn wir Sonntags seine Einladung in die Kirche nicht annehmen und kommen. Genauso hat das unsere Religionslehrerin in der Grundschule gesagt. wtf!

    Aber zum Thema:
    Ich hatte Bio-LK und wir haben auch, was ich nicht so unpassend fand, über das höhere Wesen beim Thema Evolution gesprochen. Nun, Religion und Biologie müssen sich nicht ausschließen. Es kann keiner mit Gewissheit sagen, ob da nicht doch ein derartiges Wesen seine Hände mit im Spiel hat oder nicht, es soll jeder glauben was er will — ich persönlich glaube nicht so gerne. 😉
    Der Spaß hört für mich aber dann auf, wenn irgendjemand versucht, mir sein «absolutes» Gedankenmodell aufs Auge zu drücken. Ein Schlag ins Gesicht ist es dann noch, wenn man belegte Tatsachen einfach ignoriert.

    Es gilt also abzuwarten und zu beobachten, was dort kommt und v.a. wie gelehrt wird. Wie bereits erwähnt, die Diskussion damals «Hat Gott seine Hände in der Ursuppe gebadet», hat mich um einiges weiter gebracht — Gott ist für mich nichts anderes mehr, als ein Symbol der Unwissenheit, die man sich nicht eingestehen kann.

    Eines sollte man dennoch bedenken:
    So krank wie die Amis, sind wir deutschen bezüglich der Religion noch nicht und das werden wir hoffentlich auch nie sein.

    Ich frage mich, wie weit es wirklich in Deutschland mit Trennung von Staat und Kirche her ist?

    Seit wann haben wir eine Trennung in Deutschland? Steht schon in der Präambel vom GG (http://www.datenschutz-be.….htm#prae).

    Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.

  7. Oliver sagt:

    >So krank wie die Amis, sind wir deutschen bezüglich der Religion noch nicht und das werden wir hoffentlich auch nie sein.

    In den meisten Staaten geht man liberaler damit um als hierzulande. Zudem war die Notwendigkeit des Kreationismus notwendig, um die Religion überhaupt dort in den Unterricht zu bringen, denn in öffentlichen Schulen ist Religionsunterricht verboten. Bei uns bräuchte man diesen Weg eigentlich nicht, da die Religion ob «freiwilligem Zwang» schon längst verankert ist. Das Fach Ethik existiert meist nur in der Theorie, in der Praxis hat man meist keine Wahl.

    Verwechseln sollte man auch nicht Meinungsfreiheit mit Beleidigung anderer, weil diese eine Religion ausüben. Das geht einem nur zu leicht über die Lippen — und nicht jeder der eine Religion ausübt ist ein schlechter Mensch, ganz im Gegenteil. Ich kenne genügend Menschen die ihre Religion wirklich leben — die Großmäuler überall an der Spitze sind es definitiv nicht.

  8. Michael sagt:

    Bernd: Bei uns (NRW) war der freiwillig, sorry, ich wusste nicht, dass das nicht überall so war / ist. Mag vielleicht auch daran liegen, dass ich protestantisch war und es da Sonderregelungen gab, k.A.

    Ich konnte von einer «Arme Leute» Grundschule aufs Gymnasium gehen, gerade weil sich einige Lehrer und meine Eltern dafür eingesetzt haben… Die Grundschule war seiner Zeit relativ verrufen… Wie so oft gilt, es gibt solche und solche Schulen und Lehrer, alles über einen Kamm scheren ist sicherlich falsch.

    Das GG mag so anfangen, aber der deutsche Staat ist seit der Weimarer Republik der weltanschaulichen Neutralität verpflichtet, die Trennung von Staat und Kirche ist nur für Kooperationen offen (z.B. dann wenn andere Religionen hier auch unterrichten möchten, was dann nicht geht, weil der Staat ja bereits einen Partner (die Christliche Kirche hat)).

    Ich habe Respekt vor Leuten, die in der modernen Zeit ihren Glauben leben, ich wünschte, einige davon hätten auch Respekt gegenüber nicht religiösen Weltbildern.

    In vielen Religionen wird doch irgendwo von Liebe und so gefaselt, wenn diese Religionen oder auch Weltansichten allgemein sich gegenseitig mit mehr davon begegnen würden, wäre vieles einfacher.

  9. Oliver sagt:

    Wenn ich mal in NRW nachschaue so ergibt sich dort die Freiwilligkeit derart: hast du keine Lust auf den Religionsunterricht gehts aber zu einem Fach das sich Philosophie nennt. Anderswo nennt man es Ethik und die Freiwilligkeit ist in Deutschland definiert. Aber an vielen Schulen gibt es dieses spezielle Fach nicht, die Freiwilligkeit beschränkt sich dann auf die Wahl zw. eine der beiden Konfessionen zu wählen.

