Interview: Thematische Präferenzen der deutschen Blogosphäre

«Wenn morgen 98% der Blogs aus den deutschen Blogcharts dicht machen, inklusive F!XMBR, dann interessiert das keinen Menschen.»

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Foto: savone | CC-Lizenz

Im Herbst letzten Jahres hat mir Claudia Becher, Studentin für Kommunikations– und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig, zum Thema Thematische Präferenzen der deutschen Blogosphäre ein paar Fragen gestellt. Heute, ein paar Monate später, könnte man vielleicht das eine oder andere ergänzen, anders sehen – oder auch präzisieren. Mittlerweile hat Claudia Becher ihr Zeugnis und das damit verbundene offizielle Gutachten der Bachelorarbeit bekommen. Dafür meinen herzlichen Glückwunsch. Das heißt, die Fragen und Antworten dürfen auch veröffentlicht werden.

Claudia Becher: Was, denken Sie, macht Ihren Blog so erfolgreich?

Chris: Erfolg ist relativ. Es werden in den Deutschen Blogcharts nur Verlinkungen innerhalb der Blogosphäre gezählt. Von daher denke ich gar nicht, dass wir so erfolgreich sind. Blogs fristen ein Nischen-Dasein in Deutschland. Selbst wenn wir die deutschen Top-Blogs eins bis fünf sehen, da sind Zugriffszahlen, die kommen mit den etablierten Medien lange nicht mit.

Dennoch lesen sehr viele User Ihren Blog. Woran liegt das? Was zieht die Leser immer wieder zu Ihrem Blog hin?

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Warum lesen die Leute die WELT oder die SZ, den SPIEGEL? Immer interessengesteuert. Ich gehe davon aus, dass unsere Texte und Ansichten gefallen.

Wie nutzen Sie selbst andere Blogs? Lesen Sie überhaupt andere Blogs?

Auf jeden Fall. Ich denke, gerade durch die heutige Medienkonzentration, ist es unheimlich wichtig, sich auch einmal andere Meinungen einzuholen. Wir stehen mit unseren politischen Ansichten durchaus der SPD, den Grünen oder der Linkspartei nahe. Für mich ist es aber genauso wichtig, CDU– oder FDP-nahe, um es ins politische zu bringen, Blogs oder Publikationen zu lesen. In meinen Augen ist es immens wichtig, immer über den Tellerrand hinauszuschauen. Darum lese ich selbstverständlich auch andere Blogs.

Beschränkt sich die Nutzung auf deutsche bzw. deutschsprachige Blogs oder schauen  Sie sich auch in der internationalen Blogosphäre um?

Ich lese weitestgehend deutsche Blogs, wenige aus den Staaten, weil die Informationen aus den bekannten US-Blogs sowieso rüberkommen. Wenn dort ein guter Artikel erscheint, dann finde ich ihn auch in jedem guten deutschen Blog. Die amerikanische Blogosphäre hat sich mittlerweile professionalisiert, so dass ich mit der Huffington Post einen weiteren SPIEGEL habe. Da kann ich besser den Spiegel in Deutschland lesen. Mir fehlt dort mittlerweile das Besondere, das Amateurhafte, das Charmante.

Welche Themen dominieren Ihr Blog?

Bei uns dominieren drei Themenbereiche: Politik, Technik und der Datenschutz — alles, was damit zu tun hat.

Hat sich dieses Spektrum seit Beginn Ihres Blogs verändert? Inwiefern?

Als Oliver Herold und ich das Blog gestartet haben, trug es noch den Untertitel Nicht nur für Geeks und Nerds — war also eher im Technikbereich angesiedelt. Damals bestanden die erfolgreichsten Artikel aus technischen Anleitungen. Mittlerweile ist es ganz stark in Richtung Politik gegangen, wobei ich denke, dass es bei der – eben angesprochenen Medienkonzentration – enorm wichtig ist, andere Meinungen zu lesen. Außerdem hat es nach Lust und Laune ergeben, da die politische Diskussion uns sehr viel Spaß macht. Wir wurden schon als linksradikal, FDP-nah und was sonst nicht alles bezeichnet. Gerade diese Reaktionen sind immer sehr interessant.

Warum hat sich dieses Spektrum dahingehend verändert?

