kein Bock mehr

Nein nicht aufs Schreiben, das wäre wider die Natur. Andere Dinge sind es die mir übel aufstoßen nach und nach. Ich denke grundlegend werde ich wohl weiterhin ätzend tadeln, jedoch allgemein, nicht spezifiziert. Letzteres gereicht mitunter zum Beispiel, mehr jedoch nicht. Man schreibt, spezifiziert, tadelt, man lockt Voyeure an — eigentliches Ziel, der Hinweis auf eine allgemeine Problematik, komplett verfehlt. Vice versa ist es natürlich ebenso ein Problem, schreibt man allgemein, vermeint der bloggestählte Leser eine Andeutung zu vernehmen und sieht sich auch noch desöfteren dazu veranlaßt per Mail doch mal nach Insider-Infos nachzufragen. Ahm ja, nach mir die Sinflut.

Adical, Yahoo, um gerade diese Beispiele aufzugreifen, ich ganz persönlich finds shayze, das langt für mich und das sagt auch alles. Oha pißt er jetzt seinen Partner da auf F!XMBR an, he he, nein natürlich nicht, Chris kennt meine Meinung und ich lege im Prinzip nur desöfteren eine völlig andere Vorgehensweise an den Tag. Auch so ein Bockmist der bei den Fallout-Boys der Bloggosphäre nicht aus den Köpfen zu bekommen ist, wenn man viele gemeinsame Nenner hat, kann man auch mal eine recht gegensätzliche Meinung haben. Das geht, bei einem Geschäft oder den Viagra-Charts der Blogger wäre das natürlich fatal — aber das ist auch nicht unsere Welt. Um die eigene Meinung ists da ohnehin beim Gros der Blogger schlecht bestellt, das schon vormals Durchgekaute profan wiederzuverwerten im BILD-Stil und dann gar noch als eigene, durchdachte Meinung zu deklarieren, das ist schon recht arm. Mitläufertum paßt da eher, ja nicht von den ungeschriebenen Bloggesetzen abweichen, ja nicht selbst denken, ja nicht eigene Meinung postulieren. Ach egal, warum viel Worte, wenns eh kaum einer versteht. Würde man es denn verstehen, so wäre der Denkapparat wohl in Aktion und das Problem gar keines.

Zu diesem lapsus der Bloggosphäre gereicht auch die Selbstherrlichkeit, den Mittelpunkt des Netzes zu markieren, Ähnlichkeiten zur Kirche springen einem geradezu ins Gesicht … urbi et orbi. Die Worte brauche ich hier nicht zu wiederholen, ich schriebs schon mal. Die alten Medien sehen Blogs zurecht als Gefahr an, aber eben drum weil diese Mehrheit der Blogs, die da desöfteren laut die Stimme erheben und von Pro etc. fabulieren, keinen Deut besser sind als die oft gescholtenen alten Medien. Ein leichtes ist es doch sich davon zu distanzieren, nur wie? Eigene Meinung? Mehr als BILD-Stil? Ja sorry, tote Hose, da muß man halt auch was machen. Von nichts kommt eben auch nichts. Blog-Happenings sind da schon gefälliger, ein Karneval, Buttons, T-Shirts, Logos etc. und last not least Quotes die mit full ack oder me too unterschrieben werden, das ist durchdachte Aktion … andere sehen da eben nicht mehr als die Worthülsen der Politiker. Ist eben so, nur weil man auf einem Blog schreibt, wird die gleiche debile Vorgehensweise nicht automatisch geadelt. Der Stallgeruch ist eben auch hier unverkennbar …

Die Solidaritätsdröhnung, der wir alle heute ausgesetzt sind, ist so stark, dass ich nur raten kann: Seid auf der Hut, wenn dieses Wort fällt. Denn es könnte sein, dass Ihr nur diszipliniert werden sollt, oder zumindest zur Kasse gebeten.

Ulrich von Alemann

Das kann man noch drunter setzen, Blogs bilden dabei das Paradebeispiel für diese Solidaritätsdebilität, die Eingangs erwähnten ungeschriebenen Bloggesetze eben.

