Kirch lässt grüßen

Die Vereine der Fußball Bundesliga freuen sich über den den neuen TV-Deal mit Sky und der ARD. Rund 2,5 Mrd. Euro sollen in den nächsten Jahren in die Kassen der Clubs fließen. Die Champagnerkorken knallen, Spiegel Online fabuliert gar davon, dass demnächst «extrem teure Mega-Stars» in Deutschland spielen werden. Ein böses Erwachen scheint hier vorprogrammiert.

Den Hauptanteil trägt selbstverständlich Sky, die wie bisher auch, die Bundesliga via Pay-TV in die Wohnzimmer transportieren. Doch gerade Sky ist finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. Geschönte Abonnentenzahlen, Prepaid-Abo, Freiwilliges Abo sind nur wenige Schlagzeilen der letzten zwei Jahre. Zudem gehört Sky zum Murdoch-Imperium, welches in England gerade durch schwierige Gewässer schifft. Frage: Würdet Ihr der HRE Geld leihen? Eben, nachdem, was in den letzten Jahren über Sky berichtet wurde, wäre ich da genauso vorsichtig.

Mich erinnert dieser Wahnsinn an die Kirch-Gruppe. Als die Kirch-Gruppe 2002 Insolvenz anmelden musste — das Heulen und Zähneklappern der Bundesligavereine war groß. Sky scheint offensichtlich alles auf eine Karte zu setzen — eben auf den Fußball.

Diese Rechnung kann nicht aufgehen. Auf der einen Seite Milliarden-Ausgaben, auf der anderen Seite Einnahmen, die schon in der Vergangenheit die Kosten nicht getragen haben. Mehr Abonnenten? Der Pay-TV-Markt in Deutschland ist begrenzt, wenn nicht sogar heute schon gesättigt. Höhere Preise? Weniger Abonnenten. Werbung? Sicher, auch heute zeigt der Pay-TV-Sender schon Werbung. Für eine begrenzte Anzahl von Kunden. Es sei auch angemerkt, dass Sky selbst auf die Werbung im Stadion absolut keinen Einfluss hat. Wenn ein Mitbewerber im Stadion oder der Interview-Wand erscheint, muss Sky dies hinnehmen und ebenso prominent zeigen, wie die restliche Stadion-Werbung.

Die nächsten vier Jahre werden spannend. Nicht nur, was den Fußball und den Kampf Dortmund gegen Bayern angeht, sondern auch was die TV-Berichterstattung bringt. Heute werden die Präsidenten und Manager der Bundesligavereine gefeiert haben. Ich fürchte, der Kater ist vorbestimmt.

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3 Antworten zu “Kirch lässt grüßen”

  1. Matzle sagt:

    Du hast natürlich Recht, für Sky ist es ein hoch riskantes Spiel, dass sie mit aller Wahrscheinlichkeit verlieren werden.
    Im letzten Absatz des FAZ-Artikels zu diesem Thema steht «Um das wirtschaftliche Risiko zu vermindern, bestätigte DFL-Mann Seifert, dass alle Verträge durch „hundertprozentige Bankgarantien“ der Rechteerwerber abzusichern sind.» (Artikel: http://spiderpc.de/2o).
    Wenn dem wirklich so ist, kann sich die DFL freuen.
    Ich frage mich deshalb eigentlich mehr, welche Bank bald demnächst «systemrelevant» sein wird, sodass der Staat mit einigen Millionen einspringen muss.

  2. Hinzu kommt, dass Sky die IPTV-Rechte per Sublizenz an die Telekom (Liga Total) weitergeben könnte. Das würde Sky noch einmal entlasten.
    Bei der letzten Runde zahlte die Telekom 25 Millionen Euro für diese Rechte. Der Preis dürfte dieses Mal wohl höher liegen.

  3. Florian Huber sagt:

    Ich habe auch zuerst an Kirch(e) gedacht.
    Das ist wieder so ein Himmelfahrtskommando…

    100%-ige Bankgarantien sind übrigens nicht möglich!
    Die Prozentzahl 100 ist ein Marketing-Gag.
    Alle Pleite-Banken selbst waren zu «100% sicher»…
    … wären Garantien nur zu «99% sicher», würden Kunden der Bank nicht vertrauen und fragen «Was ist dieses 1% ? Etwa ein unkalkulierbares Risiko?»

    Wenn Seifert noch anfügt «Ich kenne Sky als verlässlichen Partner.», kommt mir nur in den Sinn:
    Hat der nichts gelernt?

    Anhang:
    Habe soeben C.Seiferts Vita nachgelesen:
    «Hundertprozentige Garantien» geben wirklich nur Marketing-«Experten»…

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