Jetzt begehren die Spammer schon um Einlass in die Wohnung

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Foto: dee_gee | CC-Lizenz

Führt man ein etwas bekannteres Blog, gehört es zu den Begleiterscheinungen, dass man häufiger Werbematerialien bekommt, nicht nur per E-Mail, auch trifft die eine oder andere Lieferung per Post ein, per Snail Mail. Natürlich, wenn es mich interessiert, freue ich mich – in der Regel schreibe ich aber nicht darüber, weil ein Satz eigentlich immer die Intelligenz beleidigt: «Wir würden uns freuen, wenn sie darüber schreiben würden.» Was denn wohl sonst? Öffentlich verbrennen kann wohl nicht der Wunsch sein, wenn man uns solche Dinge zukommen lässt. Zuletzt habe ich ein wirklich interessantes Buch bekommen – nein, nicht den Thilo, ich bevorzuge mehrlagiges Toilettenpapier, sondern Ich bin dann mal Offline – Ein Selbstversuch von Christoph Koch. Ich muss es nur mal anfangen, zu lesen. Gerade über Bücher freue ich mich immer besonders.

Da komme ich gerade unter der Dusche her, das Handtuch noch lässig um die Hüfte gewickelt, ich bestaune meinen nicht wirklich muskelbepackten Körper im Spiegel, da klingelt es und meine Katzen gehen wieder panisch auf Tauchstation. Ich also zur Sprechanlage und fragte, wer denn unten an der Haustür Einlass begehrt. Den ersten Teil der Antwort habe ich nicht verstanden, aber man wolle mir, F!XMBR, eine Pressemitteilung zukommen lassen. Okay, es ist nicht selten, dass manche Dinge nicht direkt mit der Post kommen, und so antwortete ich, man möge den Brief doch bitte in den Briefkasten stecken.

Die Antwort war eine Unverschämtheit sondergleichen: man wünschte mir zu der Presseerklärung noch ein paar Dinge zu sagen. Sprich: ich solle doch meine Wohnungstür öffnen, den Herrn einlassen, Vorwerk und die GEZ hätten es nicht besser gekonnt. Das muss man mal auf sich wirken lassen. Ein «Nein» war selbstverständlich meine Antwort – und dann kam nur noch patzig, gut, dann werde man den Brief in den Briefkasten stecken.

Man erlebt ja nun sehr viel, wenn man ein Blog führt. Aber: wenn man ab und zu seine Meinung publiziert, daraufhin Besuch von Spammern bekommt, die dann auch noch fordern, in die Wohnung vorgelassen zu werden, das ist neu. Kleiner Tipp: meine Wohnung und mein Privatleben sind mir heilig.

Ich glaube auch nicht, dass die Herrschaften mit ihrem Service, den sie bewerben wollen, erfolgreich sein werden. Man will einen Lifestyle-Lieferservice etablieren, also die, die sich einen besseren Restaurantbesuch leisten können, sollen nun auch auf einen Lieferservice zurückgreifen. Wie heißt es in der Pressemitteilung Werbebroschüre: «Anknüpfend an den großen Erfolg von XYZ in Berlin, liefert der Premiumservice im Delivery-Service ab sofort anspruchsvollen und lifestyle-affinen Hanseaten hochwertige Speisen aus 24 angesagten Restaurants der City nach Hause, ins Büro, ins Hotel oder an jeden anderen Wunschort.»

Mein Gott, da hat aber die Werbe– und Buzzword-Abteilung zugeschlagen und Überstunden gemacht. Man kommt mit dem Lachen gar nicht nach, wie einem die Worte um die Ohren gehauen werden. Kleiner Tipp am Rande: feuert am besten Eure Werbeagentur, das ist an Dilettantismus nicht zu überbieten. Wenn man Essen geht, geht es sicherlich auch, aber nicht nur, um den kulinarischen Genuss. Es geht um das Ambiente, die Begleitung, die Stimmung, das Gesamtpaket, einen wunderschönen Abend. Irgendwelchen Buzzword-Quatsch per Lieferservice ausliefern? Ich bitte Euch.

Geht sterben – aber langsam…

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Eine Antwort zu “Jetzt begehren die Spammer schon um Einlass in die Wohnung”

  1. phoibos sagt:

    «an jeden anderen Wunschort.»

    wenn du früher darüber gebloggt hättest, hätten die mir meine ernährungslage in den usa sichern können *g*

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