Kranke Gesellschaft

Wie krank ist diese Gesellschaft mittlerweile, wenn sie entsetzt aufschreit, diese Parteiwerbung erinnere an Pädophilie?

Habe eigentlich nur ich das Gefühl, dass die, die hier etwas anderes als ein Wahlplakat, ein lachendes Kind sehen, sich selbst und die eigene Medienkompetenz mal überdenken sollten? Ist heute schon jedes Kinderbild der Pädophilie ausgesetzt? Wie krank ist diese Gesellschaft? Damit will ich auf keinen Fall diese Problematik unterschätzen oder gar herunterspielen — man kann es aber auch maßlos übertreiben. In was für einer Gesellschaft leben wir, wenn Papa überlegen muss, ob er mit seinem Kind in die Wanne steigt, weil er befürchten muss, dieses erzählt davon in der Kita und die Behörden werden benachrichtigt?

Hier lesen doch auch Väter mit: Bekommt Ihr bei dem Bild Panik oder ist es ein eher harmloses (Familien-) Foto? Wenn die ach so aufklärte Gesellschaft solche Fotos schon als Pädophilie abstempelt — ja, dann kann ich die Politiker in Berlin verstehen, die die Verantwortung für 82. Mio. Deutsche tragen und aus der Panik heraus die eine oder andere Entscheidung treffen. Die Politik ist halt doch nur ein Spiegelbild dieser Gesellschaft.

Zum Mitschreiben: Dieses Bild ist völlig harmlos. Wer da mehr sieht, sollte sich selbst mal fragen, warum. Die SPD Siegburg im Übrigen hat das Plakat aufgrund des Drucks nun zurückgezogen. Bei dem emotionalen Thema nachzuvollziehen — jedoch völlig unnötig.

(via Citronengras)

Foto: Ich hoffe, ich habe es korrekt bis Who said that I was right? zurückverfolgen können. Sollte sich jemand in seinem Urheberrecht verletzt fühlen, kurze Mail, dann nehme ich das Bild runter. Danke. :)

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21 Antworten zu “Kranke Gesellschaft”

  1. Phil sagt:

    Naja, ein gebücktes Kind, ein Mann in aufrichtiger Position …

    Aber erst, nachdem Du darauf hingewiesen hast:

    man kann es aber auch maßlos übertreiben.

  2. Martina sagt:

    Tjaja.. ohne deinen Text gelesen zu haben, habe ich den Platz wiedererkannt, den ich rund 9 Jahre lang tagtäglich (manchmal auch mehrfach) überquerte… (ging ganz in der Nähe zur Schule)

    Ich finde das Bild auch nicht so ganz gut ausgesucht! Warum bückt sich das Kind? Und warum schaut Frank nicht in die Kam, sondern erweckt den Eindruck, auf den Po des Kindes zu stieren…??

    Und ehrlich: In Anbetracht der Tatsache, dass es ganz bestimmte Signale gibt, die Pädos «etwas» provozieren, sollten gerade solche Aufnahmen strenger überprüft werden.

    Chris, ich weiß nicht, ob es noch stimmt, aber vor rund 15 Jahren gehörten der Neckermann– & Quellekatalog zum Standardwerk der Pädos, direkt hinter der Bravo.

    Und — wenn ich mir so manche Reklamebilder von Aldi und Co. ansehe, wenn Kinderunterwäsche präsentiert werden, dann wird mir nur übel, denn ich weiß (!!!), auf was diese Typen stehen.

    Es hat nix mit Prüderie zu tun oder Paranoia, sondern mit einem gesunden Menschenverstand, wenn es um den Schutz der Kinder geht. Lass den Kindern eine unbeschwerte Kindheit, wenn sie sich später als (Halb)Erwachsene selbst dazu entscheiden, einen anderen Weg zu gehen, dann ist alles klar! Nur — ein missbrauchtes Kind ist ein missbrauchtes Kind zu viel!

  3. phoibos sagt:

    naja, als pädagogikstudent läuft’s mir da eiskalt den rücken runter. die gesellschaft ist nun leider durch und durch sexualisiert, was nun auch vor den jüngeren und jüngsten nicht halt macht.

    objektiv betrachtet ist das plakat harmlos. doch sind die betrachtenden nicht harmlos.

    zur lektüre empfohlen: neil postman — das verschwinden der kindheit

    Neil Postman

    und ein paar links zu dem buch:

    Gedanken zu Neil Postmans — «Das Verschwinden der Kindheit»

    postman fasst sein buch selbst zusammen:

    Klick (PDF)

    ich frage mich im übrigen, was für ein verständnis von räumlichkeit und biologie diejenigen haben, die in dem plakat etwas pädophiles sehen. oder wirkt die jahrelange bombardierung mit penisenlargement-spam?