In Deutschland gibt es leider keine politische Blogosphäre. Wir haben zwar mit netzpolitik.org eine wunderbare und erfolgreiche Publikation, aber ich bezeichne sie oftmals als Lobbyisten in eigener Sache. Die lästige Parteiarbeit oder gesellschaftspolitische Themen finden dort nicht statt, sie finden eigentlich auf kaum einem großen Blog statt. Da versuchen wir mit ein paar anderen Blogs etwas zu tun.

Was inspiriert Sie zum Schreiben, woher ziehen Sie die Ideen für Ihre Blog-Einträge?

Jeder Mensch braucht ein Hobby. Wir publizieren und schreiben schon seit Mitte, Ende der 90er Jahre. Erst in den Newsgroups, dann waren es die Foren, jetzt sind es eben Blogs. Es macht einfach Spaß. Es ist ein Hobby, nicht mehr und nicht weniger.

Was sind Ihre hauptsächlichen Quellen? Worauf nehmen Sie Bezug? Beziehen Sie sich beim Bloggen (auch) auf Themen von Leitmedien oder anderen Blogs?

Das ist mein Feedreader. Dort habe ich noch mehr Blogs abonniert, als ich in meinen Favoriten abgespeichert habe. Dann natürlich die Tagespresse. Wenn ich ein Thema lese, welches mich interessiert, ich einen Einfall habe, dann schreibe ich Etwas dazu. Manchmal habe ich keine Idee, manchmal kommt mir beim Lesen sofort ein Einfall. Ich plane nicht, ich lasse jeden Tag auf mich zukommen.

Wenn Sie in der Tagespresse recherchieren oder lesen, ist das eher der Printbereich,  Funk,  Film und Fernsehen,  oder beschränken Sie sich auf das Onlineangebot des jeweiligen Mediums?

Auf jeden Fall das Onlineangebot der Printmedien.

Politik ist das vorherrschende Thema der Leitmedien. Die Ergebnisse meiner Inhaltsanalyse haben gezeigt, dass Politik weniger als andere Inhalte in den führenden deutschen Blogs thematisiert wird. Sehen Sie das genauso oder sehen Sie das anders? Warum ist das Ihrer Ansicht nach so? 

Das sehe ich genauso. Warum, darüber lässt sich munter spekulieren. Blogger schreiben und lesen das, wozu sie Lust haben. Blogger lassen sich nichts vorschreiben. Wenn jemand keine Lust hat, über den Parteitag der SPD zu schreiben, dann tut er es auch nicht. Das ist ganz einfach, auf der anderen Seite aber auch schade. Das muss man aber so akzeptieren.

Wie hat sich, Ihrer Meinung, nach die deutsche Blogosphäre in den letzten Jahren entwickelt? Ist sie politischer geworden oder haben sich mehr andere Themenkomplexe herauskristallisiert? Existieren heute mehr Expertenblogs als noch vor fünf Jahren oder  wird die Blogosphäre größtenteils von privaten Blogs bestimmt?

Wir haben Anfang 2006 angefangen und sind dann relativ schnell in die deutschen Blogcharts eingestiegen. Seitdem hat sich eigentlich gar nichts geändert. Die gleichen Blogs wie damals sind immer noch ganz oben. Es hat ein paar Verschiebungen gegeben, es sind aber immer noch die gleichen Namen mit den gleichen Themen. Wir haben Spreeblick, wir haben den unvermeintlichen Stefan Niggemeier, wir spielen auch noch mit. Unter dem Strich sind es die gleichen Namen und Themen.

Neue Blogs haben es unwahrscheinlich schwer, in die deutschen Blogcharts einzusteigen. Es gibt mittlerweile ein Überangebot an Blogs. Zählungen zeigen, dass es mittlerweile um die 500.000 Blogs in Deutschland gibt. Und wenn man nicht gerade Freunde bei den ganz Großen hat, die einen vorstellen und featuren, dann hat man keine Chance und die Leute verlieren dann auch wieder die Lust, was ich auch nachvollziehen kann. Von daher gibt es sicherlich seit 2006 einen Stillstand, wenn nicht sogar einen Rückschritt, was die deutsche Blogosphäre angeht.

