Jürgen Rüttgers — Links reden, rechts abbiegen

CDU-Vize Rüttgers einen Populisten zu nennen wäre noch ein Kompliment — wie es ein Mann seiner Couleur geschafft hat, sich als Heiland der Arbeitnehmer aufzuschwingen, ist mir unbegreiflich. Rüttgers ist einer der Politiker, die es geschafft haben, von den Massen und den Gewerkschaften geliebt zu werden — links reden, das kann er gut, schade nur, wenn das Volk nicht begreift, dass er (extrem) rechts abbiegt. In NRW werden sie sich in ein paar Jahren umsehen ob des guten Onkel Rüttgers, selbst schuld mag man ihnen zurufen.

Über die besinnlichen Ostertage hat sich der Ministerpräsident NRW’s mal wieder zu Wort gemeldet — und bedient gleich wieder die Stammtische der Nation. Pflichtkurse für schlechte Eltern, geschlossene Heime für Kinder — so sieht das Rezept eines führenden Politikers gegen die Jugendkriminalität aus. Da kann ja nichts mehr schiefgehen. NRW hat 2005 unser Land verändert. Die Bevölkerung hat Steinbrück abgewählt, der ist nun Finanzminister, am Tag darauf kündigten Schröder und Müntefering Neuwahlen an — und sie spülte einen Mann nach oben, der da nun wirklich nicht hingehört, eben jenen Jürgen Rüttgers — wenn eine Wahl prädestiniert dafür ist, als Wahl zwischen Post und Cholera bezeichnet zu werden, ist es die 2005 in NRW. Steinbrück vs. Rüttgers — das muss man sich nochmal auf der Zunge zergehen lassen.

Mal wieder wird das falsche Ende angepackt. Gegen die zunehmende Gewalt unter Jugendlichen müssen wir härter durchgreifen — nach der Maßgabe: null Toleranz. So Rüttgers laut der SZ heute. Null Toleranz für Dumpfbacken die Führungspositionen in der Politik inne haben — mag ich jetzt einwerfen. Niveaulosigkeit mag man mir dann entgegenwerfen — q.e.d. Die soziale Verwahrlosung immer mehr Jugendlicher, die Jugendkriminalität ist ein großes gesellschaftliches Problem, auch geschaffen durch solche Politiker wie Herr Rüttgers. Wegsperren, vergessen, in die Kamera lächeln ist nicht wirklich eine Lösung des Problems. Aber gut, ich bin nur Blogger, das weiß der Jürgen sicherlich besser…

Kinder sind und waren immer das schützenwerteste Gut unserer Gesellschaft. Das will Rüttgers nun abschaffen — er will sie schon wegsperren können, bevor sie strafmündig werden: vor dem 14. Lebensjahr. Aus den Augen, aus dem Sinn, in dieser einfachen Welt lebt Ministerpräsident Rüttgers. Rüttgers, dessen Politik maßgeblich für die Jugendkriminalität mitverantwortlich ist, will sich so seiner Verantwortung entziehen. Typisch CDU, typisch rechts-populistisch — gefährlich nur, dass in heutiger Zeit solche Ideen eine Mehrheit innerhalb der Bevölkerung finden.

Der Jürgen kann im Übrigen gleich mit der SPD und dem Justizministerium zusammenarbeiten. Dort werden gerade fantastische Pläne ausgearbeitet, mit Hilfe der guten, alten Sicherheitsverwahrung Jugendliche auch lebenslänglich (ja, wortwörtlich, nicht die normalen 10 Jahre) wegsperren zu können.

Wenn ich hier fordern würde, mit Politikern das zu machen, was diese täglich umsetzen oder selbst nur fordern, dann würde man mich vermutlich wegsperren — solche Menschen sind einfach nur schlimm, für unsere Gesellschaft, unser soziales Gefüge. Rüttgers gehört für mich zu den geistigen Brandstiftern unserer Republik.

SZ — Rüttgers will kriminelle Kinder wegsperren

NachDenkSeiten.de — Jürgen Rüttgers, der Taschenspieler aus Nordrhein-Westfalen

3 Antworten zu “Jürgen Rüttgers — Links reden, rechts abbiegen”

  1. ph sagt:

    Beruhigend zu wissen, das es noch ein paar kluge Köpfe gibt, die Rrhethorik-Rrüttgers ein bisschen auf die Finger (bzw. seine klugen Aussagen) gucken.
    Beunruhigend zu wissen, dass sein populistischer Ansatz trotzdem wunderbar zieht.

    Ich komme ja ursprünglich aus der Gegend — man mag mir da vielleicht sogar ein bisschen Lokalpatriotismus (?) unterstellen, wenn ich sage: jedesmal, wenn ich vom neuesten Rüttgers-Vorstoß höre, läuft mir ein Schauer über den Rücken (um nicht zu sagen: ich kriege das kalte Kotzen, wenn der weiter bleibt). Und ich weiß dabei trotzdem, dass der Mann zumindest nicht vollkommen dumm sein kann: Er haut genau in die Kerbe, mit der er die alte rote Stammwählerschaft auf seine Seite ziehen kann — also diejenigen, die jahrzehntelang stur SPD gewählt haben und sich mit den massenhaften Wählerverprellungen unter Schröder plötzlich irritiert umgeguckt haben und hilflos ohne den alten Papa Staat dastanden.

  2. joe_f sagt:

    Was die gewisse Desorientierung des Herrn Ministerpräsidenten betrifft: Für Rüttgers hat man doch den Begriff «Rolle Rüttgers» ersonnen.
    Inhaltlich braucht man sich mit solchen Typen ja längst nicht mehr auseinandersetzen. Die Frage ist mittlerweile nur noch, wie man sie erfolgreich bekämpft. Und genau daran hakt’s. Die gefährlichen Spinner sind so mächtig geworden.

  3. ph sagt:

    Jaja, Rolle Rüttgers ist schön :) Darüber lächelt man dann kurz und denkt sich — ja nu, aber im Kern macht er doch eigentlich viel Gutes und so.
    Ein SpON-SkandalSkandal-Artikel würde da vielleicht Abhilfe schaffen, aber doch nicht die skurrile Realität. Und schon gar nicht die NRW-SPD.

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