  4. Grainger sagt:

    Sorry, aber irgend jemand muss solche Plakate doch aussuchen und sein OK geben, bevor die in Druck gehen und überall aufgeängt werden.

    Auch in Siegburg wird das ja nicht unbedingt die Aushilfssekretärin des örtlichen Parteibüros machen, mit so etwas wird auch auf kommunaler Ebene irgendeine Werbeagentur beauftragt.

    Und ganz ehrlich: schon nach dem ersten Blick auf das Plakat (und noch bevor ich Chris Text gelesen hatte), da wußte ich schon um was es geht.

    Wer immer für dieses Plakat (und seine Veröffentlichung) verantwortlich zeichnet hat imho im höchsten Maße Inkompetenz und Dilettantismus offenbart.

  5. corax sagt:

    Sorry Martina, aber das ist doch Unfug.
    Ich mag die Typen auch nicht, aber wenn die sich auf einen Neckermannkatalog, ALDI-reklame oder Bilder aus FKK-magazinen einen rubbeln dann tut das doch niemandem (und auch keinem Kind) weh. Genauso wie es einem egal sein kann ob ein Schuhfetischist sich auf einem Deichmannkatalog einen abpellt. Selbst wenn es verboten wäre, was es in dem Fall nicht ist, (zurecht) wäre es ein «opferloses Vergehen».
    Im Gegenteil, man und frau kann doch froh sein, dass diese Kranken (das sind sie nämlich) sich so harmlos abreagieren.
    Eklig und kriminell wirds doch erst wenn das Material extra dafür hergestellt wird, also geknipst oder gefilmt, also wenn es einen echten Mißbrauch gibt.
    Das meiste «echte» Kipozeugs ist meines Wissens nach eh «uralt» und nur das wenigste «neu». Einige Experten befürworten sogar eine Freigabe von Altmaterial bzw Straffreiheit eben mit dem Argument, dass die Pädos dann was zum «abreagieren» haben ohne das ein zusätzliches Kind leiden muss.
    Kann man sich natürlich drüber streiten.
    Aber wenn so einer auf ein harmloses Bildchen von irgendwo Mütze-Glatze macht, ist das doch allein seine Sache, das schadet doch niemandem.

    By the way: Man hat mal ein kleines Mädchen weinend heimlich in einer Fußgängerzone ausgesetzt und beobachtet ob Passanten sich drum kümmmern und ab wann. Und Leute die dran vorbeigingen anschließend befragt warum sie nicht geholfen haben. Und da waren dann einige Männer die gesagt haben sie hatten Angst auf ein kleines weinendes Mädchen zuzugehen, weil eventuell jemand meinen könnte, man wolle das Kind entführen oder sonstwas. Ich kann das nachvollziehen.

    Glück auf!

  6. Julius sagt:

    Jedenfalls ist das Herausreden von Malcolm «dass ich MIT KEINEM WORT sagte WAS ich gedacht habe und trotzdem hat es jeder ohne zu zögern verstanden» auf die interpretative ‘Schuld’ des Lesers/Betrachters albern*. Allein dadurch, daß er die Veröffentlichung des Bildes als «bedenklich, aber […] lustig» bezeichnet, evoziert er eine andere Sichtweise, die beim Leser «Der Typ steht zu weit hinten und hat die Hose an…» (.campino2k) offensichtlich so ankommt, wie gewünscht. Das sagt nicht nur etwas über den Schreiber aus, dem wohl daran gelegen ist, sich hämisch über Dinge zu äußern, die er überspitzt in einen reißerischen Kontext setzt, sondern auch über die Erwartungshaltung der Rezipienten, die auf Inhalte spekulieren, die dem Gossengeschreibe ‘der Zeitung(en)’ (vgl. Böll) in nichts nachstehen.

    (* vgl. hierzu u.a. Polenz, P.: Deutsche Satzsemantik. Grundbegriffe des zwischen den Zeilen Lesens)

  7. Chris sagt:

    Es ist nicht nur dort der Fall — wenn man dort den Links folgt, kann man nur mit dem Kopf schütteln. So ungern ich es schreibe: Ich bin einer Meinung mit dem Nerdcore-Rene…

  8. Martina sagt:

    Kinder für Werbung zu benutzen, widerspricht meinem Weltbild. Auch wenn Kinder (wie in diesem Fall die Tochter von Sauerzweig) immer mit «Reinheit» und «Unschuld» verknüpft werden, gehören sie für mich nicht in dieses Medium!