Wie würden Sie die deutsche Blogosphäre mit wenigen Worten charakterisieren?

Durchgeknallt.

Dazu möchte ich doch gern eine Erklärung!

Die deutsche Blogosphäre ist absolut zerstritten, es gibt kaum Zusammenhalt. Es gibt in Berlin Blogs, die zusammenhalten und zusammenarbeiten, ich nenne es immer das Berliner Blogkartell. Man darf sie nicht kritisieren, sonst gilt man als Nestbeschmutzer. Die deutsche Blogosphäre ist durchgeknallt, zerstritten und das ist sicherlich einer der Hauptgründe, warum sie in den etablierten Medien nicht ernstgenommen wird.

Worin besteht die größte Schwäche der deutschen Blogs und worin sehen Sie das größte Potential?

Das größte Potential? Eine sehr gute Frage. Darauf fällt mir jetzt ad hoc gar nichts ein. Wir haben in Deutschland ein Problem. Wir sind global gesehen nur ein winziger, kleiner Punkt auf der Erde. Deutschsprachige Blogs erreichen im Regelfall Deutschland, die Schweiz und Österreich. Im politischen Bereich wäre das eine Fünf-Prozent-Partei, wenn überhaupt. Das ist den englischsprachigen Blogs gegenüber natürlich ein großer Nachteil.

Ich bin von Folgendem überzeugt: wenn eine Studie erfassen würde, wen die Huffington Post alles erreichen kann, daneben Spreeblick gestellt würden, wen Johnny Häusler und Co. erreichen können, dann erreichen beide Blogs prozentual gesehen wahrscheinlich die gleiche Anzahl von Lesern. Die deutschen Blogs haben meiner Meinung nach ihr Potential voll ausgeschöpft.

Welches Länder spielen, Ihrer Meinung nach, in der internationalen Blogosphäre die Vorreiterrolle und warum?

Ich denke, das ist von Land zu Land unterschiedlich. Man kann es kaum vergleichen, da ist regional große Unterschiede gibt. In Deutschland können wir über viele Dinge schreiben, Spaß haben. Das kann man nicht mit Kollegen aus dem Iran oder China vergleichen. Im Iran oder in China setzen Blogger ihr Leben aufs Spiel. Da habe ich Hochachtung vor und ziehe vor jeden Blogger meinen Hut, der mit Repressalien rechnen muss. Deswegen würde ich die deutsche Blogosphäre niemals mit anderen Ländern dieser Art vergleichen wollen.

Selbst zu den USA gibt es Unterschiede, dort herrscht das Prinzip der free speech. Da können wir uns noch eine Scheibe von abschneiden, wir müssen in Deutschland jeden Tag damit rechnen, Abmahnungen, auf den Tisch zu bekommen. Wie gesagt, ich würde uns da nicht mit anderen Ländern vergleichen wollen, weil die Gesetze unterschiedlich sind.

Was unterscheidet die deutsche Blogosphäre von den Blogosphären anderer Staaten?

Die deutsche Blogosphäre wird von den etablierten Medien nicht ernst genommen. Ganz klare Sache. Unter etabliert zähle ich die altbekannten wie den Spiegel, die FAZ oder den Axel-Springer-Konzern. Die wollen zwar manchmal gerne mitspielen und starten dann auch eigene Blogs, aber letzten Endes fristen deutsche Blogs ein Nischen-Dasein. Und man muss es so direkt sage: Wenn man sich die deutschen Top-Blogs anschaut, zu Recht.

Zählen Sie unter die Top-Blogs eher Expertenblogs oder auch private Blogs, die alles an Themen behandeln?

Es sind in der Regel Wald– und Wiesenblogs. Wenn man sich die deutsche Blogosphäre anschaut, Spreeblick, die sich mit Pop und Spaß beschäftigen, Nerdcore, der nur Spaß macht. Das erste Fachblog haben wir mit dem law blog, das grandiose Blog von Udo Vetter. Fefe macht viel mit Datenschutz, Privacy und Verschwörungstheorien, dann kommt Basic Thinking. Kann man auch vergessen, seit Robert Basic es abgegeben hat. Es folgen zwei Journalisten, Stefan Niggemeier und Thomas Knüwer. Wenn man sich die Top 10 der deutschen Blogcharts anschaut, steht es 50:50. Auf der einen Seite fachspezifisch, wie der Medienjournalismus Niggemeiers und Knüwers oder das Strafrecht Vetters, der Rest ist purer Fun. Manche haben das Glück, dass sie in den letzten Jahren Leser binden konnten und davon leben können.

