Kommunale Datenschleuder

Einen Datengau sicherheitstechnischer Natur erlebten wir schon auf Kommunalebene und erlangten somit Gewißheit das der gewählte Bauer, Geschäftsmann, Bankfilialleiter et al. mitunter für die Organisierung von Dorffesten und Pressefotos neben den örtlichen Ringern taugt, aber für die Großfinanz oder gar die datenschutztechnische Kompetenz langt es dann doch nicht. Insofern sehen wir uns dort gewaltigen Schuldenbergen gegenüber, absurden Bauvorhaben, Vetternwirtschaft und einer recht lässigen Sichtweise was den Datenschutz betrifft oder wie man mit sozialen Fällen usw. umgeht.

Natürlich wird mir stante pede gewiß jeder von seiner Gemeinde berichten, die da unter der Herrschaft von Willibert XXI. ganz formidable Arbeit leistet und über all die Kritik erhaben ist, letztendlich war dann doch nur das Weinfest gemeint oder das Happening am Wochende mit den Jungs von der Feuerwehr und deren Gullaschkanone. Denn vom Schuldenberg und anderen GAUs erfährt man dann meist erst bundesweit mittels der Medien. Und Parteisoldaten jedweder Couleur singen gar noch ein gänzlich anderes Lied, wohlwissend das sie doch meist den Grund allen Übels darstellen.

Nicht das dieses neuerliche Übel allein ein Verschulden der Kommunen wäre, aber der Rant gehört mit dazu, denn wirklich koscher ist auf den Gemeinden überhaupt nichts und Kompetenz jedweder Natur ist dort oft fehl am Platz. Und wer Daten möchte bekommt diese dort auch. Aber dieser Fall hier bezieht sich auf eine Regelung, bei welcher es unter gewissen Umständen möglich ist an die begehrten Daten zu gelangen. Warum auch nicht, schließlich tun wir doch alles damit die Wirtschaft nicht vom gemeinen Mob betrogen wird.

Sie übernehmen die bürokratische Drecksarbeit: Adressmittler. Wartet eine Bank auf die Rückzahlung eines Kredits, schaltet sie solche Firmen ein. Adressmittler nehmen mit den Melderegistern Kontakt auf, um den Aufenthaltsort des säumigen Zahlers herauszufinden und die Daten der Bank zur Verfügung zu stellen.

Überraschung: jemand handelt auch mit diesen Daten und organisiert damit quasi parallele Meldeämter. Darf normal nicht sein, denn die Daten sollten nach Gebrauch gelöscht werden. Alles nur zum Wohle der Wirtschaft wohlgemerkt, denn diese würden nie Daten mißbrauchen … NIE! So wird man wohl wie üblich ein paar Bauernopfer bringen, die Firmen beim Namen nennen und als böse Jungs brandmarken. Das eigentlich perfide System, das derlei Dinge erst ermöglicht, wird man jedoch weiterhin hegen und pflegen — denn Mißbrauch ist nur eine Unart des Pöbels und die ehrenwerte Wirtschaft muß vor diesem mit allen Mitteln geschützt werden.

Paragraf 29 des Bundesdatenschutzgesetzes erlaubt privaten Dritten in der Tat die Speicherung von Daten. Allerdings nur, wenn dagegen kein «schutzwürdiges Interesse» vorliege oder die Daten «aus allgemein zugänglichen Quellen entnommen» würden.

Na dann, wer benötigt da schon die Datenschleuder Internet? Übrigens denkt man auch jetzt über Einschränkungen nach :-)

taz

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Eine Antwort zu “Kommunale Datenschleuder”

  1. blu_frisbee sagt:

    «Unser gutes Gedächtnis kann uns keiner verbieten».

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