    Im übrigen erinnert mich diese Werbung an die mit dem angeblich deutschen Schäferhund, der sich bei genauerem Hinsehen als Malinois entpuppte, wie er im Schritt der langbeinigen Blondine schnupperte.

    Es gibt für mich Werbungen, die absolut «DON’T» sind!

  9. corax sagt:

    Martina,

    deine «Kinder in Werbung» Kritik teile ich so pauschal nicht, das teilweise übertrieben wird d’accord.
    Aber das ist doch hier nicht das eigentliche Thema.
    Sondern das Thema ist „Wie stehts um unsere Gesellschaft, wenn harmlose Kinderfotos mit erwachsenen Männern, ruckzuck mit Kipo assoziiert werden?“
    Vor Einreise in die Staaten wird man davor gewarnt die eigenen Kinder, etwa am Strand zu fotografieren, ja wo leben wir denn?
    Muss man sich als Mann bei jeder Gelegenheit als Kinderschänder verdächtigen lassen? Muss man ständig im Hinterkopf behalten: „Bloß nicht mit Kindern spielen, reden, albern, fotografieren lassen weil sonst … ?“

    Du vermengtest harmlose Kinderbildchen mit KiPo-material, bzw sogar dem Mißbrauch an sich.
    Darf man Kinder nicht mehr fotografieren (z.Bsp für Werbung, aber auch sonst) weil sich möglicherweise ein oder zwei Wildfremde in einer dunklen Kammer einen drauf kloppen?
    Müssen Wir uns so einschränken, bloß weil ein paar Spinner sonst mit solchen Assoziationen kommen und versuchen einen in eine Ecke zu stellen aus der man schwer wieder raus kommt? Schau mal im lawblog unter dem Stichwort «OP Himmel» oder «Mikado» nach was da für Existenzen vernichtet wurden, alles unter dem Deckmantel «es geht schließlich um Kinder.» Und heraus kam fast nichts. Bis auf vernichtete Existenzen inclusive dutzende Selbstmorde Z.Bsp in UK.

    Das Plakat ist etwas unglücklich, okay, kann passieren, aber dann wieder gleich mit der Kipokeule kommen sagt eher was über den Reziepenten aus.

    Glück auf!

  10. Martina sagt:

    Corax, wir werden uns in diesem Punkt wohl nicht einig.

    Im übrigen waren deine Beispiele aus dem Lawblog alle internettige «IP»-Funde, was für mich etwas ganz anderes ist als die Assoziation, die mit bestimmten Aufnahmen wie bei diesem Plakat verbunden sind.

  11. corax sagt:

    @ Martina,

    müssen wir auch nicht, ich hab auch keinen Geifer am Mund hängen. ;–)
    Den Unterschied den du da machst (Internet vs Plakat) versteh ich aber nicht, die Assoziationen sind doch in unseren Köpfen. Brauchst nicht zu antworten.
    PS: Könntest du mich demnächst kleinschreiben? Bin neulich zufällig über einen «großgeschriebenen» gestolpert der sich auf rechten Seiten auslässt, danke.

    @ Chris,
    hab gerade erst die Kommentare bei malcolm gelesen, Felix erklärt es recht gut, ich seh das nahezu identisch, und malcolm blickt es gar nicht, wie man aus seinem letzten Kommentar rauslesen kann, diskussionsfähig ist er anscheinend auch nicht. Wie alt ist er wohl? Kannte ihn bislang bloß aus Renès Kommentaren und das wird wohl auch so bleiben.

  12. Ganz ehrlich, als ich dieses Plakat das erste mal gesehen habe (unkommentiert), habe ich mir eigentlich nur gedacht, wie vollkommen dämlich es ist, aber ich wäre im Leben nicht auf die Idee gekommen, das mit Pädophile zu assoziieren…

    Okay, das Motiv und die Überschrift sind sehr ungünstig gewählt. Aber scheinbar leben wir in einer so durchsexualisierten Gesellschaft, dass (fast) jeder bei diesem Plakat sofort an ädophilie denkt. Kranke Welt, ganz kranke Welt…

  13. wannaberoot sagt:

    Bin nun seit sieben Monaten Vater und sehr stolz auf meine Tochter… aber ehrlich gesagt, wenn ich mal wieder in der S-Bahn sitze, Bilder auf dem Handy von meiner Kleinen ansehe und dabei denke «Hoffentlich versteht das nicht einer Falsch…» (Meine kleine hat auf dem Bild das erste mal gebadet), dann läuft irgendwas falsch… sehr sogar… :-/

  14. torsten sagt:

    Jeder, jeder einzelne, der hier den Fruchtalarm auszurufen müssen meint, [**die Fäkalsprache lassen wir doch dann in der Gosse — Danke! **]

    Das Bild ist unanstössig. Es ist einfach nur ein Bild. Wer hier etwas sieht oder fürchtet, trägt es in sich.