    Weimar interessiert übrigens nicht besonderes heutzutage, bindend für die BRD ist immer noch das Reichskonkordat aus dem dritten Reich, das den katholischen Religionsunterricht in den Schulen garantiert!

    Lustigerweise wird diese Freiwilligkeit von der du sprachst vom GG gestützt. Sprich es darf auch etwas Alternatives im Bundesland angeboten werden, wenn die Gemeinschaft dort eben eine völlig andere Gesinnung mehrheitlich besitzt. Allerdings verstößt dieser Artikel im GG auch gegen geltendes Völkerrecht.

    Man sieht also, erstens ist die Säkularisierung nur auf dem Papier tatsächlich vollzogen, zweitens sind die «Freiwilligkeiten» in der BRD eher nur einer Zwangsjacke gleichzusetzen — tatsächliche Freiheit hat man in diesem Bereich keineswegs. Und eventuelle «Freiheiten» vor Ort, weils keinen kümmerte, waren und sind eben nur purer Zufall bzw. Glück.

    Ergo bedeutet dies auch, der Kreationismus in D ist nur die völlige Verschmelzung mit Bildungseinrichtungen. Mit Religion an sich, hatte man schon immer, staatlich gebilligt, einen Fuß in der Tür.

  10. Jan sagt:

    > Theologie ist keine Wissenschaft und hat im Unterricht ohnehin nichts zu suchen

    Dem setzen ja diese Kreationisten entgegen, dass ihre Glaubens-konforme Version der Weltgeschichte auch nur eine Theorie ist, wie die Evolutionstheorie auch. Beides ist nicht explizit beweisbar, also fordert man einfach eine Gleichberechtigung der Theorien.
    Und dagegen ist es gar nicht so leicht sachlich zu argumentieren, auch wenn es für jeden halbwegs aufgeklärten Menschen offenkundiger Schwachsinn ist, zu glauben dass die ersten Menschen Adam und Eva hießen und der liebe Gott irgendwann mal die Dinosaurier hat aussterben lassen, nicht etwa ein evolutionärer Prozess.
    Es ist das Grundproblem rein staatlicher Schulen, dass sie immer den Einflüssen bestimmter Gruppen ausgesetzt sind. Solange die Mehrheit der Bevölkerung so etwas ablehnt (wie es der Fall zu sein scheint, denn die Ideen sind soweit ich weiß wieder vom Tisch), ist ja nichts verloren. Aber theoretisch wäre es möglich, dass religiöse Fanatiker, die solchen Unsinn nicht nur selbst glauben, sondern auch entsprechend herummissionieren wollen, wirklich mal mächtig genug sind, um echte Wissenschaft und Aufklärung aus den Schulen zu vertreiben.
    Darum finde ich es wichtig, auf solche Nachrichten zu reagieren und sich zu den Werten von Humanismus und Aufklärung zu bekennen. Anders kann man der Zermürbungstaktik der Kreationisten, die es einfach immer wieder versuchen, wohl nicht begegnen.

  11. Oliver sagt:

    Es ist nie leicht gegen Gläubige zu argumentieren, weil die recht anpassbar sind und im Rahmen ihrer «Theorie», im Gegensatz zu echten Wissenschaften, einfach etwas hinzudichten können. Denn bewiesen werden muß es nie, es ist ja nur Glaube. Wer sich mit der Bibel auseinandersetzt wird auch nur zu diesem Schluß kommen, es ist das Wort Gottes, dort such man nicht nach Logik, sondern man glaubt es.
    Eben aus diesem Selbstverständnis heraus, ist Kreationismus weder Glauben noch Wissenschaft, sondern nur ein profanes Mittel, um die Unwissenheit der Allgemeinheit auszunutzen. Echten Gläubigen, die wirklich nach ihrer Lehre leben, wird wohl auch das zuwider sein.

  12. Michael sagt:

    Oliver: Danke, wieder etwas gelernt. Das mit dem Reichskonkordat wußte ich tatsächlich nicht.

    Und was die Freiwilligkeit angeht, hast Du natürlich auch recht. Bei mir hiess dann die Freiwilligkeit Philosophie.

  13. […] aber ausgerechnet Koch aus Hessen hier tadelt, das ist schon der Hohn pur. Ich meine in einem Land das Kreationismus als wissenschaftliche Theorie adelt und Spendenaffären aussitzt, steht eine solche moralisierende Haltung einfach nicht […]

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