Journalistische Propaganda

Hier hatte ich mich schon über FORSA und deren Chef Güllner ausgelassen. Heute war es für FORSA mal wieder an der Zeit, neue Zahlen zu veröffentlichen — und wie immer entsprachen sie durchaus meinen Erwartungen. Natürlich stehen die Deutschen stramm hinter Clement, wie sollte es auch anders sein. Führer sind in diesem Land gerne gesehen. Aber genug der Satire, kommen wir zur Propaganda, die Clement zum unverzichtbaren Mittelstürmer der SPD werden lässt. Der Stern macht aus dem Güllner-Material gleich einen Aufmacher (Infografik ausgeschnitten):

Nach den letzten Tagen war dies zu erwarten. So übernimmt Reuters:

Auch AFP stellt Deutschland hinter Clement:

Und natürlich ein paar journalistische Ergüsse mehr. Doch wie schauen die Zahlen wirklich aus?

Ja, Ihr seht richtig — gegenüber den letzten beiden Wochen ist die SPD um einen Prozentpunkt gestiegen. Wie konnte das passieren? Nun, der Herr Güllner, richtig, der völlig unabhängige FORSA-Mann, hat dem Stern ein Interview gegeben (natürlich im Doppelpass mit dem Jörges), und dort fabuliert er davon, dass die SPD Anfang der Woche zugelegt hat, dann aber wegen Clement gefallen ist. Einige Leser des STERN scheinen sich auch an den Kopf gefasst zu haben und haben offensichtlich die Redaktion angeschrieben. Der STERN schreibt nun:

*Anmerkung der Redaktion: Die hier dargestellte Infografik zum «Clement-Knick» spiegelt die Durchschnittswerte von Montag bis Mittwoch und von Donnerstag bis Freitag wieder. In dem nach einzelnen Tagen differenzierten Verlauf fiel die SPD von 24 Prozent (Montag) auf 20 Prozent (Freitag). Insofern ist die von Forsa-Chef Manfred Güllner im Video gemachte Aussage richtig, dass der Umfragewert für die SPD in dieser Woche insgesamt um vier Punkte fiel.

Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt. Die veröffentlichten Zahlen zählen nicht — natürlich müssen nicht veröffentlichte Zahlen aus dem Hause FORSA herhalten um die eigene Meinung These zu stützen. Was für eine Show. Mit unabhängiger Berichterstattung oder repräsentativer Meinungsumfrage hat das meiner Meinung nach so viel zu tun, wie der Schreiber dieser Zeilen mit dem Stricken.

Fazit: FORSA nimmt die eigenen veröffentlichten Zahlen nicht ernst. :) (via)

Hey! Hier kommt Manni!
Vorhang auf für seine Zahlenshow!
Hey! Hier kommt Manni!
Vorhang auf für ein kleines bisschen Zahlenshow!

Wer es denn aushält:

Ausrisse: stern.de, de.reuters.com, afp.google.com. Video: stern.de

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Eine Antwort zu “Journalistische Propaganda”

  1. […] ernsthaftere Auseinandersetzung mit dem Thema findet ihr übrigens bei F!XMBR und […]

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