Welchem Trend wird die deutsche Blogosphäre, Ihrer Ansicht nach, folgen und wie wird sie sich in der Zukunft entwickeln?

Sie wird sich immer weiter zurückentwickeln. Das so genannte Social Web umfasst nicht mehr nur die Blogs, es gibt mittlerweile Facebook, Twitter und unzählige andere Dienste. Gerade die Blogger, die davon leben, müssen mit diesem Trend gehen und dort ihre Leser abholen. Wir haben das Phänomen, dass seit 2006 die Verlinkungen innerhalb der deutschen Blogs zurückgehen, einfache Link– und Lesetipps werden über Twitter oder Facebook und nicht mehr über Blogs verbreitet. Dieser Trend wird weiter zunehmen.

Die deutsche Blogosphäre hat ihren Zenit schon lange überschritten. Der Trend wird dahin gehen, dass die, die Spaß daran haben, weiter machen und dass natürlich Fachblogs weiter bestehen und hoffentlich weiter in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Wenn ich beispielsweise an Jens Weinreich denke, der über Sportpolitik bloggt oder an das Blog gesundheit.blogger.de, das der Gesundheitsindustrie auf die Finger schauen, dann hoffe ich, dass diese Publikationen weiter bestehen. Ansonsten, ganz im Ernst: Wenn morgen 98% der Blogs aus den deutschen Blogcharts dicht machen, inklusive F!XMBR, dann interessiert das keinen Menschen.

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28 Antworten zu “Interview: Thematische Präferenzen der deutschen Blogosphäre”

  1. Robert sagt:

    zu vielen Punkte viel Diskussionsbedarf. Greife mir einen raus jetzt: In den Blogcharts habe sich seit 2006 nicht viel getan. Geschaut, gezählt: Von den Top 20 vom 04.01.2006 sind 11 Blogs gar nicht mehr in den Charts, weitere 5 sind nicht mehr unter den Top 20. Das Spiele ließe sich beliebig forsetzen über die Top 100. Krasse Quote. Aussage: Change war sehr groß.

  2. Robert sagt:

    nächster Punkt: «Die deutsche Blogosphäre wird von den etablierten Medien nicht ernst genommen. Ganz klare Sache. Unter etabliert zähle ich die altbekannten wie den Spiegel, die FAZ oder den Axel-Springer-Konzern»… jüngste, umfangreiche Umfrage deckt auf, dass rund 1/4 aller begfragten, deutschen Journalisten ihre Inhalte auch aus Blogs beziehen. Mit Sicherheit nicht nur aus US Blogs. Zudem existieren immer engere Bande zwischen Journalisten, Bloggern, Twitterern und Facebookianer in Personalunion. Die Zeiten der «nicht ernst» sind im Grunde genommen ad acta. Voller Widerspruch.

  3. Chris sagt:

    Robert, es sind immer und überall die gleichen Nasen, auch in den Blogcharts. Dass es ein paar Verschiebungen gegeben hat, ist klar. Und bitte dann einmal bei den etablierten Medien Deiner Wahl den Suchbegriff «Blogger» eingeben.

    Die lachen die deutsche Blogosphäre aus und machen sie lächerlich. Letztes Beispiel: Das Dossier Deutsche Blogger der FAZ.

    Realitätscheck? 😉

  4. Robert sagt:

    nächster Widerspruch, dass Blogs keine markanten Trafficzahlen ausweisen dürfen. Dazu bediene man sich Blogosccop.

    Gegenüber 2005, 2006, 2007 und 2008 hat sich der Traffic bei zahlreichen Blogs von Summenspielchen um die 100.000 PIs im Monat in Teilen verzehnfacht, bei einigen verfünffacht etc… wo gut besuchte Blogs damals im Schnitt auf eine 250.000er Marke kamen, bewegen sich diese Niveaus auf einem Vielfachen. Im Vergleich zu einem Spon mit einer halben Milliarde PIs noch ein schöner Abstand, aber ziemlich stolze Summen für immer noch so junge Anlaufstellen. Zeit spielt eine große Rolle.

