Konvent für Deutschland — Ein Altherrenclub überlebt sich selbst

KonventMan kann schon fast Mitleid haben mit den neoliberalen Vordenkern des Konvents für Deutschland. Niemals hätte man damit rechnen können, dass die neoliberale Idee vor dem Konvent für Deutschland zu Grabe getragen wird. Doch die Weltwirtschaftskrise frisst selbst seine besten Kinder. 1997 begann alles — mit der Berliner Ruck-Rede des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Es war der Aufgalopp für eine neoliberale Idee, die quer über den ganzen Globus getragen wurde. Über ein Jahrzehnt später ist die Welt — unser Land — tiefer gespalten als jemals zuvor. Reich bleibt reich, arm bleibt arm — die Politik hat sich völlig von den Bürgerinnen und Bürgern entfremdet. Während es auch positive Ausnahmen gibt, wie zum Beispiel Heiner Geissler oder Norbert Blüm, denen man Altersweisheit attestieren muss, findet man diese Einsicht im Konvent für Deutschland nicht. Noch immer werden dort Reformen propagiert. Ein Roman Herzog wird dadurch zu einer Persiflage seiner selbst.

Nicht nur den Namen an der Spitze des Konvents kennt man — es tummeln sich dort illustre Gestalten wie der Hans-Dampf-in-allen-Berater-Gassen Roland Berger, der ehemalige BDI-Vorsitzende Hans-Olaf Henkel oder auch der politisch gescheiterte Oswald Metzger. Noch vor Jahren waren die die Damen und Herren auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Meist aus der offiziellen Politik ausgetreten, Brüder im Geiste der INSM, gern gesehene Gäste bei Sabine Christiansen, schmückten sich unsere Volksvertreter mit ihnen auf Seite 1 der BILD. Dabei wurden immer wieder die selben Worte wiederholt: Reformen, Reformen, Reformen. Innerhalb der Politik fanden sie gläubige Abnehmer ihrer Ideologie — und so trägt der Konvent für Deutschland sicherlich seinen Anteil an der derzeitigen Weltwirtschaftskrise. Schließlich war Deutschland schon immer Vordenker und Vorbild für andere Nationen. Das Schema ist dabei immer gleich geblieben: Der Sozialstaat wird immer weiter abgebaut — selbstverständlich der Demografie und der Globalisierung geschuldet. Der Staat hat ausgelebt, Privatisierung allen Ortes — der Markt regelt alles. Es wurde und wird noch immer Neoliberalismus in Reinkultur gelebt — und von der Politik gefordert.

Nun hat das goldene Kalb — der Markt — in den letzten Monaten seine hässliche Fratze gezeigt. Die Weltengemeinschaft muss Billionen aufbringen um den Schaden zu reparieren, den die Elite in ihrem neoliberalen Wahn angerichtet hat — die Zeche zahlen die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Steuern und sogar ihren Existenzen. Der soziale Frieden ist in den westlichen Ländern stark gefährdet. Was läge da näher, als das eigene Tun, die eigenen Forderungen, die letzten Jahren, sich selbst kritisch zu hinterfragen um den Karren mit aus dem Dreck zu ziehen, den man selbst festgefahren hat? Nicht so der Konvent für Deutschland. Dort wird immer noch die neoliberale Ideologie verbreitet, als würde es die Weltwirtschaftskrise nicht geben. Erst kürzlich hatte der Konvent für Deutschland zu einer Journalisten-Tagung geladen. Was früher über Seite 1 der BILD, hin zum SPIEGEL bis zu einem Leitartikel des Herrn Schirrmacher der FAZ mit den 1:1-übertragenden Forderungen geführt hätte, führt heute zu Schweigen im Walde — die SZ erbarmt sich, kann sich aber eine Verächtlichmachung der Politpensionäre nicht verkneifen. Man kann schon fast Mitleid haben mit den neoliberalen Vordenkern des Konvents für Deutschland. Aber auch nur fast. Wer selbst im Alter der Weisheit die Tür vor der Nase zuschlägt, wer nicht eine Sekunde darüber nachdenkt, was er dieser Welt, unserer Gesellschaft, angetan hat, muss damit leben, die Verächtlichkeit zu erleben, die diese Damen und Herren gerade erfahren. Es waren große Politiker, die nun im Herbst ihrer Karriere von ihrem Podest gestoßen werden. Gott sei Dank. Auch wenn man sich andere Umstände wünschen würde.

Der Konvent für Deutschland und unsere Verfassung

Logo: Konvent für Deutschland

, , , ,

RSS-Feed abonnieren