Kostenlose EPG’s und ihre Zukunft — Die Contentindustrie dreht mal wieder am Rad

Okay, über die Contentindustrie haben wir schon das eine oder andere Mal gesprochen. Nun haben sie sich wieder etwas Neues einfallen lassen. Viele Software-Programme bieten mittlerweile den kostenlosen Abruf der TV-Programme der einzelnen TV-Sender an, EPG nennt sich das ganze und wird gerne genutzt. Eigentlich sollte man ja meinen, dass dies für die einzelnen TV-Sender eine Form der Werbung ist, denn nur, wer weiß, was läuft, kann gezielt sein Programm einschalten. Doch auch hier, wie so oft — weit gefehlt. Die VG Media verlangt ab 2008 eine Gebühr — pro Seitenabruf 0,0002 Euro, mindestens aber 2000,- Euro pro Jahr. Wie das bei solch einem Wahnsinn usus ist — hier der Link zum PDF im feinsten Juristendeutsch (60 KB). TV-Browser.org, sicherlich eine der bekanntesten Projekte diesbezüglich, hat bereits in einer Ankündigung reagiert und streicht die Sender aus dem Programm, die von der VG Media vertreten werden.

Bei einem Angebot von 170 Sender werden 16 demnächst entfernt werden müssen — was sich auf den ersten Blick nach einer Kleinigkeit anhört, enthüllt auf den zweiten Blick das Dilemma der Kollegen rund um den TV-Browser. Ab 2008 werden die Zugpferde der deutschen TV-Landschaft fehlen, unter anderem:

  • ProSieben
  • RTL
  • Sat.1
  • Comedy Central
  • DSF
  • kabel eins
  • VOX

Die Community rund um den TV-Browser hat eine Petition ins Leben gerufen — Kostenloses Nutzungsrecht der Sendedaten für TV-Browser. Nur es wird nichts nutzen. Da geht es ums Geld, um Interessen, um eine Contentindustrie, die nicht weiter denken kann, als bis zur nächsten Mittagspause — schon aus dem Grund wird die Petition wohl nichts bringen. Aber allein der Tatsache geschuldet, dass die Kollegen seit Jahren ein tolles Projekt auf die Beine stellen, sollte man sie unterstützen.

Liebe Contentindustrie — wie kann man nur so bescheuert sein? Ihr sägt an dem Ast, auf dem Ihr sitzt. Ihr tretet der Community in den Bobbes, die jahrelang dafür gesorgt hat, dass Eure Botschaften auf PC’s der Leute gekommen ist. Eine TV-Zeitschrift ist auch immer Werbung — dafür jetzt auch noch Geld zu verlangen zeigt, wie nah Ihr am Ende angekommen seid. Ich weiß schon, warum es in meinem Haushalt keinen Fernseher mehr gibt. Könnt Ihr nicht einfach in Ruhe sterben, anstatt wie so häufig noch Communities mitzunehmen, die Euch jahrelang unterstützt haben? So ein Verhalten ist wirklich armselig — man sollte den betreffenden TV-Sendern den Rat geben, aus der VG Media auszutreten.

5 Antworten zu “Kostenlose EPG’s und ihre Zukunft — Die Contentindustrie dreht mal wieder am Rad”

  1. tante sagt:

    Irgendwie haben die einfach ein Problem damit, _irgendetwas_ kostenfrei abzugeben, demnächst wird Werbung gucken auch Geld kosten.

    Ich sehe da aber auch echt keine Änderung kommen, sie hängen auf ihren alten Geschäftsmodellen fest und schaffen es so gar nicht, ihre Geisteshaltung auch nur ein wenig anzupassen.

    Es ist mittlerweile (gerade wenns um TV geht) nur noch lächerlich: TV hat Probleme, muss gegen alles mögliche andere konkurrieren (DVDs, Videospiele, Internet/Surfen, &ct), aber anstatt den Leuten entgegen zu kommen, um sie zu fixen Zeiten vor den Verblödungsstrahler zu locken, werden den Menschen Steine in den Weg geworfen.

  2. Oliver sagt:

    >Irgendwie haben die einfach ein Problem damit, _irgendetwas_ kostenfrei abzugeben

    Schau dich beim Rest der Bevölkerung um, das Gros hat ebenso etwas dagegen etwas frei abzugeben. Darüber täuscht auch nicht der Erfolg der Wikipedia oder die Verbreitung von Dingen unter der CC hinweg. Es ist ein gesellschaftliches Problem und das Geben/Nehmen keinesfalls eine Einbahnstraße.

  3. tante sagt:

    Für viele ist die Wikipedia ja auch nicht so sehr _geben/nehmen_ wie viel mehr ein reines _nehmen_.

    In Zeiten wo das Wort «Neiddebatte» sich mit Gewalt in den aktiven Wortschatz aller drängt, wo Missgunst eine Qualität ist, wo «Geiz ist geil» gilt, ist das natürlich kein Wunder.

  4. Falk sagt:

    Es ist ein gesellschaftliches Problem

    Es ist reine Gier und Streben nach Macht. Widerliche Gesellschaft…

  5. derhans sagt:

    Irgendwie erinnert mich das an die Geschichte mit den Liedtexten, die auch keiner ohne zu zahlen veröffentlichen darf. Einfach nur krank.

    > Für viele ist die Wikipedia ja auch nicht so
    > sehr _geben/nehmen_ wie viel mehr ein
    > reines _nehmen_.

    Das stimmt. Die viele Menschen betrachten insbesondere das Internet als großen kostenlosen Selbstbedienungsladen, hauptsache alles für lau. Selber etwas beisteuern, und sei es nur ne Kleinigkeit tun die allerwenigsten.

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