  5. Christian S. sagt:

    «Wenn morgen 98% der Blogs aus den deutschen Blogcharts dicht machen, inklusive F!XMBR, dann interessiert das keinen Menschen.»

    Also mich würde das interessieren. Bin ich also kein Mensch?

  6. Robert sagt:

    @Chris, Thema «ernst».. die Zahl der Pressemenschen, die negativ über Blogs als Pyjama-Menschen schreiben, hat für mein Dafürhalten gegenüber 2005 extrem abgenommen. Ich sehe hier andere Verhaltensweisen seitens der Journalisten. Selbstverständlich kann sich mein Umfeld auf meine Wahrnehmung auswirken, wie ich Journalisten und deren Umgang mit mir und Dritten warhnehme.

  7. Chris sagt:

    Selbst die etablierten Medien verstehen so langsam, dass Visits nicht wirklich etwas aussagen, Stichwort IVW. Und wenn ich mir da die Top 10 anschaue, sehe ich kaum ein Blog. Sorry, aber Du willst mir doch nicht wirklich erzählen, dass Chilloutzone, myDealz.de, irgendwelche VIP-News oder was sonst noch etwas mit Bloggen zutun haben?

    Die Liste ist genauso Blödsinn, zu dem sich Technorati entwickelt hat. Wenn ich da suche, finde ich unendlich viel Spam und auch die etablierten Medien, die es auch verstanden haben, Pings rauszuschicken.

    Ich scrolle gerade weiter runter bei Blogscoop: Was für ein Spam. Gut, dass wir da nicht mitmachen. Schlimm, ganz schlimm.

  8. Robert sagt:

    tja, Chris, was ist ein Blog und was ein Blogger? Ich gehe nach der Devise «wer sich so bezeichnet» oder eben «als Blog einträgt». Was für uns Spam sein mag ist für andere Lesefutter. Thats life :))

  9. Chris sagt:

    @Christian S. Du weißt genau, dass es zugespitzt formuliert wurde und Du selbst in einm Elfenbeiturm sitzt. Frag mal die Menschen draußen, ob sie überhaupt Blogs kennen. Und nein, auf weitere rhetorische Spiele mit Dir lasse ich mich nicht ein.

  10. Chris sagt:

    @Robert: Ich habe vorhin Deine letzten beiden Blogartikel gelesen. Du lebst mittlerweile, was Blogs angeht, auch in Deinem eigenen Elfenbeiturm. Du hast Dein Netzwerk aufgebaut — und nicht falsch verstehen, das ist auch gut so.

    Doch Du kannst Dein Netzwerk nicht auf andere übertragen.

    Du machst das, was der Politik immer vorgeworfen wird: Von oben herab, Mensch, das läuft doch alles ganz einfach, so und so und schon hat man Trilliarden von Besuchern und Reaktionen.

    Das ist natürlich Quatsch. Du kannst Dein Netzwerk und Deine Erfahrungen nicht auf andere Blogs übertragen. Das ist schon ein stückweit die Arroganz des Erfolges.

  11. Robert sagt:

    ne, ich weiß, was geht, wenn man sich auf den Hosenboden setzt und schafft, ganz schwäbisch. Wenn mir schon «gelingt», dann anderen, die weitaus mehr Talent haben, noch viel einfacher als mir.

  12. Christian S. sagt:

    «Frag mal die Menschen draußen, ob sie überhaupt Blogs kennen.»

    Kann ich gerne machen, nur mit welchem Ziel? Natürlich lesen nicht alle Menschen in Deutschland Blogs. Ist doch klar. Aber es lesen auch nicht alle Zeitung. Und es schauen auch nicht alle die Tagesschau. Und es lesen auch nicht alle die «Titanic». Etc.

    Für einige Leute sind bestimmte Blogs relevant. Politikblogs, Musikblogs, Modeblogs — einerlei. Warum willst Du das diesen Menschen absprechen?

  13. Chris sagt:

    Ergänze einfach das von Dir anfangs erwähnte Zitat mit dem Satz, weil es genügend Alternativen gibt.