    Warum muss über etwas derart offensichtliches geredet werden? Warum wollen derart viele Trendhuren Pädophilie erkennen?

  15. phoibos sagt:

    Wer hier etwas sieht oder fürchtet, trägt es in sich.

    nicht unbedingt. es kann auch schlicht das wissen um das sein, was die anderen, dank gewisser breitenwirksamer pressearbeit sogar ?? ??????, in sich tragen…

  16. Oliver sagt:

    >was die anderen, dank gewisser breitenwirksamer pressearbeit sogar

    Abseits davon, gewisse Dinge sind schon eindeutig-zweideutig belegt selbst im 17./18 Jahrhundert oder gar bei den hochgeschätzen Griechen. Von daher mag die Gesellschaft derart überzogen ticken, konditioniert wurde sie jedoch nicht erst heute. Wie sonst würde man beispielsweise Schlüsselreize erklären die in der Werbung Anwendung finden oder überhaupt die Werbung per se?

    Der Kontext hier, ein Wahlplaket, ist für mich zumindest der Punkt einfach weiterzugehen ohne großartig darüber nachzudenken. Diejenigen jedoch die dieses Plakat entwarfen hätten es besser wissen müssen. Symbolik ist das A und O, wäre dem nicht so käme auch jeder Politprofi mittels irgendwelcher rechts angehauchter Parolen oder Symboliken auf Wahlkampfplakaten ungestraft davon. So gilt es in letzter Instanz gemäß dem Kontext zu urteilen und in diesem hier ist eben der Bezug zu dem abnormen Tatbestand als abwegig zu sehen.

    Ich empfehle diesbezüglich auch: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland von Prof. Dr. Carola Reinsberg. Damit kann sich jeder Interessierte ein Bild machen, warum gewisse Dinge nicht neu und einem gesellschaftlichen Tabu unterworfen sind. Auch wenn die von den Medien geschürte Paranoia (siehe u.a. die heutige Angst vor männlichem Personal in Kindergärten!) unlängst über das Ziel der Aufklärung hinaus geschossen ist.

  17. […] via Fixmbr hat offenbar dieselbe Meinung:[X] […]

  18. EuRo sagt:

    @torsten (14)

    Das Bild ist unanstössig. Es ist einfach nur ein Bild. Wer hier etwas sieht oder fürchtet, trägt es in sich.

    Ja, aber es ist dort nicht entstanden, sondern reingeschrieben und –gesendet worden von unseren Sensationsmedien. Und den hysterischen Reaktionen der Ordnungsbehörden. Nicht nur bei uns sondern viel schlimmer im angelsächsischen Sprachraum. Und dann reflektiert man plötzlich Dinge, die einem ohne das Dauerfeuer der Berichterstattung nie von selbst eingefallen wäre. Wie krieg ich das nun wieder raus? Muss wohl über kurz oder lang mit Enkeln spielen und würde das gerne unbefangen tun.

  19. […] kursiert jetzt seit einigen Tagen durchs Web und etliche Kommentare dazu haben einen Impetus, den ein Kommentator bei F!XMBR so formuliert: Das Bild ist unanstössig. Es ist einfach nur ein Bild. Wer hier etwas sieht […]

  20. Olaf sagt:

    Also meine Meinung zu dem von Corax geschilderten Experiment mit dem weinenden Mädchen: Wer meint er könnte oder müßte helfen, es dann aber nicht tut, weil er Angst hat irgendwer könnte irgendwas denken, der soll später wenigstens nicht rumheulen ihn habe jemand abgehalten zu helfen. Das hat er nämlich selber getan — bei Lichte betrachtet.

  21. Anonymos sagt:

    Nach gesicherten Informationen wurden die Plakate in Siegburg abgebaut, bevor diese ganze Diskussion aufkam. Das lag schlicht am Zustand der Plakate nach ca. 5 Wochen Standzeit.
    Ansonsten bin ich fassungslos, was da alles rein interpretiert wurde. Unglaublich!

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