Zurecht wird man nun fragen, wo bleibt denn nun das «kein Bock mehr» in der Überschrift, bisher wurden ja nur Dinge getadelt die stören. Nun das kein Bock mehr äußert sich bei mir in vielerlei Bereichen, z.B. der Politik. Der kurze Einwurf a la find ich shayze genügt mir da schon, weil mir das Sendungsbewußtsein fehlt die willentlich Debilen aufzuklären. Mit 18 glaubte ich mal was bewegen zu können und schloß mich einer Jungpartei an, bei der ich auch aktiv mitwirkte, auf Demos ging ich spazieren und polarisierte teils auch an Schulen und im weiteren Umkreis, nicht besonderes — eben was viele andere ebenso tun, die meinen etwas bewegen zu können. Mit dem Advent des Netzes bzw. davor im BBS Bereich konnte ich schon nicht davon lassen und auch die spätere Forenwelt wurde mit Auklärung über politische Zustände teils zugekleistert. Eine lange Zeit und damit geht auch der Frust einher — nicht direkt die Politikverdrossenheit, da informiere ich mich täglich, nein die Volksverdrossenheit. Warum offensichtliche Dinge, noch einmal durchkauen, warum dem Glauben anhängen man könnte die Grenzdebilität durchbrechen? Da wird gemauert, man will es nicht wissen — man ist einfach zu bequem.

Das kein Bock mehr äußert sich auch in personalisierten Debatten, ich habe kein Interesse daran speziell auf eine Sache einzugehen, wenn diese nicht zur Verdeutlichung der allgemeinen Problematik gereicht, da imo der Blick für die zugrundeliegende Problematik verlustig geht, man also nichts erreicht. Man fetzt sich, man geifert, man liefert sich einen gepflegten Schlagabtausch und Außenstehende denken meist who cares, der Selbstbeschäftigungstrieb der Bloggosphäre eben. Und das muß eben nicht sein, wenn einem wirklich etwas an der grundlegenden Problematik liegt, muß man diese auch substantiell angehen.

Blogger sind nicht anders und so sehr sie es auch sein wollen gleichen sie doch damit nur dem spießigem Nachbarn über den sie abfällig und allerlei verbalen Ausrutschern berichten. Blogs sind nicht die Klowände des Internets. Blogs sind das Klo der Gesellschaft. Erst hauen sie extrem auf die Kacke, nur um später alles, was nicht ihrer Meinung ist, wegzuspühlen. Blogs sind einfach scheiße.

Soeren Onez

So ist es eben, wir sitzen alle in einem Glashaus, meines nennt sich eben nicht Bloggosphäre, sondern Internet und das ist ein entscheidender Vorteil. Es ist schon ein Unterschied, man wird nur recht selten von Splittern getroffen, wenn man denn mit Steinen wirft. Wenn die Bloggosphäre mal diese Arroganz, diese Selbstgefälligkeit ablegt und realisiert, das sie nur ein winziges Fragment des Netzes ist, nun dann klappts vielleicht auch mal mit irgendetwas.

Also habe ich auch kein Bock mehr auf all diese althergebrachten Strukturen, dieses digitale boheme, dieses Zerrbild der Abgründe der Gesellschaft. Ich machs anders, nicht richtiger, jedoch anders und vor allem durchdacht. Kein Bock auf die konservativen Revoluzzer der Bloggosphäre, kein Bock auf die abzockenden Pro-Blogger, die die alten Medien tadeln und selbst deren Stallgeruch aufweisen, kein Bock auf debile Solidaritätserklärungen, die zu profanem Mitläufertum gereicht, kein Bock auf BILD-Stil, kein Bock auf diese shayze, die sich da wohlwollend social network schimpft.

Ich habe Bock auf lange Texte, auf Meinungen, ureigene Meinungen, fernab des Herdentriebs. Ich habe Bock auf neue Dinge, auf interessante Dinge, auf nette Menschen. Für mich ist ein Teil des Webs schon immer ein social network, eine digitale boheme gewesen … Blogs haben damit nichts zu tun, sie können allenfalls ein Teil davon sein — denn es war schon immer da.

Auch das war allgemein, da hätte ich auch viele illustre Beispiele ansprechen können. Aber auch darauf hatte ich keinen Bock, keinen Bock diese zu adeln, keinen Bock von der eigentlichen Problematik abzulenken …

Bild: WikiCommons

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