  14. Oliver sagt:

    Simple Antwort: versuchs mal mit Politik oder überhaupt mit Thematiken die tatsächlich polarisieren und schau dabei zu wie dein Stern sinkt. Keine Politik, «Meinungen» die irgendwie jedem schmecken und schon hat man ein Teil des Erfolgs gepachtet, dazu natürlich noch flockig, lockere Inhalt die ein breites Spektrum abdecken, immer diesen «Leitmedien» folgend, ein paar «Ausreißer» inkl., um eine «persönliche Note» vorzugeben.

  15. @Robert: Dieses, mit Verlaub, Potenzgehabe mit „Blogchartsplatzierungen“ und „wer hat den größten Traffic“ und Vergleichen mit SPON ist leider total daneben. Die eigentlichen Konkurrenten der Blogs ist nicht die kommerzielle Journaille, sondern sind die sozialen Netzwerke, über die ja gerade deshalb auch viele Blogger ihre RSS-Feeds laufen lassen, um weiterhin wahrgenommen zu werden. Etwas mehr Bescheidenheit wäre angenehmer zu lesen. Chris hat wohl die richtigen Punkte getroffen, Deiner Reaktion zufolge. :-)

  16. Robert sagt:

    @schneeschmelze

    Arg 1: Blogs haben keinen nennenswerten Traffic, im Vgl. zu etablierten Medien

    Gegenargument 1: Trafficzahlen sind erstaunlich hoch, haben sich gut entwickelt über die letzten Jahre, im Vgl. zu etablierten Medien immer noch weit entfernt (damit sind die Großen gemeint, die kleineren sind auf ähnlichen-bis kleineren Niveaus)

    Nun Dein Gegen-Gegenargument 1: Vergleich zu etablierten Medien sei unsinnig, Traffic sei Potenzgehabe, man müsse sich mit SNs vergleichen.

    Wir reden nun einmal im argumentativen Sinne über Traffic, da postuliert würde, dass Blogs Nischendasein fristen würden, was mit geringen Trafficzahlen unterlegt wurde. Ich weiß ja nicht, wie Du auf Argumente eingehst, ich versuchs zumindest nachvollziehbar zu gestalten.

  17. Manuel sagt:

    Meine persönliche Erfahrung ist die, dass ich immer weniger Blogs lese, dass ich seit Monaten nicht mehr auf Twitter bin und inzwischen eine Wochenzeitung abonniere. Der Hauptgrund: mir ist das alles zu viel Blabla geworden. Das kann man als horizontverengend bezeichnen, als Rückschritt meinetwegen, doch insgesamt fühl ich mich befreiter. Übrig geblieben im Feedreader sind eine Handvoll Blogs, bei denen ich mich auf jeden neuen Eintrag freue und dann trotzdem keine schlechte Laune bekomme wenn ich mal anderer Meinung bin. Solang es mich zum Nachdenken, Abwägen, Diskutieren bringt… aber dieser Hickhack zwischen Blogs die sich viel zu ernst nehmen, die beleidigten Leberwürste… die Aussagen des Interviews decken sich stark mit meinem Eindruck von der Blogspäre.

  18. spltny sagt:

    @Robert Basic: «ne, ich weiß, was geht, wenn man sich auf den Hosenboden setzt und schafft, ganz schwäbisch. Wenn mir schon «gelingt», dann anderen, die weitaus mehr Talent haben, noch viel einfacher als mir.»

    Nee Robert, so einfach ist das nicht. Du warst zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Natürlich hast du auch eine gewisse Nische besetzt — das ging aber nur, weil du zu einem optimalen Zeitpunkt dabei warst.

    Den Arsch aufreißen tun sich einige, das ist nicht wirklich der Punkt. Blogger, die jetzt anfangen, haben es angesichts der Konkurrenzsituation extem schwer — und seien sie noch so qualifiziert.

    Guck dir doch dein Buzzriders-Projekt an, das ist doch das beste Beispiel. Ohne das jetzt verreißen zu wollen, aber du weißt, was ich meine: keine Chance.

    Qualität gibt gar nicht in erster Linie den Ausschlag, nur ein Mindestmaß ist Grundvoraussetzung (siehe Blogcharts). Du musst genau den richtigen Zeitpunkt für ein Projekt erwischen. Marktbedingungen? Marktchancen? Sind die Leute bereit dafür? Man muss sein Möglichstes tun, aber solche Dinge lassen sich nur sehr bedingt steuern. Von daher ist Glück ein entscheidender Faktor.

    Sich rühmen, wenn man was geschafft hat, gerne. Aber bitte auch immer die Umstände betrachten, unter denen ein Erfolg zustande gekommen ist.

  19. passsy sagt:

    Mich hat das lesen dieses Interviews wirklich traurig gemacht. Nicht weil anscheinend die deutschen Blogs demnächst untergehen werden, sondern was mit dem Potential dieses Blogs passiert ist.

    fix your master boot record…

    wenn ihr inzwischen ein Politikblog seid der alle durch die Bank ansprechen will dann hättet ihr einfach einen neuen Blog starten können. Der 0−8−15 Politiker sowohl wie der Politikinteressierte der Breiten Masse kann mit MBR nichts anfangen.

    Ich kann nur von mir sprechen:
    Früher war F!xmbr meine absolute Nummer 1 bei den Technikblogs. Viele Anleitungen, News und tolle Tipps, die mir und sicher vielen anderen geholfen haben. Und heute? Ich könnte wetten, dass die hälfte der Abonnement euch wegen der Vergangenheit abonniert haben und die Artikel, die jetzt geschrieben werden höchstens kurz überfliegen.

    Ich glaube, dass Ihr anstatt mit einem schleichenden Themenwechsel mit einem zweiten Blog mehr Leser und gleichzeitig auch mehr Aussagekraft besitzen würdet.

    Ich bin enttäuscht von eurer Entwicklung unabhängig wie gut die Artikel sind.

  20. Herm sagt:

    Dem muss ich einfach mal widersprechen. Ich bin erst vor Kurzem auf Fixmbr aufmerksam geworden, und verbringe seit ein paar Wochen recht viel Zeit auf der Seite, aus dem einzigen Grund, dass ich (wahrscheinlich zufällig) in die thematische Zielgruppe der technisch begabten Politikinteressierten (bzw der politisch interessierten Techniker) passe und sich mMn dadurch Fixmbr eben von anderen Blogs positiv abhebt. Natürlich dürfte die oben genannte Mischung eine Minderheit sein, aber ich denke dass die ausschließlich technische Seite hier nicht zu kurz kommt.

    Vielleicht sollte man über eine Kathegorisierung über Stichwort-Tags hinaus nachdenken, um ausschließlich Politikblog-/Technikblog-Einträge anzeigen lassen zu können. Wobei beim Thema Datenschutz die Grenzen dann schon wieder nicht mehr so klar gezeichnet sein dürften.

  21. […] Interview: Thematische Präferenzen der deutschen Blogosphäre » F!XMBR «In Deutschland gibt es leider keine politische Blogosphäre. Wir haben zwar mit netzpolitik.org eine wunderbare und erfolgreiche Publikation, aber ich bezeichne sie oftmals als Lobbyisten in eigener Sache. Die lästige Parteiarbeit oder gesellschaftspolitische Themen finden dort nicht statt, sie finden eigentlich auf kaum einem großen Blog statt. Da versuchen wir mit ein paar anderen Blogs etwas zu tun.» (tags: Politik, Blogger) […]

  22. RBT sagt:

    @ passsy
    well, dass hier der nerdkram zugunsten der politischen Meinungsäußerung langsam an Gewicht verloren hat, dürfte niemanden Überraschen. Da die beiden den Laden hier aus als «Wohnzimmer» betrachten, kann man ihnen den schleichenden Themenwechsel auch nur schwer zum Vorwurf machen. Ein Blog ist eben nicht die CT oder sonst ein themengebundenes Magazin.

    an die Hausherren,

    eigentlich wollte ich der These, dass Blogs nicht gebraucht werden mit viel Anlauf widersprechen, aber nach etwas Bedenkzeit muss ich euch Recht geben. Ich hatte bei meinem Konter die ganzen kleinen und großen Technikblogs im Hinterkopf, für die es anders als im Bereich der Politblogger keinen adäquaten Ersatz im Print gibt (oder deren Onlienablegern). Oder die Handarbeitsblogs oder oder oder .

    Würden Blogs über Nacht verboten, würden man einfach nur auf eine andere Kommunikationsplattform migrieren. Z.B. zurück zur Forenkultur, die in Deutschland sehr gut entwickelt ist und durch Blogs höchstens ergänzt wird. Viel wichtiger als das Medium sind Inhalt und «Inhalteerzeuger» und die finden immer einen Weg sich zu vernetzen. Es soll sogar mal «eingetragene Vereine» gegeben haben, vor dem Siegeszug der Newsgroups, Mailinglisten, Foren und Blogs.

  23. Solarix sagt:

    Ehrlich gesagt, erschliesst sich mir die ganze Diskussion nicht.
    Elfenbeinturm hin, Elfenbeinturm her.

    Vielleicht bin ich ja zu doof, aber ob es jetzt Blogs gibt, oder nicht ist dem Enduser des Netztes meiner Meinung sowas von egal, egaler geht gar nicht mehr.

    Der Enduser will sein Google/Bing/Yahoo er will Content, woher der Content kommt ist dem Enduser meistens wurscht. Vielleicht gibt es noch Wikipedia.

    Das ist die Mehrheit im Netz, ich muss mich nur in meinem näheren Umfeld umsehen, dann kommt es zu der Schlussfolgerung.

    Mitmenschen anzuregen, sich Blogs anzusehen, habe ich seit einiger Zeit bleiben lassen. Die Menschen sollen sich ihr eigenes Bild machen. Wenn ich gefragt werde zu Netzthemen gebe ich eine Antwort und wenn gewünscht auch eine Meinung wider, aber die Mitmenschen zu evangelisieren, wie es neudeutsch so schön heisst unterlasse ich.

    Jeder soll sich sein eigenes Bild aufgrund eigener Erfahrungen machen.

    Interessanter als diese Diskussion wäre einfach mal der Frage nach zu gehen, wie ist das Surfverhalten von Joe Normalo.
    Denn nur Joe Normalo, wird Bewegungen oder Angebote populär machen.

    Kommen Blogs als Plattform beim durchschnittlichen Benutzer nicht an. Wird auch die Plattform nicht bekannt.

    Das mag teilweise OFF Topic sein, aber so sehe ich das. Blogs werden ein Nischenmedium bleiben, solange sich Blogger für etwas besseres halten und den Nerd raushängen lassen.

    Gemeinhin sollte man sich vor Augen halten das «Enduser» gar nicht so dumm sind, wie «Spezialisten» das gerne glauben.

  24. Oliver sagt:

    Offtopic ist dies ganz und gar nicht. Ganz im Gegenteil, es trifft den Nagel auf den Kopf.

  25. Oliver sagt:

    Keine Angst, Leser haben wir zu genüge, wie man auch an den mehr als reichlichen Kommentaren erkennen kann. Der Schwerpunkt hier, richtet sich ganz nach unserem Gusto. Ich beispielsweise bin seit Jahren in der Politik aktiv und früher auch mal in der Gewerkschaft. Was du hier schaust ist u.a. eine der vielen Facetten unseres Lebens und wen wir damit erreichen, dies wissen wir noch am besten.

    Chris und meinereiner kennen uns nun seit über einem Jahrzehnt, die Mischung war immer die gleiche, nur eben verschiedentlich akzentuiert.

    Die Rampensau werden wir nie spielen, uns muß es gefallen, dann und nur dann ist es echt. Alle anderen hingegen haben «Erfolg» und können die Erbsen zählen :-)

  26. Chris sagt:

    Chris und meinereiner kennen uns nun seit über einem Jahrzehnt, die Mischung war immer die gleiche, nur eben verschiedentlich akzentuiert.

    Shit, sind wir alt geworden… 😀

  27. theo sagt:

    Die Formulierung mit dem «unvermeintlichen Stefan Niggemeier» ist nett.

    😉

  28. […] an ein Kabel angeschlossen zu sein, sondern stattdessen echte Steaks zu essen. Nur mal ein Realitätsabgleich für die „Digital Naives“: Wenn morgen 98% der Blogs aus den deutschen Blogcharts dicht machen, […]

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